Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Monarchien Caesars und Augustus’

Eine vergleichende Analyse der staatsrechtlichen Stellungen Caesars und Augustus’ als Sieger im Bürgerkrieg


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die staatsrechtliche Stellung Caesars als Sieger im Bürgerkrieg nach
2.1 Die Dictatur Caesars im Kontext der ausgehenden Republik
2.1.1 Die Dictatur in der Verfassung der römischen Republik!
2.1.2 Sulla als Dictator: Vorläufer und Wegbereiter für Caesars Neuinterpretation der Dictatur!
2.1.3 Die Dictatur Caesars ab 46 im Kontext der ausgehenden Republik!
2.2 Kultische Ämter Caesars mit staatsrechtlicher Relevanz

3. Kompetenzanhäufung - Die Entwicklung der Stellung Augustus’ nach
3.1 Aus Caesars Fehlern lernen - Grundlegendes zum Staate Augustus’
3.2 Die staatsamtlichen Kompetenzen Augustus’ nach 28/
3.3 Kultische Ämter Augusuts’ als Teil des Principats

4. Zusammenfassung:

1. Einleitung

Während sich in vielen europäischen Sprachen das Wort für den höchsten Monarchen von Gaius Iulius Caesar ableitet, gilt Caesar gemeinhin nicht als erster Kaiser in der römischen Kaiserzeit. Erst sein Adoptivsohn Octavian, der nach dem Sieg bei Actium gegen Antonius und Cleopatra im Jahre 31 als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervorging, gilt als Begründer der römischen Kaisermonarchie. Anders als sein Adoptivsohn Tiberius konnte Octavian, der seit 27 v. Chr. den sakralen Ehrennamen Augustus führte1, nicht eine klar umrissene Machtfülle übernehmen. Augustus musste diese anhäufen, die Monarchie sukzessive einführen und seine eigene Position verbessern.

Dass ebenso Caesar das Ziel der Monarchie2 verfolgte, ist unzweifelhaft.3 Seine Ermordung an den Iden des März 44 kam einer dauerhaften Manifestierung seiner Alleinherrschaft allerdings voraus. Diese Arbeit will untersuchen, was Augustus aus dem Monarchieversuch Caesars lernte und inwiefern das Schicksal Caesars das wie und ob der Machtübernahme Augustus’ beeinflusste.

Konkret sollen Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Monarchie Octavians zu der Caesars gezeigt werden. Dazu sollen die staatsrechtlichen Positionen, die Caesar und Octavian jeweils als Sieger des Bürgerkrieges innehatten, vergleichend analysiert und in den Kontext der ausgehenden Republik eingeordnet werden. Auch kultische Ämter, die für die staatsrechtliche Position Bedeutung hatten, werden Beachtung finden. An welchen Stellen knüpfte Augustus an das Vorgehen Caesars an, an welchen setzte er sich klar ab und interpretierte das Schicksal seines Adoptivvaters als warnenden Hinweis, behutsamer vorzugehen?

2. Die staatsrechtliche Stellung Caesars als Sieger im Bürgerkrieg nach 46

2.1 Die Dictatur Caesars im Kontext der ausgehenden Republik

Zum Verständnis der Alleinherrschaft Caesars ist seine Form der Dictatur der Schlüssel. Daher wird sie schwerpunktmäßig in dieser Arbeit Beachtung finden und im Kontext der ausgehenden Republik analysiert werden.

2.1.1 Die Dictatur in der Verfassung der römischen Republik

Das altrepublikanische Amt der Dictatur war ein Sonderamt in der römischen Magistratur, das nur in Krisenzeiten geschaffen und besetzt wurde. Im Falle eines äußeren Notstandes, also einer militärischen Notlage wurde ein Dictator eingesetzt.4 Das Amt trug folgerichtig den Namen „ dictator rei gerundae causa (res gerere) “ .5 Zwar war dieser Notstandsbeamter mit besonders großen Vollmachten ausgestattet, doch war seine Amtszeit auf ein halbes Jahr begrenzt, da in früherer Zeit nur im Sommer Krieg geführt wurde.6 Im Falle der vorzeitigen Erledigung der Aufgabe des Dictators beseitigte sich das Amt selbst.7 Weil Rom nach dem Zweiten Punischen Krieg keine äußerliche Bedrohung mehr befürchten musste verlor das Amt an Bedeutung und hatte praktisch bis zur Dictatur Sullas keine Relevanz mehr.8

! Während in frührepublikanischer Zeit mit der Einsetzung eines Dictators alle anderen Beamten entlassen wurden, blieben sie später im Amt, wurden dem Dictator jedoch unterstellt.9 Die Rede war daher vom Dictator als „ maioris petestatis magistratum. “ 10

! Als einziges Amt in der Magistratur war die Dictatur vom Prinzip der Kollegialität ausgenommen. Eben weil der Dictator die gesamte Exekutivkompetenz ungeteilt in der Hand hatte wurde sein Amt so stark zeitlich beschränkt.11 Weiterhin war die Dictatur vom Prinzip der Volkswahl ausgeschlossen: Der Dictator wurde auf Geheiß des Senats von einem Consul ernannt.12

! Zwar wies der Senat dem Dictator Finanzmittel aus der Staatskasse zu, Rechenschaft ablegen über die Verwendung dieser Gelder oder die Kontrolle eines Quaestoren ertragen musste der Dictator aber nicht.13 Der Dictator hatte das Recht, Wahlen zu den Ämtern des Staates zu leiten.14

2.1.2 Sulla als Dictator: Vorläufer und Wegbereiter für Caesars Neuinterpretation der Dictatur

Sullas Dictatur war keine Dictatur im herkömmlichen Sinne: Ihr Zweck war nicht die Herbeiführung eines Sieges in einem militärischen Konflikt mit einer anderen Macht, sondern die „Wiederaufrichtung des Staates“.15 In der Forschung herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Titel der Dictatur „dictator rei publicae constituendae causa“16 oder „dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae“17 lautete. Der Streit, ob Sulla nun Gesetze durch einfache Veröffentlichung in Kraft setzen konnte oder nicht, kann an dieser Stelle nicht ausführlich behandelt werden. Es wird jedoch klar, dass der Auftrag der Dictatur die Wiederherstellung der republikanischen Ordnung war. Dies war ein eklatanter Unterschied zur alten Form der Dictatur, die eben nicht konstitutiven Charakter gehabt hatte.

! Ein weiteres Novum war die Form der Dictatur: Sie war ausdrücklich nicht zeitlich begrenzt, sondern erledigte sich erst mit der Erfüllung des Auftrags, der mit ihrer Hilfe umgesetzt werden sollte.18

2.1.3 Die Dictatur Caesars ab 46 im Kontext der ausgehenden Republik

Caesars Dictatur trug zwar den herkömmlichen Titel, „(...) doch war sie in den letzten Jahren seiner Alleinherrschaft der Sache nach von der Sullas nicht verschieden.“19 Zur Festigung Caesars Alleinherrschaft bot sich die Dictatur als Grundlage aller Macht an, da der Dictator im Gegensatz zum Consul auch innerhalb der geheiligten Stadtgrenze sein imperium behielt und gegen ihn das Provocations- sowie das Intercessionsrecht nicht galt.20 Dass Caesar die Dictatur als Basis seiner Monarchie betrachtete wird auch in dem überlieferten Ausspruch Caesars über Sulla deutlich, dieser sei ein politischer Analphabet gewesen, weil er die Dictatur niedergelegt habe.21

! Da es keine Rechte und Vollmachten gab, die ein Consul, ein Dictator aber nicht hatte, scheint es nicht klar, weshalb Caesar auch 45 und 44 noch Consul war. Abseits der wissenschaftlichen Diskussion über die Hintergründe staatsrechtlicher oder prestigemäßiger Art bleibt festzuhalten, dass die Dictatur die eigentliche Machtgrundlage Caesars war, nicht das Consulat.22

! Die zehnjährige Dictatur, die Caesar nach dem Sieg bei Thapsus antrat, war zwar länger als das der republikanischen Tradition entsprechende Amt (auch wenn sie den gleichen Namen trug), jedoch im Gegensatz zu Sullas Dictatur zeitlich begrenzt, was die Hoffnung ermöglichte, Caesar verstehe das Amt wirklich zur Restauration der res publica .23 Obwohl die Dictatur in der frühen und mittleren Republik zur Bewältigung von äußeren Notständen eingerichtet wurde (s.o.), hatte sie zumindest seit Sulla auch eine innere Stoßrichtung in Bezug auf die „innere Konsolidierung“24 und „die Befestigung der res publica“.25

[...]


1 Vgl. Täubler, Eugen, Der Römische Staat. Mit einer Einleitung von Jürgen von Ungern-Sternberg, Stuttgart 1985, S. 75. Im Folgenden wird der Einheitlichkeit halber lediglich der Name Augustus verwendet.

2 Gemeint ist hier die Monarchie im Sinne der Alleinherrschaft.

3 Vgl. hierzu Jehne, Caesar, 4., akt. Aufl., München 2008, S. 105ff. Außerdem: Jehne, Martin, Der Staat des Dictators Caesar (=Passauer historische Forschungen, Bd. 3), Köln u.a. 1987, S. 38 und Christ, Karl, Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 1979, S. 389.

4 Vgl. Bleicken, Jochen, Die Verfassung der Römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung, 7., völlig überarb. und erw. Auflage, Paderborn 1995, S. 100.

5 Vgl. Täubler, Staat, S. 63.

6 Vgl. Bleicken, Verfassung, S. 100.

7 Vgl. Täubler, Staat, S. 64.

8 Vgl. Bleicken, Verfassung, S. 113.

9 Vgl. Jehne, Staat, S. 20.

10 Jehne, Staat, S. 20.

11 Vgl. Bleicken, Verfassung, S. 112.

12 Vgl. Bleicken, Verfassung S. 112.

13 Vgl. Jehne, Staat, S. 17f.

14 Vgl. Jehne, Staat, S. 18.

15 Bleicken, Verfassung, S. 113.

16 Bleicken, Verfassung, S. 113.

17 Letzner, Wolfram, Lucius Cornelius Sulla. Versuch einer Biographie (=Schriften zur Geschichte des Altertums, Bd. 1), Münster 2000, S. 247.

18 Vgl. Letzner, Sulla, S. 248.

19 Bleicken, Verfassung, S. 113.

20 Vgl. Christ, Krise, 382. Martin Jehne zeigt jedoch, dass die Aussagen über die Geltung des

Provocations- und des Intercessionsrecht nicht mit Sicherheit getätigt werden können. Siehe dazu: Jehne, Staat, S. 21ff.

21 Vgl. Christ, Krise, S. 382.

22 Jehne kommt zu dem Schluss, Caesar habe kein Dauerconsulat besessen. Aus Gründen der dignitas habe Caesar wohl aber die Consulatsanzahl des Pompeius von drei übertreffen wollen. Dazu vgl. Jehne, Staat, S. 39ff.

23 Vgl. Jehne, Staat, S. 30f. Jehne geht a.a.O. außerdem davon aus, dass Cicero annahm, dass Caesar bei vorzeitiger Erledigung auch vorzeitig abdicieren würde.

24 Jehne, Staat, S. 29.

25 Jehne, Staat, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Monarchien Caesars und Augustus’
Untertitel
Eine vergleichende Analyse der staatsrechtlichen Stellungen Caesars und Augustus’ als Sieger im Bürgerkrieg
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Augustus
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V163548
ISBN (eBook)
9783640801565
ISBN (Buch)
9783640801367
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Caesar, Monarchie, Republik, Diktatur, Dictatur, Sulla, Rom, Antike, Altertum, Despotie
Arbeit zitieren
Philipp Ebert (Autor), 2009, Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Monarchien Caesars und Augustus’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163548

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