Armutsbekämpfung im subsaharischen Afrika

Warum ist der Westen trotz etwa einer Billion US$ Entwicklungshilfe in den letzten 50 Jahren daran gescheitert die Armut in Afrika zu bekämpfen und worin ruhen Hoffnungen für das subsaharische Afrika?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schlechte Regierungsfuhrung
2.1 Korruption und Wachstum
2.2 Korruption undEntwicklungshilfe

3. Okonomische Auswirkungen von Entwicklungshilfe
3.1 Das Micro-Macro-Paradoxon
3.2 Entwicklungshilfe schadigt den Export - Dutch Disease

4. „Ownership statt Donorship44 Fehler bzw. Schwachen der bisherigen bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit

5. Kompetenz

6. Handelspolitik
6.1 Schutz vorAsien
6.2 Exportdiversifizierung ermoglichen
6.3 Aufienhandelsbeziehungen mit China

7. Die Rolle der Frau - Women Hold Up Half the Sky

8. Fazit

9. Bibliographie

10. Anhang

1. Einleitung

Afrika ist nicht ein Land, es ist ein Kontinent mit 53 Staaten, wovon 42 zum subsaharischen Afrika zahlen, mit unterschiedlicher Geschichte, uber 2000 verschiedene Sprachen sowie einer groBen Vielfalt an Religionen und Kulturen.

„But there are, sadly, common ties that bind sub-Saharan African countries together. Well- publicized are the degree of poverty, the extent of corruption, the incidence of disease, the dearth of infrastructure, the erratic (but mainly poor) economic showing, political instability, and the historical propensity for violent unrest and even civil war1 2

In den vergangenen 50 Jahren floss etwa eine Billion US$ Entwicklungshilfe3 4 aus den reichen In- dustrielandern in das subsaharische Afrika - mit sinkendem finanziellen Aufwand seit Ende des Ost-West-Konflikts. Dennoch lebt etwa 50% der afrikanischen Bevolkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze5 - das heiBt sie leben von weniger als l US$ pro Tag. Damit hat das subsaharische Afrika schon heute den weltweit groBten Anteil der absolut Armen in der Bevolkerung. Wahrend weltweit die Zahlen der extrem Armen sinken, steigen sie in Afrika weiter an. Von den 49 armsten Staaten der Welt befinden sich 33 in Afrika.

Das durchschnittliche Wachstum des BIP in den Jahren 1960-2000 betrug 2%. 2007 erreichte das Wachstum immerhin 6,1%, fiel aber im Zuge der Weltfinanzkrise wieder auf 1,7% (2009) zuruck. Um lediglich das Armutsniveau halten zu konnen, waren Wachstumsraten von 4-5% konstant uber mehrere Jahrzehnte notwendig.6 Absolut gesehen wachst die Wirtschaft des subsaharischen Afrikas zwar an, relativ gesehen wird die Kluft jedoch nicht nur zu den Industrienationen, sondern vor allem auch zu den ubrigen Entwicklungsregionen immer groBer. Das UN-Millenniumsziel, Halb- ierung der extremen Armut bis zum Jahr 2015, wird somit zur Illusion.

,,Es gibt kaum eine Vergleichsstatistik der Entwicklungsregionen und Kontinente mit okonomischen und sozialen Indikatoren, bei der Afrika nicht am unteren Ende rangiert. Afrika gilt gemeinhin als abgekoppelter Kontinent, an dem die Dynamik der Globalisierungsprozesse vorbeigegangen ist.“7

Einer der bezeichnendsten Indikatoren fur die prekare Situation im subsaharischen Afrika ist die Lebenserwartung. Wahrend im subsaharischen Afrika die Lebenserwartung 52 Jahre betragt, liegt diese in Ostasien bei 72 Jahren und in Sudasien bei 65 Jahren.8

Die Dekolonisation Afrikas endete 1976. Doch die AuBenhandelsstruktur hat sich seither wenig ge- andert und ist noch durch das typisch koloniale Extraktionsmuster gepragt. Der Export wird von landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen dominiert, der Import von Investitionsgutern. Die meisten Regierungen des subsaharischen Afrikas folgen einem Entwicklungsmodell, das bei ihrer Industrialisierung fast ausschlieBlich auf Importe und weniger auf binnen-marktwirtschaftliche Aktivitaten setzt, wahrend die Abhangigkeit von ein oder zwei Hauptexportprodukten seit der volkerrechtlichen Unabhangigkeit geblieben und eher gestiegen ist.

Als Resultat blieben die Investitions- und Sparquoten deutlich hinter dem Niveau zuruck, das in Ost- und Sudostasien erreicht wurde. Seit den 1980er Jahren liegen sie im Durchschnitt unter 20%. Ost- und Sudostasien hat gezeigt, dass Quoten uber 30% notig sind, um nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

Die Situation im subsaharischen Afrika wirft unweigerlich die Frage nach den Ursachen fur diese (Fehl-)Entwicklung auf, deren Klarung essentieller Bestandteil dieser Arbeit ist. Explizit lautet die Frage: Warum kam es trotz etwa einer Billion US$ Entwicklungshilfe in den letzten 50 Jahren zu dieser (Fehl-)Entwicklung Afrikas und worin ruhen Hoffnungen fur das subsaharische Afrika?

Die aktuelle Forschungsliteratur geht diesbezuglich weit auseinander. Die ,,linke Seite“ sieht Sub- sahara-Afrika in der Armutsfalle gefangen, aus der es nur durch Entwicklungshilfe zu befreien sei. Die Armutsfalle wird vor allem durch geografische und okologische Faktoren bedingt, wie Krankheiten, extremes Klima, Binnenstaatlichkeit und von schlechten Nachbarn umgeben. Dabei sei Staatsversagen vor allem die Folge und weniger die Ursache der wirtschaftlichen Krise. ,,Die Regierungen in Afrika versagen, weil Afrika arm ist.“9 Zu nennen ist hier vor allem Jefrey Sachs' ,,Das Ende der Armut“. Die ,,rechte Seite“ sieht das Problem in der Entwicklungshilfe selbst. ,,No longer part of the potential solution, it's part of the problem - in fact aid is the problem10 Ent­wicklungshilfe hatte keine Auswirkung - die Armut wuchs und die Wachstumsraten fielen. Wachstum ware jedoch immer moglich, wenn sich die Gesellschaften, insbesondere die korrupten Regierungen, nur zusammenreiBen wurden. Zu nennen sind hier ,,Dead Aid“ von Dambisa Moyo und ,,Wir retten die Welt zu Tode“ von William Easterly.

Diese Arbeit wird versuchen, die Extreme zu vermeiden. Sie wahlt den Weg der Mitte. ^Ent­wicklungshilfe) reicht allein nicht aus, um einen Umschwung fur die Gesell-schaften [...] (des sub- saharischen Afrikas) zu bewirken. Aber sie ist eher Teil der Losung als Teil des Problems. Die Her- ausforderung besteht darin, sie durch weitere Strategien zu erganzen.11

Zur Beantwortung der Fragestellung werden zunachst die endogenen Faktoren bzw. die neopatri- monialen Herrschaftsstrukturen in Afrika betrachtet. Die Arbeit folgt dabei der Auffassung, dass Entwicklungshilfe dort effektiver ist, wo Regierungsfuhrung und Wirtschaftspolitik gut sind. Argumentiert wird, dass sich Korruption negativ auf das Wachstum auswirkt (2.l) und korrupte Re- gierungen durch Entwicklungshilfe begunstigt werden (2.2). Erganzend werden grundlegende oko- nomische Probleme von Entwicklungshilfe angesprochen (3.).

Daran schliefit sich die Diskussion der Fehler bzw. Schwachen der bisherigen bi-und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit (4.) sowie eine Fursprache zur starkeren Fokussierung der Ent­wicklungshilfe auf die Bereitstellung von Kompetenz (5.) an.

Anschliefiend werden weitere wichtige Instrumente genannt. Dies sind auf Grund der asym- metrische Einbindung Afrikas in den Weltmarkt eine adaquate Handelspolitik (6.) und die Starkung der Rolle der Frau (7.).12

Die Arbeit schliefit mit einem Fazit, in dem der Frage nachgegangen wird, ob das subsaharische Afrika zum ewigen Armenhaus der Welt verdammt ist und inwieweit der Westen moralisch als auch im Eigeninteresse dazu verpflichtet ist, sich nicht aus den Geschehnissen in Subsahara-Afrika her- auszuhalten.

2. Schlechte Regierungsfuhrung

Gute Regierungsfuhrung und Wirtschaftspolitik tragt entscheidend zum okonomischen Erfolg eines Landes bei. Jedoch gibt es eine Obergrenze fur realistische Wachstumsraten. Eine Wirtschaft kann, egal wie gut eine Regierung handelt, in etwa hochstens um 10 Prozent pro Jahr wachsen13. Schlechte Regierungsfuhrung und Wirtschaftspolitik dagegen kann eine bis dato funktionierende, oder zumindest in Ansatzen funktionierende, Wirtschaft wesentlich schneller zugrunde richten, als diese aufgebaut worden ist.

Die Instrumente einer guten Regierungsfuhrung und Wirtschaftspolitik sind wichtig, werden jedoch in ihrer Wirkung uberschatzt. Sie konnen Moglichkeiten zur Entwicklung nutzen, aber keine solche schaffen, wo keine vorhanden sind. Nigeria konnte in den 1980er Jahren auf Grund des Verfall des Erdolpreises nicht von den im Zuge der Strukturanpassungsprogramme eingefuhrten Reformen profitieren.

Dennoch gilt es weiter zu differenzieren. Kurzfristig und unter gunstigen Bedingungen ist ein Land trotz schlechter Regierungsfuhrung durchaus in der Lage, ein nennenswertes Wirtschaftswachstum aufzuzeigen. Solche gunstigen Bedingungen sind beispielsweise der Fund von Rohstoffen wie Ol bei gleichzeitig hohen Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt.

Aquatorialguinea rangiert im Corruption Perceptions Index (CPI) 2009 von Transparency International auf Platz 168 von 180.14 Hat aber mit 18,600 US$ Bruttoinlandsprodukt (BIP) (kauf- kraftbereinigt) pro Kopf laut Internationalem Wahrungsfonds (IWF) 2009 das hochste Prokopf- einkommen aller Staaten des subsaharischen Afrikas und und belegt damit weltweit Platz 44 von 182.15 Obwohl hier Putsch und Korruption an der Tagesordnung sind, verzeichnet Aquatorialguinea ein konstantes Wirtschaftswachstum, was aber auf den Fund erheblicher Erdolvorkommnisse Anfang der 1990er Jahre zuruckzufuhren ist, die zur grofiten Einnahmequelle florierte. Diese Zahlen sollten jedoch keinesfalls fehlinterpretiert werden. Die Einnahmen aus dem Olgeschaft kom- men in erster Linie der Herrschaftselite zugute, wahrend der einheimische Markt, die Privat- wirtschaft und die Bevolkerung selbst nicht von den Niederlassungen auslandischer Olgesell- schaften profitieren. Aquatorialguinea ist damit ein Beispiel fur Wachstum ohne Entwicklung.

Seit 1995 bestimmt der CPI den Grad an Korruption auf einer Skala16 von 0 bis 10. Viele asiatische Lander weisen trotz eines schlechten Abschneidens im CPI beachtliche Wachstumsraten auf. Allen voran China, das im CPI 2009 3.6 Punkte erzielte. Ahnlich Thailand, das in den 1980er Jahren als das korrupteste Land der Welt dennoch ein erhebliches Wirtschaftswachstum aufweisen konnte. Im Gegensatz zu den Herrschaftseliten des subsaharischen Afrikas verschwinden in Asien Schmier- gelder nicht auf auslandischen Konten sondern werden groBtenteils lokal reinvestiert.

Eine weitere Erklarung ist, dass sich Korruption in den meist ressourcenreichen Landern17 Afrikas weit gravierender auswirkt als in einem ressourcenarmen Kustenland.18 Ein ressourcenarmes Kustenland muss darauf bedacht sein die Produktion arbeitsintensiver Exportguter und Dienst- leistungen zu forcieren. Dabei gilt es staatliche Eingriffe zu beschranken und sich auf die Er- richtung von Exportforderzonen sowie eine geringe Besteuerung zu konzentrieren. Fur ein von Ent- wicklungshilfe und Rohstoffexporten abhangiges Land ist der Minimalstaat, der nur darauf be- schrankt bleibt Schaden zu vermeiden und moglichst wenig aktiv eingreift, kein erfolgversprechen- des Ziel. Der Staat muss in der Lage sein, die gewonnenen Gelder produktiv zu nutzen. Er muss in der Lage sein, sie in offentliche Leistungen umzuwandeln. Korruption verhindert diese Moglichkeit.

2.1 Korruption und Wachstum

Es gibt mit Sicherheit viele Moglichkeiten wie Korruption Wachstum negativ beeinflussen kann. Korruption unterschlagt Gelder, die im offentlichen Sektor benotigt werden. Dr. Jeffrey Winters von der Northwestern University schatzt, dass allein die Weltbank “has participated mostly passively in the corruption of roughly $100 billion [Milliarden] of its loan funds intended for development.”19 Andere Experten sprechen von geschatzten 26-130 US$ verschwundenen Milliarden, die seit 1946 von der Weltbank zur Finanzierung von Entwicklungsprojekte bereitgestellt wurden. Einem Anteil von 5-25% von insgesamt 525 US$ Milliarden.

Berucksichtigt man die vergebenen Kredite aller regionalen (multilateralen) Entwicklungsbanken20, verdoppeln sich nahezu die geschatzten Zahlen auf etwa 200 US$ Milliarden.

Will man dem fruheren Prasidenten Sambias, Chiluba21, Glauben schenken, so hat der amtierende Prasident Sambias, Levy Mwanawasa, ungefahrt 80 US$ Millionen unterschlagen und gestohlen. Dies geschah im gleichen Zeitraum, in dem Sambia 1,5 US$ Milliarden Entwicklungshilfe erhalten hatte. Paradoxerweise stammt ein GroBteil der Gelder von der HIPC-Initiative22, das die Abwesen- heit von Korruption voraussetzt.

Viel wichtigerjedoch ist, dass ein hoher Grad an Korruption und subjektiver Unsicherheit, sowohl die Anzahl inlandischer als auch auslandischer Direktinvestitionen verringert. Investoren sind nicht bereit, ihr Kapital in einem Land anzulegen, in dem korrupte Burokraten darauf Einfluss nehmen konnen. Investitionen sind jedoch essentielle Voraussetzung fur wirtschaftliches Wachstum. Ironischerweise proklamieren Entwicklungsorganisationen, dass Entwicklungshilfe dazu beitragt, einen vertrauenswurdigen offentlichen Dienst zu etablieren. Indem durch die Bereitstellung grofierer Summen von Entwicklungshilfe, hohere Gehalter fur kompetenteres, besser geschultes sowie unbestechlicheres Personal im offentlichen Sektor ermoglicht werden, wurde Korruption wirksam bekampft. Unglucklicherweise wandert in einem von Entwicklungshilfe abhangigen Land ausgerechnet jenes talentierte und mit festen Prinzipien ausgestattete Humankapital ins Ausland ab {Brain Drain), welches die Grundlage wirtschaftlicher Prosperitat bilden konnte. Denn meist werden ihnen hohere Amter verwehrt und diese stattdessen mit ,,Familien- oder Klanmitgliedern“ besetzt. Kompetenzen spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Die Vergabe von Projekten wird von korrupten Offiziellen weniger wohlwollend im Sinne der Wohlfahrt des Volkes als vielmehr rational und im eigenen Interesse getroffen. Der Auftrag wird demjenigen zugeteilt, der das hochste Bestechungsangebot vorlegen kann. Die eigentlichen Projekt- kosten fliefien weniger in die Entscheidungsfindung mit ein. In Zahlen bedeutet dies, dass eine Ver- besserung um einen Punkt in der Korruptionsskala mit einem 4%-igen Anstieg des BIP23 und die Erhohung des Opacity Index24 um einen Punkt mit einem um 986 US$ geringeren Prokopfeinkom- men und einem 1%-igen Ruckgang des Anteils auslandischer Direktinvestitionen am BIP25 kor- reliert.

China steht dabei aufien vor. Trotz aller Risiken zieht die alleinige Grofie des Marktes weltweit die meisten auslandischen Direktinvestitionen in okonomisch sich entwickelnden Staaten an. Der lang- jahrige Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer, nannte ,,Das Risiko, in China nicht dabei zu sein, [...] grofier als das Risiko, dabei zu sein.“

2.2 Korruption und Entwicklungshilfe

Problematisch ist nicht nur, dass Korruption in Afrika existiert, sondern, dass Entwicklungshilfe korrupte Regierungen begunstigt und festigt, indem sie sie mit leicht zuganglichem Bargeld versorgt. Fur die korrupten Regierung macht es keinen Unterschied, ob sie die Entwicklungshilfe in

Form von Krediten oder als reine Zuschusse erhalten, da die Kredite zu extrem gunstigen Konditionen vergeben werden und neue Kredite selbst bei Missachtung der Auflagen weiterhin zu erwarten sind.

Sowohl Entwicklungshilfe als auch naturliche Ressourcen fordern Rent-Seeking26 und ermoglichen eine nahezu uneingeschrankte Selbstbereicherung, derer die damit sinnvoll walten sollten. Entwick­lungshilfe kann als gesichertes Einkommen angesehen werden. Darum gibt es fur die politischen Eliten keinen rationalen Grund, sich nach einer alternativen Einnahmequelle umzusehen. Somit fuhrt Entwicklungshilfe zu einer gewissen Bequemlichkeit afrikanischer Politiker.

Der Druck, Steuern zu erhohen, nimmt mit Zunahme der Entwicklungshilfe drastisch ab. Wird der Staatshaushalt nicht uber Steuern gedeckt, besteht fur das Volk keine Notwendigkeit, die Verwen- dung zu kontrollieren. Fur erbrachte Abgaben und Steuern erwartet das Volk eine Gegenleistung ,,No taxation without representation44. Konnen den offentlichen Leistungen der Regierung keine Steuern gegenubergestellt werden, wird das Prinzip der Rechenschaftspflicht unterminiert. Die Regierung wird resistent gegenuber politisch-demokratischem Druck und handelt intransparent.

Auf Grund eines grofien zur Verfugung stehenden Budgets ist Effizienz im offentlichen Sektor nicht von Noten. Die Folge ist ein aufgeblahter Staatsapparat.27

Korrupten Regierungen verhindern die Errichtung transparenter offentlicher Institutionen und missachten Burgerrechte. Als Folge bleiben Investitionen, vor allem auslandische Direktinvestitio- nen, aus. Dies mindert das okonomische Wachstum und verstarkt die Armut. Als Antwort darauf erhalten die Lander mehr Entwicklungshilfe.

Dieser durch Entwicklungshilfe katalysierte Kreislauf tragt zum Scheitern der armsten und von Ent­wicklungshilfe abhangigsten Lander Afrikas bei und fuhrt diese in eine immer tiefere Abhangigkeit von Entwicklungshilfe.

Schlechte Regierungsfuhrung und Wirtschaftspolitik mussjedoch nicht dazu fuhren, dass Entwick- lung fur immer stagniert. China konnte nach dem Tod Mao Zedongs seinen wirtschaftlichen Erfolg aufgrund eines drastischen Kurswechsels in der Wirtschaftspolitik erreichen. In Subsahara-Afrika profitieren allerdings die meisten Machthaber vom Status quo. Sie zahlen mitunter zu den reichsten Mannern der Welt und sind nicht daran interessiert, dass sich ihre Bevolkerung bildet, informiert und sich gegen sie auflehnt. Die Verfolgung eigener Interessen der Staatsfuhrung reicht als Erklarung nicht aus. Es gab immer wieder reformwillige Politiker. Doch zumeist scheiterte es an der Umsetzbarkeit des Willens. Es fehlt fast flachendeckend an ausgebildetem Personal. Reformer werden meist verdrangt bevor ihre Reformen Wirkung zeigen konnen.

Wenn jedoch die Gefahr besteht, dass Entwicklungshilfe auf Kosten verantwortungsvollem Re- gierungshandeln geht und zu funktionalen Storungen der Demokratie fuhrt, warum flieBt dann weiterhin Entwicklungshilfe in besonders korrupte Lander?

Neben den bereits angesprochenen okonomischen, politischen und moralischen Grunden zur Ver- gabe von Entwicklungshilfe findet sich ein weiterer wichtiger Grund in den Institutionen selbst wieder. Die Weltbank und der IWF gehoren zu jenen internationalen Organisationen mit den groBten Personalbestande. Der IWF hatte Ende 2004 2.714 Mitarbeiter. Bei der Weltbank betrug die Anzahl der Mitarbeiter 2005 8.700.28 Dazu kommen etwa 500.000 Mitarbeiter der uber 25.000 re- gistrierten INGOs29 30. Ihr Fortbestehen ist eng mit dem Fortbestehen der Entwicklungshilfe verbun- den. An spaterer Stelle werde ich auf diese Problematik zuruckkommen.

3. Okonomische Auswirkungen von Entwicklungshilfe

3.1 Das Micro-Macro-Paradoxon

Nehmen wir an, es gabe einen Moskitonetzproduzenten irgendwo im subsaharischen Afrika. Er produziert 500 Netze pro Woche, beschaftigt 10 Arbeiter undjeder von ihnen ernahrt mindestens 15 Menschen. Dieser Kleinbetrieb wird das Malaria-Problem alleine nicht losen konnen. Darum sammeln „Hollywood-GroBen“ Geld und senden 100.000 Moskitonetze in die Region. Die malaria- ubertragende Tsetsefliege kann somit wirksam bekampft werden. Nachdem nun aber der Markt an Moskitonetzen gesattigt ist, gibt es fur den hiesigen Kleinbetrieb keine Abnehmer mehr. 150 Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Doch die 100.000 Moskitonetze sind in spatestens 5 Jahren zerrissen und nicht mehr zu gebrauchen. Dies ist bekannt als das Micro-Macro-Paradoxon.31 Ein kurzzeitig effektiver Eingriff kann also unter Umstanden eine kaum nachhaltige Wirkung auf- weisen. Im schlimmsten Fall kann es die Chancen einer bereits begonnenen Entwicklung mini- mieren oder gar verhindern.

Auf der Food Aid conference in Kansas City 2005 kam es zu einer Neuordnung der Nahrungsmit- telhifle {food aid). Ein viertel des Food For Peace Budget der US-Regierung wird dazu verwendet, Nahrungsmittel Vorort zu kaufen und es an Bedurftige zu verteilen.

[...]


1 Vgl. Moyo (2009), S. xvi.

2 In der deutschsprachigen Literatur finden sich oft die sogenannten ,,acht K's“ wieder (Konflikte, Krisen, Kriege, Kriminalitat, Korruption, Krankheiten, Katastrophen, Kapitalflucht).

3 Vgl. Moyo (2009), S. xix.

4 Easterly (2006), S. 11 spricht von 2,3 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Allein die Weltbank stellte seit 1946 525 Milliarden an Darlehen zur Verfugung.

5 Vgl. World Bank Annual Report (2009), S.30.

6 Vgl. Jakobeit (2004), S.76.

7 Vgl. ebd. (2004), S.72.

8 Vgl. World Bank Annual Report (2009), S.30, 34,38.

9 Vgl. Sachs (2007).

10 Vgl. Moyo (2009), S. 47.

11 Vgl. Collier(2008),S. 160.

12 Eine weitere Ursache der (Fehl-)Entwicklung sind die naturlichen bzw. geografisch-klimatischen Hindernisse und Einschrankungen. Diese werden in dieser Arbeit nicht explizit behandelt.

13 Vgl. Collier (2008), S.89.

14 Vgl. Homepage Transparency International, www.transparency.org (August 2010).

15 Der exakte Wertbetrug 18,599.612 US$. Vgl. WorldEconomic OutlookDatabase (April 2010) des IWF, hierzuvgl. Homepage des IWF, www.imf.org (August 2010).

16 Der Wert 10 bedeutet, dass das Land frei von Korruption ist, 0 bedeutet, dass es einen sehr hohen Grad an Korruption besitzt.

17 Die Kustenlage verschafft einem ressourcenreichen Land keinen Vorteil. Die Grunde werden im Verlauf noch naher betrachtet.

18 Reichtum durch naturlichen Ressourcen oder durch Entwicklungshilfe wirkt sich sehr ahnlich aus.

19 Winters (2002), S.101.

20 Dazu gehoren u.a. die Afrikanische Entwicklungsbank; die Asiatische Entwicklungsbank; die Europaische Bank fur Wiederaufbau und Entwicklung und die Interamerikanische Entwicklungsbank.

21 Frederick Jacob Tutus Chiluba war von 1991 bis 2002 der zweite Prasident Sambias.

22 Schuldenerlassprogramm der G8-Staaten fur ,,Heavily Indebted Poor Countries“ (HIPC).

23 Vgl. Moyo (2009), S.51 und GrafLambsdorff(2003).

24 Ein Index zur Messung der Intransparenz.

25 Vgl. Kurzman (2004), S.6.

26 Rent-seeking ist ein Verhalten okonomischer Akteure, welches darauf abzielt, den politischen Prozess so zu beeinflussen, dass sie mehr Einkommen erwirtschaften, ohne dafur mehr Gegenleistung zu erbringen.

27 Vgl.Boone (1995).

28 Vgl. Betz (2006), S.2.

29 INGO - International Nongovernmental Organization.

30 Vgl. Moyo (2009), S. 54.

31 Vgl. Moyo (2009), S.44.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Armutsbekämpfung im subsaharischen Afrika
Untertitel
Warum ist der Westen trotz etwa einer Billion US$ Entwicklungshilfe in den letzten 50 Jahren daran gescheitert die Armut in Afrika zu bekämpfen und worin ruhen Hoffnungen für das subsaharische Afrika?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Entwicklungstheorien und Entwicklungspolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
32
Katalognummer
V163551
ISBN (eBook)
9783640779505
ISBN (Buch)
9783640779673
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armutsbekämpfung, Westen, Entwicklungshilfe, Armut, Hoffnungen, Dutch Disease, Entwicklungspolitik, Entwicklungstheorien, Korruption, Afrika, Wachstum, Entwicklungszusammenarbeit, Exportdiversifizierung, Subsaharisches Afrika, Rolle der Frau, Handelspolitik
Arbeit zitieren
Philipp Lösel (Autor), 2010, Armutsbekämpfung im subsaharischen Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163551

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