Agrarkraftstoffe im Fokus nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Brasiliens


Hausarbeit, 2010
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Begriffserläuterungen

III. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Agrarkraftstoffboom Brasiliens betrachtet in den drei Dimensionen Ökonomie, Soziales und Ökologie
2.1. Die ökonomische Dimension: Agrarkraftstoff als Konjunkturmotor
2.1.1. Bewertung der ökonomischen Nachhaltigkeit
2.2. Die soziale Dimension: An der Basis des Booms
2.2.1. Ernährungssicherheit
2.2.2. Bewertung der sozialen Nachhaltigkeit
2.3. Die ökologische Dimension: Fragwürdige Bilanz
2.3.1. Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit

3. Fazit

4. Literaturliste

II. Begriffserläuterungen

Agenda 21

Bei der Agenda 21 handelt es sich um das Aktionsprogramm des 21. Jahrhunderts, welches bei der UN- Konferenz 1992 in Rio de Janeiro von 178 Nationen als politische Erklärung abgenommen wurde. Dieses Aktionsprogramm zeigt in 40 Kapiteln detaillierte Handlungsaufträge für politisches Handeln einer umweltverträglichen, nachhaltigen Entwicklung auf. Ziel der Agenda 21 ist, künftig eine Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sicherzustellen.

Agrarkraftstoffe

Flüssige oder gasförmige Treibstoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, und als Substitute für fossile Brennstoffe in Motoren Verwendung finden. Die meisten Industrieländer haben inzwischen eine Beimischungsquote von Agrarkraftstoffen zu fossilen Brennstoffen vorgeschrieben.

Biodiversität

Biodiversität ist die Bezeichnung für biologische Vielfalt. Darunter fallen zum Beispiel die genetische Vielfalt, Artenvielfalt und die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen.

Herbizide

Herbizide (aus dem lateinischen = Kraut) sind chemische Substanzen, die unerwünschte Pflanzen abtöten sollen, um das Wachstum der Kulturpflanzen zu fördern. Sie werden auch Unkrautbekämpfungsmittel genannt.

Intergenerative Gerechtigkeit

Die Richtlinie intergenerativer Gerechtigkeit bezweckt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen zu gefährden.

Intragenerative Gerechtigkeit

Die intragenerative Gerechtigkeit hat zum Ziel einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen der Menschen in Industrieländern und Entwicklungsländern zu schaffen.

IWF

IWF ist die Bezeichnung für den Internationalen Währungsfond, eine Organisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington. Der IWF hat folgende Aufgaben: Kreditvergabe, Überwachung der Geldpolitik, Ausweitung des Welthandels, Förderung internationaler Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Stabilisierung von Wechselkursen.

OECD- Staaten

OECD ist eine internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und vereint 33 Staaten auf der ganzen Welt, ihr Sitz ist in Paris- Frankreich. Der Organisation angehörende Staaten werden als OECD- Staaten bezeichnet und haben sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet.

Pestizide

Pestizid (aus dem englischen Pest = Schädling) ist eine Bezeichnung für chemische Substanzen, die zum einen ungewünschte Lebewesen und Pflanzen vertreiben oder töten können, und auch Keimung, Wachstum und Vermehrung zu verhindern.

Wirtschaftswachstum

Bei einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts, gemessen zwischen zwei aufeinanderfolgenden Perioden, spricht man von einem Wirtschaftswachstum. Das Wirtschaftswachstum kann unterschiedlich gebildet werden, z.B. durch technischen Fortschritt und/ oder vermehrten Einsatz von Arbeit und/oder Kapital.

III. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die weltweite Produktion von Bioethanol und Biodiesel

Abb. 2: Die wahrscheinliche Karriere der Biokraftstoff

Abb. 3: Biokraftstoff versus Erdöl: die Risiken im Vergleich

1. Einleitung

Das absehbare Ende der Ausbeutung des Erdöls ist zwischenzeitlich allgemein anerkannter Konsens. Die Risiken und Kosten, die für die Erschließung neuer Ölquellen in Kauf genommen werden müssen, lassen längst auch unter der Maxime des Profitstrebens die erneuerbaren Ressourcen immer stärker in das Blickfeld der Konzerne rücken. Diese Hinwendung wird auch und gerade in der PR-Arbeit offensichtlich, beispielsweise auch bei BP, die sogar ihren Markennamen an diesem Paradigmenwechsel ausrichten und zu „Beyond Petrol“ umdeuten. Den Konsumenten wird eine Welt versprochen, in der ohne Verzicht und ohne Schuldgefühle – vor allem in Blickrichtung künftiger Generationen - weitergemacht werden kann wie bisher, dank der erneuerbaren Energien, die als zukunftsweisend, endlos verfügbar und sauber dargestellt werden, eben als „nachhaltig“.

Was das Bestehen „unserer“ Welt sichern soll, wird zudem auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer als Chance zum Aufholen an die Standards der Industrieländer gepriesen. Agrarkraftstoffe sollen hierbei als Konjunkturmotor für die Entwicklung dienen und dieses Wachstum gleichzeitig ökologisch sinnvoll – und somit nachhaltig - gestalten. Diese Kraftstoffe, die als Substitut für Benzin, Diesel und Erdgas Verbrennungsmotoren antreiben können, werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie zucker-, stärke- oder ölhaltigen Pflanzen hergestellt.

Ein programmatisches Leitbild für nachhaltige Entwicklung wurde als „Agenda 21“ auf der UN-Konferenz in Rio de Janeiro 1992 ausgearbeitet und von Vertretern von 178 Nationen als politische Erklärung angenommen, wobei die Grundlagen vielfach auf dem Bericht der Brundtland-Kommision „Our Common Future“ von 1987 basieren[1]

Zielsetzung dieses Leitbilds:

In einer globalen Partnerschaft soll eine zukunftsfähige Entwicklung aller Nationen in ökologischer, ökonomischer und sozial gerechter Weise umgesetzt werden. Insbesondere der nachhaltige Umgang mit dem Naturkapital als Lebensgrundlage aller menschlichen Aktivitäten soll dabei die globale intra-und intergenerationelle Gerechtigkeit gewährleisten, also sowohl um den gerechten Interessensausgleich zwischen den Industrieländern und den weltweiten Zugehörigen einer Generation, sowie Gerechtigkeit gegenüber den nachfolgenden Generationen.[2]

Als wie nachhaltig sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Entwicklungs- und Schwellenländer durch die Herstellung von Agrarkraftstoffen, wie die langfristigen Auswirkungen auf die lokalen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Systeme zu bewerten?

Ziel dieser Hausarbeit ist es, diese Bewertung anhand der Grundlagen des Leitbilds nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit vorzunehmen. Die Hausarbeit beschränkt sich in ihrer Betrachtung im Wesentlichen auf das Fallbeispiel Brasilien und dabei auf den Agrarkraftstoff Ethanol. Diese Nation, die sich bereits auf der Schwelle zur Industrienation befindet, hat als Pionier im Agrarkraftstoffsektor über mehr als 30 Jahre Erfahrung zu verzeichnen und deckte im Jahr 2007 bereits 20% seines Treibstoffbedarfs mit dem - aus Zuckerrohr gewonnenen - Agrarkraftstoff Ethanol.[3] Außerdem erwirtschaftete der Erfolg der Agrarkraftstoffe im Export Devisen für das Land, und hatte somit Anteil an der Entschuldung Brasilien. Der brasilianische Agrarkraftstoffboom gilt somit als Erfolgsgeschichte und Vorbild südamerikanischer und afrikanischer Entwicklungsländer, doch zeichnen unabhängige Studien und Organisationen ein weitaus kritischeres Bild hinsichtlich der sozialen und ökologischen Dimensionen.

2. Der Agrarkraftstoffboom Brasiliens betrachtet in den drei Dimensionen Ökonomie, Soziales und Ökologie

Im Folgenden werden die Auswirkungen des Booms in den drei Dimension der Nachhaltigkeit beschrieben und bewertet. Als Quellen wurden dazu vor allem Presseartikel und Berichte von Hilfsorganisationen verwertet, deren Erscheinungsdatum im Sinne der Aktualität nicht vor dem Jahr 2005 liegen. Ein einheitliches Referenzjahr der Zahlen ist nicht gegeben, die Tendenzen sind jedoch konsistent.

2.1. Die ökonomische Dimension: Agrarkraftstoff als Konjunkturmotor

Die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens ist beeindruckend und hat es nicht nur zur lokalen Wirtschaftsmacht innerhalb Lateinamerikas befördert, sondern auch als weltweit zehntgrößte Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 1.600 Mrd. USD[4] etabliert. Brasilien konnte innerhalb weniger Jahre einen Kredit von 43 Milliarden Dollar, der 1998 nach einem drohenden Staatsbankrott vom IWF und anderen internationalen Geldgeber gewährt wurde, zurückzahlen und zählte 2008 zu den Nettogläubigern.[5] Selbst aus der internationalen Finanzkrise ging das aufstrebende Land bislang gestärkt hervor, mit einem Devisenüberschuss von 250 Milliarden Dollar.[6] Der Anteil der Agrarindustrie und der von ihr abhängigen Wirtschaftszweige am Bruttosozialprodukt liegt bei einem Drittel:

„Die Landwirtschaft erbringt insgesamt rd. 6,7 % des BIP (2008). Geht man jedoch vom Agrobusiness-Konzept aus, das alle mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen verbundenen Aktivitäten wie Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Lagerung, Transport, Inputs, landwirtschaftliche Technologien etc. umfasst, trägt der agroindustrielle Komplex mit rd. einem Drittel zum BIP und zur Beschäftigung sowie mit 40 % zu den Exporten bei.“[7]

Diese Zahlen führten zur oft zitierten Bezeichnung „Ernährer der Welt“, nun möchte Brasilien laut Präsident Lula dank des Booms der Agrarkraftstoffe auch zum „grünen Saudi-Arabiens Lateinamerikas“ heranwachsen.[8]

Die Ausgangslage zur Erreichung dieses ökonomischen Ziels scheint günstig, wie dieser Vergleich der Agrarkraftstoff produzierenden Länder aus dem Jahr 2005 zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die weltweite Produktion von Bioethanol und Biodiesel[9]

Die Rolle als „global player“ wurde weiter ausgebaut, „[…] auf zuletzt 27 Milliarden Liter pro Jahr […], die Branche wächst zweistellig, Jahresumsatz: etwa 30 Mrd. Dollar.“[10]

2.1.1. Bewertung der ökonomischen Nachhaltigkeit

Die Aussichten auf eine ökonomisch dauerhaft gewinnbringende Entwicklung der Agrarkraftstoffindustrie Brasiliens sind aufgrund des steigenden Energiehungers - nicht nur der 33 OECD-Staaten, sondern vor allem auch der Schwellenländer - sowie der Endlichkeit der nicht erneuerbaren Brennstoffe glänzend. Immer mehr Länder verpflichten sich zudem den fossilen Brennstoffen Agrarkraftstoffe in einer vorgeschriebenen Prozentzahl zuzusetzen. Laut einer Prognose der internationalen Energieagentur wird der Bedarf an Biokraftstoffen im Jahr 2030 zwei- bis dreimal so hoch sein, wie im Jahr 2010.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die wahrscheinliche Karriere der Biokraftstoffe[11]

Da Brasilien inzwischen seit dreißig Jahren Erfahrungen in der Ethanolherstellung sammeln konnte und dadurch - neben den günstigen klimatischen Bedingungen für den überlegenen Rohstoff Rohrzucker - auch technologisch immer wieder massive Ertragssteigerungen pro Hektar Land erzielen konnte, ist sein Ethanol konkurrenzlos günstig und damit am Weltmarkt führend. Gerade diese Weiterentwicklung, die durch den Einsatz von gentechnisch verändertem Zuckerrohr und weiterentwickelten Erntemaschinen noch gesteigert werden könnte, entspricht der Kernaussage der traditionellen Wachstumstheorie, nach welcher Pro-Kopf-Wachstum nur durch technischen Fortschritt erzielt werden kann.[12]

Aus rein ökonomischer Sicht geht die Entwicklungsstrategie Brasiliens als globalem Exporteur von Biokraftstoffen auf. Brasilien konnte in einem relativ kurzen Zeitraum wirtschaftlich wie politisch erheblich an Macht und Einfluss gewinnen und kann somit seine nationalen Interessen selbstbewusst vertreten. Die Entschuldung und das Wirtschaftswachstum eröffnen dem brasilianischen Staat zudem Möglichkeiten, in Umweltschutzprojekte und soziale Programme zu investieren.

[...]


[1] Vgl. Hauff, v. M. (2007), S. 1ff.

[2] Vgl. Hauff, v.M. (2007), S. 1

[3] Vgl. Brasilianische Botschaft in Deutschland (2007)

[4] Vgl. Auswärtiges Amt (2009)

[5] Vgl. Krätke, M.R. (2008)

[6] Vgl. Busch, A. (2010)

[7] Deutsch-Brasilianische Gesellschaft e.V. (2010)

[8] Vgl. Rybak, A. (2010)

[9] Webseite „Le Monde diplomatique“. URL: http://www.monde-diplomatique.de/pm/.karten/index [10.08.2010]

[10] Andrzej R. (2010)

[11] Webseite „Le Monde diplomatique“. URL: http://www.monde-diplomatique.de/pm/.karten/index [10.08.2010]

[12] Vgl. Hauff, v.M. (2009), S. 39.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Agrarkraftstoffe im Fokus nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Brasiliens
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern  (Distance & International Studies Center)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V163039
ISBN (eBook)
9783640770953
ISBN (Buch)
9783640771356
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Agarkraftstoff, Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungshilfe, Nachhaltigkeit, Armut, Ökologie, Ökonomie, Brasilien, Hunger, Lateinamerika, Vereinte Nationen, UNO, Rio de Janeiro, Umwelt, nachhaltige Entwicklung
Arbeit zitieren
Andrea Blust (Autor), 2010, Agrarkraftstoffe im Fokus nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Brasiliens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163039

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