Der CO2-Fußabdruck als Indikator für ein nachhaltiges Logistikmanagement


Bachelorarbeit, 2010

69 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Motivation
1.2. Gegenstand der Arbeit

2. Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Logistik
2.1. Bedeutung des Umweltschutzes in unser heutigen Gesellschaft
2.2. Bedeutung des Umweltschutzes für Logistikunternehmen
2.3. Ökologische Dimension in der Logistik
2.4. Auswirklungen der Logistik auf den Klimawandel
2.5. Auswirkungen des Klimawandels auf die Logistik
2.6. Verhältnis ökonomischer und ökologischer Ziele
2.7. Grüne Logistik

3. Der CO2 Fußabdruck
3.1. Ursprung des CO2-Fußabdrucks
3.1.1. Ökobilanz
3.1.2. Ökologischer Fußabdruck
3.2. Arten des CO2-Fußabdrucks
3.2.1. CO2-Fußabdruck eines Unternehmens
3.2.2. CO2-Fußabdruck einer Supply Chain
3.2.3. CO2-Fußabdruck eines Produktes
3.3. Berechnungsmethoden
3.3.1. Aktuelle Initiativen
3.3.2. Internationale Harmonisierung

4. Vorgehensweise und Beispiel für die Berechnung eines CO2-Fußabdrucks eines Produktes
4.1. Phase 1: Planungsphase
4.1.1. Zieldefinition und Produktauswahl
4.1.2. Lieferantenbindung
4.2. Phase 2
4.2.1. Prozessvisualisierung
4.2.2. Bestimmung von Systemgrenzen
4.2.3. Datensammlung und -ermittlung
4.2.4. Berechnung des CO2-Fußabdrucks
4.3. Phase 3
4.3.1. Ergebnisse validieren
4.3.2. Einsparpotentiale
4.3.3. Kommunikation des CO2-Fußabdrucks

5. Möglichkeiten zur Senkung des CO2-Fußabdrucks
5.1. Energiebereich
5.2. Grüne Beschaffung
5.3. Produktionsbereich
5.4. Transportbereich
5.4.1. Optimierung der Auslastung
5.4.2. Vermeidung von Leerfahrten
5.4.3. Lokale Beschaffung
5.4.4. Verlagerung auf andere Verkehrsträger
5.4.5. Einsatz von Telematiksystemen
5.5. Aktuelle Maßnahmen von Logistikunternehmen

6. Der CO2-Fußabdrucks als Nachhaltigkeitsindikator in der Logistik

7. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Umfrageergebnisse zur Meinung von Unternehmen zu CO2- armen Dienstleistungeno

Abbildung 2 Logistikdimensionen

Abbildung 3 CO2-Emissionen des Transportsektors aufgeteilt nach Verkehrsträger in der EU

Abbildung 4 Störfaktoren in der Logistik bedingt durch den Klimawandel

Abbildung 5 Indirekte Auswirkungen des Klima wandels auf die Logistik

Abbildung 6 Hauptgründe für Umweltschutzaktivitäten von Logistikuntern

Abbildung 7 Bedeutung von grüner Logistik und Umweltschutz für Unternehmen

Abbildung 8 Arten von CO2-Fußabdrücken

Abbildung 9 Grobe Gliederung der Prozesse innerhalb eines Produktlebenszyklus

Abbildung 10 Prozesse im Produktlebenszyklus eines Croissants

Abbildung 11 Zusammensetzung des CO2-Fußabdrucks für ein Croissant

Abbildung 12 CO2-Reduktionslabel

Abbildung 13 EU- Energietikett

Abbildung 14 CO2-Label aus Frankreich

Abbildung 15 Umfrageergebnisse zu Klimaschutzmaßnahmen in Logistikunternehmen

Abbildung 16 Umweltschutzmaßnahmen von Logistikunternehmen im Raum Bremen/ Oldenburg

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Aufgaben der ökologischen Dimension der Logistik

Tabelle 2 Emissionswerte verschiedener Transportmittelarten

Tabelle 3 Treibhauspotential verschiedener Gase (Auszug)

Tabelle 4 Datensammlung für die Berechnung des PCF eines Croissants

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Folgen des Klimawandels begegnen uns fast jeden Tag durch neue Schreckensmeldungen in den Nachrichten. Egal ob Überschwemmungen, Hurrikans oder Dürren, die Erderwärmung und daraus resultierenden Naturkatastrophen werden von menschlichen Aktivitäten verursacht, in dieser Tatsache sind sich 99% der Wissenschaftler einig.[1]

Seitdem erwiesen ist, dass der Klimawandel eindeutig auf uns Menschen zurückzuführen ist und die Folgen unseres Handelns immer sichtbarer werden, sind in den vergangenen Jahrzehnten umweltpolitische Themen und Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Auch in der Politik ist der Umweltschutz ein Themenfeld, mit dem sich inzwischen alle Parteien intensiv auseinandersetzen. Das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll hat als Ziel, die Senkung der Treibhausgase um 8% gegenüber 1990. Darüber hinaus haben sich die EU-Länder verpflichtet die Emissionen bis 2020 sogar um 20 % zu senken.[2] Seit ein paar Jahren rücken solche umweltpolitischen Themen auch immer mehr in den Blickpunkt von Unternehmen. Eine Unternehmenspolitik mit nachhaltig-ökologischen Gesichtspunkten ist heute schon fast unverzichtbar vor allem für große Konzerne, die am stärksten im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, da eine immer grösser werdende öffentliche Meinung mehr umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen fordert. Dies gilt vor allem auch für die Logistikbranche, die im großen Masse Verursacher vom klimaschädlichen Gase ist.

Doch kann in der Logistik eine nachhaltige und ökologisch orientierte Strategie gleichzeitig zu ökonomischen Erfolg führen? Gibt es dort einen Zielkonflikt und wie kann man beide Ziele in Einklang bringen? Welche Methoden gibt es, um die Umweltfreundlichkeit eines Logistikunternehmens zu messen? Ist an dieser Stelle der CO2-Fußabdruck ein geeigneter Indikator für Nachhaltigkeit? Dies alles sind Fragestellungen, mit denen sich Logistikunternehmen in der jetzigen Zeit vermehrt beschäftigen müssen.

1.1. Motivation

Das Themengebiet der „grünen Logistik" steht in fast allen Logistikstudiengängen noch nicht auf dem Lehrplan, da es sich um ein noch wenig erforschtes, aber immer wichtiger werdendes Teilgebiet der Logistik handelt. Es ist daher ein besonderes Anliegen einen Beitrag dazu zu leisten, dass dieses Themengebiet, wozu auch der CO2-Fußabdruck zählt, weiter erforscht wird und somit mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken kann. Weiterhin ist der CO2-Fußabdruck in unserer heutigen Zeit vor dem Hintergrund des steigenden Umweltbewusstseins in unserer Gesellschaft ein sehr interessantes und hochaktuelles Thema.

1.2. Gegenstand der Arbeit

Im 2. Kapitel „Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Logistik" wird zunächst die Bedeutung dieser Themen in unserer Gesellschaft und in Unternehmen beschrieben. Weiterhin werden die Bedeutung der ökologischen Dimension im Logistikmanagement und das Verhältnis zwischen ökologischen und ökonomischen Zielen erläutert. Außerdem werden Bestandteile der „grünen Logistik" dargestellt.

Im 3. Kapitel wird auf den CO2-Fußabdruck eingegangen. Dabei wird zwischen verschiedenen Arten von Fußabdrücken unterschieden. An dieser Stelle wird detailliert auf den CO2-Fußabdruck eines Produktes in der Logistik eingegangen. Weiterhin werden aktuelle Initiativen und Pilotprojekte zum Thema CO2-Fußabdruck vorgestellt sowie die Wichtigkeit einer internationalen Harmonisierung erläutert.

Im 4. Kapitel wird eine mögliche Vorgehensweise zur Berechnung eines CO2- Fußabdrucks eines Produktes anhand eines Beispiels erklärt.

Ausgehend von dieser Berechnung werden im 5. Kapitel Möglichkeiten zur Senkung des CO2-Fußabdrucks eines Produktes beschrieben. Das 6. Kapitel beschäftigt sich mit dem CO2-Fußabdruck als Indikator für Nachhaltigkeit in der Logistik

2. Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Logistik

Der weltweite Klimawandel ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. In diesem Zusammenhang sind in den letzten Jahrzehnten zwei Begriffe, zum einen die Nachhaltigkeit und der Umweltschutz in aller Munde. Der Begriff Umweltschutz steht dabei als „Sammelbegriff für alle Bestrebungen und Maßnahmen, die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen zu erhalten"[3] Für den Begriff „Nachhaltigkeit" oder „nachhaltige Entwicklung" gibt es dagegen viele verschiedene Erklärungen und Definitionen, die in der Literatur verwendet werden: So kann man darunter eine „dauerhaft umweltgerechte Entwicklung"[4] oder „nachhaltig zukunftsverträgliche Entwicklung"[5] verstehen. Im Vordergrund steht dabei bei allen Definitionen eine langfristige umweltfreundliche Entwicklung. Kurzfristige Maßnahmen fallen nicht unter diese Definitionen. Umweltschutzmaßnahmen und nachhaltiges Handeln haben zum Ziel den weltweiten Klimawandel einzudämmen, der vor allem durch die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen hervorgerufen wurde.

2.1. Bedeutung des Umweltschutzes in unser heutigen Gesellschaft

In unserem Alltag werden Verbraucher immer mehr in Werbebotschaften dazu aufgefordert, sich klimafreundlicher zu verhalten. Aus diesem Grund achtet der Verbraucher seinerseits stets immer mehr auf ein umweltbewusstes Konsumverhalten. Dies zeigt sich zum Beispiel am Ergebnis einer Studie der britischen Organisation „The Carbon Trust" aus dem Jahre 2006, die in einer Umfrage zu dem Ergebnis kam, dass 2/3 aller Verbraucher Produkte bevorzugen würden, die niedrigere Treibhausgasemissionen aufweisen als andere.[6] Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2007 von der Unternehmensberatung Sempora kam zu einem ähnlichen Ergebnis. In einer repräsentativen Umfrage gaben knapp 2/3 der Befragten an, „in Zukunft bei Kaufentscheidungen das Thema CO2 mit ins Kalkül zu ziehen"[7]. Das Umweltbewusstsein ist in unserer heutigen Gesellschaft stark ausgeprägt und wird auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

2.2. Bedeutung des Umweltschutzes für Logistikunternehmen

Doch nicht nur für den Verbraucher spielt ein umweltbewusstes und nachhaltiges Verhalten eine wichtige Rolle, sondern auch immer mehr für Unternehmen. Eine Umfrage des Bundesverbandes Materialwirtschaft und Einkauf aus dem Jahr 2007, bei der speziell Logistikunternehmen befragt wurden, kam zu diesem Thema zu folgendem Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Umfrageergebnisse zur Meinung von Unternehmen zu CO2- armen Dienstleistungeno[8]

Die meisten befragten Unternehmen gaben an, bei einem ähnlichen Preisniveau einen umweltfreundlicheren Dienstleister vorziehen zu wollen. Diese Statistik belegt die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit für Logistikunternehmen.

2.3. Ökologische Dimension in der Logistik

Da Nachhaltigkeit und Umweltschutz für Logistikunternehmen an Bedeutung zunehmen, ist dieses Thema auch zu einer wichtigen Aufgabe innerhalb des Logistikmanagements herangewachsen. Dazu kann man die Aufgabenbereiche innerhalb der Logistik in verschiedene Dimensionen aufgliedern, „die jeweils eine Koordinationsaufgabe im Licht ihrer dimensionsspezifischen Inhalte wahrnehmen“[9]. Mit anderen Worten ist jede dieser Dimensionen ein Teilbereich des Logistikmanagements.

Folgende Dimensionen sind dabei in der Logistik von besonderer Bedeutung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Logistikdimensionen[10]

Diesen vier Dimensionen der Logistik kann man in der heutigen Zeit einen unterschiedlichen Stellenwert zusprechen. Die Forschungsintensität oder anders gesagt der „wissenschaftliche Durchdringungsgrad“[11] unterscheiden sich je nach Dimension. Die technische und ökonomische Dimension waren von großer Bedeutung von in den siebziger bzw. achtziger Jahren.[12] Später in den neunziger Jahren gewann auch die soziale Dimension stärker an Gewicht, bevor Ende der neunziger Jahre bis heute die ökologische Dimension als vierte Dimension immer wichtiger wird.[13] In der Logistik umfasst die Ökologie folgende Aufgaben, die in 3 Ebenen unterteilt werden können:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Aufgaben der ökologischen Dimension der Logistik[14]

Die normative Ebene beschreibt das Erkennen der Bedeutung des Umweltschutzes in der heutigen Zeit, was in einem Logistikunternehmen die „Wertschätzung der Natur durch die Mitarbeiter“ wiederspiegelt. In der strategischen Ebene geht es um das Fixieren von bestimmten Umweltschutzzielen, unter Berücksichtigung der anderen Dimensionen und der verschiedenen Anspruchsgruppen. Dazu gehört das Aufdecken von Umweltschutzpotentialen. In der operativen Ebene, die das Tagesgeschäft umfasst, werden konkrete Potentiale und Ziele durch eine umweltverträgliche und effiziente Lenkung und Gestaltung logistischer Prozesse umgesetzt.

2.4. Auswirklungen der Logistik auf den Klimawandel

Die Logistik und insbesondere die Transportlogistik ist im großen Maße Verursacher vom CO2. 23% der weltweiten CO2-Emmissionen werden von der Transport- und Logistikbranche verursacht. Auf den Waren- und Gütertransport entfallen davon ca. 35%.[15] Nach einzelnen Verkehrsträgern aufgeteilt, kommt man zu folgender Betrachtung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 CO2-Emissionen des Transportsektors aufgeteilt nach Verkehrsträger in der EU[16]

Fast % aller Emissionen werden durch den LKW-Verkehr verursacht. Dieser Trend wird Schätzungen zufolge weiter andauern. Man geht von einer Zunahme des LKW-Aufkommens auf deutschen Straßen um 34% bis 2020 aus.[17] Aus ökologischer Sicht ist diese Tendenz negativ zu betrachten, wie diese Studie aus dem Jahr 1986 zeigt, die noch heute Gültigkeit besitzt. Diese Studie vergleicht die Emissionswerte verschiedener Verkehrsträger.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Emissionswerte verschiedener Transportmittelarten[18]

Die Tabelle belegt die Umweltschädlichkeit des LKW-Verkehrs im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern wie dem Schienenverkehr.

Jedoch ist nicht nur der Einfluss der Transporte in der Logistik auf unsere Umwelt zu beachten, sondern auch der Einfluss der industriellen Logistik nicht zu vernachlässigen. Logistik umfasst nicht nur die reine Organisation und Durchführung von Transporten, sondern auch die gesamte Steuerung der innerbetrieblichen Lieferkette von der Beschaffung über die Produktion bis zur Distribution. Dabei liefert eine prozessorientierte Sichtweise auf Produktionsabläufe in einem Unternehmen wichtige Anhaltspunkte zur Nachhaltigkeit. Dabei ist es wichtig, dass jeder Prozess auch eine ökologische Bilanz ausweist. Einen Prozess mit einem klar definiertem In und Output, kann man in verschiedene Dimensionen aufgliedern[19] :

- Materielle Dimension: die Veränderung und Umgestaltung der Ausgangsmaterie (z.B. das Stanzen eines Loches in ein Stück Metall)
- Zeitliche Dimension: die benötigte Zeit, um den Prozess durchzuführen
- energetische Dimension: Diese Dimension gibt an wie viel Energie einem Prozess zugeführt werden muss oder anderes formuliert wie die Energiebilanz eines Prozesses aussieht.

Vor allem die letztgenannte energetische Dimension hat einen Einfluss auf den Klimawandel. Den meisten Prozessen in einer Produktion muss Energie z.B. Maschinen in Form von Strom zugeführt werden. Je effizienter und schlanker Prozesse organisiert sind, je weniger Strom verbrauchen diese auch. Die Effizienz aller Prozesse von der Beschaffung über die Produktion bis hin zur Distribution, das heißt in jeder Wertschöpfungskette oder Supply Chain, ist daher von der Qualität der jeweiligen Logistik abhängig. Umgekehrt ist daher auch die nachhaltige Gestaltung jeder Liefer- und Wertschöpfungskette von der Logistik abhängig. Demzufolge ist die gesamte Logistik eines Unternehmens „die zentrale Größe nachhaltigen Wirtschaftens“[20]. Die Gestaltung der gesamten Logistik ist daher ein Schlüssel für eine umweltorientierte Unternehmenspolitik.

2.5. Auswirkungen des Klimawandels auf die Logistik

Nicht nur die Logistik hat einen Einfluss auf den Klimawandel sondern auch umgekehrt der Klimawandel auf die Logistik. Das Forschungsprojekt „nordwest 2020“ in Kooperation mit dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ILS) aus Bremen ging dieser Frage nach. Im Rahmen einer Befragung wurden folgende Störfaktoren als direkte Bedrohungen genannt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Störfaktoren in der Logistik bedingt durch den Klimawandel[21]

Anzumerken bleibt bei dieser Umfrage, dass vor allem Unternehmen in der Region Bremen/ Oldenburg, also Unternehmen in Küstennähe befragt wurden und folglich Bedrohungen wie der Anstieg des Meeresspiegels als höher eingeschätzt werden. Jedoch können die Ergebnisse auch auf andere Regionen übertragen werden, wenn man sich die Verletzlichkeiten anschaut, denen die gesamte Logistik und vor allem der Güterverkehr unterliegen können. Dabei geht es vor allem um „die Beeinträchtigung des reibungslosen Ablaufs des Güterverkehrs und damit auch eine ökonomische Gefahr für die Unternehmen"[22]. Als Beispiel könnte man hierbei eine Sturmflut in der Nordsee anführen, bei der tagelang an den großen Überseehäfen wie Rotterdam oder Hamburg kein Containerumschlag möglich wäre und Unternehmen in Deutschland in dieser Zeit weder exportieren noch importieren könnten. Eine deutschlandweite Befragung der Unternehmensberatung Anxo Consulting aus dem Jahr 2009 kam bei den möglichen indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf die Logistik zu folgendem Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Indirekte Auswirkungen des Klima wandels auf die Logistik[23]

Primär werden im Moment regulatorische Maßnahmen des Staates als indirekte Auswirkung des Klimawandels wahrgenommen, z.B. durch eine hohe Steuer auf Treibstoffe oder ganz allgemein höheren Energiekosten. Laut der Umfrage werden diese Auswirkungen an Bedeutung und Relevanz leicht abnehmen. Dafür werden in Zukunft andere Aspekte an Relevanz gewinnen, wie die Reduzierung von Transporten (9%) oder die Erhöhung von Lagerstandorten (8%). Diese Maßnahmen, die nach Einschätzung der Unternehmen an Bedeutung gewinnen werden, kann man als erste Gegenmaßnahmen zur Senkung der immer weiter steigenden Energie-/ und Treibstoffkosten deuten.[24]

Es bleibt also festzuhalten, dass nicht nur die Logistik, insbesondere die Transportlogistik Einflüsse auf die Umwelt hat, sondern umgekehrt auch die Umwelt auf die Logistik und zwar zum einen auf direkte Weise (z.B. durch Naturkatastrophen) und zum anderen auf indirekte Weise (z.B. durch Umweltauflagen).

2.6. Verhältnis ökonomischer und ökologischer Ziele

Um ökologische und ökonomische Ziele gegenüberzustellen, ist es wichtig zuerst die Gründe für Umweltschutzaktivitäten zu betrachten. Dazu kam der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik im Rahmen einer Umfrage zu folgendem Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Hauptgründe für Umweltschutzaktivitäten von Logistikuntern[25]

Als Hauptgrund für Umweltschutzaktivitäten werden von Logistikunternehmen die Verbesserung des eigenen Images sowie das steigende Umweltbewusstsein der Kunden genannt. Dies kann man als Reaktion der Unternehmen auf den am zweithäufigsten Grund dem steigenden Umweltbewusstsein der Kunden deuten.

Demzufolge versuchen Logistikunternehmen auf den Trend des steigenden Umweltbewusstseins zu reagieren. Auffallend ist jedoch auch, dass zurzeit die wenigsten Unternehmen CO2-Emmissionen als Kostenfaktor betrachten, sondern erst in Zukunft als Kostenfaktor sehen. Viele Unternehmen sehen also im Moment keine großen Einsparpotentiale durch Umweltschutzmaßnahmen, sondern erst in Zukunft wenn z.B. fossile Energien noch teurer werden als jetzt.

Eine andere Studie zu Trends und Strategien in der Logistik[26] sieht die Energie/ Treibstoffkosten schon heute als den drittgrößten Kostentreiber in der Logistik nach den Preisen für Transport, Versand und den Personalkosten. Prognostiziert wird, dass im Jahr 2015 die Energie- und Treibstoffkosten der wichtigste Kostentreiber sein werden.

Weiterhein kann man feststellen, dass im Vergleich zu früher der Umwelt- und Ressourcenschutz auch als Megatrend in der Logistik bezeichnet werden kann und „die Bedeutung der ökologischen Nachhaltigkeit als Merkmal logistischer Dienstleistungen zu wachsen scheint“[27] Ökologie und Ökonomie sind also kein Wiederspruch mehr sondern vielmehr zwei Faktoren, die kombiniert werden müssen. Viele ökologische Ziele der Logistik verhalten sich sogar komplementär zu ökonomischen Zielen.[28] Ein Beispiel dafür wären Maßnahmen zur Steigerung der Transportmitteleffizienz. Eine solche Maßnahme senkt den Energieverbrauch, d.h. den CO2-Ausstoß, was als ökologische Maßnahme zu verstehen ist und auf der anderen Seite auch die Kraftstoffkosten, ein ökonomisches Ziel.[29] Jedoch darf man auch nicht aus den Augen lassen, dass trotzdem eine Vielzahl von ökologischen Zielen den ökonomischen konfliktär gegenüberstehen. Die oben erwähnte Maßnahme zur Transportmitteleffizienz kann sich aus ökonomischer Sicht auch als nicht sinnvoll beurteilt werden, wenn dadurch weitere Lagerflächen benötigt werden. Dabei kann man unter Umständen zum Ergebnis kommen, dass die zusätzlichen Lagerkosten die eingesparten Kraftfahrtstoffe übersteigen und eine solche aus ökologischer Sicht durchaus sinnvolle Maßnahme zusätzliche Kosten verursacht.[30]

Es bleibt also festzuhalten, dass zahlreiche ökonomische und ökologische Ziele der Logistik keinen Widerspruch darstellen. Es gibt jedoch trotzdem reichlich Konfliktpotential im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie in der Logistik. Dabei ist es die Aufgabe vom betrieblichen Logistikmanagement, zwischen unterschiedlichen Zielen abzuwägen unter Berücksichtigung der Umweltpolitik des jeweiligen Unternehmens.[31]

[...]


[1] Vgl. http://www.tagesschau.de/ausland/weltklimabericht4.html

[2] Vgl. http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/un-klimakonferenz/DE/KlimapolitikDerBundesregierung/klimapolitik-der-bundesregierung.html

[3] Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Umweltschutz

[4] http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/archiv_97/Ziele_und_Wege_105/definitionen_897.htm

[5] http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/archiv_97/Ziele_und_Wege_105/definitionen_897.htm

[6] Vgl. http://www.carbontrust.co.uk/news/news/archive/2006/Pages/061106_consumers.aspx

[7] http://www.klimaktiv.de/article97_5073.html

[8] Bundesverband Materialwirtschaft und Einkauf (2007): Umfrage „CO2 und Modal Split“ , http://www.bme.de/fileadmin/bilder/PDF/co2.pdf

[9] Wehberg, Götz (1997), S. 48

[10] Eigene Darstellung (Vgl. Wehberg, Götz (1997), S. 48-50)

[11] Wehberg, Götz (1997), S. 51

[12] Vgl. Wehberg, Götz (1997), S. 51

[13] Vgl. Wehberg, Götz (1997), S. 51

[14] Eigene Darstellung (Vgl. Wehberg, Götz (1997), S. 57)

[15] Vgl. IPCC Working Group III Report, 2007 aus Nachhaltigkeitsreport Transport Logistik (2009/2010), http://www.dvz.de/fileadmin/user_upload/hintergrund/Green_Logistics/2205_Nachhaltigkeitsreport_20 09_webmail.pdf, Seite 36

[16] Europäische Kommission (2008), http://epub.wu-wien.ac.at/dyn/virlib/wp/eng/mediate/epub-wu-01_106b.pdf?ID=epub-wu-01_106b, Seite 4

[17] ACATEC – Dossier Mobilität,http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Aktuelles__Presse/Dossiers/Dossier_Mobilitaet/Dossier_Mobilitaet.pdf, Seite 1

[18] Dyckhoff, H. (2000), Seite 157

[19] Vgl. Fischer, Mario (1995), S. 139

[20] Hülsmann, M.; Grapp, J (2007), S. 110

[21] Vgl. Haasis, H.-D. u.a.in Internationales Verkehrswesen (5/2010) [22] Vgl. Haasis, H.-D. u.a. in Internationales Verkehrswesen (5/2010)

[23] Vgl. ANXO Consulting (2009), http://www.anxo-consulting.com/fileadmin/downloads/Studie_Auswirkungen_der_Klimaveraenderung_final.pdf, Seite 20

[24] Vgl. ANXO Consulting (2009), http://www.anxo-consulting.com/fileadmin/downloads/Studie_Auswirkungen_der_Klimaveraenderung_final.pdf, Seite 20

[25] Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf Logistik e.V, Umfrage „Green Logistics“ (2009), http://www.competence-site.de/downloads/90/9e/i_file_301327/auswertunggreenlog.pdf, Seite 4

[26] Vgl. Bundesvereinigung Logistik (2009): Studie Trends und Strategien in der Logistik, http://www.wuerth-phoenix.com/fileadmin/downloads/pdf_Presse/Kernaussagen_zur_Trendstudie_Logistik.pdf

[27] Lohre, Prof., Dr. Dirk, Studie: Grüne Logistik (2010), http://www.dslv.org/de/binary/438/928/page/download.xml, Seite 2

[28] Vgl. Dyckhoff, H. (2000), Seite 156

[29] Vgl. Dyckhoff, H. (2000), Seite 156

[30] Vgl. Dyckhoff, H. (2000), Seite 156

[31] Vgl. Dyckhoff, H. (2000), Seite 156

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Der CO2-Fußabdruck als Indikator für ein nachhaltiges Logistikmanagement
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes  (Deutsch-Französisches Hochschulinstitut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
69
Katalognummer
V163401
ISBN (eBook)
9783640781799
ISBN (Buch)
9783640781645
Dateigröße
1752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CO2-Fußabdruck, Indikator, Logistikmanagement
Arbeit zitieren
Bruno Hartig (Autor), 2010, Der CO2-Fußabdruck als Indikator für ein nachhaltiges Logistikmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163401

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