Der Aufbau und die Etablierung eines europäischen Flugzeugbauers scheint ein gutes Beispiel für die europäische Industriepolitik darzustellen. Mit dem Unternehmen Airbus ist es den europäischen Regierungen gelungen der amerikanischen Konkurrenz Marktanteile abzunehmen und ein Prestigeobjekt in der Öffentlichkeit zu erschaffen.
Kaum eine andere Branche hatte es bislang geschafft einen Handelskrieg zwischen der EU und den USA zu schüren. Demnach stellt sich die Frage, ob das Unternehmen Airbus und der Mutterkonzern EADS wirklich ein Erfolg sind oder ob der Erfolg von der Politik und den Medien propagiert wird, um weitere Projekte ohne öffentlichen Widerstand zu subventionieren. Denn gerade der Erhalt und der Aufbau von Arbeitsplätzen ist von Politikern ein beliebtes Mittel, um die Öffentlichkeit zu weiteren Subventionen zu bewegen.
Das Ziel dieser Hausarbeit wird es im Folgenden sein, die Frage zu beantworten ob Airbus wirklich ein Erfolg ist, also die zu Anfang gesetzten Ziele erfolgreich umgesetzt hat und ob die investierten Subventionen sich tatsächlich rentiert haben. Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen, in welchen die europäische Industriepolitik erläutert wird, und die Unternehmen EADS und Airbus in aller Kürze vorgestellt werden. Das Kapitel über die Geschichte von Airbus verdeutlicht die Bedeutung des Unternehmens für die europäischen Regierungen und wie viele Subventionen bereits in das den Flugzeugbauer Airbus investiert wurden. Der zweite Teil beschäftigt sich zuerst mit dem Kalibrierungsmodell von Gernot Klepper, mit welchem die weltweite Entwicklung der Wohlfahrtseffekte bei Markteintritt von Airbus aufgezeigt wird und welches die logische Erklärung liefert, ob sich Subventionen lohnen. Im Anschluss daran wird die Marktsituation im Jahr 2009 betrachtet und mit den Ergebnissen von Gernot Kleppers Kalibrierungsmodell verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN
2.1. EADS
2.2. AIRBUS
2.3. EUROPÄISCHE INDUSTRIEPOLITIK
3. GESCHICHTE
4. ZIELE VON AIRBUS
5. KALIBRIERUNGSMODELL NACH KLEPPER
5.1. FLUGZEUGBAU - CHARAKTERISTIKA
5.2. MODELL
5.2.1. Basisfall
5.2.2. Wohlfahrtseffekte
5.2.3. Subventionen
6. MARKT
6.1. MARKTDATEN
6.1.1. Auslieferungen (2009)
6.1.2. Bestellungen (2009)
6.1.3. Umsatz (2009)
6.1.4. Interpretation
6.2. BARRIEREN
7. AKTUELLE SITUATION
7.1. SUBVENTIONEN
7.2. STANDORTE
7.3. ENTWICKLUNG IN ANDEREN LÄNDERN
8. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob das Unternehmen Airbus und sein Mutterkonzern EADS als Erfolg der europäischen Industriepolitik zu werten sind und ob sich die staatlich investierten Subventionen unter Berücksichtigung von Rententransfer und Wohlfahrtseffekten tatsächlich rentiert haben.
- Analyse der historischen Entwicklung von Airbus und dessen Bedeutung für europäische Regierungen.
- Anwendung des Kalibrierungsmodells von Gernot Klepper zur Untersuchung von Markteintrittseffekten.
- Vergleich der Marktsituation im Jahr 2009 zwischen Airbus und Boeing.
- Untersuchung der wirtschaftlichen Rechtfertigung für Subventionen im Flugzeugbau.
- Bewertung der aktuellen Herausforderungen durch die gleichzeitige Entwicklung mehrerer Flugzeugtypen (A350, A380, A400M).
Auszug aus dem Buch
5. Kalibrierungsmodell nach Klepper
Das Modell von Gernot Klepper wurde entwickelt, um die Frage zu beantworten, ob die damals aktuellen (Stand: 1986) und die zukünftig erwarteten Marktanteile für den Großflugzeugbau vernünftig erklärt werden können, ohne Berücksichtigung der Preise und der technologischen Differenzen. Damit konnte Klepper schließlich eine Vorhersage treffen, ob die Airbus Subventionen sich lohnen und schlussfolgerte daraus sein Fazit.
In Kapitel 5.1. werden zu erst die Charakteristika des Flugzeugbaus erläutert, um dem Leser die Voraussetzungen für die Modellberechnungen näher zu bringen. In Kapitel 5.2. simulierte Klepper das Modell mit drei unterschiedlichen Ausgangsfällen. Der erste und zugleich der Basisfall wird unter 5.2.1. erläutert. Demnach ging Klepper davon aus, dass McDonnell Douglas im Laufe der Zeit sich aus dem zivilen Flugzeugbau zurück ziehen würde und am Ende nur noch Boeing und Airbus übrig bleiben würden. Anhand dieses Ausgangsfalls berechnete Klepper die Marktanteile der beiden Hersteller bis 1986 ohne McDonnell Douglas und Lockheed und prognostizierte anhand der Marktvorhersagen das Marktergebnis bis ins Jahr 2006. Für Klepper war der Basisfall ein ungleiches starkes Boeing-Airbus-Duopol.
Damit Klepper Rückschlüsse auf die weltweiten Wohlfahrtseffekte (5.2.2.) erzielen konnte, betrachtete er in zwei weiteren Fällen wie sich die Märkte verhalten wenn einerseits ein Boeing Monopol und andererseits ein gleichstarkes Boeing-McDonnell Douglas-Duopol vorliegen würde. In beiden Fällen war Airbus bis 1986 nicht in den Markt eingestiegen. Klepper untersuchte nun wie sich die Märkte und dementsprechend die Wohlfahrtseffekte verhielten als Airbus in den Markt eingetreten ist, um daraus Rückschlüsse zu erhalten wie sich der Markt 1970 beim Airbus Markteintritt verhielt. Durch die Berechnung der Wohlfahrtseffekte bei den verschiedenen Marktsimulationen, ließ sich zeigen für wen die Subventionierung von Airbus am sinnvollsten war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der europäischen Industriepolitik am Beispiel Airbus und Definition der Forschungsfragen hinsichtlich Subventionsrentabilität.
2. GRUNDLAGEN: Kurzvorstellung der Unternehmen EADS und Airbus sowie Erläuterung der rechtlichen Rahmenbedingungen europäischer Industriepolitik.
3. GESCHICHTE: Historischer Abriss der Entstehung von Airbus, von der Projektstudie 1962 bis zur Etablierung im globalen Markt.
4. ZIELE VON AIRBUS: Darstellung der ursprünglichen Zielsetzungen wie Technologieführerschaft, Arbeitsplatzsicherung und Strategien zum Rententransfer.
5. KALIBRIERUNGSMODELL NACH KLEPPER: Detaillierte Analyse des Modells zur Simulation von Marktanteilen, Wohlfahrtseffekten und optimalen Subventionshöhen.
6. MARKT: Vergleich der Marktdaten von Airbus und Boeing, insbesondere Auslieferungen, Bestellungen und Barrieren im Flugzeugbau.
7. AKTUELLE SITUATION: Betrachtung der aktuellen Subventionspolitik, Produktionsstandorte und aufkommender Konkurrenz aus anderen Ländern.
8. FAZIT: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Rentabilität der Subventionen und der langfristigen Wirtschaftlichkeit von Airbus.
Schlüsselwörter
Airbus, EADS, Industriepolitik, Subventionen, Großflugzeugbau, Markteintritt, Kalibrierungsmodell, Wohlfahrtseffekte, Boeing, Duopol, Rententransfer, Wettbewerbsfähigkeit, Skaleneffekte, Flotteneffekte, Marktanteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Airbus als staatlich gefördertes Unternehmen ein Erfolg der europäischen Industriepolitik darstellt und ob die eingesetzten Subventionen ökonomisch gerechtfertigt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Luftfahrtkonsortiums, die Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Modelle zur Marktanalyse und die Untersuchung der direkten sowie indirekten Auswirkungen von staatlicher Industriepolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, zu beantworten, ob Airbus die gesetzten Ziele erreicht hat und ob sich die investierten Subventionen tatsächlich rentiert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt das Kalibrierungsmodell von Gernot Klepper, um Markteintritts- und Wohlfahrtseffekte in einem theoretischen Duopol-Modell zu simulieren und mit realen Marktdaten zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Unternehmensgeschichte, die Modellierung von Marktanteilen und Skaleneffekten sowie die aktuelle Marktsituation und Barrieren in der Flugzeugbaubranche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Industriepolitik, Subventionen, Airbus, Boeing, Duopol und Wohlfahrtseffekte.
Warum spielt das Kalibrierungsmodell von Klepper eine zentrale Rolle?
Es dient dazu, eine logische Erklärung zu liefern, ob sich staatliche Subventionen lohnen, indem es die Weltwohlfahrt und Renteneffekte in verschiedenen Marktszenarien vergleicht.
Wie bewertet der Autor die Zukunftsperspektiven von Airbus?
Der Autor äußert Skepsis bezüglich der langfristigen Rentabilität ohne Staatshilfen, insbesondere im Hinblick auf die Liquiditätskrise und die gleichzeitige Belastung durch mehrere Großprojekte.
- Arbeit zitieren
- Pascal Hennig (Autor:in), 2010, Der Fall EADS: Der Airbus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163735