Spricht man vom Thema Landflucht, so steht dieser Übergriff in den Köpfen vieler für verlassene Häuser und nahezu entvölkerte Dörfer in ländlicher Umgebung. Im Gegensatz dazu stehen die (Groß-)Städte und deren stetig wachsenden Einwohnerzahlen. Doch entspricht dieses Denken der Realität? Falls diese Assoziationen zutreffen, wo liegen die Ursachen und was für Folgen hat dieser Umstand auf die Bevölkerung und die gesamte Region?
In der vorliegenden Arbeit wird zu Beginn der Begriff „Landflucht“ definiert und der Aspekt beleuchtet, in welchem die Ursprünge der Landflucht liegen. Im Anschluss daran gibt der Abschnitt „Landflucht im 20.Jahrhundert und der Gegenwart“ Aufschluss darüber, wie sich die Bevölkerung und das Gewerbe auf dem Land in den letzten 60 Jahren entwickelt haben. Anhand von zwei Beispiel-Dörfern, die beide im Einzugsbereich einer Kreisstadt liegen, wird gezeigt, wie sich deren Einwohnerzahlen verändert haben. Danach werden die Folgen erforscht, die durch die abwandernde Bevölkerung entstehen. Zum einen werden die Gründe aufgezeigt, die zum Verlassen des ländlichen Raums führen, zum anderen wird die demographische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung dargelegt, welche die Menschen in die Städte zieht.
Am Ende dieser Arbeit werden die Folgen zusammengefasst und ein Fazit darüber gezogen, ob sich die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten für die betroffenen Bewohner gelohnt hat und der Trend zur „Bevölkerungskonzentration in Verdichtungsräumen“ weiter anhält.
Als Quellen für dieses Werk diente überwiegend Literatur aus dem Bereich der Geowissenschaften und der Geographie. Desweiteren wurden Bücher und Schriften aus den Kategorien Soziologie, Geschichte, sowie Germanistik mit einbezogen, so dass sämtliche Blickwinkel einer Land-Stadt-Wanderung der Dorfbevölkerung nachvollzogen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Geschichte der Landflucht
2.2 Landflucht im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart
2.3 Folgen der Abwanderung im ländlichen Raum
3. Fazit
4. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und regionalen Folgen der Landflucht in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie sich der historische Verstädterungsprozess gewandelt hat und welche demographischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Faktoren heute eine Abwanderung aus ländlichen Räumen in stadtnahe Gebiete oder Verdichtungsräume bedingen.
- Historische Entwicklung der Landflucht seit der Industrialisierung
- Strukturwandel in der Landwirtschaft und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
- Demographische Veränderungen und das Phänomen der Vergreisung
- Einfluss von Verkehrsinfrastruktur und Mobilität auf Wohnpräferenzen
- Suburbanisierung und die Attraktivität des ländlichen Umlands
Auszug aus dem Buch
2.1 Geschichte der Landflucht
Die Anfänge der Land-Stadt-Wanderung sind in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung bis zum I. Weltkrieg zu finden2. In der Zeit von 1871 – 1910 waren eine sprunghafte Entwicklung der Großstädte und deren Bevölkerungen zu verzeichnen. Waren es zu Beginn dieser Periode nur 8 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, so ist die Zahl vierzig Jahre später bereits auf 48 gestiegen.3 Der Grund hierfür lag in der Industrialisierung. Durch diese und ihrer damit verbundenen räumlichen Konzentration der Bevölkerung erlangten die Ballungsgebiete Wirtschafts-, Verwaltungs-, und Kulturfunktion.4
Aufgrund dieses Umstandes verschob sich die Attraktivität dieser zwei Lebensräume zugunsten der Stadt und die „größte Massenbewegung der deutschen Geschichte“5 setzte sich fort. Erschwerend kam hinzu, dass während der Hochindustrialisierung auch die Reichsbevölkerung kontinuierlich wuchs. Dies schlug sich aber nur in den Einwohnerzahlen der Städte nieder, während die Landbevölkerung praktisch stagnierte.6 Die bürgerlichen Binnenwanderer7 flüchteten aus den ländlichen Regionen, da sie sich in Industrie und Handel bessere Aufstiegschancen und umfassendere Ausbildungsmöglichkeiten erhofften.8 Im Gegensatz zu diesen Schichten war der soziale Aufstieg für unqualifizierte Neuankömmlinge vom Land die Ausnahme, da sie lange brauchten, um sich an das Leben und die damit verbundenen Zwänge des Großstadtlebens zu gewöhnen.9
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Landflucht ein, definiert den Begriff und umreißt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der regionalen Auswirkungen.
2.1 Geschichte der Landflucht: Das Kapitel behandelt die historische Entstehung der Land-Stadt-Wanderung im Zuge der Industrialisierung zwischen 1871 und 1910 und erläutert die Anziehungskraft der wachsenden Großstädte.
2.2 Landflucht im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Hier werden die veränderten Rahmenbedingungen des ländlichen Raums, inklusive europäischer Agrarpolitik und technischer Rationalisierung, sowie aktuelle Wanderungsbewegungen analysiert.
2.3 Folgen der Abwanderung im ländlichen Raum: Dieses Kapitel beschreibt die demographischen und sozialen Konsequenzen, wie den Verlust der lokalen Identität und die Auswirkungen auf die regionale Infrastruktur.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass sich der Trend von der direkten Abwanderung in Großstädte hin zu einer Suburbanisierung im Umland gewandelt hat.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Quellen sowie der verwendeten geographischen, soziologischen und historischen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Landflucht, Verstädterung, Urbanisierung, Suburbanisierung, Binnenwanderung, Strukturwandel, Demographischer Wandel, Ländlicher Raum, Industrialisierung, Bevölkerungsentwicklung, Infrastruktur, Mobilität, Pendlerwesen, Wirtschaftsstandort, Land-Stadt-Wanderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Landflucht, ihren historischen Ursprüngen in Deutschland und den daraus resultierenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die ländliche Bevölkerung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Industrialisierung als Treiber der Urbanisierung, dem Strukturwandel der Landwirtschaft sowie modernen Trends der Suburbanisierung und Wohnortwahl.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die regionalen Folgen der Abwanderung aus ländlichen Gebieten zu erforschen und zu klären, inwieweit der Verstädterungsprozess in seiner ursprünglichen Form heute noch aktuell ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung geowissenschaftlicher, soziologischer und historischer Literatur sowie einem Vergleich zweier Beispiel-Dörfer basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Anfänge der Landflucht, die Entwicklung bis zur Gegenwart unter Berücksichtigung globaler Märkte und die konkreten Folgen wie den Verlust von Nahversorgung und Infrastruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Landflucht, Verstädterung, Suburbanisierung, demographischer Wandel und Strukturwandel.
Warum wandern heute Menschen eher in das Umland als direkt in die Stadt?
Aufgrund von hoher Mobilität und dem Wunsch nach Wohnqualität bevorzugen viele Menschen das Umland, da sie dort die Nähe zur Stadt mit der landschaftlichen Qualität und erschwinglichem Wohnraum kombinieren können.
Wie beeinflusst die Mechanisierung der Landwirtschaft die Abwanderung?
Die Mechanisierung führt zu einer massiven Steigerung der Produktivität bei gleichzeitigem Wegfall von Arbeitsplätzen, was ehemalige Landarbeiter dazu zwingt, in Städten nach neuen Existenzgrundlagen zu suchen.
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- Clemens Wandke (Author), 2010, Landflucht und ihre Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163165