Philisterkritik und romantische Selbstkritik in Eichendorffs "Taugenichts"


Studienarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,25


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philisterkritik
2.1 Begriffsklärung
2.2 Formen der Kritikäußerung
2.2.1 Das Lied
2.2.2 Die Beschreibung
2.2.3 Ironisierung der Lebensweise
2.3 Gegenkritik
2.3.1 Der Vater
2.3.2 Der Portier

3. Romantische Selbstkritik
3.1 Begriffsklärung
3.2 Die Kritik

4. Abschließende Bemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

An der wohl bekanntesten Erzählung Eichendorffs, Aus dem Leben eines Taugenichts, soll das Thema der Philisterkritik und romantischen Selbstkritik erarbeitet werden, da hier der Gegensatz zwischen den Philistern, die „wie gestern und vorgestern und immerdar zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen“ (S. 747)1 und dem Naturkind, dem Taugenichts, der nur „den lieben Gott“ (S. 748) walten lässt, wie in keinem anderen Werk zur Geltung kommt. Die beiden Merkmale der Philisterkritik und romantischen Selbstkritik werden in dieser Ar- beit getrennt betrachtet, um sich gezielt dem Einzelnen widmen zu können. So bildet der erste Teil der Arbeit eine genaue Untersuchung der Philisterkritik. In dieser soll zuerst der Begriff des Philisters geklärt werden, bevor die einzelnen Formen der Kritikäuße- rung, denen sich der Taugenichts im Laufe der Erzählung bedient, erörtert werden. Auch wird, um die Philisterkritik in ihrem vollen Ausmaß zu ergründen, ein Blick auf die Gegenkri- tik, die der Taugenichts erfährt, geworfen.

Der zweite Teil der Arbeit widmet sich daraufhin der romantischen Selbstkritik. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Herausarbeitung dessen, was der Zusatz des „romantischen“ in diesem Zusammenhang bedeutet.

Eine abschließende Bemerkung, welche nochmals explizit die zentrale Bedeutung dieses Themas hervorhebt, rundet die Arbeit ab.

2. Philisterkritik

Es soll nun der Begriff des Philisters erläutert werden, um im weiteren Verlauf der Arbeit näher auf die Philisterkritik eingehen zu können und eine Untersuchung anhand des Textes erfolgen zu lassen.

2.1 Begriffsklärung

Die Philister sind „in der Bibel die Feinde des Volkes Israel. Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann der Begriff des Philisters wohl zuerst von den Jenaer Studenten als Schimpfwort auf die Stadtsoldaten als ihre schon traditionellen Widersacher und bald auch auf missliebige Stadtbürger übertragen. Somit sind `Stadtsoldat´ und `Bürger´ die studentensprachlichen Ausgangsbedeutungen des Wortes. Im Allgemeinen bedeutet `Philister´ aber auch `kleinbürgerlicher, engstirniger Mensch´.“2 Und genau diese Engstirnigkeit, als auch die damit verbundene Lebensweise der so genannten Philister wurden später von den Romantikern kritisiert. Dies kommt auch im Taugenichts zum Ausdruck.

So werden schon zu Anfang der Erzählung die „alten Bekannten und Kameraden“ (S. 747) des Taugenichts, welche auch zu den Philistern gezählt werden müssen, vom Taugenichts selbst in ihrem engstirnigen Verhalten geschildert.

Es heißt:

Ich hatte recht meine heimliche Freude, als ich da alle meine Bekannten und Kameraden rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich (S. 747).

Der Taugenichts ist der einzige, der sich von dieser Monotonie zu lösen weiß. Er grenzt sich bewusst von den Philistern ab, indem er von der Mühle seines Vaters fortzieht. Ein Ort, der seine Bedeutung hat. Denn auch das Mühlrad spiegelt die Eintönigkeit, die immer fortwäh- rende Arbeit der „Bekannten und Kameraden“, wider. Und genau hier nimmt die Kritik, die im Laufe der Erzählung in verschiedenen Formen Ausdruck findet, ihren Anfang.

2.2 Formen der Kritikäußerung

Einige Formen der Kritikäußerung, denen sich der Taugenichts bedient, sollen an dieser Stelle genannt und an ausgewählten Beispielen der Erzählung genauer betrachtet werden.

2.2.1 Das Lied

Das Lied, welches in der Romantik auch in Erzählungen, Romane und andere Textarten Eingang gefunden hat, stellt eine der Formen der Kritikäußerung dar.

Und schon das erste Lied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ (S. 748), das gleich zu Anfang der Erzählung erscheint, als der Taugenichts sein Elternhaus verlässt und auf das freie Feld hinaustritt, trägt zentrale Bedeutung. Hier nämlich wird die Welt der Philister mit der des Taugenichts, des Naturkindes, konfrontiert, indem zentrale Eigenschaften der beiden Charaktere einander gegenüber gestellt werden.3

Die erste Strophe berichtet vom Unternehmen, dem Fortwandern des Taugenichts, worin eine seiner Eigenschaften, nämlich die des Gottvertrauens, zum Ausdruck kommt. Es heißt: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen,/Den schickt er in die weite Welt“ (S. 748, Z. 1-2). Es ist also nicht allein sein Vater, sondern es ist vor allem Gottes „rechte Gunst“ (Z. 1), die ihn in die weite Welt schickt, um die Wunder „in Berg und Wald und Strom und Feld“ (Z. 4) zu sehen. Dass dieser Charakterzug des Gottvertrauens, welches sich im Laufe der Erzählung auch als berechtigt herausstellt, dem des Philisters völlig entgegengesetzt ist, erfährt man in der nächs- ten Strophe.

Hier nämlich werden die Philister charakterisiert, wobei auch ein Moment der Kritik mit- schwingt. Schließlich werden sie als „die Trägen, die zu Hause liegen“ (Z. 5) bezeichnet, da sie sich im Gegensatz zum Taugenichts nicht aus der Monotonie der Arbeit zu verhelfen wis- sen und „nur vom Kinderkriegen,/Von Sorgen, Last und Not um Brot“ (Z. 7-8) zu wissen scheinen. Vertrauen in Gott dagegen, der schon für sie gesorgt haben wird, ist aus diesen Worten nicht zu entnehmen. Und auch die Natur, das „Morgenrot“ (Z. 6), kann die Philister nicht „erquicken“ (Z. 6), da dieses nur einen neuen Tag voll Sorgen und Arbeit mit sich bringt. Wiederum eine Eigenschaft, die der des Taugenichts entgegensteht.

So kann die dritte Strophe mit ihrer Naturbeschreibung in stimmungsvollen Bildern nur vom Taugenichts selbst gesungen sein. Man erfährt von „Bächlein, die von Bergen springen“ (Z. 9) und von „Lerchen, die vor Lust hoch schwirren“ (Z. 10). Auch begründet die rhetorische Frage: „Was sollt ich nicht mit ihnen singen/Aus voller Kehl und frischer Brust?“ (Z. 11-12) den Gesang des Taugenichts. Es ist das fröhliche Treiben der Natur, das ihn zum Einstimmen in den Gesang der Lerchen anregt.

[...]


1 Die Seitenangaben richten sich nach: Rasch, Wolfdietrich (Hrsg.): Joseph von Eichendorff. Werke in einem Band. 6. Auflage. München: 2007, S. 747-832.

2 Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch: Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: 2002, S. 747-748.

3 Vgl.: Killy, Walther (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 3. Gütersloh, München: 1989, S. 202.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Philisterkritik und romantische Selbstkritik in Eichendorffs "Taugenichts"
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,25
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V162964
ISBN (eBook)
9783640771462
ISBN (Buch)
9783640771417
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romantik, Eichendorff, Philisterkritik, romantische Selbstkritik, Aus dem Leben eines Taugenichts
Arbeit zitieren
Jasmin Schlotterbeck (Autor), 2007, Philisterkritik und romantische Selbstkritik in Eichendorffs "Taugenichts", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162964

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