Über Walter Benjamin: "Der Sürrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz"


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Walter Benjamin

3. Der Surrealismus

4. Entstehungskontext des Essays

5. Der Surrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europaischen Intelligenz..
5.1 Rechtfertigung der Kritik
5.2 Surrealismus als Lebensform
5.3 Die profane Erleuchtung und die Liebe
5.4 Paris als surrealistische Stadt
5.5 Eine Geschichte der esoterischen Dichtung
5.6 Die dialektische Entwicklung des Surrealismus
5.7 Der Kult des Bosen zur Befreiung von Moral
5.8 Revolution und Rausch
5.9 Die Organisation des Pessimismus
5.10 Die Doppelaufgabe der revolutionaren Intelligenz

6. Resumee

7. Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Literaturtheorie und Literaturkritik bei Benjamin und Adorno“ wurden Texte zu verschiedenen Themen von Walter Benjamin und Theodor Adorno gelesenen, besprochen und interpretiert. Aufgrund der mangelnden Zeit konnte Benjamins Essay uber den Surrealismus nicht besprochen werden. Es ist auch weniger ein Essay zur Literatur, als eines uber „das Politische in Kultur und Theorie der Moderne“, welches Grunde fur sein Interesse an dem franzosischen Surrealismus festhalt (vgl. Barck 2006: 386). Im Folgenden soll die Auseinandersetzung Benjamins mit dem Surrealismus nachvollzogen und die Bedeutung des Essays fur sein Gesamtwerk geklart werden. Dazu werden zunachst Walter Benjamin als Person und der Surrealismus als Bewegung kurz dargestellt. Hierauf soll der Entstehungskontext des Essays geklart werden. Kern der Arbeit bildet das Nachvollziehen der Gedankengange Benjamins, die Aussagen des Essays werden zusammengefasst und verstandlich dargestellt. Abschlieftend wird der Essay in Benjamins Gesamtwerk eingeordnet.

2. Walter Benjamin

Im Jahre 1892 geboren, wuchs Walter Benjamin als Sohn eines judischen Bankkaufmanns und Auktionators wohlbehutet im groftburgerlichen Westen der Stadt Berlin auf (vgl. Kramer 2003: 13 f.). Fruh wird in seinen Arbeiten die theologisch-metaphysische Dimension deutlich, die als Reaktion auf die damalige Kulturkrise seinen philosophischen Ansatzen als Fundament dienen soll. Ebenfalls sein politisches Engagement beginnt in jungen Jahren, zwischen 1912 und 1914 setzt er sich bereits als Anhanger Gustav Wynekens fur eine Reform der Schule und Erziehung ein (vgl. Werner 2006: 3). Da 1925 Benjamins Antrag auf eine Habilitation in Frankfurt abgelehnt wird, arbeitet er in der Weimarer Republik als freier Publizist und Autor fur den literarischen Markt. Im Marz 1933 tritt Benjamin das Exil an, in Paris arbeitet er vornehmlich fur das Frankfurter Institut fur Sozialforschung. Dessen Zeitschrift, in der auch Adorno, Horkheimer und Marcuse publizierten, basierte auf Ansatzen der Kritischen Theorie (vgl. Kramer 2003: 10). Die Jahre des Exils waren gepragt von einem Leben am Existenzminimum, welches sowohl Benjamins Arbeit als auch seine personliche Befindlichkeit negativ beeinflusste. 1940 schlieftlich nimmt er sich nach einem gescheiterten Fluchtversuch in die USA mit einer Uberdosis Morphium an der franzosisch-spanischen Grenze das Leben (vgl. Werner 2006: 4 ff.).

Erst Mitte der sechziger Jahre gelangte Benjamin zu seiner bis heute anhaltenden Popularitat, die vor allem durch die Studentenbewegung hervorgerufen wurde. Seit Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhauser im Suhrkamp Verlag die kritische Ausgabe von Benjamins Gesammelten Schriften ab den spaten sechziger Jahren veroffentlichten, werden seine Texte von der Offentlichkeit umfassend wahrgenommen und rezipiert (vgl. Kramer 2003: 8 ff.). Neben der Pragung seiner Werke durch zeitgeschichtliche Ereignisse waren vor allem auch seine Freundschaften zum Beispiel zu Scholem, Brecht oder Adorno fur Benjamin aufterordentlich wichtig. Dabei storte es ihn nicht, dass sich seine Freunde einander oft sehr skeptisch gegenuberstanden. Das Denken in Extremen und das zeitweilige Aufgeben einer Orientierung ist elementar fur die Werke und das Leben Benjamins, wobei die endgultige Synthese der Gegensatze nicht mehr gelingen konnte (vgl. ebd.). Genau diese Eigenschaft bildet das Verbindungsstuck Benjamins zum Surrealismus, der es sich zum Ziel gemacht hatte, Gegensatzlichkeiten zu vereinen und Absurdes zusammenzubringen.

3. Der Surrealismus

Nach dem ersten Weltkrieg war die Protesthaltung gegen die Greuel des Krieges eine der wichtigen Entstehungsaspekte des Surrealismus. Die Hinwendung zum Irrationalen als Reaktion auf die Kriegserfahrungen stellte eine grofttmogliche Weigerung an der Teilnahme an derartigen Schreckensentwicklungen dar (vgl. Burger 1996: 26 ff.). Schlusselfigur der franzosischen Bewegung ist Andre Breton, der in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg eine betrachtliche Zahl von Anhangern um sich scharte, darunter Soupault, Aragon und Eluard. Die zunachst unpolitische Haltung verandert sich 1925 mit dem Marokkokrieg, der Anstoft zur Neuorientierung der Gruppe bot. Der zunachst auf eine geistige Veranderung bezogene Begriff der revolution bekam eine eindeutig politische Farbung. Zwischen 1925 und 1935 versuchten die Surrealisten, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten, was allerdings nie wirklich gelang. Zu unterschiedlich war das Verstandnis von Freiheit der beiden Gruppen, die Auseinandersetzungen fuhrten zu etlichen Austritten bzw. Ausschlussen von Mitgliedern der surrealistischen Gruppe (vgl. ebd.: 28 ff.). Breton versuchte gemaft des surrealistischen Grundsatzes der Vereinigung von Gegensatzen, politische und surrealistische Aktivitaten zusammen zu bringen und somit zu verhindern, dass die Bewegung zu einer bloften Gruppe von Kunstlern bzw. zu einer politischen Aktionsgemeinschaft reduziert wurde. Ab 1935 engagierten sich die Surrealisten vehement gehen den Faschismus, wobei sie sich ebenfalls von der burgerlichen Demokratie distanzierten. Sie vertraten eine radikale revolutionare Position, die ihnen jede Moglichkeit konkreten politischen Handelns nahm. So gelangten sie erneut in einen Zustand apolitischen Verhaltens, in welchem sie die Reinheit des revolutionaren Bewusstseins bewahren wollten. Sie wurden nach dem Ende des zweiten Weltkriegs immer mehr zu einer „bloften“ Kunstlergruppe, deren bekanntester Vertreter ist heute wohl Salvador Dali (vgl. ebd.: 35 ff.).

Fur den Surrealismus elementar war die Idee der Befreiung des Menschen aus den Zwangen der burgerlichen Zivilisation. Die vitalen Krafte des Seins sollten aufgeruttelt werden, nicht uber die Intelligenz, sondern uber Verwirrung (vgl. Duplessis 1960: 5). Die Surrealisten glaubten an eine hohere Wirklichkeit und die Allmacht des Traums, welche Freiheit verspricht. Die Handlungen des Menschen sollten mit seinen tiefen Antrieben in Ubereinstimmung gebracht werden, was auch die Befreiung von hemmender Moral beinhaltete (vgl. Duplessis 1960: 5 ff.). Nach Breton konnen die Ziele des Surrealismus nur unter der Bedingung „moralischer Keimfreiheit“ erreicht werden, dass Bewusstsein muss von den storenden Angsten und Begierden befreit werden (vgl. ebd.: 102). Ebenfalls wichtig ist die Tatsache, dass der Surrealismus keine Theorie, sondern eine aktive Lebensphilosophie darstellt: Nur durch ein intensiv gelebtes Leben gelange man zu den Wurzeln des Seins selbst (vgl. ebd.: 83).

Drei Aspekte waren im Laufe der Zeit fur den Surrealismus von elementarer Bedeutung geworden: Zu Beginn beschaftigten sich seine Anhanger verstarkt mit dem Erreichen eines transzendenten Zustandes, in dem man zwar nicht Gott, wohl aber dem Unendlichen begegne (vgl. ebd.). Diese Bemuhungen waren allerdings nicht ungefahrlich, da das Misslingen des Vorhabens Wahnsinn oder Depressionen auslosen konnte. Auch die Unfahigkeit, das Unaussprechliche auszudrucken, hatte ahnliche Folgen (vgl. ebd.: 84). Von der Suche nach dem Surrealen aufterhalb der Welt wandelte sich das Denken der Surrealisten durch den zweiten wichtigen Aspekt, der Psychoanalyse, hin zu dem Streben nach der Synthese von Transzendenz und Immanenz. Die Psychoanalyse nahm dem unbekannten Bereich der menschlichen Seele den okkulten Charakter und fokussierte die Surrealisten auf die Erforschung des unbewussten Es ihrer Seele (vgl. ebd.: 86 ff.). Der dritte Aspekt, der sich auf das soziale Zusammenleben der Menschen bezieht, ist am starksten auf die Realitat bezogen und kam zum Tragen, als sich die Surrealisten verstarkt politisch engagierten. Sie sahen wie die Kommunisten die erste Bedingung fur die Befreiung des Geistes in der Befreiung des Menschen und forderten die proletarische Revolution (vgl. ebd.: 100 ff.). Die Synthese von Wirklichem und Surrealem sah Breton nach Marx und Engels in der Uberschreitung in der Bewegung von Tat und Leben, der Darstellung des Menschen als ein Ganzes freientfalteter Krafte (vgl. ebd.: 111).

4. Entstehungskontext des Essays

Benjamins Essay uber den Surrealismus entstand im Zusammenhang mit der umfangreichen Lekture surrealistische Texte, die er als Vorbereitung auf sein Passagenwerk absolvierte. Die Pariser Passagen sind ein nie fertiggestelltes Werk Benjamins, welches die Urgeschichte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Stadt Paris erfahrbar machen sollte (vgl. Barck 2006: 386 ff.). Es war ein gropes Vorhaben und moglicherweise die zentrale Arbeit Benjamins, um welche alle anderen Schriften zwischen 1927 und 1940 „kreisen wie Satelliten“ (Wohlfarth 2006: 252). Die Beschaftigung mit dem Surrealismus entspringt der Tatsache, dass Benjamin in dieser experimentellen Denkbewegung Parallelen zu seinen eigenen Gedanken sieht und in ihr die fur seine Passagenarbeit geeignete Form findet (vgl. Barck 2006: 388). Aus diesem Grund bezeichnet Benjamin selber den Surrealismus-Essay als ein Paravent zu den Pariser Passagen.

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Details

Titel
Über Walter Benjamin: "Der Sürrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz"
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Literaturtheorie und Literaturkritik bei Benjamin und Adorno
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V163338
ISBN (eBook)
9783640801541
ISBN (Buch)
9783640802524
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter, Benjamin, Sürrealismus, Momentaufnahme, Intelligenz
Arbeit zitieren
Sarah Al-Bashtali (Autor), 2010, Über Walter Benjamin: "Der Sürrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163338

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