Das Sorites-Paradoxon

Wahrheitsgehalte von Aussagen im Spannungsfeld der Vagness


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Abstrakt
1.2. Problemstellung
1.3. Aufbau der Hausarbeit

2. Hintergrund
2.1. Sprachanalytische Philosophie
2.2. Das Sorites-Paradoxon

3. Ansätze des Umgangs mit Vagness in der Philosophie
3.1. Ansatz idealer Sprachen
3.2. Ansatz des Supervaluationismus
3.3. Ansatz der Paradoxonakzeptanz

4. Kritischer Diskurs
4.1. Abwägung von Vor- und Nachteilen der einzelnen Lösungsansätze
4.2. Vergleichende Kostenbetrachtung der Ansätze

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sprachanalytische Philosophie beschreibt eine Sammlung von philosophischen Ansätzen, beginnend im frühen 20. Jahrhundert, die sich mit idealen Sprachen, formaler Logik und Alltagssprache beschäftigen. Hintergrund der Fokussierung auf die Sprache ist die philosophische Betrachtung von Dingen entlang ihrer sprachlichen Repräsentation. Ein wesentlicher Aspekt in dieser Betrachtung kommt dem Wahrheitsgehalt von Aussagen zu, mit dem sich die vorliegende Arbeit beschäftigt.

1.1. Abstrakt

Bereits in der Metaphysik von Aristoteles werden unter anderem die Unmöglichkeiten von Widersprüchen einer Aussage thematisiert. So kann keinem Gegenstand zugleich etwas zukommen und nicht zukommen. Die Implikation aus dieser angenommenen Trennschärfe wird durch das Sorites-Paradoxon hinterfragt.

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Sorites-Paradoxon als Ausgangspunkt für Unschärfen in der sprachlichen Definition. Methodisch nähert sich die Arbeit dabei dem Thema indem zunächst auf die sprachanalytische Philosophie entlang der Darstellung von Tugendhat[1] eingegangen wird. Denn das Problemfeld der Vagness von Begriffen stellt in diesem Kontext eine zentrale Limitation dar.

Aufbauend auf der thematischen Einführung überprüft die Arbeit anhand eines Beispiels[2] die Vagness von Begriffen. Nach der Problemskizzierung werden drei mögliche Lösungswege für das Themenfeld skizziert: Der Ansatz idealer Sprachen, der Supervaluationismus und der Ansatz der Paradoxonakzeptanz.

Innerhalb einer kritischen Reflektion werden die Vor- und Nachteile aller drei Ansätze beschrieben und gegeneinander abgewogen. Zusätzlich dient das eingehende Beispiel als Indikation für Folgen der verschiedenen Lösungsansätze.

1.2. Problemstellung

Diese Arbeit fokussiert auf eine grundlegende Problemstellung der sprachanalytischen Philosophie, nämlich der Existenz von Vagness[3]. Diese beschreibt eine Ungenauigkeit in der Trennschärfe bzw. Abgrenzung von Begriffen. Als Konsequenz führt diese zum Sorites-Paradoxon[4], welches unter anderem in der Sprachanalyse zu Herausforderungen, wie z.B. dem Umgang mit ungenauen Definitionen führt.

Das Ziel der Arbeit liegt in der kritischen Betrachtung dieses Paradoxons und der Evaluation möglicher Lösungsansätze. Diese werden dabei exemplarisch an einem Sprachbeispiel von Tugendhat verglichen. Dabei zeigt die Arbeit Folgen für die sprachanalytische Philosophie mit Bezug auf jeden der Ansätze auf.

1.3. Aufbau der Hausarbeit

Die Hausarbeit strukturiert sich wie folgt:

Kapitel 2 gibt thematische Hintergrundinformationen über die sprachanalytische Philosophie und das Sorites-Paradoxon.

Kapitel 3 erweitert auf dieser Grundlage den Betrachtungsrahmen und stellt drei verschiedene Lösungsansätze im Umgang mit der Vagness vor: Der Ansatz idealer Sprachen, der Supervaluationismus und der Ansatz der Paradoxonakzeptanz.

Kapitel 4 beinhaltet den kritischen Diskurs entlang einer Abwägung der drei Lösungsansätze. Hierbei werden die individuellen Vor- und Nachteile betrachtet und im zweiten Teil die Kosten einander gegenübergestellt.

Kapitel 5 fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und beschreibt weitere Betrachtungsmöglichkeiten.

Kapitel 6 enthält das verwendete Literaturverzeichnis.

2. Hintergrund

Die Philosophie und ihre lange Tradition[5], aufbauend auf den ersten Schriften in der antiken griechischen Philosophie, ist als Wissenschaft von der Suche nach der Wahrheit geleitet. Ein Teil dieser Suche stellen die stetigen Weiterentwicklungen dar, die immer neue Methoden und Betrachtungsweisen nutzen, um die Aussagekraft bestehender Theorien zu überprüfen.

Insofern gleichen diese Theorien in ihrem Charakter Hypothesen, die ihren Wahrheitsgehalt durch kritisches Hinterfragen unter Beweis stellen müssen. Analog zur Hypothese beschreibt folgender Satz den Sachverhalt von Theorien in der Wissenschaft sehr punktgenau:

Hypothesen: „ Ihre Brauchbarkeit gründet sich hauptsächlich auf zwei Faktoren: Erstens muss eine Hypothese möglichst viele, im Idealfall alle, Phänomene einer plausiblen Erklärung zuführen, (…) und dabei möglichst wenige, im Idealfall keine offenen Fragen neu aufwerfen. Zweitens sollte eine Hypothese prinzipiell darauf angewiesen sein, mit möglichst wenig, im Idealfall ohne, weitere Zusatz- und Folgehypothesen auszukommen. “ (Bergemann, 1993, S. 47).

Da es sich bei Theorien meistens um ganze Gebilde von Aussagen, die aufeinander beruhen, handelt, ist es umso wichtiger den Wahrheitsgehalt dieser Annahmen kritisch zu hinterfragen. Im Falle des vorliegenden Kapitels wird dazu zunächst auf die Sprachphilosophie und danach im Speziellen auf das Sorites-Paradoxon eingegangen.

2.1. Sprachanalytische Philosophie

Eine allgemein gültige Definition für die sprachanalytische Philosophie zu finden, gestaltet sich anhand der vielen verschiedenen Schwerpunkte bestehender Definitionen als schwierig und würde den Rahmen dieser Studienarbeit überschreiten. Philosophie anhand von Sprache und sprachlichen Ausdrücken zu führen ist dabei keine Neuheit, bereits Platon[6] griff in seiner Argumentation auf die Verwendung sprachlicher Konstrukte zurück, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.

Da die Sprache als solches, sowohl in der Kommunikation, aber auch im Verstehen und der Wahrnehmung der Umwelt eine zentrale Rolle einnimmt, entwickelte sich aus den vereinzelten Theorien entlang der Sprache eine Disziplin in der Philosophie, der aktuell ein hohes Maß an Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Zuwendung zur Sprachphilosophie wird auch als „Linguistic Turn“[7] beschrieben. Dieser bezieht sich dabei nicht alleine auf die Philosophie, sondern auch auf andere Geisteswissenschaften, wie Literaturwissenschaften oder Linguistik.

Dabei ist der Gegenstand der philosophischen Betrachtung in der Sprachphilosophie nicht an eine einzelne Sprache gebunden. Als Teildisziplin beschäftigt sich z.B. die Sprachlogik mit dem generellen semantischen Aufbau von Sprachen aus einer universalistischen Perspektive[8].

Tugendhat, dessen Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie als Ausgangspunkt für die Arbeit dienen sollen, sieht in der Sprachphilosophie eine aktive Tätigkeit. Philosophieren kommt nach seiner Meinung von der Tätigkeit des Philosophierens und nur über die kritische, sprachanalytische Auseinandersetzung mit bestehenden Theorien kann das Subjekt dabei zu eigenen Erkenntnissen gelangen: „ Aber dann müssen wir erwarten, dass das sprachanalytische Philosophieren gerade in der Auseinandersetzung mit früheren philosophischen Positionen seine eigene zentrale Frage findet, und das heißt: dass es in dieser Auseinandersetzung erst sich selbst findet.“ (Tugendhat, 1990, S.14)

Tugendhat geht an dieser Stelle in seiner Ausführung noch deutlich weiter. Seine Meinung über das Erlangen von Erkenntnissen und den Wert eines gut geführten Lebens beschreibt exemplarisch, welch zentrale Position einige Philosophen der Sprachanalyse und den daraus entstehenden Erkenntnissen beimessen.

So argumentiert Tugendhat, basierend auf der Betrachtung des Apriori[9] in der Sprachphilosophie, dass nur Philosophen durch ihre kritische Reflektion in der Lage sein können „richtige“[10] Entscheidungen auf Grundlage ihrer Erkenntnisse zu treffen.

Autonom ist eine Person dann, wenn sie sich diese Frage (wie man leben will) selbstbestimmt stellt und beantwortet, also ohne den Rekurs auf vorgegebene Bedingungen, Meinungen, Traditionen etc., also eben radikal. Tugendhat beschreibt die <<Grundfrage>> des praktischen Selbstverständnisses als Möglichkeit, die wir haben.“ (Scarano und Suárez, 2006, S. 241).

Diese Einsicht führt zu der Feststellung: „ Das heißt dann auch, dass man erst dann ganz autonom ist, wenn man sich von traditionellen Mustern etwa in der Moralbegründung <<befreit>> hat und die autonome Moral als solche bejaht. “ (Scarano und Suárez, 2006, S. 242).

Obgleich die Schlussfolgerung bezüglich der Lebensführungsmöglichkeiten von Nicht-Philosophen in der Ausführung Tugendhats radikal erscheinen, bieten sie dennoch eine Evidenz der Tragweite von sprachanalytischer Philosophie.

2.2. Das Sorites-Paradoxon

Das Sorites-Paradoxon beschreibt eine Klasse an Problemen von unscharf definierten Begriffen: „ The sorites paradox is the name given to a class of paradoxical arguments, also known as little-by-little arguments, which arise as a result of the indeterminacy surrounding limits of application of the predicates involved. For example, the concept of a heap appears to lack sharp boundaries and, as a consequence of the subsequent indeterminacy surrounding the extension of the predicate ‘is a heap’, no one grain of wheat can be identified as making the difference between being a heap and not being a heap.“ (Stanford Encyclopedia, 2005). Wie die Beschreibung impliziert, beinhalten gewisse Begriffe also eine Unschärfe in ihrer Definition, die bei näherer Betrachtung wesentliche Auswirkungen auf das Begriffsverständnis haben.

[...]


[1] Vergleiche hierzu Tugendhat (1990, S.58 ff.)

[2] Exemplarisch wird das Beispiel des Haufens statt des Beispiels „es regnet“ von Tugendhat (1990) verwendet, dies dient als Bezug zu seinem Werk.

[3] Siehe auch Stanford Encyclopedia (2005a) für eine Definition und Beschreibung des Begriffs

[4] Vergleiche Stanford Encyclopedia (2005) für eine Definition

[5] Vergleiche hierzu eine Einführung in die antike Philosophie bei Deutinger (1852) oder Beck (1995)

[6] Siehe auch Sayer (2008, S.5 ff.)

[7] Vergleiche hierzu Rorty (1992, S. 5 ff.) oder Edel (2010, S.10 ff.)

[8] Siehe Frege (2001)

[9] Vergleiche hierzu Tugendhat (1990, S. 24 ff.)

[10] Gemeint sind in diesem Kontext Entscheidungen, die richtig im Sinne der von Logik dominierten Reflektion sind (in diesem Falle z.B. basierend auf Sprachanalyse).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Sorites-Paradoxon
Untertitel
Wahrheitsgehalte von Aussagen im Spannungsfeld der Vagness
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V163765
ISBN (eBook)
9783640782758
ISBN (Buch)
9783640782802
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele weitere Texte, alle mit 1,0-2,0er Noten auf www.tobiasfritsch.net vorhanden.
Schlagworte
Sorites Paradoxon, Vagness, Sprachphilosophie, Wahrheit von Aussagen, Ideale Sprachen, Supervalutioanismus, Paradoxonakzeptanz
Arbeit zitieren
Dr. Tobias Fritsch (Autor), 2010, Das Sorites-Paradoxon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163765

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