In dieser Arbeit werde ich mich der Fragestellung widmen, inwieweit die heutige Kindheitsforschung, mit ihren Methoden, Themen aus der Perspektive von Kindern beleuchtet bzw. die Sichtweise von Kindern berücksichtigt. Betrachtet man außerdem z. B. Forschungen zum Konsum-verhalten von Kindern, bleibt fraglich, ob die Forschungsergebnisse überhaupt dem Kind zuträgliche Ergebnisse bringen oder vielmehr den Erwachsenen und der Konsumindustrie von Vorteil sind. Somit ist nicht nur die Methodenwahl für eine kindadäquate Forschung entscheidend, sondern auch der Untersuchungsgegenstand, der sich an der Lebenswelt und den Interessen der Kinder orientieren sollte.
Da die Kindheitsforschung eine Forschung Erwachsener ist und somit erwachsenenzentriert ist, stellt sich die Frage, inwiefern es möglich ist Aussagen aus kindlicher Perspektive zu machen und nicht nur Aussagen Erwachsener über Kinder.
Dazu werde ich im ersten Kapitel die Geschichte der Kindheitsforschung von ihren Anfängen bis heute darstellen. Im zweiten Kapitel werde ich kurz auf die heutige Sichtweise von Kindheit eingehen. Im Anschluss daran gehe ich im dritten Kapitel ausführlich auf die verschiedenen Forschungsmethoden ein, indem ich qualitative und quantitative Methoden und die Triangulation erläutere. Im vierten Kapitel gehe ich dann schließlich auf die Perspektive von Kindern in der aktuellen Kindheitsforschung ein.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Geschichte der Kindheitsforschung
2. Die heutige Sichtweise auf Kindheit
3. Die Methoden der Kindheitsforschung
3.1 Allgemeines
3.2 Qualitative Methoden
3.3 Quantitative Methoden
3.4 Triangulation
4. Die Perspektive von Kindern in der Forschung
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die aktuelle Kindheitsforschung in der Lage ist, Themen aus der Perspektive von Kindern zu beleuchten und deren Sichtweise adäquat zu berücksichtigen, statt lediglich eine Forschung über Kinder aus erwachsenenzentrierter Sicht zu betreiben.
- Historische Entwicklung der Kindheitsforschung
- Paradigmenwechsel in der Sicht auf Kindheit
- Methodenpluralität: Qualitative vs. Quantitative Ansätze
- Bedeutung der Triangulation in der kindheitsorientierten Forschung
- Herausforderungen der kindlichen Perspektivübernahme
Auszug aus dem Buch
3.2 Qualitative Methoden
Unter qualitativen Methoden versteht man solche, die nicht standardisiert ablaufen. Sie weisen eine strukturelle Offenheit auf. Im Vorhinein wird eine präzise Fragestellung formuliert und daraufhin versucht „durch einen möglichst unvoreingenommenen Zugang zum jeweiligen Feld und unter Berücksichtigung der Weltsicht der dort Handelnden“ Antworten zu erhalten. Zu den qualitativen Methoden gehören u. a. die Folgenden, auf die ich dann auch näher eingehen werde: Qualitative Interviews, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtungen und nichtreaktive qualitative Verfahren.
Durch die geringe Strukturiertheit und den hohen Grad an Offenheit erweisen sich Interviews, vor allem das narrative Interview, als gute Methode um die ‚Sicht des Subjekts’ angemessen erheben zu können. Bei ihnen hat der Befragte selbst die Möglichkeit das Gesagte zu strukturieren und die Themen nach seiner Interessenslage auszuwählen. Allerdings stellen narrative Interviews hohe Anforderungen an Kinder und können deshalb nicht in allen Altersstufen durchgeführt werden. Für jüngere Kinder scheinen fokussierte Interviews sinnvoller, da sie noch nicht über eine ausreichende narrative Kompetenz verfügen. Interviews mit Kindern unter fünf Jahren sind nur schwerlich möglich.
Entscheidend für Interviews mit Kindern ist neben dem Grad der Strukturierung auch eine geeignete Interviewsituation. Möglichst sollte ein vertrauter, störungsfreier Ort gewählt werden. Bei längeren Gesprächssituationen sollten Pausen eingeplant werden, um eine Überforderung zu vermeiden. Die Interviewenden sollten dem Kind gegenüber möglichst freundlich, ermutigend, geduldig, rücksichtsvoll und vorsichtig eingestellt sein. Außerdem müssen sie bereit sein ihre Rolle als Experten in diesem Gespräch aufzugeben, denn hier ist es das Kind, das die Expertenrolle einnimmt und über sein Leben berichtet; die Erwachsenen hingegen nehmen die Rolle der Zuhörenden ein.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Autorin legt dar, wie stark die Kindheitsforschung bisher erwachsenenzentriert geprägt ist und hinterfragt, ob die Forschungsergebnisse tatsächlich den Interessen von Kindern dienen.
1. Die Geschichte der Kindheitsforschung: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von den Anfängen der Beobachtung im 18. Jahrhundert bis hin zur Etablierung von Kindheit als eigenständige Lebensphase in der modernen Sozialforschung nach.
2. Die heutige Sichtweise auf Kindheit: Es wird der Paradigmenwechsel beschrieben, bei dem Kinder zunehmend als produktive Akteure und Mitgestalter ihres eigenen Lebens wahrgenommen werden.
3. Die Methoden der Kindheitsforschung: Ein detaillierter Überblick über die Anwendung qualitativer und quantitativer Instrumente sowie der Einsatz von Triangulation zur Erforschung kindlicher Lebenswelten.
4. Die Perspektive von Kindern in der Forschung: Hier wird thematisiert, wie Forschung gestaltet sein muss, um Machtunterschiede zu verringern und die Stimme von Kindern authentisch einzubeziehen.
5. Resümee: Die Autorin zieht ein Fazit über die Entwicklung der Forschung und fordert eine verstärkte Nutzung kindnaher Situationen statt künstlicher Laboreinstellungen.
Schlüsselwörter
Kindheitsforschung, Kindheit, Qualitative Methoden, Quantitative Methoden, Kindliche Perspektive, Sozialisationsforschung, Triangulation, Erwachsenenzentriertheit, Kindliche Lebenswelt, Pädagogik, Paradigmenwechsel, Expertenrolle, Aktive Akteure, Forschungsmethodik, Empirische Sozialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Perspektive von Kindern in der modernen Kindheitsforschung und beleuchtet, ob bestehende Methoden den Interessen der Kinder gerecht werden oder lediglich erwachsenenzentriert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die historische Genese der Kindheitsforschung, den Paradigmenwechsel vom Objekt zum Subjekt, die methodische Vielfalt und die Schwierigkeit, die kindliche Welt authentisch zu erfassen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, inwieweit die aktuelle Kindheitsforschung die Perspektive von Kindern tatsächlich berücksichtigt und wie sie von einer Forschung "über" Kinder zu einer Forschung "mit" Kindern gelangen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer systematischen Gegenüberstellung verschiedener qualitativer und quantitativer Forschungszugänge innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Kindheitsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die theoretische Beschreibung der kindlichen Sichtweise und eine detaillierte Erläuterung von Forschungsmethoden wie Interviews, Beobachtungen und der Triangulation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kindheitsforschung, kindliche Perspektive, Methodenpluralität und der Prozess der Loslösung von der reinen Erwachsenenzentriertheit.
Warum wird die „Erwachsenenzentriertheit“ als Problem identifiziert?
Weil Forschungsergebnisse laut Autorin oft eher den Interessen von Erwachsenen oder der Wirtschaft dienen, als die eigentliche Lebenswelt und die Bedürfnisse der Kinder zu repräsentieren.
Welche Rolle spielt die Triangulation in der zukünftigen Forschung?
Triangulation wird als essentieller Ansatz gesehen, um durch die Kombination verschiedener Methoden und Datenquellen einen ganzheitlicheren und weniger verzerrten Blick auf die Lebenslagen von Kindern zu werfen.
- Quote paper
- Sandra Stommel (Author), 2008, Zur Perspektive von Kindern in der Kindheitsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163243