Nord-Süd-Beziehungen

Entwicklungstheorien und Entwicklungshilfe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

23 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Ziele der Arbeit

2. Entstehung des Nord - Süd- Konflikt -Zentrale Begriffe
2.1. Kolonialismus
2.2. Der Nord-Süd-Konflikt
2.3. Der Begriff Entwicklung
2.4. Entwicklungsländer - Unterentwicklung
2.5. Der Begriff „Dritte Welt“

3. Entwicklungstheorien
3.1. Dependenztheorie
3.2. Modernisierungstheorien

4. Die politische und wirtschaftliche Differenzierung der Dritten Welt

5. Entwicklungshilfe
5.1. Erste Entwicklungspha- 1970
5.2. Zweite Entwicklungspha bis 1978
5.3. Dritte Entwicklungspha bis 1990
5.4. Vierte Entwicklungspha bis 2000
5.5. Fünfte Entwicklungsphase ab 2000

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Einleitend soll zunächst auf zentrale Begriffe der entwicklungstheoretischen Forschung, wie Kolonialismus, Entwicklungstheorie, Entwicklung und Unterentwicklung eingegangen werden. Ziel der Arbeit ist es zu klären, in wie weit die vorhanden Entwicklungstheorien den Nord-Süd-Konflikt aufarbeiten und die Entwicklungshilfe einen Beitrag zur Beseitigung desselben leistet. Angesichts der Rückentwicklung vieler Entwicklungsländer stellt sich jedoch die Frage, ob die existierenden entwicklungstheoretischen Denkansätze in der heutigen Zeit als sinnvoll zu erachten sind. Im Zuge der Globalisierung nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Konkurrenzmodells und vieler Diktaturen der Dritten Welt ergeben sich für die Entwicklungspolitik neue Herausforderungen.

2. Entstehung des Nord-Süd-Konfliktes - Zentrale Begriffe

2.1. Kolonialismus

Unter dem Begriff Kolonialismus versteht man:

„die Eroberung, Unterdrückung und Ausbeutung von Kolonien durch imperialistische Staaten zur Schaffung und Erweiterung territorial bestimmbarer wirtschaftlicher und politischer Einflusszonen“ (Bertelsmann-Lexikon, 1996, Stuttgart).

Im Zuge der Industrialisierung verfolgten neben England viele andere europäische Staaten eine Nationalstaatidee, welche einen zunehmenden Einfluss auf Gebiete in Übersee zur Folge hatte. Das bisherige Freihandelssystem transformierte im Zuge der imperialistischen Phase zu einem Welthandelssystem. Durch die Kolonialisierung sollten neue Absatzmärkte erschlossen werden um so sinkenden Absatzzahlen und Massenarbeitslosigkeit entgegenzuwirken werden, die u.a. für das britische Empire ein großes Problem darstellten (Scholz, 2004, nach Lenin 1970).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Kolonialreiche: Fläche - Einwohnerzahl von Kolonien (K) und Mutterländer (M) 1936

Quelle: veränderte Darstellung nach Scholz, 2004, S.72

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Wirtschaftskreislauf Mutterland - Kolonien

Quelle: Scholz, 2004, S.73 nach Schnee 1937

2.2. Der Nord-Süd-Konflikt

Der Begriff des Nord-Süd-Konfliktes steht für die ungleichen Lebensbedingungen und die Chanceverteilung zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern. Er ist ein Synonym für die Spannungen und Bedrohungen, die aus dieser globalen nord-süd gerichteten sozioökonomischen Fragmentierung erwachsen können. Seit dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahre 1991, muss jedoch eine neue begriffliche Einordnung auf Grundlage der geographischen Lage vorgenommen werden, denn durch das Ende der „2.Welt“ (Sowjetunion) sind zu den bisherigen, vor allem im Süden gelegenen Entwicklungsländern neue aus dem ehemaligen „Ostblock“ hinzugekommen (Ihne & Wilhelm, 2006, ).

2.3. Der Begriff Entwicklung

Der Begriff der Entwicklung lässt sich auf Grundlage seine Komplexität nicht auf eine alleinige Definition reduzieren. Allgemein versteht man unter dem Vorgang der Entwicklung das Freilegen eines Objektes, das so die Möglichkeit bekommt, seine Charakteristikas zu entfalten. Wenn man jedoch Entwicklung im Kontext der Entwicklungspolitik betrachtet, so teilt sich der Prozess auf mehrere Ebenen auf.

Ebenen, an denen Entwicklung bzw. Entwicklungspolitik ansetzt, sind Kultur, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Individuen und Technologie. Die einzelnen Ebenen stehen dabei in wechselseitiger Abhängigkeit und beeinflussen sich gegenseitig, was positive aber auch negative Effekte zur Folge haben kann. Grundsätzlich verbinden aber die Akteure der Entwicklungspolitik, wie Weltbank, OECD, UN sowie die Kirche, mit Entwicklung einen sozio-ökonomisch-kulturellen Vorgang mit einem genau definierten Zielrahmen. Zu den Zielen der Entwicklung gehören nach Nohlen & Nuscheler (1993):

„[ ] u.a. Respektierung der menschlichen Würde, Befriedigung der Grundbedürfnisse, Gleichberechtigung der Geschlechter, Demokratisierung von politischen Strukturen/ politische Partizipation, gerechte Besitz- und Einkommensverteilung, wirtschaftliches Wachstum, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, funktionierende Gesundheitsversorgung, intakte Umwelt, Zugang zu Bildungseinrichtungen Nach Nohlen und Nuscheler lässt sich aus den einzelnen Zielsetzungen ein sogenanntes „magisches Fünfeck der Entwicklung“ ableiten. Dieses Schema legt für unterentwickelte Länder durch die Zusammenfassung einzelner Zielsetzungen Entwicklungsdimensionen fest. Nohlen und Nuscheler (1993) haben folgende Dimensionen festgelegt:

„1. Wachstum, 2. Arbeit, 3. Gleichheit/ Gerechtigkeit, 4. Partizipation und 5. Unabhängigkeit/ Eigenständigkeit

Neben dem Begriff der Entwicklung wird häufig auch der Begriff der nachhaltigen Entwicklung benutzt, im Englischen „sustainable developement“, welcher vor allem mit dem Programm der Agenda 21 zu einem zentralen politischen Leitbegriff wurde. Unter nachhaltiger Entwicklung versteht man nach Ihne und Wilhelm (2006, ): „[ ] eine auf Dauer tragfähige, menschenwürdige, sozial- und umweltverträgliche Entwicklung

2.4. Entwicklungsländer - Unterentwicklung

Eine definitorische Eingrenzung des Begriffs ist ähnlich des Entwicklungsbegriffs schwierig. Nach dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weisen Entwicklungsländer eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf, auf Basis derer eine genaue Charakterisierung vorgenommen werden kann. Merkmale von Entwicklungsländern sind nach dem BMZ in der folgenden Tabelle dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Indikatoren für die Einordnung von Entwicklung

Quelle: Hartmut Ihne & Jürgen Wilhelm 2006,

Grundlage für die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung herausgegebenen Kriterien für Entwicklungsländer ist der Human- Developement-Index (HDI) der Vereinten Nationen. Der HDI bildet die Basis zur Einstufung von Entwicklungsländern (3.bis 5. Welt). Entwicklungsländer, die einen hohen Grad an Industrialisierung aufweisen, werden anhand des höheren HDI als Schwellenländer bezeichnet (Ihne & Wilhlem 2006, ).

Bei der Betrachtung von Entwicklungsländern können zudem drei Dimensionen ungleicher Entwicklung unterschieden werden, die ebenfalls Grundlage für den dependenztheoretischen Ansatz sind, auf den später genauer eingegangen wird. Die Dimensionen der unterentwicklung sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Die drei Dimensionen der Unterentwicklung

Quelle: Hein, Wolfgang, 1998, S.237

2.5. Der Begriff „Dritte Welt“

Der Begriff der dritten Welt wurde zu Zeiten des Kalten Krieges zwischen der USA und der westlichen Welt auf der einen Seite sowie der Sowjetunion auf der anderen Seite geprägt. Erstmalig erwähnt wurde der Begriff der „Dritten Welt“ in Frankreich um 1950. Er bezeichnete die Entwicklungsländer Afrikas in Analogie zum früheren dritten Stand. Heute steht der Begriff für alle Länder, die nach dem HDI in die Kategorie Entwicklungs- bzw. Schwellenländer fallen (Ihne & Wilhelm 2006, ). Wie die Bezeichnung „Nord-Süd-Konflikt“ ist auch die Bezeichnung ,,Dritte Welt“ durch den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr aktuell. Mit dem Ende der UdSSR zerfiel die 2. Welt, als kommunistischer Gegenpol zur kapitalistischen westlichen Welt, wodurch sich auch für einige Wissenschaftler, wie Ulrich Menzel die Frage stellt, ob man überhaupt noch von der ,,Dritten Welt‘ sprechen kann (Ihne & Wilhelm 2006, -3).

3. Entwicklungstheorien

Der Einsatz der Dekolonisation (Bsp. Unabhängigkeit Britisch-Indien 1947) führte dazu, dass die ehemaligen Kolonien u.a. aufgrund der unter Punkt 2.4. aufgeführten Faktoren nicht überlebensfähig waren. Erklärungsansätze für dieses Dilemma versuchen die Dependenz- und die Modernisierungstheorie zu finden und zudem Wege aus der Unterentwicklung aufzuzeigen (Scholz, 2004, S.74).

3.1. Dependenztheorie]

Der Dependenztheoretische Ansatz entstand in den 60’er Jahren im Zuge der Lateinamerikaforschung. Dabei bedeutet das spanische bzw. portugiesische Wort ,,dependencia“ Abhängigkeit. Die Dependenztheorie ist kein einzelnes Konzept, sondern besteht aus vielen Einzelbeiträgen (Alt & Wrobel-Leipold 1988, S.17). Die Dependenztheorie besagt im engeren Sinne, das das System der internationalen Beziehungen, so wie es heute vorliegt, ein System struktureller Abhängigkeit der unterentwickelten Länder gegenüber den Industriestaaten ist. Dabei sind die Entwicklungsländer nicht nur auf der ökonomischen Ebene von den Industriestaaten abhängig, sondern entwickeln als Peripherie der westlichen Welt durch entsprechende Wechselwirkungen auch Abhängigkeiten im sozialen, politischen und kulturellen Bereich. Diese Heterogenität führt dazu, dass innerhalb eines Landes, bzw. einer Volkswirtschaft gleichzeitig kapitalistische und nicht-kapitalistische Produktion nebeneinander existieren können (Alt & Wrobel-Leipold 1988, S.72).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Nord-Süd-Beziehungen
Untertitel
Entwicklungstheorien und Entwicklungshilfe
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Internationale Beziehungen
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V163000
ISBN (eBook)
9783640771943
ISBN (Buch)
9783640772087
Dateigröße
1309 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungsländer, Entwicklung, Dritte Welt, Unterentwicklung, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie
Arbeit zitieren
Kay Renner (Autor), 2010, Nord-Süd-Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163000

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