Wie definiert man Erfolg im Sport?


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was macht den Erfolg im Sport aus?

3. Welche Form kann der sportliche Erfolg haben?

4. Ethische Probleme im Sport

5. Zusammenfassung und Lösungsansätze

III Literatur

1. Einleitung

Um die Frage zu beantworten (oder dies zu versuchen), wie man im Allgemeinen Erfolg im Sport definieren kann, sollte man zuerst einmal den Begriff „Erfolg“ und dessen Entstehung näher beleuchten.

Heutzutage hat jeder eine Vorstellung darüber, was Erfolg im Allgemeinen heißt:

Ein Ziel zu erreichen, welches man sich gesteckt hat. Im Beruf erfolgreich zu sein, bedeutet in diesem voran zu kommen, sich auf der Karriere-Leiter keine Pause zu gönnen, ein niemals stagnierender Prozess. Jeder kennt auch den Leitspruch Olympias: „Höher, Schneller, Weiter.“

Doch woher kommt eigentlich der Begriff „Erfolg“.

Das Substantiv „Erfolg“ geht auf das Verb „erfolgen“ zurück und wurde erst im 17. Jahrhundert überhaupt gebräuchlich. Damals bezeichnete der Begriff eher noch einen glücklichen Ausgang, denn ein erfolgreiches Erreichen eines Ziels, was sich das Subjekt zuvor gesetzt hat. Das damalige Verständnis des Begriffs ist demnach eher mit unserem heutigen Glück zu vergleichen. Die Wandlung des Begriffs hin zu unserem Verständnis setzte erst im Laufe der Zeit ein. Seine Bedeutung veränderte sich grundlegend, vor allem durch die Aufklärung und später durch den sich immer weiter verbreitenden Industrialismus.

Der Wandel des Begriffs und seine Popularität nahmen im 19. Jahrhundert stark zu. Man kann heute sogar von einem Leitbegriff der Modernen sprechen, an dem wir auch einen Wandel im menschlichen Denkmuster verfolgen können: Die theologische Dimension spielt im Denken der damaligen Bevölkerung eine immer geringere Rolle, das rationale, innerweltliche ist jetzt für die Menschen von großer Bedeutung. Nichts mehr dem Zufall überlassen, sondern alles von vorne bis hinten zu planen und zu steuern, heißt die neue Devise.

Wie kann man nun Erfolg, im Allgemeinen, nach heutigen Maßstäben definieren? Eine Möglichkeit ist es Gegensätze zu finden, die inhaltlich möglichst ein Gegenstück zum Erfolgsbegriff darstellen. Das Ziel ist es dann, sich erst einmal über diese begrifflichen Gegenteile und deren Eigenschaften, näher zu seiner eigentlichen Bedeutung vor zu arbeiten, um so am Ende eine adäquate Definition des Begriffs per se geben zu können.

Dem Erfolg steht folglich zum einen das Glück entgegen. Dieses zeichnet sich nach unserem Verständnis dadurch aus, dass es unabhängig vom Subjekt eintritt und weder positiv noch negativ beeinflusst werden kann, auch wenn viele Menschen vom Gegenteil überzeugt sind. Es ist mit dem lateinischen Begriff Fortuna verwandt, der hauptsächlich durch das jedem einzelnen zugeteilte Los definiert is und zum Ausdruck bringt, dass dieses Glück außerhalb unseres Einflussbereiches liegt.

Ein weiteres Gegenteil stellt der antike und heute nicht mehr so geläufige Begriff der Eudämonie dar. Diesem zur Folge kann man vor allem aus Verzicht und Ruhe Kraft und Glück beziehen. Der Mensch bedarf keinem ständigen Streben nach einem „Mehr“, um glücklich zu sein. Er sollte eher versuchen den erstrebenswerten Zustand der Seelenruhe (Ataraxie) einer emotionalen Gelassenheit zu erreichen.[1]

Die Definition des Begriffs, welcher einen Gegenpart zu beiden bildet, umschreibt und erfasst den Kern von Erfolg recht gut. Folglich kann man Erfolg als das planmäßige, einem kontinuierlichen Prozess der Steigerung unterworfenes, keine Pause erlaubendes, gelungenes „Abarbeiten“ von kleinen (Teil)-Erfolgen sehen, die immer weitere Anstrengungen, vergleichbar mit Puzzelteile, zur Folge haben. All dies im Kontext auf ein positives und zufrieden stellendes Erreichen einer großen, übergeordneten, Gesamtplanung (Karriere).

Die nächste Frage die sich stellt, ist die, weshalb der Mensch diese Erfolgsmentalität besitzt und warum sie sich erst in unserer modernen Gesellschaft stark ausgeprägt hat?

Sicherlich hatten Kaufleute im Mittelalter auch schon eine Art Erfolgsmentalität, allerdings war ihre Arbeit eher damit verbunden, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf bzw. eine Karriere war nur für die wenigsten Menschen möglich, da diese Karrieren eine gesellschaftliche Basis brauchten, welche damals noch nicht vorhanden war. Die Erfolgsproblematik muss aber, um sie richtig zu analysieren, auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden.

„Individualpsychologisch gesehen bedeutet Erfolg jedes in Deckung bringen der jeweiligen subjektiven Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen des Individuums mit den objektiv gegebenen Umständen und Situationen.“[2] Jeder Mensch hat solche individuelle Wünsche und Bedürfnisse. Jeder Mensch nimmt sich selber und seine Umwelt anders wahr und stellt auf dieser Basis auch andere Ansprüche. Sowohl an seine eigene Handlungen als auch an seine Mitmenschen. Der Homo Sapiens hat seit jeher einerseits eine direkte Umweltbindung, welche Pestalozzi mit der Einheit der Hand beschrieb, also eine direkte Ich-Du-Beziehung. Andererseits haben Menschen, was sie ganz erheblich von den Tieren unterscheidet, die Fähigkeit sich Dinge nur vorzustellen und sie sind dazu im Stande Werturteile zu fällen, Dinge subjektiv zu bewerten und Vorgänge oder Handlungen kritisch zu betrachten bzw. schon im Voraus abzuwägen und eine Priorisierung vorzunehmen. Nur das Vorhandensein und das Zusammenspiel dieser beiden, jedem Menschen imannenten Eigenschaften bzw. Fähigkeiten ermöglichen es dem menschlichen Wesen Erfolg zu erleben. Und damit die Grundlage zu schaffen, diesen für Erstrebenswert zu halten. Erfolg ist im Menschen mit dem Gefühl einer „Seinserhöhung“ bzw. des Wohlbefindens (Eustress) verbunden.

Das Gegenteil, der Misserfolg, hat natürlich ebenfalls eine Verankerung in der menschlichen Psyche und bewirkt bei konkretem Auftreten auch eine erhebliche Veränderung der psychologischen Verfassung des Subjekts, welche sich in einer Minderung des Selbstbewusstseins, psychischen Konfliktsituationen oder sogar Krankheit niederschlagen.[3]

Eine rein individual-psychologische Betrachtung der Erfolgsproblematik kann aber nur dazu dienen aufzuzeigen, weshalb Menschen überhaupt dazu neigen, Grenzen überschreiten zu wollen um eine stetige Steigerung ihrer Ziele vorzunehmen. Sie versagt aber in der Hinsicht, die vorhin angeschnittene Frage zu beantworten, weshalb die Erfolgsproblematik gerade in unserer modernen Gesellschaft so starke Ausmaße angenommen hat, dass zum Beispiel Karriere für viele Menschen der Grund geworden ist sich gegen oder zumindest für weniger Kinder zu entscheiden.

Wie alle Wertfragen muss auch das Erfolgsproblem in einem historisch-gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhang unter die Lupe genommen werden.

Erfolgsbedürfnisse sind, wie oben beschrieben, in jedem Menschen vorhanden. Allerdings brauchen sie einen geeigneten Nährboden um sich voll zu entwickeln. Diesen Nährboden hat erst die moderne, dynamisierende, mobile und technologische Gesellschaft dem Menschen, und somit er sich selber, im Laufe der Zeit zur Verfügung gestellt. Erst diese Vorraussetzungen ermöglichten es das Bedürfnis immer höhere Ziele erreichen bzw. eine Karriere be- und Grenzen überschreiten zu wollen zu befriedigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ausprägung der Erfolgsmentalität eine Funktion der historischen Entfaltung der schon immer in uns schlummernden „Erfolgsgene“ ist und somit eine Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und individualer Dispositionen darstellt, die erst in der heutigen Zeit ihr vorläufiges Maximum erreichen kann.

Max Weber hat die oben genannten gesellschaftlichen Entwicklungen als „Entzauberung der Welt“ beschrieben. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Menschheit noch bis vor relativ kurzer Zeit die Erde als eine von gottgegebene Ordnung betrachtet hat und als Ursache für das, was um sie herum in ihrer Umwelt geschehen ist, Götter verantwortlich gemacht hat. Als Entzauberung sieht Max Weber den Vorgang, dass die Menschen nach und nach ihre Sichtweise der „verzauberten Welt“ durch eine Welt ersetzten, die frei von Göttern und Übersinnlichem ist, sondern mit Hilfe von Naturgesetzen rational erklär- und begreifbar wurde.

Mit der „Pensionierung der Götter“ verlor auch der Begriff des Zufalls und somit des Glücks an Bedeutung. Wenn einem jetzt ein Apfel beim Nickerchen im Schatten eines großen Apfelbaums auf den Kopf fällt, ist es nicht mehr die Schuld des Geistes, der dem Baum inne wohnt, sondern die der Gravitationskraft. Von nun an tritt anstelle des Passivismus der Wille aktiv die Natur und die Gesellschaft zu verändern und das mit Hilfe einer genauen Planung und Zielsetzung.

Hand in Hand mit diesen Veränderungen geht der Prozess der „Vollrationalisierung“ durch die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft. Bis jetzt waren diese beiden Disziplinen von völlig gegensätzlichen Denkweisen geprägt. Es entsteht ein enger Zusammenhang zwischen einer „praktisch-rationalen Lebensführung“ (M.Weber 1922a, 12) und dem Erfolgsdenken in den Menschen.

Wichtig für die weitere Betrachtung ist die Entwicklung zweier gegensätzlicher Denk- bzw. Lebensformen. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in England der Utilitarismus. Dieser ist durch ein ausgesprochenes Nützlichkeitsdenken geprägt: Alle Handlungen müssen vom Subjekt auf ihre positiven und negativen Folgen hin untersucht werden. Somit kann dann abgewägt werden, welche Handlung moralisch vertretbar sind und welche nicht. Das allgemeine Ziel aller Handlungen soll dem utilitaristischen Gedanken nach das „größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl“ sein.

Der Utilitarismus entwickelte im Folgenden viele Ausformungen. Eine davon ist der Pragmatismus, der in seiner extremsten Form, davon ausgeht, dass sich eine moralisch richtige Lebensführung vor allem in sichtbarem Erfolg, also Reichtum, zeigt.

Als Gegengewicht zu diesem pragmatischen Erfolgsdenken, lässt sich der Humanismus sehen. Dieser will den Lebenssinn durch eine antikalkulatorische Lebensführung und die Distanz zu allem Zweckrationalen gewinnen. Diese Denkrichtung intendiert auch Toleranz und Gewaltfreiheit gegenüber anderen Menschen.

Daraus wird ersichtlich, dass sich diese humanistische Denkrichtung nicht gut mit der heutigen Ellbogengesellschaft oder auch dem harten Wettkampf im Sport vereinbaren lässt.

Anders sieht es mit dem Pragmatismus aus, was zum Beispiel durch seine Definition der Wahrheit ersichtlich wird. Im Pragmatismus wird etwas als wahr angesehen, wenn es nützlich ist; oder wie William James formuliert hat „Wahr ist das, was sich durch seine praktischen Konsequenzen bewährt.“[4]

Diese zwei Denkrichtungen, mit ihren gegensätzlichen Grundsätzen, haben bis heute einen großen Einfluss auf unser Denken. Auf der einen Seite können und wollen wir rationales Denken bzw. eine Erfolgsplanung und das Verlangen nach Erfolg nicht unterdrücken,

andererseits wünschen wir uns eine Welt, die von diesem zweckgebunden Denken frei ist, in der wir nicht über jeden unserer nächsten Schritte und dessen Konsequenzen für unsere und die Handlungen anderer nachdenken müssen, sondern einfach unsere Gefühle entscheiden lassen können.

Die aus diesen Denkrichtungen entstehende Spannung hat zu vielen gegensätzlichen „Begriffspaaren“ in unserer heutigen Lebenswelt geführt, die jeweils mehr oder weniger einer dieser Denkrichtungen entsprechen wie z.B. Spiel und Arbeit, oder auf den Sport bezogen, die Unterscheidung zwischen Profi und Amateur.[5]

[...]


[1] Vgl. Lexikon der Ethik im Sport S. 122

[2] Bernd Wirkus, Lexikon der Ethik im Sport, hrsg. i.A. des Bundesinstitus für Sportwissenschaft, Verlag Karl Hofmann Schorndorf, S.123

[3] Vgl. Lexikon der Ethik im Sport S. 123

[4] Vgl. William James: Was ist Pragmatismus?, Beltz, Weinheim, 1994

[5] Vgl. Lexikon der Ethik im Sport S. 124 und 125

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wie definiert man Erfolg im Sport?
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Veranstaltung
Ethisch-Philosophisches-Grundlagenstudium 2
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V163762
ISBN (eBook)
9783640782987
ISBN (Buch)
9783640783113
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfolg, Sport
Arbeit zitieren
David Mössner (Autor:in), 2006, Wie definiert man Erfolg im Sport?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163762

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