Die semantische Valenz in der modernen Valenztheorie

Die syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen am Beispiel-Lexem "hängen"


Seminararbeit, 2010
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die modernen Valenztheorien
1.1 Moderne „Semantisierung“ in der Theorie von Gerhard Helbig
1.2 Joachim Jacobs und seine „Kontra Valenz“-Theorie

2 Die semantische Valenz am Beispiel-Lexem „hängen“
2.1 Die syntagmatischen Beziehungen durch Helbigs „Semantisierung“
2.2 Die paradigmatische Analyse mit Hilfe von Jacobs „Kontra Valenz“

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In den letzten Jahren hat sich die Wissenschaft eingehender mit den Wort- bedeutungen und –beziehungen im Satz beschäftigt. Die Untersuchungen in den letzten 30 Jahren, in denen die Forschungen explizit vertieft worden sind, zeigen, dass die Meinungen über den Begriff „Valenz“ sehr unterschiedlich sind und weit auseinander gehen, sodass es erschwert, die einzelnen Bedingungen und Folgen genauer zu analysieren, da keine „allgemeinen“ Termini zur Untersuchungen der ver- schiedenen Verhältnisse vorhanden sind und so nur wenige Ergebnisse als „Allgemeingut“ erzielt werden können.

Unter „Valenz“ versteht man allgemein „die Ergänzungsbedürftigkeit der Verben als Spezialfall der Kombinierbarkeit von Wörtern“[1]. Tatsächlich taucht dieser Terminus erst im Jahre 1959 unter der französischen Bezeichnung „valence“ auf, als er von dem französischen Sprachwissenschaftler Lucien Tesnière (1893-1954) in seinem Werk „éléments de syntaxe structurale“ (postum 1959) entwickelt wurde, um die Wertigkeit der Verben in Verbindung mit deren Kopula, also „actants“ und „circonstants“ zu erklären, d.h. die Fähigkeit der Verben, Elemente an sich zu binden, um eine Aussage zu bilden, somit „eine bestimmte Anzahl von actants zu regieren“, genauer beschreiben zu können, wodurch das Subjekt als Aktant seine Sonderstellung im Satz verliert.[2]

Meine Fragestellung lautet: Lassen sich die einzelnen Theorien verbinden und als ein gesammeltes System der Valenzuntersuchung gestalten? Oder muss man sich auf ein Modell beschränken, um eine semantische Valenzanalyse anzufertigen?

Die vorliegende Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten werde ich auf die zwei wichtigen Valenzforscher Gerhard Helbig und Joachim Jacobs eingehen und versuchen, deren Theorien im Hinblick auf die semantische Valenz zu erklären. Im zweiten großen Abschnitt möchte ich die zwei verschiedenen Modelle im Praxistest am Beispiel des Lexems „hängen“ näher erläutern.

1 Die modernen Valenztheorien

Wie bereits erwähnt, sind die Forschungen in den letzten Jahrzehnten besonders verstärkt worden, um die alten Theorien zu überprüfen und eventuell neue Ideen und Aktualisierungen vorzubringen. Dabei erzielte man nicht immer nur Fortschritte, sondern auch einige Rückschritte, unter denen die Modelle und Ansätze der Theoretiker sehr gelitten haben, da deren Entwicklungen besonders auseinander genommen wurden, um deren oberflächiges Schreiben besser verstehen zu können. Darin zeigte sich, dass sich viele verschiedene Ansichten der Valenztheorie entwickelt haben, welche sich teilweise überschneiden oder sehr konträr zu einander sind.

„Valenz ist […] der zusammenfassende Begriff für alle in einem Wort enthaltenen Informationen über die Kombinierbarkeit dieses Wortes mit anderen Wörtern im Satz.“[3] Dieser Satz zeigt an, wie sich das Verhältnis der Semantik und der Syntax auswirkt. Beide Bereiche müssen also zusammenarbeiten und einander ergänzen, um eine umfangreiche und befriedigende Beschreibung eines Wortes (Verbes) zu erreichen. Dabei stellt sich die Frage, ob die Semantik allein nicht ausreicht, um die Zusammenhänge eines Verbes mit ihren Verknüpfungen und ihrer Bedeutungen zu gestalten, da die verschiedenen „Sememe“[4] eines Wortes bereits potentielle Verbindungen bedingen.

Die „semantische Valenz“ ist in der allgemeinen Literatur ein Teilbereich der Valenz und vertritt die Annahme, dass die einzelnen Ergänzungen bestimmte „semantische Rollen“ erschließen und den jeweiligen Aussagen unterschiedliche Wertungen geben können. Dabei ist zu beachten, dass syntagmatische Veränderungen den Sinngehalt der Sätze verschieben und so die Sememe unterschiedlich ausfallen, weswegen der syntaktische Aspekt nicht ausgelassen werden kann.

Um dieses Problem zu erläutern und zu untersuchen, werde ich bei den folgenden Valenztheoretikern hauptsächlich über die semantische Valenz informieren und in kritischen Fällen die syntaktischen Beziehungen aufgreifen.

1.1 Moderne „Semantisierung“ in der Theorie von Gerhard Helbig

Der deutsche Grammatikforscher Gerhard Helbig (1929-2008) hat sich bereits in der ehemaligen DDR besonders mit dem Fremdsprachenunterricht beschäftigt und sich unter dem Gesichtspunkt des Erlernens der deutschen Sprache explizit mit den Möglichkeiten der Valenz auseinandergesetzt. Vor allem in der Valenztheorie hat er wichtige Entdeckungen und Neuansätze geschaffen, die bis heute als unentbehrlich gelten.

Für Helbig ist die „semantische Valenz“ neben der logischen und syntaktischen eine der drei großen Ebenen der Valenz. Die semantische Valenz

„reflektiert den Umstand, dass Wörter (als Valenzträger) bestimmte Kontextpartner mit bestimmten Bedeutungsmerkmalen (als Valenzpartner) fordern, andere Kontextpartner mit anderen Bedeutungsmerkmalen aber ausschließen. […] (Sie) regelt somit die Besetzung von Leerstellen mit Klassen von Partnern, die semantisch durch bestimmte Bedeutungsmerkmale festgelegt sind. Die Wahl geeigneter Kontextpartner und die Ausschließung unzulässiger Kontextpartner erfolgt auf Grund der Kompatibilität oder Inkompatibilität der Bedeutungsmerkmale der beiden Kontextpartner […].“[5]

Die semantischen Klassen (auch Selektionsbeschränkungen genannt) sind vor allem [±Hum], [±Anim] und [Abstr], welche aber durch weitere Merkmale ergänzt werden können oder müssen. Daneben sind die funktionalen Klassen[6] z. B. Agens, Patiens, Adressat, Instrumental, Lokativ usw. Beide Klassen verbinden die Beschreibung der semantischen Valenz eines Verbes[7]. Wichtig dabei ist die „Stelligkeit“ der einzelnen Satzgefüge, welche aus den einzelnen Bedeutungsmerkmalen erst die Bedeutung des Verbs und der Aussage des Satzes erkennen lässt.[8]

Helbig postuliert allerdings eine wechselseitige Beziehung zwischen syntaktischen Strukturen und semantischen Kasus, da erst durch die Verbindung der beiden Beschreibungsmöglichkeiten eine vollständige Analyse möglich sei. Doch sei darauf hingewiesen, dass die drei Ebenen der Valenz explizit auseinander gehalten werden sollen, weil sie auf unterschiedlichen Termini beruhen und durch die Verknüpfung komplexe Unsicherheiten entstehen und darüber hinaus Erklärungsversuche getätigt werden müssen. Für den Sprachforscher erscheint die „Semantisierung“ der Valenz immer wichtiger als sie noch zu Zeiten Tesnières[9] gewesen ist. Der Übergang in die Inhaltsebene als unabhängiges[10] Hauptcharakteristikum führt zur Erweiterung des Valenzbegriffs, nachdem die syntaktische Ebene [11] beinahe grenzwertig analysiert worden ist. So zeigt sich der Schritt in die Gestaltung der drei Ebenen als unumgängliches System.[12]

[...]


[1] Klaus M. Welke erläutert die Ursprünge der Valenz explizit in seiner „Einführung in die Valenz- und Kasustheorie“. Leipzig: Bibliographisches Institut 1988. S. 11.

[2] Klaus M. Welke: Einführung in die Valenz- und Kasustheorie. S. 11f.

[3] Klaus M. Welke: Einführung in die Valenz- und Kasustheorie. S. 19.

[4] „Sememe“ sind die verschiedenen Bedeutungen eines Lexems.

[5] Zitiert nach Helbig, Gerhard: Probleme der Valenz- und Kasustheorie. Tübingen: Niemeyer 1992. S. 8.

[6] Diese Klassen beinhalten das Beschreibungsinventar der semantischen Kasus in den sog. Kasustheorien, auf welche ich allerdings aus Platzgründen nicht näher eingehen kann.

[7] Die semantische Valenz kann aber auch auf die Adjektive, Substantive usw. übertragen werden.

[8] Ausführlich beschrieben werden die Termini der semantischen Valenz im Germanistischen Lehrbuch: Helbig, Gerhard: Linguistische Theorien der Moderne. Bd. 19. Hrsg. von Hans-Gert Roloff. Berlin: Weidler 2002. S. 137ff.

[9] Für Tesnière galt die Valenz als eine rein syntaktische Maßnahme zur Beschreibung der einzelnen Verhältnisse der Satzkomponenten. Die Semantik erhielt damals noch keinen Einfluss.

[10] So schreibt Helbig, dass es sein Hauptaugenmerk der Analyse sei. In: Gerhard Helbig: Probleme der Valenz- und Kasustheorie, S. 21.

[11] Die Termini der syntaktischen Ebene bestehen aus den „Ergänzungen“ und „(freien) Angaben“, worin man die Obligatorität und Fakultativität der Aktanten bestimmt.

[12] Zusammenfassend beschrieben in Gerhard Helbig: Linguistische Theorien der Moderne, S. 141f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die semantische Valenz in der modernen Valenztheorie
Untertitel
Die syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen am Beispiel-Lexem "hängen"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V163432
ISBN (eBook)
9783640776559
ISBN (Buch)
9783640776795
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Valenz, Valenztheorie, Beziehungen
Arbeit zitieren
Nicole Hilbig (Autor), 2010, Die semantische Valenz in der modernen Valenztheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163432

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