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Hartmann von Aue "Der arme Heinrich" - Krankheit und Heilung

Titel: Hartmann von Aue "Der arme Heinrich" - Krankheit und Heilung

Seminararbeit , 2004 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Markus Wagner (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Arme Heinrich ist eines der letzten Werke Hartmanns von Aue und ist von seinem Inhalt her in die Reihe der Aussatzgeschichten des Mittelalters – wie etwa die Sylvesterlegende und die Freundschaftssage – einzuordnen. Ein Kranker oder Aussätziger kann nur durch das Blut eines Kindes gerettet und rein gewaschen werden. Dieses magische Rezept, der Aussatz und die Heilung Heinrichs, sind die Basis für Hartmanns Erzählung. Die Handlung beschränkt sich dabei auf den Werdegang Heinrichs, seinem Umgang mit dem von Gott gegebenen Schicksal und der Opferbereitschaft des Mädchens, die durch seine Rettung selbst profitieren möchte. Am Anfang des Werkes spricht Hartmann von sich selbst, seiner sozialen Stellung und seinen Beweggründen Werke zu schreiben. Er spricht dabei von sich in der 3. Person. Seiner Selbstdarstellung folgt die Beschreibung Heinrichs und seines Falles vom edlen, tugendhaften Ritter zum Ausgestoßenen.
Im Mittelteil bestimmt hauptsächlich das Mädchen die Handlung, indem sie sich zum Opfer für Heinrichs Errettung bereit erklärt. Nachdem beide bei dem Besuch des Arztes in Salerno als Einheit erscheinen, tritt am Ende der Geschichte die Handlung des Mädchens in den Hintergrund und Heinrich wird wieder in die Gesellschaft integriert.
In meiner Arbeit möchte ich verschiedene Aspekte der Krankheit und der Heilung des Armen Heinrich beleuchten. Des weiteren werde ich Grund seines Leids, seine Suche nach Heilung und die Rolle, die das Mädchen dabei spielt betrachten. Besonders die Beweggründe der Hauptpersonen und ihre Folgen stehen im Vordergrund, aber auch das Verhalten des Heinrich und dessen Umgang mit seinem Schicksaal. An Hand der Schlüsselszene von Hartmanns Armen Heinrich, ..

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Bedeutung des Begriffs Krankheit

2. Die Erkrankung Heinrichs

2.1 Verlust der „ere“

2.2 Die Krankheit als Strafe Gottes

3. Heinrichs Umgang mit seinem Schicksal

3.1 Suche nach Heilung

3.1.1 Besuch der Ärzte

3.2 Hoffnung auf Gott

3.3 Das Mädchen als Mittel zum Zweck

4. Die Heilung

4.1 Heinrich rettet das Mädchen

4.2 Heilung durch Gottes Gnade

5. Materielle und metaphorische Aspekte von Krankheit und Heilung im Armen Heinrich

5.1 Materielle Aspekte

5.2 Metaphorische Aspekte

5.3 Gegenüberstellung materieller und metaphorischer Aspekte in der Opferungsszene

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Konzepte von Krankheit und Heilung in Hartmanns von Aue Werk "Der Arme Heinrich" und analysiert, wie diese durch materielle und metaphorische Ebenen konstruiert werden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die moralische Entwicklung des Protagonisten Heinrich sowie die Rolle des Mädchens vor dem Hintergrund theologischer Prüfung und göttlicher Gnade zu bewerten sind.

  • Bedeutungswandel des Krankheitsbegriffs vom Mittelalter bis heute.
  • Die Theodizeefrage und Krankheit als göttliche Strafe versus Prüfung.
  • Die ethische Dimension der Opferbereitschaft des Mädchens.
  • Das Spannungsfeld zwischen materieller Heilkunst und spirituellem Heilungsprozess.

Auszug aus dem Buch

5.3 Gegenüberstellung materieller und metaphorischer Aspekte in der Opferungsszene

Die Szene der geplanten Opferung des Mädchens in Salerno, markiert den Höhepunkt der Erzählung vom Armen Heinrich. Alle drei Hauptpersonen sind hier in die Handlung mit eingebunden und bestimmen, durch das was sie in dieser Szene tun oder gerade eben nicht tun, den weiteren Verlauf der Erzählung.

Dabei ist es Hartmann von Aue gelungen, den Zuhörer durch die Handlung und die Reaktionen der Personen zu überraschen. Jede Person handelt und reagiert jetzt in Salerno so, wie man es von ihr gerade nicht erwartet hätte. Diese Wirkung erzielt Hartmann dadurch, dass er für jede Person individuell, eine Art verdrehte Metaphorik im bisherigen Verlauf des Textes aufgebaut hat, die er nun in der Opferungsszene, mit Hilfe entgegen gestellter, materieller Aspekte, zerstört.

Ein Beispiel dafür ist die unerwartet eintretende Angst des Arztes davor das Mädchen zu töten (V. 1096-1099). Zu Beginn der Erzählung beschreibt Hartmann den Arzt als weise und bezeichnet ihn als den besten Meister der Heilkunst, der zu finden ist (V. 182). Der Arzt zeigt Heinrich den Weg zu seiner Errettung. Er schlägt das Ritual der Opferung vor. Dadurch erweckt Hartmann beim Zuhörer ein ganz bestimmtes Bild des Arztes. Jeder würde ihn als erfahrenen, gebildeten, vielleicht sogar skrupellosen Meister der Medizin beschreiben. Genau diese metaphorische Vorstellung, die der Zuhörer vom Wesen des Arztes hat, zerstört Hartmann mit einem Schlag, indem er nun, da es soweit ist das Mädchen zu opfern, ein völlig neues Bild des Arztes zeichnet. Es scheint als wolle der Arzt in seiner Angst das Mädchen überreden, das Ritual nicht zu vollziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Bedeutung des Begriffs Krankheit: Der Text erläutert den etymologischen Wandel des Krankheitsbegriffs im Mittelhochdeutschen und dessen enge religiöse Verknüpfung mit dem göttlichen Willen.

2. Die Erkrankung Heinrichs: Es wird dargestellt, wie Heinrichs Aussatz zum Verlust seines gesellschaftlichen Ansehens führt und wie dies als göttliche Strafe für sein früheres Leben interpretiert wird.

3. Heinrichs Umgang mit seinem Schicksal: Dieser Abschnitt beschreibt die Suche des Ritters nach Heilung bei menschlichen Ärzten, was seine spirituelle Blindheit und die Verzweiflung über die Unheilbarkeit seiner Krankheit offenbart.

4. Die Heilung: Das Kapitel analysiert den Höhepunkt der Erzählung, in dem Heinrich das geplante Opfer des Mädchens verhindert und dadurch die göttliche Gnade erlangt.

5. Materielle und metaphorische Aspekte von Krankheit und Heilung im Armen Heinrich: Hier erfolgt eine tiefgreifende Untersuchung der realhistorischen Heilkunst gegenüber symbolischen und metaphysischen Deutungsebenen der Erzählung.

Schlüsselwörter

Der Arme Heinrich, Hartmann von Aue, Mittelalter, Krankheit, Heilung, Aussatz, Theodizee, Gottes Gnade, Metaphorik, Opferungsszene, Literaturwissenschaft, Tugend, Glaube, Erlösung, Mittelalterliche Dichtung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Konzepte von Krankheit und Heilung in Hartmanns von Aue Werk "Der Arme Heinrich" und beleuchtet dabei die moralischen Wandlungsprozesse der Hauptfiguren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Theodizeefrage, die Bedeutung von gesellschaftlichem Status im Mittelalter, die Spannung zwischen blindem Glauben und fehlender Moral sowie die symbolische Bedeutung von Heilung.

Was ist die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie das Werk durch die Gegenüberstellung von materiellen und metaphorischen Aspekten eine Aussage über das rechte Verhältnis zum Glauben und die ethischen Werte trifft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext (Wortbedeutungen, mittelalterliches Medizinkonzept) als auch die strukturelle Analyse der Erzählung (Symbolik, Personenkonstellation) beinhaltet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Erkrankung Heinrichs, seinen Umgang mit dem Schicksal, die Rolle des Mädchens und die zentrale Opferungsszene in Salerno.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Der Arme Heinrich, Hartmann von Aue, Theodizee, Erlösung, Metaphorik und Gottes Gnade.

Warum wird Heinrichs Krankheit als Strafe Gottes interpretiert?

Im mittelalterlichen Kontext wurde der Aussatz häufig als direkte Folge moralischen Fehlverhaltens gesehen, womit Gott die Abkehr des Menschen von spirituellen Werten sanktionierte.

Welche Rolle spielt die "ere" (Ehre) für Heinrich?

Der Verlust der "ere" ist für den Ritter existentiell, da sie sein gesamtes gesellschaftliches Selbstverständnis und seinen Status als tugendhafter Adliger begründete.

Warum zerstört Hartmann das Bild des Arztes in der Opferungsszene?

Durch die Darstellung der plötzlichen Angst des Arztes demontiert Hartmann die rein materialistische Sichtweise auf Heilung und weist auf die moralische Unhaltbarkeit des heidnischen Rituals hin.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Hartmann von Aue "Der arme Heinrich" - Krankheit und Heilung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Markus Wagner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V162979
ISBN (eBook)
9783640771486
ISBN (Buch)
9783640771677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armer Heinrich Krankheit Mediävistik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Wagner (Autor:in), 2004, Hartmann von Aue "Der arme Heinrich" - Krankheit und Heilung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162979
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Leseprobe aus  18  Seiten
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