Chancen und Risiken der Freigabe des Organhandels


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
19 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Relevanz und Problematik des Organhandels

3. Geltende Gesetze in Deutschland und anderen Ländern

4. Chancen und Risiken der Freigabe des Organverkaufs
4.1. Risiken und Argumente gegen die Freigabe des Organhandels
4.2. Chancen und Argumente für die Freigabe des Organhandels
4.3. ethische Konzepte als unzureichende Antwort auf die Organhandelsproblematik
4.4. Alternativen zum entgeltlichen Organhandel

5. Staatlich regulierter Organhandel als Kompromissvorschlag

Literaturangaben

1. Einleitung

Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil ihnen nicht rechtzeitig ein geeignetes Organ transplantiert werden konnte[1]. Mit dieser alarmierenden Aussage weist die „Deutsche Stiftung Organtransplantation“ zurecht auf ein in der Öffentlichkeit oft stiefmütterlich behandeltes, gesellschaftliches, ethisches, teilweise aber auch rechtliches und politisches Problemfeld hin. Zwar ist die Tendenz bei der Spendenbereitschaft deutscher Bürger seit Jahren fast durchgehend steigend, dennoch ist die Kluft zwischen Bedarf und Angebot von transplantierfähigen Organen nach wie vor sehr groß[2].

Seit geraumer Zeit wird deshalb teilweise sehr kontrovers und emotional diskutiert, wie man die Spendebereitschaft hierzulande erhöhen kann. Die Vorschläge erstrecken sich hierbei von größeren Investitionen in die Forschung über bessere Vorbeugungs- und Aufklärungsmaßnahmen bis hin zu verschiedenen finanziellen Belohnungs- und Anreizsytemen oder gar zur kompletten Freigabe der entgeltlichen Vergütung von Organspenden. Vor allem die letztgenannte Forderung stößt aufgrund ihrer enormen ethischen Brisanz auf große Bedenken seitens Vertreter von Politik und Wissenschaft. Oft wird die Freigabe des Organhandels hierbei moralisch verurteilt und auf die nicht abzuschätzenden negativen Folgewirkungen der Kommerzialisierung, wie beispielsweise die Ausbeutung oder Erniedrigung des Körpers, verwiesen. Doch wird gemeinhin die Tatsache außer Acht gelassen, dass ein finanzieller Anreiz auch die Spendebereitschaft erhöhen könnte und somit das Problem der Organknappheit, an das letztlich Menschenleben gekoppelt sind, zumindest zum Teil oder vorübergehend lösen könnte.

Es stellt sich also die Frage, wie schlimm die Freigabe des Organhandels tatsächlich ausfallen würde: Welche ethischen Konzeptionen sprechen für, welche gegen die Kommerzialisierung und wie argumentieren Gegner und Befürworter des staatlich kontrollierten Organhandels? Welche Alternativen zum Organverkauf gibt es und wie stark können und sollen ethische Einwände und Ideale gegenüber einer pragmatischen Vorgehensweise gewichtet werden?

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen diese Fragen anhand der aktuellen Argumentationen von Befürwortern und Gegnern der Freigabe des Organhandels darzustellen und mit einer eigenen Wertung der zugrunde liegenden Argumente - verknüpft mit einem Kompromissvorschlag - abschließen.

2. Relevanz und Problematik des Organhandels

Die Nachfrage nach humanen Transplantaten wächst jährlich wohl im zweistelligen Bereich[3]. Laut der „Deutschen Stiftung Organtransplantation“ standen im Jahr 2008 in Deutschland knapp 12.000 Menschen auf einer Warteliste für ein Spenderorgan. Allerdings konnte nur für knapp ein Drittel der Wartenden ein passendes Organ gefunden und damit die Lebensqualität erhöht oder gar ihr Leben gerettet werden. Die schlechte Deckungsrate führt schließlich zu einem Wettlauf mit der Zeit, den im Durchschnitt drei Menschen täglich verlieren, die dann an ihrem Leiden sterben, welches durch eine geeignete Spende wahrscheinlich hätte gerettet werden können[4].

Die Tragik des derzeitigen Zustands lässt sich anhand dieser Zahlen nur erahnen. Viele Menschen warten jahrelang vergebens auf einen geeigneten Spender und sehen sich hilflos ihrem oftmals durchaus vermeidbaren Schicksal ausgeliefert. Eine psychische und körperliche Tortur. Die Frage nach geeigneten Wegen, den derzeitigen Zustand der mangelnden Spendenbereitschaft in großen Teilen der Bevölkerung zu verbessern, ist also eine sehr dringliche. Es verwundert deshalb nicht, dass in der Öffentlichkeit und unter Experten verschiedenste Lösungsansätze diskutiert werden, nicht zuletzt immer öfter auch die Möglichkeit, durch finanzielle Anreize den Spendewillen in der Bevölkerung zu erhöhen. Denn dass viele Patienten ihr scheinbares Schicksal nicht hinnehmen wollen zeigt die, mit zum Teil sehr erschreckenden Konsequenzen einhergehende Tatsache, dass der kommerzielle Organhandel fast weltweit schon längst existiert. Trotz oder wegen der Organhandelsverbote scheint der Schwarzmarkt für eben diese zu blühen und auch das organisierte Verbrechen mischt hier deutlich mit.

Die Folgen sind teilweise unvorstellbar. Als in Indien vor 1994 noch keine Einschränkung des freien Organhandels bestand, war das Land der größte Lieferant von Kommerz-Nieren. Fast ungehindert war es möglich, Körperteile, ähnlich Waschmaschinen oder Wohnungen, per Annonce in der Zeitung anzubieten. Viele ärmere Leute sahen darin den einzigen Weg ihr Überleben zu sichern. Mit der Einschränkung des Handels wurde die Problematik allerdings nur unwesentlich besser. Sie verschob sich nur von der Öffentlichkeit in dunklere Ecken der Gesellschaft. Das illegale Geschäft mit dem Organhandel bringt ein skrupelloses Vorgehen mit teils mafiösen Strukturen mit sich. Auch ist die medizinische Durchführung in diesem Milieu oft schlampig und birgt deshalb große Risiken für die oftmals nicht mehr freiwilligen Spender. Diese erhalten zudem nur einen Bruchteil des eigentlichen Erlöses ihres Organs[5]. Doch nicht nur in Asien lassen sich die schweren Folgen des Geschäfts mit den Organen beobachten. In Südamerika gibt es immer wieder Meldungen, denen zufolge Organhändler im organisierten Verbrechen tätig seien, in das auch des öfteren Kinder verwickelt sind[6].

Der illegale Organhandel ist aber nicht allein Problem der so genannten Dritten Welt. Auch in Russland beispielsweise existiert de facto organisierte Kriminalität im Bereich des Organhandels. Nicht selten müssen Menschen hier ihrer Organe wegen ihr Leben lassen[7]. In Europa gibt es zwar keine nachgewiesenen organisiert kriminellen Strukturen, doch werden immer wieder Einzelfälle und Versuche, Organe gegen Entgelt zu erwerben oder zu verkaufen bekannt[8]. Der so genannte Organtourismus und Organhandel ist auch hierzulande zumindest in Einzelfällen nicht zu leugnen. Wenngleich sich die meisten Länder darum bemüht haben, den kommerziellen Organhandel zu unterbinden, nimmt der internationale Handel mit Transplantaten zu[9]. Man hat im Zuge der fortschreitenden Globalisierung heute die Möglichkeit weltweit an Organe zu gelangen.[10]

Die Beispiele dieser Form des Organhandels sind in der ethischen Diskussion um die Freigabe der kommerziellen Organabgabe umstritten und nur auf den ersten Blick eindeutig. Viele Kritiker führen eben diese Auswüchse des Organgeschäfts immer wieder als scheinbar klares Argument gegen die Kommerzialisierung des Organhandels an. Tatsächlich aber muss man genau diese Beispiele ambivalent betrachten. Dass diese Auswüchse moralisch zu verurteilen sind, sollte nicht näher erläutert werden müssen. Doch stellt sich die Frage, inwiefern man hier Vergleiche zum Beispiel zu einer staatlich regulierten und kontrollierten Organabgabe ziehen kann und ob nicht sogar der geordnete und reglementierte Organverkauf die geeignete Antwort auf diese mafiösen Strukturen ist. Wäre es nicht sinnvoller, ethisch und medizinisch vertretbarer, wenn ein Mensch sich nicht gezwungen sähe, für einen Bruchteil des tatsächlichen `Wertes` seines Organs und unter miserablen Bedingungen Organe unfreiwillig abzugeben, sondern zu einem fairen Preis, unter guten klinischen Bedingungen, noch dazu freiwillig und letztlich anderen Menschen helfend?

Zwar ist die Vorstellung der Rechtmäßigkeit des Verbots des Organhandels weit verbreitet, dennoch häufen sich immer mehr Stimmen, die eine gewisse Lockerung des Verbotes hin zu einem finanziellen Anreiz fordern, um so die Problematik der langen Wartelisten, aber auch des illegalen Organgeschäfts in den Griff zu bekommen. Es lassen sich eine Menge weiterer Argumente und Gegenargumente finden, die sich mit den Chancen und Risiken der Kommerzialisierung auseinander setzen. Die Relevanz und Brisanz der Frage nach einer Notwendigkeit der Freigabe des Organhandels sollte an den genannten Beispielen erkennbar geworden sein.

3. Geltende Gesetze in Deutschland und anderen Ländern

Wie bereits angedeutet, haben mittlerweile nahezu alle Staaten Transplantationsgesetze verabschiedet, in denen der kommerzielle Organhandel verboten wird[11]. Auch in Deutschland wurde im Jahr 1997 das Transplantationsgesetz[12] (TPG) verabschiedet. Zwar gab es bereits vor dem TPG seit 1988 den Transplantationskodex, den sich die deutschen Transplantationszentren verpflichteten einzuhalten, doch entstand mit dem TPG erstmals echte Rechtssicherheit für alle Beteiligten[13].

Das TPG regelt die Spende und Entnahme von menschlichen Organen, Organteilen oder Geweben[14]. Zudem legt der Gesetzgeber ein völliges Verbot jeglichen Handels und der Kommerzialisierung der Organspende fest. So ist die Entrichtung von Entgelt für die Beschaffung oder Vermittlung von Organen und Geweben strikt verboten. Selbst der Versuch der Erlangung oder gar die Transplantation eines Organs im Ausland, welche durch Geldhandel zustande kam, ist deutschen Staatsbürgern untersagt. Auf den gewerbsmäßigen Organhandel steht eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis[15].

Die deutsche Gesetzgebung ist mit ihrem grundsätzlichen Verbot des kommerziellen Organhandel keine Ausnahme. Nahezu alle Staaten, die Transplantationsgesetze verabschiedet haben, verbieten den kommerziellen Handel[16], wenngleich die entgeltliche Abgabe oder sonstige finanzielle Anreize bei der Abgabe von Nicht-Organen wie beispielsweise von Eizellen zwar in Deutschland verboten, in anderen europäischen Ländern, so z.B. in den Niederlanden oder Großbritannien, hingegen erlaubt ist.

Auch bei den geltenden Bestimmungen, wer als Spender in Betracht gezogen wird und wie dies rechtlich zu regeln ist, unterscheiden sich die Länder. In Deutschland gilt, ähnlich wie in den USA, Australien und Großbritannien die erweiterte Zustimmungslösung, nach der der potentielle Spender sich zu Lebzeiten festlegen sollte (z.B. mit Hilfe eines Organspendeausweises), ob er nach seinem Tod Organe spenden möchte oder nicht. Ist dies nicht der Fall, haben die verbliebenen Angehörigen das Recht, in seinem Sinne zu entscheiden. Das einzige Land, welches die so genannte enge Zustimmungslösung verfolgt ist Japan. Bei dieser Regelung dürfen Organe nur dann entnommen werden, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine klare, nachweisbare, positive Aussage hierzu getroffen hat. Ist dies nicht der Fall, gibt es auch keine Möglichkeit, ihn nachträglich zum Organspender zu machen[17].

Eine andere, durchaus verbreitete Regelung der Organspende, ist die Widerspruchslösung. Hierbei ist jeder Mensch solange potentieller Spender, bis er einen nachweisbaren Widerspruch eingelegt hat, also die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod verneint. Diese Regelung gilt, teilweise auch mit der Erweiterung des Einspruchsrechts der Angehörigen, in Österreich, Schweden, Spanien, Belgien, Frankreich, Norwegen und Finnland[18].

Es existieren folglich in den meisten Ländern mittlerweile staatliche Gesetze, welche die Organspende detailliert regeln. Die kommerzielle Organabgabe ist weitgehend strikt verboten.

4. Chancen und Risiken der Freigabe des Organverkaufs

4.1. Risiken und Argumente gegen die Freigabe des Organhandels

Die Frage, ob der Organverkauf legalisiert werden darf, wird in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion meist mit einer klaren Ablehnung beantwortet. Die Gegner stützen sich hierbei in der Regel auf moralische und konsequentialistische Argumente und nehmen auch aktuelle Gegebenheiten, wie beispielsweise den erwähnten derzeitigen Missbrauch des Organhandels, in ihre Argumentation auf.

Auf konsequentialistischer Ebene argumentieren sie vor allem mit den zu erwartenden gesellschaftlichen, ethischen und rechtlichen Problemen. So wird oft kritisiert, dass die Freigabe des Organhandels dazu führen würde, dass, was bereits heute im illegalen Geschäft Fakt ist, die meisten Menschen nur aus Armut ihr Organ spenden bzw. verkaufen würden. Häufig, so die Argumentation weiter, läge hier zudem keine Aufklärung über die Risiken und Folgen vor. Da die zumeist armen Spender eher ungebildet seien und sich somit der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst wären, könnte es sich beim Organverkauf nicht mehr um eine autonome, freie Entscheidung handeln. Letztlich wären die Spender dann Produkte von Fremdbestimmung oder gar Ausbeutung, weil, so die Befürchtung, ihnen zusätzlich auch nur ein geringer Prozentsatz des Erlöses zukommen würde[19]. Die negativen Folgen im Bezug auf ausbeuterische Vermittlungspraktiken wären unabschätzbar[20]. Auch die Folgen für das Gemeinwesen wären negativ, so die Kritiker. Demnach würde die Freigabe des Organhandels zu einer Verteilungsungerechtigkeit führen. Da ein Organ in der Regel sehr teuer ist, könnten sich nur wohlhabende Personen diese leisten, während dies für arme Menschen ausgeschlossen bliebe. Folglich gäbe es zwei Gruppen: Zum einen die Organspender, die aus zumeist ärmlichen Verhältnissen stammten und zum anderen die Empfänger, die demnach zu den wohlhabenderen zählten. Nach dieser Prognose der möglichen Konsequenzen führt die Freigabe des Organhandels letztlich in eine Zwei-Klassen Medizin, in der im Ernstfall nur der reichere Bürger überleben würde[21].

Der hier zugrunde gelegte freie Markt für Organe birgt in den Augen der Kritiker weitere Probleme. Denn mit dem freien Markt würde die Profitgier von Ärzten, Organisationen und weiteren Beteiligten letztlich zu einer Senkung des medizinischen Standards und somit zur Erhöhung von gesundheitlichen Risiken führen[22]. Da die Erfahrung gezeigt hat, dass für Organe teilweise astronomische Summen bezahlt wurden, bestehe zudem die Gefahr, dass auch die Empfänger von Organen einer Art der Ausbeutung unterliegen würden. Denn diese könnten sich ja, wenn es um Leben oder Tod geht, kaum noch einer anderen Alternative bedienen, als zu übertriebenen Preisen Organe zu erwerben, wenn sonst keine Transplantate zur Verfügung stehen.

Auf konsequentialistischer Ebene ist noch ein letztes Argument bzw. Frage zu nennen. Es geht dabei um die Einordnung des nun monetären Objekts Organ in unserem rechtlichen System. Da einem Organ, sobald es verkauft wird, auch ein Geldwert zugeordnet wird, müsste man sich fragen, inwiefern der Erlös dieses Geschäfts eigentumsrechtlicher Gegenstand ist. Da Befürworter an geeigneter Stelle immer wieder auf die Autonomie der Person hinweisen und den Zugriff Dritter auf eben diese Selbstbestimmung verweigert sehen wollen, entstünden hierbei sicherlich Probleme. Denn um diesen Einfluss tatsächlich von der selbstbestimmten Entscheidung zum Organverkauf fernzuhalten, müsste auch der Erlös unabhängig von Dritten gemacht werden. Doch wie könnte man einem Gläubiger erklären, dass der Erlös aus dem Verkauf eines Autos zur Tilgung verwendet werden muss, der Erlös aus dem Verkauf einer Niere hingegen nicht? Schon die rein rechtlichen Konsequenzen der Freigabe des Organhandels wären daher, so die Kritiker, zumindest als höchst bedenklich und problematisch anzusehen[23].

Neben den zu befürchtenden Folgen stützen sich Gegner des Organhandels vor allem auch auf moralphilosophische und medizinische Einwände. Hierbei verweisen sie nicht selten auf Kant, der die Unverfügbarkeit des Körpers gegenüber einer Instrumentalisierung durch sich selbst oder andere propagierte. Seiner Meinung nach ist der Körper ein integraler Bestandteil der Person. Wer mit dem Körper oder Teilen des Körpers handelt, degradiert diesen zur bloßen Sache. Dies stellt eine Verletzung der Pflicht gegen sich selbst dar. Bei strenger Auslegung verbietet dieses Instrumentalisierungsverbot sogar einen Zahn von sich zu verkaufen. Den Eingriff in die körperliche Integrität halten viele Kritiker für moralisch unzulässig[24]. Streng genommen würde dies auch für die Organspende gelten, doch das Hinzutreten eines altruistischen Motivs, das nach deren Auffassung ausschließlich bei der bloßen Spende gegeben ist, könne diese in manchen Fällen legitimieren. Die moralische Motivation also, hier in Form des verlangten Altruismus, spielt eine wichtige Rolle[25]. Bei einer bezahlten `Spende` würde dieses Motiv zumindest geschwächt und wäre grundsätzlich anzuzweifeln[26]. Das nun zugrunde gelegte ökonomische Motiv sei moralisch verwerflich, so die Gegner[27]. Letztlich würde die intrinsische Motivation durch das Vorhandensein monetärer Entlohnung geschwächt und die Zahl an echten (altruistischen) Spenden würde zurückgehen[28].

Auch medizinethisch sehen Kritiker Bedenken an der Freigabe des Organverkaufs. Die Spender würden sich, so ein Argument, nur aus Gründen des Geldes einem unnötig hohen Gesundheitsrisiko aussetzen[29]. Das Prinzip des „primum non nocere“, also dass Operationen nur aus therapeutischer Notwendigkeit heraus und nicht um Geld zu verdienen geschehen sollten, würde zumindest bei der Lebendspende, deren Anzahl wohl steigen würde, grundsätzlich verletzt[30]. Auch ist bei diesem Thema die Frage, welche Grundsätze in der Medizin gelten sollen zu stellen. Ein Gesundheitssystem, in dem moralische Werte wie Uneigennützlichkeit, Nächstenliebe, Hilfe und Sorge eine wichtige, wenn nicht sogar bestimmende Rolle einnehmen sei dem System einer nur ergebnisorientierten Medizin immer vorzuziehen[31].

[...]


[1] Deutsche Stiftung Organtransplantation (Hrsg.), Die Welt mit anderem Herzen sehen: Organspende und Transplantation, Unterrichtsmaterialien für Lehrer, Frankfurt a.M. 2007, S. 1, 4

[2] Deutsche Stiftung Organtransplantation, Organspende und Transplantation, S. 5

[3] Höfer, Y., Organtransplantation und medizinische Ethik, Dissertation, Düsseldorf 2001., S. 121, Stand 2001

[4] Deutsche Stiftung Organtransplantation, Organspende und Transplantation, S. 4

[5] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 97f

[6] Ebd., S. 99f

[7] Ebd., S. 101, 103f

[8] Gutmann, neues Transplantationsgesetz, S. 101, Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 101-103

[9] Gutmann, T., Für ein neues Transplantationsgesetz: Eine Bestandsaufnahme des Novellierungsbedarfs im Recht der Transplantationsmedizin, Heidelberg 2006, S. 101

[10] Ach, J. S., Anderheiden, M., Quante, M., Ethik der Organtransplantation, 1. Aufl., Erlangen 2000, S. 189; Schmidt, K. W., Ethische Problemfelder der Organtransplantation, in: Engels, E.-M.; Badura-Lotter G.; Schicktanz S. (Hrsg.), Neue Perspektiven der Transplantationsmedizin im interdisziplinären Dialog, 1.Aufl., Baden-Baden 2001, S. 35-56, S. 47

[11] Gutmann, neues Transplantationsgesetz, S. 103

[12] Bundesministerium der Justiz, Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben (TPG), http://bundesrecht.juris.de/tpg/index.html, Stand: 27.3.2009

[13] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 11

[14] TPG §1

[15] TPG §17, 18

[16] Gutmann, neues Transplantationsgesetz, S. 103

[17] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 13

[18] Gutmann, neues Transplantationsgesetz, S. 155f

[19] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 104

[20] Schreiber, H. L., Soll die Möglichkeit der Lebendspende erweitert werden?, in: Broelsch, C. E., Organlebendspende: Diskurs zu ethischen, rechtlichen theologischen und praktischen Aspekten, Paderborn 2006, S. 23-31, S. 29

[21] Ach, Ethik der Organtransplantaion, S. 198

[22] Ebd., S. 197, Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 105

[23] Herrmann, B., Der Körper zwischen Unverfügbarkeit und Vermarktung, in: Ehm, S., Schicktanz, S. (Hrsg.), Körper als Maß? Biomedizinische Eingriffe und ihre Auswirkungen auf Körper- und Identitätsverständnisse, Stuttgart 2006, S. 207-224, S.213f

[24] Gründel, J., Ethische Probleme bei Lebendspende von Organen, in: Wiesing, U. (Hrsg.), Ethik in der Medizin: Ein Studienbuch, Stuttgart 2004, S. 315-319, S. 317f

[25] Ach, Ethik der Organtransplantaion, S. 193f

[26] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 105

[27] Gründel, Ethische Probleme bei Lebendspende, S. 317

[28] Breyer, F., Möglichkeiten und Grenzen des Marktes im Gesundheitswesen. Das Transplantationsgesetz aus ökonomischer Sicht, in: Wiesing, U. (Hrsg.), Ethik in der Medizin: Ein Studienbuch, Stuttgart 2004, S. 319-327, S. 323

[29] Herrmann, Körper zwischen Unverfügbarkeit und Vermarktung, S. 214

[30] Höfer, Organtransplantation und medizinische Ethik, S. 104

[31] Ach, Ethik der Organtransplantaion, S. 197f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken der Freigabe des Organhandels
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V163204
ISBN (eBook)
9783640774654
ISBN (Buch)
9783640774814
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organhandel, Organtransplantation, kommerzieller Organhandel, Organverkauf, Ethik, Transplantation, Transplantationsgesetz, TPG, Problem, Freigabe, Organspende, Spendebereitschaft, Deutschland
Arbeit zitieren
Matti Ostrowski (Autor), 2009, Chancen und Risiken der Freigabe des Organhandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163204

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Chancen und Risiken der Freigabe des Organhandels


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden