Schliemanns Grabungen in Troia – eine Leistung für die Nachwelt oder Fehleinschätzung der Geschichte?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heinrich Schliemann als Begründer der modernen Archäologie

3. Leistungen und Fehler Schliemanns bei seinen troianischen Grabungen
3.1 Der Schliemann-Graben
3.2 Das Skäische Tor
3.3 Der „Schatz des Priamos“
3.4 Wert und Wirken der Arbeiten Schliemanns
3.5 Die Schliemann-Sammlung – eine Sammlung für die Nachwelt?

4. Fazit/Ausblick

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu jeder Zeit stellte Troia einen Reiz für die Zeitgenossen dar. Seit der Zeit, in der die von Homer verfasste Ilias entstand, in welcher genau 51 Tage eines zehn Jahre währenden Krieges zwischen Archaern und Troianer beschrieben werden, wurde schon immer spekuliert, wo genau sich dieses Troia befindet. Dabei ist bei diesem Heldenepos nichts wissenschaftlich bewiesen. Es gilt weder als gesichert, ob Homer der Verfasser dieses Werkes ist, noch, ob Homer überhaupt existierte. Jedoch ist das mediale Interesse an diesem sagenumwobenen Ort immer noch sehr groß. Als Beispiele der letzten Zeit sind sicherlich die neuesten Ausgrabungen in Troia durch Manfred Korfmann, sowie der Kinofilm von Wolfgang Petersen namens Troja anzusehen. Dabei wird vermutet, dass sich das homerische Troia in der heutigen Türkei um den Berg Hisarlik befindet. Die Entdeckungsgeschichte des vermeintlichen Troias, welches von den meisten Wissenschaftlern als jenes, welches Homer beschreibt, akzeptiert wird, begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine erste Hypothese wurde durch Jean Baptiste Le Chevalier erstellt. So sollte sich Troia in der Nähe des Ortes Bunarbaschi in der Türkei befinden. Eine weitere Hypothese vertrat Frank Calvert. Dieser vermutete Troia bei dem schon angesprochenen Ort Hisarlik. Heinrich Schliemann griff die Idee Calverts auf und führte erstmals im großen Stil in Hisarlik Ausgrabungen durch.[1]

Heinrich Schliemann, geboren als Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann am 6. Januar 1822 in Neubukow in Mecklenburg, war ein Kaufmann und Pionier der modernen Feldarchäologie. Er wuchs als fünftes von neun Kindern des Pastors Ernst Schliemann und dessen Frau Luise auf. Bis zu seinem 10. Lebensjahr lebte er in dem Ort Ankershagen, bevor er nach dem Tode seiner Mutter in die Familie seines Onkels Friedrich Schliemann kam. Aus Geldmangel konnte er seine Ausbildung am Gymnasium nicht fortsetzen. 1836 begann er eine Lehre als Handelsgehilfe, welche er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Bei einer Anstellung als Kontorbote entdeckte Schliemann sein Talent für Fremdsprachen und das Interesse an fremden Kulturen. 1846 begann seine Zeit in St. Petersburg. Dort gründete er kurze Zeit später ein eigenes Handelshaus. Schliemann investierte in der Folgezeit erfolgreich u.a. in amerikanische Eisenbahnprojekte und verdiente weiterhin mit Waffenlieferungen an Russland im Krimkrieg sein Vermögen, mit welchem er sich ab 1864 zur Ruhe setzen wollte. Eine erste Ehe ging er mit einer russischen Kaufmannstochter namens Jekaterina Petrowna Lyshina ein. Er unternahm Studienreisen nach Asien sowie Nord- und Mittelamerika. Ab 1866 studierte er Altertumswissenschaften an der Sorbonne in Paris, bevor er 1868 nach Griechenland übersiedelte. Auch dort unternahm er wiederum Studienreisen. Im Jahre 1869 erfolgte Schliemanns Promotion in Abwesenheit zum Dr. phil. an der Universität in Rostock, sowie die Scheidung von seiner ersten Frau, als auch eine erneute Hochzeit mit der Griechin Sophia Engastroménos. 1870 begann er mit ersten Probeausgrabungen auf dem Berg Hisarlik, Schliemanns Eintritt in die Archäologie. Er war der Erste, der umfassende Grabungen an diesem Ort vornahm. Bis zu seinem Tod folgten vier Grabungskampagnen in dem hypothetischen homerischen Troia. Schliemann unternahm auch außerhalb Troias einige Grabungen, u.a. in Mykene, Tyrnis, Orchomenos und Ithaka. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in zahlreichen Publikationen und erregte damit großes Interesse. Schliemann starb am 26. Dezember 1890 in Neapel.[2]

Ziel dieser Arbeit soll es sein, herauszufinden, inwieweit die Ausgrabungen seitens Heinrich Schliemanns eine Bereicherung für die Geschichtswissenschaft und der Archäologie waren oder ob die Wirkung Schliemanns eher negativ einzuschätzen ist. Die Betrachtung beschränkt sich ausschließlich auf seine Grabungen um Troia während der ersten Grabungskampagne 1871-1873. Dazu erfolgt anfangs eine Schilderung der archäologischen und wissenschaftlichen Neuerungen, die durch Schliemann etabliert wurden. In einem Hauptteil erfolgt exemplarisch eine Betrachtung der Leistungen und Fehleinschätzungen durch ihn. Hierbei liegt der Blickpunkt auf den von ihm angelegten sog. Schliemann-Graben, nachfolgend fallen das von ihm fälschlicherweise angenommene Skäisches Tor und der „Schatz des Priamos“ in die Betrachtung. Anschließend wird auf den Wert und das Wirken Schliemanns in der Archäologie sowie der Geschichtswissenschaft eingegangen. Des Weiteren liegt ein Augenmerk auf der sog. Schliemann-Sammlung. Hier ist zu prüfen, welchen Wert diese für die Nachwelt darstellt. Einzelne Abschnitte werden hierbei immer wieder durch Zitate Schliemanns untermauert. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit in einem Fazit sowie Ausblick zusammengefasst.

2. Heinrich Schliemann als Begründer der modernen Archäologie

In diesem Abschnitt soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Heinrich Schliemann ein Pionier und Begründer einer modernen Archäologie war. Es soll aufgezeigt werden, welche neuen Methoden er anwandte und welche neuen Errungenschaften Schliemann bei seinen Grabungen anwandte.

Schliemann konnte im Vergleich zu seinen anderen Mitstreitern auf umfangreiche Kenntnisse der Weltgeschichte zurückgreifen. Er entwickelte ein ausgeprägtes Interesse an griechischer Vorgeschichte. Zu seiner Zeit war Archäologie das Sammeln, Erwerben, sowie eine kunsthistorische Interpretation von Altertümern. Eine konkrete Zielstellung hingegen verfolgte die Archäologie nicht. Es existierten weiterhin keine wissenschaftlichen Methoden in dieser Wissenschaft. Schliemann wurde hingegen klar, dass sich mit Archäologie eine Nahtstelle zwischen früher Menschheitsgeschichte und überlieferter schriftlicher Geschichte auftat. Schliemann analysierte den angenommenen Standort Troias in Hisarlik zunächst nach der Beschreibung Homers, sowie nach militärstrategischen und taktischen Aspekten, bevor er von vornherein schon davon ausging, dass es sich nicht in Bunarbaschi, dem bisher angenommenen Ort, befinden konnte.[3] Diese Erkenntnis war allerdings nicht neu, sondern sie vertraten auch schon einige Gelehrte vor Schliemann. Jedoch war er der Erste, der in Hisarlik ausgedehnte Ausgrabungen durchführen lies.

Schliemanns selbst formuliertes Ziel der Grabungen in Troia war es, „[…] die über die Prähistorie der hellenistischen Welt hängende dunkle Nacht aufzuklären […] die allerinteressantesten Seiten der Weltgeschichte für die Wissenschaft zu Tage zu bringen […]“[4]. Schliemann setzte sich dazu Teilziele, welche er bewältigen wollte. So konzentrierte er sich anfangs auf eine Gesamtaufgabe: die Ausgrabung der Burg des legendären Priamos. Dabei sah er sich, wie schon erwähnt, in dem Dilemma, dass die klassische Archäologie weder Inhalte noch methodische Vorraussetzungen zur Verfügung hatte. Er sah sich dadurch gezwungen, eigene neue Wege zu beschreiten. Als erstes entwickelte er eine Sondagemethode. Diese erlaubte es, große Flächen so weit aufzuschließen, dass ein erstes allgemeines Urteil über den Zustand des zu erforschenden Objekts ermöglicht werden konnte. Diese Methode stellte für Schliemann den dritten Schritt eines Erkenntnisweges dar. Der erste Schritt war das genaue Studium der Quellen, der zweite war die Erkundung des in Frage kommenden Geländes.[5] Schliemanns erster Dienst an der modernen Wissenschaft war es, mit der Sondierung ein stimmiges Gesamtpaket gefunden zu haben. Gerade in der Anwendung dieses Dreierschritts lag der rasche Erfolg in seinen Grabungen.

Ein weiteres Detail, das vor Schliemann unerforscht war, ist die stratigraphische Forschung, das heißt die Einteilung der verschiedenen auszugrabenden Schichten. Er ging davon aus, dass ältere Schichten tiefer gelegen sein müssen, so dass sich die troianischen Schichten unterhalb denen der hellenistischen Zeit befinden mussten. Daraus ergab sich für Schliemann der wesentliche Grundsatz, bis auf den anstehenden Boden zu graben. Nur so konnte man die vorgriechischen Schichten von den griechischen trennen.[6] Aus diesem Grund legte er den sog. Schliemann-Graben an, näheres dazu weiter unten.

Eine weitere Neuerung, die durch Schliemann eintrat, war eine enorme Publikation von Texten und eine damit verbundene Anteilnahme breiter Leserschaften. Zwischen 1869 und 1891 erschienen zehn Bücher über die Troias, über Reisen und Ausgrabungen. Ferner veröffentlichte er auch zahlreiche Beiträge in Zeitungen. Bei Schliemann ist darüber hinaus zwischen der Publikation in Tagebuchform (z.B. Reise in die Troas im Mai 1881, 1881), als auch in Form von Grabungsberichten (z.B. Trojanische Alterthümer. Berichte über die Ausgrabungen in Troja, 1874) zu unterscheiden. In Form des Tagebuches beschreibt er die einzelnen Tiefenfortschritte während seiner Grabungen. Im weiteren Verlauf rückt er sich selbst als handelndes Subjekt mehr und mehr in den Mittelpunkt. Ab hier spricht man von den Grabungsberichten. Diese galten auch gleichzeitig als Legitimation für sein Handeln. Hierin liefert er Listen, analytisch-statistisches Material, als auch zeichnerische Dokumentationen der von ihm gemachten Funde. Dies alles galt im Sinne der Etablierung des Namens Schliemann im Wissenschaftsfeld.[7] Bei diesen eben genannten publizistischen Leistungen ist selbstverständlich davon auszugehen, dass sie Schliemann in den Mittelpunkt rücken sollten und seiner Legitimation dienen mussten. Anderenfalls entstand so auch eine erste Medienwirksamkeit der Archäologie auf interessierte Leserschaften, wie man sie sonst nur aus dem folgenden 20. Jahrhundert kennt. Auf der anderen Seite brach durch die Veröffentlichungen eine Diskussion an, welche bis dahin ein kaum gekanntes Ausmaß einnahm.

Weiterhin gilt Schliemann ebenfalls als der Pionier der kontextuellen Archäologie, als auch der geologisch-archäologischen Perspektive. Er sah wie kein anderer vor ihm den Sinn in interdisziplinärer Zusammenarbeit. So band er u.a. die Botanik und Anthropologie in sein Schaffen ein.[8]

Kritik kann auch aus heutiger Sicht an Schliemanns Publikationen geübt werden. So sind diese durchzogen von voreiligen Schlüssen und Irrtümern. Außerdem wurde schon zu seiner Zeit die Art der Darstellung bemängelt, welche überhaupt nicht wissenschaftlicher Natur waren. Auch der von ihm herausgegebene Atlas trojanischer Alterthümer war zwar ebenfalls eine Pioniertat, aber verärgerte zahlreiche Gelehrte aufgrund technisch mangelnder Abbildungen und unübersichtlicher Tafeln. Jedoch muss Schliemann zu Gute gehalten werden, dass er seine Ergebnisse innerhalb sehr kurzer Zeit der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Auch sind seine Aufzeichnungen so genau gewesen, dass die heutige Archäologie immer noch Nutzen daraus ziehen kann.[9]

3. Leistungen und Fehler Schliemanns bei seinen troianischen Grabungen

Im folgenden Hauptteil der Hausarbeit liegt der Fokus auf den Leistungen und Fehleinschätzungen Schliemanns. Dazu wird anfangs der sog. Schliemann-Graben beleuchtet, anschließend daran die Freilegung des von Schliemann benannten Skäischen Tores, sowie folgend der Fund, welcher Schliemann über Nacht berühmt machte, der vermeintliche „Schatz des Priamos“. Anschließend folgt eine Analyse über Wert und Wirken der schliemannschen Grabungen und welchen Gehalt die Schliemann-Sammlung für die Nachwelt hat.

3.1 Der Schliemann-Graben

Der Schliemann-Graben, auf den es in der Betrachtung als erstes ankommt, ist ein Monument der archäologischen Forschungsgeschichte. Schliemann legte ihn während seiner ersten Grabungskampagne 1871-1873 an. Der Graben sollte einen Querschnitt durch die verschiedenen Schichten Troias bilden. Er ließ diesen Graben anlegen, um möglichst schnell an die erhoffte homerische Stadt zu kommen. Der Graben sollte somit als ein „Suchgraben“ dienen. Jedoch stieß er, wie sich später zeigte, auf die Siedlung des sog. Troia II, eine Schicht, welche mit Hilfe der C14-Methode, aus der frühbronzezeitlichen Siedlung stammte und ca. auf 3000-2800 vor Christus datiert wurde.[10]

Schliemanns schnelles Vordringen ist auch darauf zurückzuführen, dass er Geld und Zeit sparen wollte. Er wollte mit dieser Grabung den Urboden erreichen, hier vermutete er den Beweis für die Existenz Troias. Dieser Graben in Nord-Süd-Ausrichtung von ca. 20 Metern Länge und 17 Metern Tiefe stellt, dies als Kritik, eine methodisch gewaltige Fehlleistung dar. Ohne Rücksicht wurden andere für ihn unbedeutende Schichten missachtet und keiner Würdigung zugeführt. Wichtige Gebäudereste der darüber liegenden Schichten wurden teilweise oder völlig zerstört.[11] Er hätte durchaus eine andere Wahl treffen können. So hätte er auch, wie es heute üblich ist, ein Netz von gitterartigen Suchgräben anlegen können. Jedoch muss man Schliemann zugute halten, dass er alles bei den Ausgrabungen auf dem Berg Hisarlik einer eindeutigen Zielstellung unterordnete. Sein Ziel war es nicht, Kunstschätze vor Ort auszugraben, sondern archäologische Befunde freizulegen. Dies ist, und das ist das neue an der Methode, durchaus ein moderner Grundsatz. Es stellte sich weiterhin für Schliemann als Problem dar, dass er die charakteristischen Schichtungen und Planierungsverhältnisse auf Berg Hisarlik nicht erkannte, bei welchem frühere Schichten durchaus neben jüngeren liegen konnten.[12]

3.2 Das Skäische Tor

Nach der Freilegung des Grabens und vor dem Fund des „Schatzes des Priamos“ fällt diese Entdeckung. An diesem Beispiel lässt sich sehr gut aufzeigen, wie sehr Schliemann dem Epos Homers verfallen war. Schliemann fand das ursprüngliche homerische Skäische Tor zwar nicht, bildete sich aber wie beim „Schatz des Priamos“ ein, dieses gefunden zu haben.

Dieser Fund fällt ebenfalls in das Jahr 1873. Schliemanns Arbeiter trafen zuerst auf eine fünf Meter breite Straße, welche mit großen Steinplatten gepflastert war. Diese Straße führte zu einer doppelten Toranlage. Für ihn war sofort klar, dass es sich hierbei um das Skäische Tor handeln musste. So sagte er „Ich wage aber jetzt die bestimmte Behauptung, dass das von mir ans Licht gebrachte grosse doppelte Thor notwendigerweise das Skäische Thor sein muss […]“[13]. Diesem, in der Ilias oft benanntem Tor, fällt eine Schlüsselposition zu. Von hier aus konnte man laut Homers Beschreibung das ganze Feld überblicken, auch spielten sich hier immer wieder Szenen der Handlung ab und alle Hauptpersonen trafen sich hier. Aber hier irrte Schliemann. Die gesamte Toranlage ist, wie auch der Schatz und das Haus des Priamos, ca. 1000 Jahre älter als die homerische Beschreibung und gehört zur Siedlungsschicht von Troia II.[14]

Bei dem vermeintlichen Skäischen Tor wird deutlich, dass Schliemann nach ganz bestimmten Bauten aus den Schilderungen Homers Ausschau hielt. Das bedeutet, er hatte bestimmte wiederkehrende Bauwerke im Kopf und fahndete zielgerichtet nach diesen. Das hat etwas mit Homers Gestaltungsprinzip der Veranschaulichung durch Handlungsschilderung zu tun. Schliemann wurde quasi durch das Lesen von Homer suggeriert, inwiefern die Stadt ausgesehen haben musste. Dabei ist, wie erwähnt, das Skäische Tor besonders einprägsam, da es sehr oft erwähnt wird. Es überragt aufgrund seiner Größe die ganze Stadt und ist für den Leser daher allgegenwärtig. Das Tor wird sowohl beim Durchgang als auch beim Ausschauhalten auf den Kampfplatz erwähnt. Nicht nur Schliemann erlag dieser Suggestion, schon in der Antike war das Skäische Tor immer wieder in Verbindung zu Troia gesetzt worden. Eine Symbiose aus beiden ist häufig auf Bildern, Münzen und anderen Kunstgegenständen zu sehen. Dabei wusste Schliemann gar nicht genau, was er suchen sollte. Innerhalb der Ilias werden Gebäude sehr selten beschrieben. Wenn sie beschrieben werden, dann nur mit Beiwörtern wie groß, gutgebaut, breitstraßig usw.[15]

Anhand Schliemanns Homergläubigkeit ergab sich eine Vorgehensweise, welche er die ganze Zeit beibehielt. Er hatte feste Vorstellungen und suchte nach bestimmten Gebäuden. Daraufhin fand er Mauerreste und glaubte, es seien die homerischen Stätten. Als er schließlich aber weitere Funde entdeckte, die seine Hypothesen widerlegten, begann er zu zweifeln. Es ist eine regelrechte Folge von Hypothesenbildung und Hypothesenkorrektur. Dies ist eher das Anzeichen eines Wissenschaftlers, als das eines naiven Homergläubigen, wie viele seiner Kollegen früher meinten und einige Forscher es bis heute tun. Er korrigierte sich immer dann, wenn er neue Feststellungen tätigte. Somit entwickelte er sich von einem Archäologen mit Homers Schriften in der Hand zu einem im heutigen Sinne wissenschaftlich forschenden Archäologen. Was das erwähnte Skäische Tor betrifft, so korrigierte er sich selbst und sah ein, dass es dieses nicht sein konnte. Er bezeichnete es fortan nur noch als „Südwestthor“.[16]

[...]


[1] Vgl.: Cobet, Justus: Schliemanns Troia. In: Der Traum von Troia. Geschichte und Mythos einer ewigen Stadt. Hrsg. v. Martin Zimmermann. München 2006, S. 152ff.

[2] Vgl.: Zimmermann, Konrad: Heinrich Schliemann - Ein leben zwischen Traum und Wirklichkeit. In: Klio. Beiträge zur alten Geschichte. Jg. 64 (1982), H. 2, S. 515ff.

[3] Vgl.: Herrmann, Joachim: Heinrich Schliemann: Wegbereiter einer neuen Wissenschaft; mit Auszügen aus Autobiographie und Briefwechsel sowie Testament und Lobreden. Berlin 1990, S. 34ff.

[4] Heinrich Schliemann. Briefwechsel. Aus dem Nachlass in Auswahl. Hrsg. v. Ernst Meyer. Bd. 1: von 1842-1875. Berlin 1953, Nr. 131, S. 165.

[5] Vgl.: Herrmann, Joachim: Heinrich Schliemann: Wegbereiter einer neuen Wissenschaft; mit Auszügen aus Autobiographie und Briefwechsel sowie Testament und Lobreden. Berlin 1990, S. 39f.

[6] Vgl.: Ebenda, S. 41.

[7] Vgl.: Zintzen, Christiane: Von Pompeji nach Troja: Archäologie und Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert. Wien 1998, S. 267ff.

[8] Vgl.: Zintzen, Christiane: Von Pompeji nach Troja: Archäologie und Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert. Wien 1998, S. 298.

[9] Vgl.: Siebler, Michael: Troia-Homer-Schliemann: Mythos und Wahrheit. Mainz 1990, S. 142.

[10] Vgl.: Siebler, Michael: Troia-Homer-Schliemann: Mythos und Wahrheit. Mainz 1990, S. 208.

[11] Vgl.: Korfmann, Manfred O.: Troia. Ein historischer Überblick und Rundgang. Stuttgart 1998, S. 57.

[12] Vgl.: Siebler, Michael: Troia-Homer-Schliemann: Mythos und Wahrheit. Mainz 1990, S. 109ff.

[13] Schliemann, Heinrich: Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja. Leipzig 1874, S. 271f.

[14] Vgl.: Siebler, Michael: Troia-Homer-Schliemann: Mythos und Wahrheit. Mainz 1990, S. 119f.

[15] Vgl.: Mannsperger, Brigitte: Troia und das Skäische Tor bei Homer und Heinrich Schliemann. In: Troia. Brücke zwischen Orient und Okzident. Hrsg. v. Ingrid Gamer-Wallert. Tübingen 1992, S. 231ff.

[16] Vgl.: Mannsperger, Brigitte: Troia und das Skäische Tor bei Homer und Heinrich Schliemann. In: Troia. Brücke zwischen Orient und Okzident. Hrsg. v. Ingrid Gamer-Wallert. Tübingen 1992, S. 247ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schliemanns Grabungen in Troia – eine Leistung für die Nachwelt oder Fehleinschätzung der Geschichte?
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Homer und Troia
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V163246
ISBN (eBook)
9783640793174
ISBN (Buch)
9783640793600
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schliemanns, Grabungen, Troia, Leistung, Nachwelt, Fehleinschätzung, Geschichte
Arbeit zitieren
Udo Krause (Autor), 2009, Schliemanns Grabungen in Troia – eine Leistung für die Nachwelt oder Fehleinschätzung der Geschichte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163246

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schliemanns Grabungen in Troia – eine Leistung für die Nachwelt oder Fehleinschätzung der Geschichte?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden