Ganztagsschule und Sozialer Kontext

Auswirkungen auf das familiäre Leben und die Freizeitgestaltung von Ganztagsschüler(inne)n


Seminararbeit, 2010

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ganztagsschule und sozialer Kontext
2.1 Familie
2.1.1 Chancen und Probleme für die Familie
2.1.2 Bildungs- und Erziehungspartnerschaften
2.2 Freizeitaktivitäten
2.2.1 Freizeitpädagogik
2.2.2 Mitarbeiter einer Ganztagsschule: Die Eltern
2.2.3 Mitarbeiter einer Ganztagsschule: Weitere Mitarbeiter
2.2.4 Auswirkungen des Ganztagsschulprinzips auf die Kinder

3. F azit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge verschiedenartiger Studien, so zum Beispiel der PISA Studie, ergab sich, „dass Kinder nur dann individuell gefördert werden können und Chancengleichheit nur dann realisiert werden kann, wenn Familien in ihrer Leistungsfähigkeit gefördert und ihre Leistungen unterstützt werden.“ (Ganztagsschule 2006, S.29).

Diese Aussage geht davon aus, dass Familien keine homogene Gruppe darstellen und nicht jede Familie ihrem Kind die nötige Unterstützung für seine Entwicklung bieten kann. Eine Ganztagsschulbetreuung, die sowohl Chancen, als auch Probleme für eine Familie ergeben kann, könnte diesem Defizit entgegenwirken. Allerdings können sich nicht nur Veränderungen für Familien, durch eine verstärkte Nutzung von Ganztagsangeboten ergeben, sondern auch zum Beispiel für Vereine und ganz allgemein gesagt für den ganzen Freizeitsektor. Sowohl der Einfluss der Ganztagsschul­betreuung auf Familien, als auch auf die Freizeitaktivitäten, soll deshalb Thema dieser Arbeit sein.

2. Ganztagsschule und sozialer Kontext

2.1 Familie

Das folgende Kapitel wird die Chancen und Probleme von Familien bezüglich einer Ganztagsbetreuung behandeln, wobei auch thematisiert wird, welche Auswirkungen diese auf den Lehreralltag haben können. Um diese Effekte näher zu erläutern, wird im zweiten Abschnitt dieses Unterkapitels auf die Notwendigkeit von Bildungs- und Erziehungspartner­schaften eingegangen. Neben ihrer Erfordernis, wird außer­dem darauf hingewiesen, welche Faktoren diese negativ oder auch positiv bedingen können.

2.1.1 Chancen und Probleme für die Familie

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, kann ein breitgefächertes Ganztagsangebot dazu verhelfen, die Chancengleichheit im Hinblick auf die Erziehung und Bildung eines Kindes zu ermöglichen. Neben den Veränderungen, die sich für ein Kind durch ein solches Angebot ergeben, hat dies natürlich auch Auswirkungen auf die gesamte Familie. Ein besonders wichtiger Faktor ist, dass sich dadurch die quantitative Zeit verringert, die die Familie gemeinsam nutzen kann. Es bleibt also weniger Zeit für zum Beispiel gemeinsame Gespräche am oder auch Unternehmungen am Nachmittag. Dies muss aber nicht zwangsläufig als negativ von den Eltern und Kindern erachtet werden. So wird es in Familien, in denen sich häufiger Konflikte zum Beispiel durch die Hausaufgabenbetreuung ergeben, sogar als besonders positiv erachtet, dass diese Zeit an einer Ganztagsschule nun in die Schulzeit fällt. (vgl. Ganztagsschule 2006, S.73). Aber nicht nur bezüglich der Hausaufgabenbetreuung fühlen sich Eltern durch eine ganztägige Betreuung unterstützt. Viele Eltern geben in Befragungen an, dass sie sich auch in Erziehungsfragen und der Mittagsversorgung entlastet fühlen (vgl. Holtappels et al. 2008, S.314) und führen dies sogar als einen wichtigen Grund an, warum, ihr Kind eine Ganztagschule besucht. Nun könnte man Annehmen, dass nur die Eltern eine tendenzielle Verbesserung, durch Vermin­derung von Konfliktpotentialen, des Familienklimas sehen. In den wenigen Studien, in denen Heranwachsende zu diesem Thema befragt wurden, gaben diese an, dass sie keine bedeut­samen Unterschiede im Verhältnis zu ihren Eltern, nach einem Wechsel auf eine Ganztagsschule, bemerkt hätten. (vgl. Holtappels et al. 2008, S.331) Als ein weiterer Vorteil der Ganztagsbetreuung wird häufig auch ,, [...] die Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für die Mütter [...]“ (Coelen et al. 2008, S.192), aber auch für Alleinerziehende hervorgehoben. Durch eine gesicherte ganztägige Betreuung, können solche Eltern einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen und somit kann diese sogar die Familienarmut verringern. (vgl. Ganztagsschule 2006, S.69) Abgesehen von der Möglichkeit einem Beruf nachzugehen, ergibt sich dadurch für Eltern im Allgemeinen eine Entlastung bezüglich der Nachmittagsplanung. Sie müssen sich folglich nicht mehr jeden Tag um die Betreuung ihrer Kinder, durch beispielsweise Verwandte oder Freunde, kümmern. Ein weiteres Argument, dass von Eltern für die Ganztagsbe­treuung angeführt wird, ist die Möglichkeit der individuellen Förderung ihres Kindes durch die Schule. Besonders wichtig ist dies bezüglich solcher Familien, die ihren Kindern zum Beispiel aus finanziellen Gründen oder auch aufgrund von sprachlichen Mängeln, diese Förderung nicht zukommen lassen können. (vgl. Holtappels et al. 2008, S.315)

Diese Möglichkeiten sollen allerdings nicht den Anschein erwecken, dass sich Eltern vollständig aus ihrer Verantwortung entziehen und ihren Bildungs-, als auch ihren Erziehungsauftrag, vollständig auf die Schule übertragen können. Um dem entgegenzuwirken und solchen Eltern, die einer Ganztagsbetreuung eher skeptisch gegenüberstehen, ihre Sorgen zu nehmen, können so genannte Bildungs- und Erziehungspartnerschaften helfen, auf die nun im Folgenden näher eingegangen wird.

2.1.2 Bildungs- und Erziehungspartnerschaften

Dadurch, dass sich durch den Besuch einer Ganztagsschule der Erziehungsanteil der Eltern, als auch die Zeit innerhalb der Familie als Bildungsort verringert, ist es wichtig die Eltern in irgendeiner Form weiterhin in die Entwicklung ihrer Kinder einzubinden. In der Literatur werden häufig die sogenannten ;Bildungs- und Erziehungspartnerschaften’ in diesem Zusammenhang genannt. Darunter versteht man die Herstellung eines kommunikativen Verhältnisses der an der Erziehung von Kindern beteiligten Personen und Institutionen.“ (Coelen et al. 2008, S.53) Dies bedeutet, dass besonders zwischen den Eltern und den Lehrern ein reger Informationsaustausch über den Lernerfolg und Entwicklungsstand des Kindes erfolgen sollte um ,,[...] [die] kindliche[n] Entwicklungs- und Lernprozesse angemessen [...] [fördern zu können].“ (Ganztagsschule 2006, S.79) Zudem verhelfen diese Partnerschaften, neben einer adäquaten Förderung des Kindes/ des Jugendlichen, auch zu einer möglichen Früherkennung und Intervention bei auftretenden Problemen. Eine Grundvorrausetzung für das Funktionieren solcher Beziehungen ist ,,[...] die Einsicht auf Seiten aller Beteiligten [...], dass sie mit Blick auf die Bildung, Erziehung und Sozialisation der Kinder gemeinsame Aufgaben haben und sie sich in der Erfüllung dieser Aufgaben wechselseitig unterstützen können und müssen(Ganztagsschule 2006, S.79f.)

Neben den Kindern und Jugendlichen, können sowohl die Eltern, als auch die Lehrer von diesen profitieren. Die Eltern können dadurch beispielsweise das Gefühl bekommen, nicht von der Entwicklung ihrer Kinder ausgeschlossen zu sein und die Lehrer fühlen sich nicht länger mit der Erziehung ihrer Schüler alleingelassen. Allerdings müssen häufig im Vorhinein auf beiden Seiten Vorurteile abgebaut werden. Eltern, die zum Beispiel in ihrer eigenen Schulzeit schlechte Erfahrungen mit der Institution Schule gemacht haben, werden einem interessierten Lehrer höchstwahrscheinlich mit Misstrauen begegnen und deshalb könnte es bei diesen Eltern schwierig sein, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ebenso können aber auch auf Seiten der Lehrer Vorurteile vorhanden sein. So waren zum Beispiel Dreiviertel der Gymnasiallehrer, die 2003 befragt wurden der Meinung, dass sich Eltern nur so lange kooperativ zeigen, wie sie einen Nutzen dessen für ihre Kinder sähen. (vgl. Ganztagsschule 2006, S.84) Neben der Bereitschaft solchen Vorurteilen gemeinsam entgegenzu­wirken, müssen alle Beteiligten geneigt sein genügend Zeit in diese Partnerschaften zu investieren, denn diese können nur dann funktionieren, wenn der Kontakt weit über [den] herkömmliche [n] [Kontakt] [...] im Rahmen von Eltemsprechtagen hinausgeht.“ (Ganztagsschule 2006, S.83) Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass Eltern sich an der Gestaltung von Freizeitaktivitäten beteiligen, worauf später noch einmal näher eingegangen wird.

2.2 Freizeitaktivitäten

Das folgende Kapitel behandelt die Freizeitaktivitäten an einer Ganztagsschule. Einführend wird der Begriff der Freizeit­pädagogik definiert und erläutert, und nennt Gründe, warum es wichtig ist Freizeit für Kinder und Jugendliche angemessen zu gestalten. Um facettenreiche Angebote für die Freizeit zu schaffen, braucht eine Ganztagsschule Mitarbeiter aus verschiedenen Berufsfeldern. Diese werden im nächsten Abschnitt genannt und beleuchtet, wobei in diesem Abschnitt das Hauptaugenmerk bei den Eltern liegt. Im Anschluss daran, werden mögliche Auswirkungen auf das Familienleben und die Auswirkungen auf die Hobbys der Kinder angesprochen.

2.2.1 Freizeitpädagogik

Der Freizeitgestaltung kommt in den Ganztagsschulen eine besondere Rolle zu, zumindest einer weiter reichenden als in Halbtagsschulen. Grund dafür ist schon die Tatsache, dass die Kinder ihren ganzen Tag in der Schule verbringen. Deshalb versuchen Ganztagsschulen auch die Freizeitangebote den Schülern angemessen, im Sinne von Schülerinteressen und Schülerbedürfnissen, zu gestalten. Jedoch handelt es sich hierbei nicht nur darum die Nachmittagsstunden auszufüllen, es handelt sich vielmehr um eine geplante Freizeitpädagogik. (vgl. Appel 1998, S.117) Freizeitpädagogik beschreibt die pädagogische Arbeit in und über die Freizeit hinaus. Sie stellt unter anderem, wie auch die Soziale Arbeit und die Kunsttherapie, eine Unterkategorie der Sozialpädagogik dar. Neben Spaß, Spiel und Erholung vom Unterricht soll die Freizeitpädagogik besonders die Konsum- und Medienbildung, den Lebensstil, die Lebensgestaltung der Kinder und Jugendlichen positiv beeinflussen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ganztagsschule und Sozialer Kontext
Untertitel
Auswirkungen auf das familiäre Leben und die Freizeitgestaltung von Ganztagsschüler(inne)n
Hochschule
Universität Trier
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V163771
ISBN (eBook)
9783640782765
ISBN (Buch)
9783640813575
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ganztagschule, Freizeitpädagogik, Sozialkompetenz
Arbeit zitieren
Marie Burger (Autor:in), 2010, Ganztagsschule und Sozialer Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163771

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