Der Mythos Arminius bei Friedrich Gottlieb Klopstock und Heinrich von Kleist


Hausarbeit, 2009

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Friedrich Gottlieb Klopstocks Hermannstriologie
Die Bardietenform
Der gerechte Krieg
Göttlicher Wille und Vaterland
Mythos Hermann

Heinrich von Kleists Drama „Die Hermannsschlacht“
Das germanische Bild
Das Hermannsbild

Der Mythos Hermann

Nachwort

Einleitung

Im Jahre 9 n. Christus erlitt das römische Reich eine seiner schlimmsten Niederlagen. Publius Quinctilius Varus führte drei römische Legionen in die germanischen Provinzen und wurde dort von den Germanen unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius vernichtend geschlagen. Der militärische Sieg des Arminius und dessen herausragenden strategischen Fähigkeiten veranlassten nicht nur den römischen Kaiser Tiberius die germanischen Feldzüge zu beenden und die Grenze des römischen Reichens entlang der Donau und des Rheins zu fixieren. Die historische Tatsache dass durch den Sieg des Arminius auch die Freiheit der germanischen Stämme gesichert wurde war auch Grundlage für einen deutschen Mythos der bis in die heutige Zeit Literatur und das Denken in Deutschland inspiriert. In der Tat wird in besondere während des 18. und 19. Jahrhunderts der Cheruskerfürst Arminius an den Anbeginn der deutschen Nation gesetzt und in ihm der „erste historisch fassbare Deutsche“ (Münkler 2009, S. 165) gefunden. Viel tiefer noch geht die Identifikation der Deutschen mit dem Arminius:

„Er war noch mehr: Wenn man an das Schicksal Galliens und Spaniens, und die durchgängige Widerstandsunfähigkeit junger Völker gegen höhere Kulturstufen denkt, so ist kein Zweifel: In dem Arminius das römische Heer vernichtete, hat er unsere Nationalität gerettet, dass wir noch Deutsche sind verdanken wir ihm“ (Egelhaaf 1909, S. 423)

Der Mythos Arminius schaffte es über einen langen Zeitraum hinweg in unterschiedlichsten politischen Konstellationen seine Anwendungen und Nischen zu finden, ein Umstand den er vor allem seiner Flexibilität zu verdanken hat. Laut Münkler verbindet er drei Elemente die je nach Notwendigkeit oder zeitgenössischer Betrachtung eine unterschiedliche Inanspruchnahme zulassen. Zum einen kann durch die Vernichtung der Legionen ein immenses nationales Selbstvertrauen formuliert werden, waren es doch die Germanen die dem römischen Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht Einhalt gebieten konnten. Zum anderen kann der Arminiusstoff zur Schaffung eines neuen nationalen Einheitsgefühls dienen, nimmt man die Einigung der germanischen Stämme unter Arminius im Vorfeld der Schlacht als Beispiel. Schließlich entfaltet der Arminiusmythos eine besonders starke Anziehungskraft im Kampf gegen fremde Aggressoren, ein Bild dass ins besondere im 19.

Jahrhundert und im Lichte des deutschen - französischen Konflikts angewendet wurde. (vgl. (Münkler 2009, S. 166-167). Im folgenden sollen nun zwei literarische Werke aus dem 18. Jahrhundert hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Mythos Arminius untersucht werden. Zum einen wird auf Friedrich Gottlieb Klopstocks epochale Trilogie zur Hermannschlacht eingegangen. Zum anderen auf „Die Hermannsschlacht“ von Heinrich von Kleist.

Friedrich Gottlieb Klopstocks Hermannstriologie

Vor allem das dritte Element Münklers fand in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts verstärkt Eingang in das nationale Denken der Deutschen da ein „nationalistischer Code im Deutschland des 18. Jahrhunderts bereits voll ausgebildet war. So bezeichnet Kleists Text ,Hermannsschlacht’, dem im Bereich der Literatur nicht selten die Rolle eines Initials zugeschrieben wird, nicht etwa den Beginn eines ,klassisch’ gewordenen nationalistischen Narratives, sondern gewissermaßen einen vorläufigen Schluss- und Höhepunkt“ (Müller­Funk 2008a, S. 228).

In der Tat finden sich bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts erste, unkritische Arbeiten am Mythos Arminius als Deutscher Mythos. So schreibt Johann Elias Schlegel im Jahr 1740:

„Nun Herrmann, höre zu und merke mit Bedacht,

Warum dein Vater dich in diesen Hayn gebracht.

Sohn, wo dich Hitz und Mut zu edlen Taten tragen,

So lass dir deine Pflicht von diesen Bildern sagen.

Sey groß und hebe dich in dieser Helden Zahl,

Hier prangt Thusikans Bild, hier Mannus Ehrenmal.

In diesem ist zuerst der deutsche Muth entglommen,

Durch sie sind Großmut, Treu und Ruh zu uns gekommen.

Der Trieb der Flachheit flieht, nicht weiche Sitte liebt,

Nichts von Gesetzen weis, und doch die Tugend übt,

Der Ehrgeiz, frey zu seyn, und nie verhaft: zu leben

Ist uns von ihnen her in unsre Brust gegeben“ (Schlegel 1771).

Obwohl bei Schlegel ein direkter politischer Bezug nur schwer nachzuweisen ist, so ist es doch das Aufgreifen eines nationalen Stoffes und damit die Schaffung einer eigenständigen deutschen Literatur in Abgrenzung zu anderen Nationalliteraturen die sein Schreiben bestimmt. (Müller-Funk 2008b, S. 234). Offensichtlich wird dies durch den Hinweis von Johann Heinrich Schlegel, dem Bruder des Verfassers, der im Vorbericht zu Herrmann schreibt:

„Aus seinem Gefühle und aus der Erfahrung bemerkte er, dass diejenigen Trauerspiele mehr interessieren und stärker auf die Gemüther wirken, deren Stoff in der Geschichte des Volkes liegt für welches man dichtet“ (Schlegel 1771, S. 316).

Einen erheblichen Beitrag zur Mythenbildung um den Arminius leistete die Bearbeitung des Stoffes durch Gottlieb Friedrich Klopstock. Dieser veröffentlichte Mitte des 18. Jahrhunderts eine Trilogie bestehend aus den Stücken „Hermanns Schlacht“, „Hermann und die Fürsten“ und „Hermanns Tod“. Ähnlich wie bei Schlegel hatte auch Klopstock keinen konkreten historischen Bezugspunkt, jedoch vertrat Klopstock eine gänzlich andere Interessenlage und Absicht. Schon früh begann Klopstock sich mit Geschichte und vor allem der nordischen Mythologie zu befassen, die er in mehreren Oden im Vorfeld der Hermann Trilogie bearbeitete.

Die Bardietenform

In seinen Hermannstücken greift Klopstock auch auf Elemente sogenannter Bardenlyrik auf, die sich an den Gesängen und Vorstellungswelten altgermanischer Dichter orientierte und eine an der Geschichte orientiere Poesie darstellte. Klopstock selbst beschreibt seine Bardendichtung damit dass das „Bardiet die Charaktere und die vornehmsten Theile des Plans aus der Geschichte unserer Vorfahren nimmt, dass seine seltneren Erdichtungen sich sehr genau auf die Sitten der gewählten Zeit beziehen, und dass [es] nie ohne Gesang ist“ (Klopstock, zitiert nach (von Essen 1998, S. 101).

Dementsprechend bezeichnet Klopstock seine Hermannstücke als Bardieten, „in denen nicht so sehr eine fortlaufende Handlung als viel mehr begleitende und stimmungsmäßig kommentierende Bardengesänge im Vordergrund stehen“ (Dethlefs 1999, S. 107). Von Beginn ist das Vaterland ein wichtiges Element in Klopstocks „Hermanns Schlacht“, denn er selbst schreibt im Vorwort dass es ein vaterländisches Gedicht ist, dem Kaiser gewidmet der sein Vaterland liebt, ein Gedicht dass er dem Kaiser übergibt und bei dessen Vollendung er stolzer auf sein Vaterland gewesen sei wie nie zuvor (Klopstock 1769, S. 2-4). Darüber hinaus bilden weitere zentrale Motive die Gerechtfertigkeit des germanischen Kampfes gegenüber dem ungerechtfertigten Angriff der Römer sowie die göttliche Einwilligung zum Handeln Hermanns. Besonders das letzte Element wird allein schon durch die Lokalität der Handlung betont. Auf einer religiösen Opferstätte, die über dem eigentlichem Schlachtfeld liegt versammeln sich die Protagonisten des Stückes, der Druide Benno, Siegmar der Vater des Hermann und die Barden. Hermann selbst tritt erst gegen Mitte des Stückes auf, nachdem die Schlacht erfolgreich geschlagen wurde. Auffällig an Hermanns Schlacht ist die Darstellung des Eigenen, die Germanen und ihre Handlungen und Eigenschaften stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Den Römern selbst wird nur ein sehr kleiner Spielraum eingestanden, erst am Ende des Stückes dürfen zwei gefangene Römer dem Hermann gegenübertreten, allerdings wird ihnen auch dort nicht zugestanden eine Eigendarstellung zu übernehmen. Viel mehr dienen sie der Rechtfertigung Hermanns.

Der Handlungsort selbst dient den Barden als Bühne für ihre Gesänge mit denen sie die Krieger auf dem Schlachtfeld ermuntern sollen. Gleichzeitig dienen sie dem Publikum um entscheidende Eigenschaften der Germanen zu erläutern. Durch diese Konstellation erfährt das Stück eine besondere Intensität, denn durch die indirekte Vermittlung des Kampfgeschehens und die Deutung der Barden erfährt das Geschehen eine quasi-religiöse Dimension. (Müller-Funk 2008a, S. 235)

Darüber hinaus ist die Geschichte von „Hermanns Schlacht“ schnell und einfach erzählt. Von der erhobenen religiösen Opferstätte aus erfährt der Zuschauer durch die Gesänge der Barden und die Dialoge der Protagonisten den Schlachtverlauf. Dieser zeichnet sich zunächst negativ, erst als Hermann der Cheruskerfürst eingreift ändert sich der Schlachtverlauf und die Germanen siegen über die Römer. Gegen Ende des Stückes tritt Hermann vor zwei römischen Gefangenen und rechtfertigt sein Handeln, abschließend schwört er Rache für den Tod von Siegmar der als stolzer Germane trotz seines hohen Alters in die Schlacht zog und dort fiel.

Der gerechte Krieg

In „Hermanns Schlacht“ gehen die Germanen von einem gerechtfertigten Kampf gegen die Römer aus der sich wie bereits angedeutet aus dem ungerechtfertigten Einfall der Römer in die germanischen Stammesgebiete ergibt und deswegen unausweichlich erscheint. Dieser Einfall geschah ohne vorherige Provokation seitens der Germanen, denn wie die Barden bereits im ersten Gesang anstimmen:

„Wodan! Unbeleidigt von uns

Fielen sie bey deinen heiligen Altären uns an!

Wodan! Unbeleidigt von uns

Erhoben sie ihr Beil gegen dein freies Volk“

(Klopstock 1769, S. 20).

[...]

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Details

Titel
Der Mythos Arminius bei Friedrich Gottlieb Klopstock und Heinrich von Kleist
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V163700
ISBN (eBook)
9783640783489
ISBN (Buch)
9783640783731
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythos, Arminius, Friedrich, Gottlieb, Klopstock, Heinrich, Kleist, Robert, Fiedler
Arbeit zitieren
MSc. M.A. Robert Fiedler (Autor:in), 2009, Der Mythos Arminius bei Friedrich Gottlieb Klopstock und Heinrich von Kleist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163700

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