Gentrification in SoHo, New York


Seminararbeit, 2010

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. SoHo - Vorstellung des innerstädtischen Quartiers

3. Transformation des Viertels von 1950 bis Heute im Kontext der Stadtentwicklung

4. Gentrification als zentraler Faktor der urbanen Entwicklung und als Auslöser von Sukzessionen
4.1. Definition Gentrification
4.2. Ursachen für Gentrification
4.2.1. Verändertes Nachfrageverhalten
4.2.2. Ökonomische Ursachen
4.2.3. Maßnahmen der öffentlichen Hand
4.3. Phasenmodell - Doppelter Invasions-Sukzessionszyklus

5. Dokumentation des momentanen städtebaulichen Bildes von SoHo im Rahmen einer Führung durch das innerstädtische Quartier

6. Spezifische Indikatoren als Beweis für Gentrification in SoHo

7. Kritische Bewertung der Transformation SoHo’s durch Gentrification

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In New York, Weltmetropole, Finanz- und Dienstleistungszentrum und Global-City erster Ordnung kommen sozioökonomische Veränderungen besonders stark zum tragen. Als eine der drei größten Global-Citys, neben London und Tokio, hat New York in seiner bisherigen Entwicklung städtebauliche Transformationsprozesse erfahren, die weltweit in ihrer Dimension ihres Gleichen suchen.

Die folgende Arbeit widmet sich speziell dem der sozioökonomischen und städtebaulichen Transformation, die das Quartier SoHo, ein innerstädtisches Viertel Manhattens (New York) seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute dem 21. Jahrhundert erfahren hat. Dabei soll speziell auf den Prozess der Gentrification eingegangen werden, da er der zentrale Faktor für die Entwicklung des Quartiers ist.

Den Anfang der Arbeit bildet die Vorstellung des Quartiers SoHo (Kapitel 2). Anschließend erfolgt eine Betrachtung der Transformation die das Viertel von 1950 bis heute erfahren hat (Kapitel 3). In Kapitel 4 wird der Prozess der Gentrification, zentraler Faktor der urbanen Entwicklung sowie Auslöser der Sukzessionsprozesse vorgestellt. Dazu wird zuerst eine kurze Definition gegeben bevor anschließend die Ursachen und der Verlauf des Prozesses vorgestellt werden.

In Kapitel 5 erfolgt eine Dokumentation des momentanen städtebaulichen Bildes von SoHo, welches im Rahmen einer Führung durch das innerstädtische Quartier im Zuge der New York - Exkursion von Herrn Prof. Dr. Wilfried Hoppe und Frau Prof. Dr. Jutta Zimmermann erfolgte.

2. SoHo - Vorstellung des innerstädtischen Quartiers

„SoHo ist der ultimative Beweis für ein einfaches Prinzip der Immobilienwirtschaft Manhattens: Was nach oben geht, kommt irgendwann wieder runter, steigt dann wahrscheinlich aber höher denn je. Im 19. Jahrhundert war SoHo Standort der Leichtindustrie, verslumte dann Mitte des 20. Jahrhunderts und wurde in den Siebziegerjahren wieder schick.“

Der Name SoHo ist abgeleitet von „South of Housten Street“. Das Quartier erstreckt sich von der Housten Street im Norden bis zur Canel Street im Süden. Im Westen wird das Gebiet durch die Sixth Avenue begrenzt und im Osten durch die Lafayette Street. Auffällig ist die starke bauliche Abgrenzung des Quartiers gegenüber den umliegenden Vierteln.

Das Besondere an SoHo ist die Dimension der stattgefundenen Transformation im Rahmen der Gentrification, die weltweit ihres Gleichen sucht. So ist der Prozess nirgendwo anders soweit fortgeschritten wie in SoHo und auch an keinem anderen Ort ist der Sukzessionsprozess in einem so kurzen Zeitintervall erfolgt. Deshalb wird im Rahmen von wissenschaftlichen Gentrificationdiskursen oftmals auch als Synonym für den Prozess der Begriff „Soho-Effekt‘ verwendet.

3. Transformation des Viertels von 1950 bis Heute im Kontext der Stadtentwicklung

Die Ursprünge des Viertel reichen bis in das Jahr 1785 zurück als erste Siedlungen oberhalb der heutigen südlichen Grenze des Viertels, der Canal Street, durch holländische Siedler errichtet wurden. Zwischen 1800 und 1850 ließen sich überwiegend wohlhabende Bevölkerungsschichten in SoHo nieder. Mit einher ging die Ansiedelung von Gewerbebetrieben, Theater und Hotels die Spiegelbild des gesellschaftlichen Lebens waren.

Das heute zu bewundernde architektonische, städtebauliche Erscheinungsbild erhielt SoHo zwischen 1850 und 1890. Grund hierfür war die Wanderung der ansässigen Wohnbevölkerung aus dem Quartier in nördlich gelegene Stadtteile Manhattens. Der entstandene Freiraum führte zur Ansiedlung der Textilindustrie, die in SoHo Produktions- und Lagerstätten errichtete. Mit ihnen entstanden die einzigartigen Cast-Iron-Gebäude, Symbole der amerikanischen Gründerzeit, die aufgrund der besonderen Gusseisenbauweise heute unter Denkmalschutz gestellt worden sind. Aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Löhne verslumte das Viertel in den 50’er Jahren zunehmend was sinkende Mieten mit sich zog.

Durch die niedrigen Mieten siedelten sich ab den 60’er Jahren zunehmend junge intellektuelle Leute im Viertel an. Dies waren zumeist Künstler, Photographen und Studenten, d.h. Personen mit einem hohen Bildungsgrad, aber mit einem relativ niedrigen Einkommen. Mit einher ging die Ansiedelung von Gastronomie und Gewerbeunternehmen, was wiederum zu einem positiven Imagewandel des Viertels führte. Die Folge dieser Entwicklung war, dass die Immobilenwirtschaft, d.h. Investoren und Spekulanten, auf das Viertel aufmerksam wurden und somit eine Verdrängung der Pioniere von Seiten der Gentrifier in Gang gesetzt wurde. Der Höhepunkt der Entwicklung wurde in den 80’er Jahren erreicht, denn die Mieten in SoHo stiegen soweit an, dass SoHo die höchsten Mietpreise in ganz Manhatten verzeichnete. Durch aufwendige Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen von Seiten der Investoren entstanden großzügige Lofts die als Wohn- und Gewerberäume genutzt werden. SoHo ist Szeneviertel des einkommensstarken Milieus, welches einen gehobenen Lebensstil pflegt.

Der Prozess selber als zentraler Stadtentwicklungsprozess, sowie die Ursachen die zu ihm führen, werden in Kapitel 4. umfangreich analysiert und dargestellt.

4. Gentrification als zentraler Faktor der urbanen Entwicklung und als Auslöser von Sukzessionen

Auslöser für den Prozess der Gentrification liegen sowohl in einem veränderten Nachfrageverhalten, als auch in Änderungen auf der Angebotsseite. Zusätzlich wird der Prozess durch staatliche und kommunale Maßnahmen in seinem Verlauf beeinflusst.

4.1. Definition Gentrification

Abgeleitet ist das Wort Gentrification von „gentry“, welches im englischen als Synonym für die gesellschaftliche Oberschicht stand. Ausgeschlossen davon war der Hochadel. Das Konzept der Gentrification wurde 1964 von Ruth Glas in England entwickelt. Da der Prozess von Mietrecht und Stadtplanung abhängig war, wurde er aber nicht unmittelbar auf alle Länder übertragen. Gentrification ist Element urbaner Transformation und bezeichnet einen mehrschichtigen Aufwertungsprozess (Spellerberg, 2004, S.11-15).

Die bauliche Aufwertung umfasst die Gebäudesanierungen, Neubauten, Wohnumfeld und Infrastrukturverbesserungen. Die soziale Aufwertung kennzeichnet den Zuzug statushöherer Bevölkerungsgruppen, wozu unter anderem Besserverdienende und höher Gebildete, wie Yuppies und Studierende zählen. Die funktionale Aufwertung umfasst die qualitative und quantitative Angebotserweiterung durch die Ansiedlung von neuen Geschäften und Dienstleistungen. Der vierte Prozess, auch als Symbolische Aufwertung bezeichnet, umfasst den Einfluss, den positive Kommunikation über die entsprechenden Stadtgebiete aufgrund von hoher Medienpräsenz bei den Bewohnern und Besuchern auslöst (Heineberg, 2006, S. 20).

Die Grundlage für das Modell der Gentrification wird durch das klassische Invasions­Sukzessionsmodell der Chicagoer-Schule gebildet. Anders als beim ursprünglichen Modell, in der die Invasion einer statusniedrigen Gruppe in einem Stadtteil dazu führt, dass eine statushöhere Gruppe abwandert, definiert sich Gentrification durch den umgekehrten Fall. Unter Gentrification versteht man das Eindringen einer statushöheren Bevölkerungsgruppe in ein innerstädtisches Gebiet unter Verdrängung der ansässigen Bevölkerung im Zuge einer Umgestaltung des Wohnungsbestandes. Die Folgen dieses Prozesses sind eine zunehmende Segregation und Polarisierung in der gesamten Stadtregion.

Der Aufwertungsprozess von innenstadtnahen oder innerstädtischen Vierteln lässt sich in verschiedene Ebenen differenzieren. Die internationale und nationale Ebene bezieht sich auf globale wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse, welches die Nachfrage nach attraktiven innerstädtischen Wohnraum in Metropolen beeinflusst. Die regionale und städtische Ebene umfasst den Arbeitsmarkt, der Einfluss auf den regionalen Wohnungsmarkt ausübt, sowie regionale Steuerpolitik un]d demographische Bedingungen im Quartier (Blasius; Dangschat, 1989, S.18-19). Das innerstädtische Teilgebiet, in dem der eigentliche Prozess stattfindet, bezieht sich auf den regionalen Wohnungsmarkt, das Image des Quartiers, die Infrastruktur, den Zustand der Bausubstanz sowie Interaktionen mit benachbarten Teilgebieten. Grundlage für den Prozess ist das direkte und indirekte Handeln von Personen, wie beispielsweise von Investoren, Planern und Politikern (Blasius; Dangschat, 1989, S.18-19).

Im Zeitalter der Globalisierung, gewinnt der Prozess der Gentrification international an Bedeutung und ist insbesondere in Metropolen anzutreffen. Aus ökonomischer Sicht ist eine Metropole ein Ort, an dem eine Polarisation im Hinblick auf Kapital und wirtschaftliche Entscheidungsmacht stattfindet. Das Mindestmaß der Bevölkerung liegt dabei bei 1 Million Einwohner und einer Bevölkerungsdichte von 2000 Einwohnern pro km2 (Heineberg, 2006, S.29).

4.2. Ursachen für Gentrification

Auslöser für den Prozess der Gentrification liegen sowohl in einem veränderten Nachfrageverhalten, als auch in Änderungen auf der Angebotsseite. Zusätzlich wird der Prozess durch staatliche und kommunale Maßnahmen in seinem Verlauf beeinflusst.

4.2.1. Verändertes Nachfrageverhalten

Demographische Ursachen

Demographische Veränderungen kommen verstärkt in Innenstädten zum tragen und bieten so genügend „Angriffsfläche“ für den Prozess der Gentrification. Ein Auslöser liegt in dem Rückgang der CBR (Crude Birth Rate) - rohe Geburtenrate, die sich mittlerweile auf sehr niedrigem Niveau befindet und in dem damit verbundenen Anstieg der Ein- und Zweipersonenhaushalte ohne Kinder. Ebenfalls Auslöser sind die niedrigen Heirats- und hohen Scheidungsraten. Mit sich zieht das eine Entwicklung zu neuen kleineren Haushaltsformen.

Sehr großen Einfluss auf die anfängliche Entstehung der Gentrification hat die so genannte „Baby­boom-Generation“. Sie ist in einem Alter angelangt, in dem die Gründung eines eigenständigen Haushaltes eine wichtige Rolle spielt. Die Folgen sind steigende Wohnraumnachfrage, ein erhöhter Anteil an mobilen Haushalten sowie spezielle Verhaltensweisen, die sich ebenfalls fördernd auf die Nachfrage nach Wohnraum auswirken (Blasius; Dangschat, 1989, S.21).

Lebensstile

Veränderte Verhaltensweisen sind ebenfalls, wie bereits oben angesprochen, Ursache für den Prozess der Gentrification. Dabei ist der veränderte Lebensstilwandel vor allem auf die durchschnittlich verbesserte Ausbildung zurückzuführen, die insbesondere Frauen betrifft. Ein wichtiger Auslöser ist die so genannte „Post-Adoleszenz“. Dieser Fachbegriff bezeichnet den Zeitraum der Ausbildung, des Studiums und das darauf folgende Anstreben einer Karriere bis zum Punkt der Familiengründung. Bis heute hat sich dieser Zeitraum enorm vergrößert und beläuft sich mittlerweile auf ca. 15 Jahre. Der Lebensstil innerhalb der „Post-Adoleszenz“ läuft entgegen der traditionellen Werte und Normen. Den dazugehörigen Personen und Gruppen geht es um Selbstverwirklichung und individuelle Freiheiten, die sie ausleben wollen. Diese Freiheiten spiegeln sich auch in zahlreichen Gruppierungen wieder, beispielsweise den „Alternativen“, den „Autonomen“ sowie den Gentrifiern, die umgangssprachlich als „Yuppies“ bezeichnet werden. Die Abgrenzung durch bestimmte Merkmale, wie Weltanschauung, Verhaltensweisen, Kleidung, räumlicher Standort, Einkommen usw., führt in vielen Gruppierungen zur Bildung von Subkulturen (Blasius, Dangschat, 1989, S.22). Allein die im Volksmund als „Alternative“ bezeichneten, lassen sich in unzählige Subkulturen aufteilen. Beispiele sind Punks, Oi's, Skinheads (links), Metaller, Rock'n'Roller, Indies, Emos, Psychobillys und Rockabillys.

Bei den Gentrifiern definieren sich die einzelnen Gruppierungen innerhalb dieser Gruppe eher über die Höhe des Einkommens und den Drang zum Konsum. Die Folge der Phase der „Post­Adoleszenz“ ist eine räumliche Segregation, die die Basis für den Prozess der Gentrification liefert.

4.2.2. Ökonomische Ursachen

Ab den 60’er Jahren verzeichnete der Dienstleistungssektor in Europa enorme Zuwachsraten, doch im Gegensatz zum amerikanischen Beispiel, wo es zur großflächigen Expansion des CBD (Central Business District) kam, blieb diese Entwicklung aus. So konnten Gründerzeitliche Altbauquartiere bestehen bleiben (Blasius, 1993, S.15.f). Mit das letzte Gründerzeitliche Quartier,

Die starke Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum, der besonders Altbauten betrifft, besteht durch den bereits oben erwähnten neuen „Lifestyle“. Dieser ist besonders auf Aktivitäten außerhalb der „eigenen vier Wände“ gerichtet und macht somit zentrumsnahe Standorte zur Notwendigkeit. Gleichermaßen ergibt sich durch die Größe der Haushalte auch ein Drang zu haushaltsbezogenen Dienstleistungen. In Metropolen ist citynahes Wohnen einfach ein Aspekt der Bequemlichkeit. Wohnungen in innerstädtischen Raum sind ebenfalls durch den Vorteil der kurzen Distanzen zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sehr begehrt und treiben die Nachfrage in die Höhe. Bedeutend als Standortfaktor für innerstädtisches Wohnen ist die Nähe zu kulturellen Einrichtungen und die Nutzung von bereits vorhandener Infrastruktur, die das soziale Leben für Interessenten erleichtert und fördert. Das Spektrum der Interessenten (Gruppen) ist jedoch breit gefächert, was zu enormem sozialen Konfliktpotenzial führt (Dangschat; Blasius, 1990, S.22-24).

Der zahlreiche Bestand von preisgünstigen Wohnungen auf dem Markt bietet Anreize für Investoren und wurde beispielsweise in Deutschland durch die hier gültigen Steuer­gesetzgebungen unterstützt. An Stelle von Neubauunterstützungen kam es eher zu Investitionen in den alten Wohnungsbestand und damit zur Förderung von Gentrification (Blasius; Dangschat, 1989, S.51-52). Erklärungsansätze für günstige Immobilien und Gentrification liefern die „Rent-gap- Theorie“ und die „Value-gap-Theorie“. Die Renditeerwartungen auf innerstädtischen

Altbaubeständen wurden durch die aufklaffenden Lücken in Bezug auf den eigentlichen Wert von Grundstücken und Gebäuden in Gang gesetzt (Blasius; Dangschat, 1989, S.69).

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Details

Titel
Gentrification in SoHo, New York
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionale Geographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V163003
ISBN (eBook)
9783640773268
ISBN (Buch)
9783640773312
Dateigröße
2228 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gentrification, SoHo, SoHo-Effekt
Arbeit zitieren
Kay Renner (Autor:in), 2010, Gentrification in SoHo, New York, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163003

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