Zwischen Familie und Beruf? Die Stellung von Frauen im geteilten Deutschland


Seminararbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gemeinsame Ausgangslage für Frauen in Ost und West

3. Frauen in der DDR
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Teilzeit in der DDR

4. Frauen in der BRD
4.1 Rahmenbedingungen
4.2 Teilzeit in der BRD

5. Vergleich

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“[1]

Willy Brandts Äußerung vom November 1989 vor dem Schöneberger Rathaus suggeriert einen Prozess, der Verschmelzung zweier Teile, die auseinander gerissen wurden und nun wieder zusammen wachsen. Dies impliziert aber, dass zusammenwächst, was auch zusammen passt. Ob nun die Geschichte der beiden Staaten eher durch die Betonung der Gemeinsamkeiten oder der Unterschiede gekennzeichnet ist, wirft heute Forschungskontroversen auf.[2]

Diese Hausarbeit soll die Stellung der Frauen zwischen Familie und Beruf in der DDR und BRD im historischen Vergleich untersuchen und somit analysieren, ob eher teilende oder verflechtende Elemente zwischen beiden Staaten vorherrschen. Dabei soll auch der Frage nachgegangen werden, wie die Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf realisierten.

Zunächst erfolgt eine Beschreibung der Rahmenbedingungen, in denen Frauen in der DDR und der BRD lebten. Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Teilzeitproblematik im geteilten Deutschland. Den Abschluss der Hausarbeit bildet ein Vergleich, in welchem Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden deutschen Staaten herausgearbeitet werden.

Das Thema ist auch noch heute von aktueller Bedeutung. Die Diskussionen über eine Ausweitung des Kinderbetreuungsangebotes und die Einführung des Elterngeldes verursachte vor allem in der alten Bundesrepublik auch Streit darüber, welche Funktion die Frau in der Familie wahrnehmen soll. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder auf die Erfahrungen in der ehemaligen DDR hingewiesen, so dass die Entwicklungen in diesem Bereich bis heute nachwirken. Auch heute muss die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vor allem in konservativen Kreisen dafür werben, dass es neben dem Hausfrauenideal der alten Bundesrepublik andere Lebensmodelle von Frauen gibt.

2. Gemeinsame Ausgangslage für Frauen in Ost und West

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 trat in Deutschland eine demografische Situation ein, die das Verhältnis zwischen den Generationen massiv verschob. Auf Grund der hohen Verluste im Kampf und anschließender Kriegsgefangenschaft betrug das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Alter von 20 und 40 Jahren zwei zu drei.[3] Auch unter den Flüchtlingen, die aus den ehemaligen Ostgebieten kamen, waren vorwiegend Frauen.

In den Kriegsjahren ab 1940 konnten akademisch ausgebildete Frauen wegen des verstärkten Kriegseinsatzes von Männern zunehmend höhere Positionen in Wirtschaft und Verwaltung einnehmen, obwohl die Propaganda der Nationalsozialisten immer noch an dem traditionellen Mutterbild festhielt. Die Heimatfront wurde überwiegend durch Frauen besetzt und Deutschland wurde zu einem Frauenland.[4] Junge Frauen befanden sich bei Kriegsende in Berufsausbildung, übten einen Beruf aus und konnten Positionen besetzen, die bezogen auf ihre Berufserfahrung und Alter als höherwertig zu bezeichnen sind.[5]

Um den enormen Bedarf an Arbeitskräften im Zuge des Wiederaufbaus des Landes zu bewältigen, verfügte der Alliierte Kontrollrat eine Meldepflicht für alle arbeitsfähigen Männer und Frauen. Weiterhin wurden die von den Nationalsozialisten großzügig gewährten Familienunterhaltszahlungen für Soldatenfrauen und Kriegswitwen gestrichen, wodurch diese zur Arbeit gezwungen wurden. Ehemalige Berufsdomänen der Männer wurden nun teilweise auch Frauen zugänglich, eine Tatsache, die von allen Besatzungsmächten toleriert beziehungsweise gefördert wurden. Dahinter stand schließlich die Konzeption den Arbeitmarkt für Frauen zu öffnen.[6] Die Lebensläufe von Frauen in Ost- und Westdeutschland in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ähneln sich noch stark. Ausgangspunkt für die folgende Entwicklung ist eine gemeinsame kulturelle Vergangenheit in verschiedenen politischen Systemen.

3. Frauen in der DDR

3.1 Rahmenbedingungen

Ein zentrales Prinzip der Verfassung der DDR war das Gleichberechtigungsgebot. Es zielte darauf ab, möglichst alle Frauen in den Erwerbsprozess mit einzubeziehen. In der BRD wurde diese angestrebte Erwerbstätigkeit der DDR-Frauen mit dem Erwerbszwang der nationalsozialistischen Dienstverpflichtung gleichgesetzt.[7] Die fünfziger und sechziger Jahre standen im Zeichen einer schnellen Integration der weiblichen Bevölkerung in den Arbeitsprozess. Auf Grund der ungünstigen Altersstruktur des Erwerbstätigenpotentials und der ungleichen Verteilung der Geschlechterverhältnisse und dem damit verbundenen Frauenüberschuss wurden Maßnahmen ergriffen, um den steigenden Bedarf an Arbeitskräften im Zuge der zunehmenden Industrialisierung zu befriedigen.[8] Bereits 1946 ordnete die sowjetische Militäradministration in Deutschland die Einführung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit ein und 1950 wurde im „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ das Recht der uneingeschränkten Berufsausübung von Ehefrauen verankert. Ebenfalls Anfang der fünfziger Jahre verlangte der DDR- Ministerrat von den Betrieben Frauenförderungspläne.[9] In der DDR galt neben dem Modell der beruflichen Gleichstellung auch das Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch wenn es ausschließlich auf Frauen ausgerichtet war. Hausarbeitstage, Angliederungen von Wäschereien oder Verkaufsstellen an Frauenbetrieben, formelle und informelle Arbeitszeitverkürzungen sind nur einige der sozialpolitischen Regelungen, die bewirkten, dass Frauen vorwiegend für Kinderbetreuung und Hausarbeit zuständig blieben.[10]

[...]


[1] http://www.willy-brandt-haus.de/php/nav/1/0/99/ie/show.html Stand: 02.09.2007

[2] zur Forschungsdiskussion vgl. Ch. Kleßmann: Konturen einer integrierten Nachkriegsgeschichte. In: APuZ B. 18-19 (2005). S. 3 und H. Möller: Demokratie und Diktatur. In: APuZ B.3 (2007). S.3.

[3] Vgl. D. Wierling: Die Töchter der Weimarer Republik in der SBZ/DDR. Weibliche Jugend zwischen Aufbau und Aufstieg. In: COMPARATIV 5 (1993) H.5, S.102.

[4] Vgl. G. F. Budde: Paradefrauen. Akademikerinnen in Ost- und Westdeutschland. In: dies. (Hg.): Frauen arbeiten. Weibliche Erwerbstätigkeit in Ost- und Westdeutschland nach 1945. Göttingen 1997. S. 185.

[5] Vgl. Wierling (1993) S.101.

[6] Vgl. Budde (1997) S.186.

[7] Vgl. C. Sachse: Frauen in der Arbeitswelt in der DDR und der alten Bundesrepublik. Protokoll der 41. Sitzung. Die Situation der Frauen im geteilten und im vereinigten Deutschland. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Materialien der Enquete- Kommission „ Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“ (13. Wahlperiode des Deutschen Bundestages). Band V Alltagsleben. Baden- Baden 1999. S. 248.

[8] Vgl. G. Helwig: Frauen im SED-Staat. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages). Band III/2. Baden-Baden 1995. S. 1230.

[9] Vgl. Sachse (1999) S. 249.

[10] ebd. S.250.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zwischen Familie und Beruf? Die Stellung von Frauen im geteilten Deutschland
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V163319
ISBN (eBook)
9783640777327
ISBN (Buch)
9783640777013
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwischen, Familie, Beruf, Stellung, Frauen, Deutschland
Arbeit zitieren
Christian Töreki (Autor), 2007, Zwischen Familie und Beruf? Die Stellung von Frauen im geteilten Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163319

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