Landflucht und ihre Folgen


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Geschichte der Landflucht
2.2 Landflucht im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart
2.3 Folgen der Abwanderung im ländlichen Raum

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spricht man vom Thema Landflucht, so steht dieser Übergriff in den Köpfen vieler für verlassene Häuser und nahezu entvölkerte Dörfer in ländlicher Umgebung. Im Gegensatz dazu stehen die (Groß-)Städte und deren stetig wachsenden Einwohnerzahlen. Doch entspricht dieses Denken der Realität? Falls diese Assoziationen zutreffen, wo liegen die Ursachen und was für Folgen hat dieser Umstand auf die Bevölkerung und die gesamte Region?

In der vorliegenden Arbeit wird zu Beginn der Begriff „Landflucht“ definiert und der Aspekt beleuchtet, in welchem die Ursprünge der Landflucht liegen. Im Anschluss daran gibt der Abschnitt „Landflucht im 20.Jahrhundert und der Gegenwart“ Aufschluss darüber, wie sich die Bevölkerung und das Gewerbe auf dem Land in den letzten 60 Jahren entwickelt haben. Anhand von zwei Beispiel-Dörfern, die beide im Einzugsbereich einer Kreisstadt liegen, wird gezeigt, wie sich deren Einwohnerzahlen verändert haben. Danach werden die Folgen erforscht, die durch die abwandernde Bevölkerung entstehen. Zum einen werden die Gründe aufgezeigt, die zum Verlassen des ländlichen Raums führen, zum anderen wird die demographische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung dargelegt, welche die Menschen in die Städte zieht.

Am Ende dieser Arbeit werden die Folgen zusammengefasst und ein Fazit darüber gezogen, ob sich die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten für die betroffenen Bewohner gelohnt hat und der Trend zur „Bevölkerungskonzentration in Verdichtungsräumen“[1] weiter anhält.

Als Quellen für dieses Werk diente überwiegend Literatur aus dem Bereich der Geowissenschaften und der Geographie. Desweiteren wurden Bücher und Schriften aus den Kategorien Soziologie, Geschichte, sowie Germanistik mit einbezogen, so dass sämtliche Blickwinkel einer Land-Stadt-Wanderung der Dorfbevölkerung nachvollzogen werden können.

2.1 Geschichte der Landflucht

Die Anfänge der Land-Stadt-Wanderung sind in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung bis zum I. Weltkrieg zu finden[2]. In der Zeit von 1871 – 1910 waren eine sprunghafte Entwicklung der Großstädte und deren Bevölkerungen zu verzeichnen. Waren es zu Beginn dieser Periode nur 8 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, so ist die Zahl vierzig Jahre später bereits auf 48 gestiegen.[3] Der Grund hierfür lag in der Industrialisierung. Durch diese und ihrer damit verbundenen räumlichen Konzentration der Bevölkerung erlangten die Ballungsgebiete Wirtschafts-, Verwaltungs-, und Kulturfunktion.[4] Aufgrund dieses Umstandes verschob sich die Attraktivität dieser zwei Lebensräume zugunsten der Stadt und die „größte Massenbewegung der deutschen Geschichte“[5] setzte sich fort. Erschwerend kam hinzu, dass während der Hochindustrialisierung auch die Reichsbevölkerung kontinuierlich wuchs. Dies schlug sich aber nur in den Einwohnerzahlen der Städte nieder, während die Landbevölkerung praktisch stagnierte.[6] Die bürgerlichen Binnenwanderer[7] flüchteten aus den ländlichen Regionen, da sie sich in Industrie und Handel bessere Aufstiegschancen und umfassendere Ausbildungsmöglichkeiten erhofften.[8] Im Gegensatz zu diesen Schichten war der soziale Aufstieg für unqualifizierte Neuankömmlinge vom Land die Ausnahme, da sie lange brauchten, um sich an das Leben und die damit verbundenen Zwänge des Großstadtlebens zu gewöhnen.[9] Überdurchschnittlich viele Einwohner der Städte befanden sich im arbeitsfähigen Alter, woran sich veranschaulichen lässt, dass sie auf der Suche nach einer Anstellung waren, während man auf dem Land von einer Vergreisung der Gesellschaft sprach.[10] All diese Veränderungen kann man aber nicht nur in Deutschland beobachten, sondern es war in allen Industriestaaten wie den USA, England, Frankreich und Japan zu spüren.[11]

Der Zulauf in den Großstädten brach nicht ab, so dass diese sich stetig ausweiteten und deren Vorortgemeinden ebenfalls zu mittelgroßen Städten anwuchsen, die immer stärker in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu ihren Kernstädten gerieten.[12] Die Vororte waren aufgrund ihres niedrigen Mietniveaus mittlerweile nicht mehr nur interessant für Arbeitnehmer, die zu ihren Jobs in die Innenstadt pendelten, sondern gleichermaßen für Unternehmen, welche an ihrem alten Standort nicht mehr expandieren konnten, oder nicht das Geld für eine Fabrikgründung im Zentrum hatten.[13]

Die dichte Besiedlung und das hohe Einwohneraufkommen solcher Ballungsgebiete haben dazu geführt, dass aktuell eine Stadtflucht festgestellt werden kann, also eine Entleerung der Innenstädte. Die horrenden Mieten in der City, die wachsenden Ansprüche an den Wohnstandard, sowie die schnelle Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes, der mit der Mobilisierung des Individuums erreicht wurde, haben dazu geführt, dass nun vom umgekehrten Fall die Rede ist: der Suburbanisierung.[14]

2.2 Landflucht im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Die Entwicklung im ländlichen Raum durchlief in den vergangenen Jahren tiefgreifende Veränderungen. So sind nicht mehr nur die Bildung eines gemeinsamen Agrarmarktes innerhalb der EU, technische Rationalisierung und ansteigende Erzeugnisse die bestimmenden Größen, sondern nun spielen ebenfalls die globalisierten Märkte, sowie die neue EU- Agrar- und Strukturpolitik eine immer gewichtigere Rolle.[15] Die Gemeinden haben das Ziel, die Lebensqualität in ihren Regionen zu verbessern, wodurch eine Heimatbindung und die Attraktivität als Wirtschaftsstandort geschaffen werden.[16] Alte Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben und Neue geschaffen werden, indem Standortfaktoren entwickelt oder verbessert, verschiedene Förderprogramme gestartet und die Wertschöpfung durch den Aufbau regionaler Kreisläufe erhöht werden.[17] Die Identifikation mit dem Heimat- oder Wohnort soll durch Dorfveranstaltungen, Bürgerforen, Bildungseinrichtungen und –projekte gestärkt werden.[18] Die Gründe, ländliche Räume zu verlassen, sind aber weiterhin ähnlich wie zu Zeiten der Industrialisierung. Damals verließen die Menschen aufgrund von Aussichtslosigkeit ihren Geburtsort. Dies wurde hervorgerufen durch Nahrungsmangel, geringes Einkommen und der Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensverhältnisse.[19] Von einer ähnlichen Grundüberlegung ging man auch gegen Ende des 20. Jahrhunderts aus: die Einwohnerzahl eines Ortes steht proportional zu dessen Wohnungs- und Arbeitsplatzangebot, den dortigen Einkaufsmöglichkeiten, als auch Ausbildungs- und Verdienstaussichten.[20] Zu den oben genannten Faktoren kommt hinzu, dass im Zuge des anhaltenden technischen Fortschritts und der voranschreitenden Automatisierung und Mechanisierung Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gehen, so dass der regionale Arbeitsmarkt von ehemaligen landwirtschaftlichen Berufstätigen überschwemmt wird.[21] Diese Tatsache lässt sich an Hand der folgenden Zahlen darlegen: waren 1920 noch 30,5% aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig, so ist die Zahl 1950 fast um die Hälfte auf 18,7% zurückgegangen und liegt 2008 bei lediglich 2,8%.[22] So ist der Nahrungsmittelbedarf im Gegensatz zu Industrieerzeugnissen nicht beliebig steigerbar und die Landflüchtigen sehen dort deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten als in der Landwirtschaft.[23] Es lässt sich eine Wechselwirkung zwischen der Abwanderung und der Mechanisierung feststellen.[24] Aufgrund der Mechanisierung werden Arbeitskräfte entlassen, welche mit der Hoffnung auf eine neue Existenz die Region verlassen, wodurch die technische Entwicklung vorangetrieben wird. Als dritten Punkt des landwirtschaftlichen Strukturwandels ist die Produktivitätssteigerung zu nennen, die durch chemische Dünger und verbesserte Anbauweisen den Bauern höhere Erträge beschert.[25] Zusammenfassend fand eine Verschiebung vom primären Sektor (Landwirtschaft) zum sekundären (Industrie), als auch zum tertiären Sektor (Dienstleistung) statt. Zuwanderungsauslösende Attraktivitätsfaktoren, sogenannte Pull- Faktoren, vom Land in die Städte waren die beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten. Aufstiegschancen und ein sicherer Arbeitsplatz, ein höheres Einkommen und eine breite Masse an Konsumgütern und Serviceleistungen veranlassten Arbeitnehmer das Land zu verlassen.[26] Ein Ausstieg aus der Landwirtschaft brachte zudem den Vorteil nun über mehr Freizeit und eine flexiblere Lebensplanung zu verfügen.[27] Weiterhin sind, gerade mit Blick auf die Kinder der Arbeitnehmer, eine Vielzahl an qualifizierten Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen und ein großes Spektrum von Kultur- und Freizeiteinrichtungen ein Argument für einen Umzug in die Stadt.[28] In diesem Zusammenhang spricht Karl Bücher von einer „Verstadtlichung der Kulturmenschheit“[29].

[...]


[1] Dobberkau, S. 2.

[2] Vgl. Reulecke, S. 68.

[3] Vgl. Reulecke, S. 68.

[4] Vgl. Dobberkau, S. 5.

[5] Zit. nach Dobberkau, S. 5.

[6] Vlg. Reulecke, S. 69 - 70.

[7] Wanderbewegung größerer Bevölkerungsteile innerhalb einer Region

[8] Vgl. Reulecke, S. 74.

[9] Vgl. Reulecke, S. 75.

[10] Vgl. Reulecke, S. 77.

[11] Vgl. Kinder, Hilgemann, S. 377

[12] Vlg. Reulecke, S. 78.

[13] Vgl.Reulecke, S. 78 – 79.

[14] Vgl. Dobberkau, S. 9.

[15] Vgl. Landentwicklung, S. 4.

[16] Vgl. Landentwicklung, S. 5.

[17] Vgl. ebd., S. 8.

[18] Vgl. ebd., S. 10.

[19] Vgl. Reulecke, S.71

[20] Vgl. Dobberkau, S. 8.

[21] Vgl. Dobberkau, S. 25 – 27.

[22] Vgl. Mahlerwein: Akteure im Strukturwandel.

[23] Vgl. Mahlerwein: Akteure im Strukturwandel.

[24] Vgl. ebd.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd.

[27] Vgl. ebd.

[28] Vgl. ebd.

[29] Fouquet, Zeilinger, S. 15.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Landflucht und ihre Folgen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Sozial- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V163165
ISBN (eBook)
9783640772551
ISBN (Buch)
9783640772988
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landflucht, Folgen
Arbeit zitieren
Clemens Wandke (Autor), 2010, Landflucht und ihre Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163165

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