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Der Gang des Helden in die Unterwelt als Weg zu Vergangenheit und Zukunft

Title: Der Gang des Helden in die Unterwelt als Weg zu Vergangenheit und Zukunft

Pre-University Paper , 2008 , 57 Pages

Autor:in: Wiebke Voß (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Der Gang des Helden in die Unterwelt als
Weg zu Vergangenheit und Zukunft
(im Rahmen des Rerum Antiquarum Certamen,
Schülerwettbewerb „Alte Sprachen 2007/2008“,
ausgerichtet vom Niedersächsichen Altphilologenverband NAV)

A. DIE STRUKTURELEMENTE DER HOMERISCHEN NEKYIA
UND DER VERGILISCHEN KATABASIS

I. Gemeinsame Elemente und methodische Vorbemerkung
Die beiden vorliegenden Texte, das elfte Buch der homerischen Odyssee und das sechste Buch von Vergils Aeneis, thematisieren innerhalb der langen Suche der Helden Odysseus und Aeneas nach der alten bzw. der neuen Heimat eine zentrale Etappe: die Katabasis in die Unterwelt. Trotz vieler Differenzen weisen beide descensus ähnliche tragende Elemente auf, die ich im Folgenden benennen und in ihrer Ausführung bei Homer und Vergil untersuchen möchte.
Ausgangspunkt der Höllenfahrten ist der Held, den besonderen Eigenschaften zum Abstieg in den Hades qualifizieren. Er wird durch Weisung einer befehlsbefugten Instanz oder Person zu diesem Extremereignis motiviert und soll Prophezeiungen in Bezug auf
die Zukunft durch einen bestimmten Toten erfahren und somit die Chance zum Erreichen der Heimat verbessern.
Neben seiner besonderen persönlichen Qualifikation bedarf der Held bestimmter Riten, um Einlass in das den Lebenden gewöhnlich verschlossene Todesreich zu erlangen. Insbesondere sind hierbei Opferhandlungen und Gebete zu Pluto und Persephone zu erwähnen,
zu deren Ausführungen der Held durch einen wissenden, übermenschlichen
Führer konkrete Anweisungen erhält.
Hat der Held diese munera durchgeführt, kann er – nach Überschreitung weiterer Schwellen der Unterwelt (traditionell sind hier der Fährmann Charon und der Höllenhund Cerberus zu nennen) - Kontakt zu den Seelen Verstorbener aufnehmen. Ob der Protagonist hierbei selbst in das Totenreich hinabsteigt oder die Toten zu ihm in die Oberwelt gelangen, wird später zu analysieren sein. Diese Begegnungen sind in der Regel mit Dialogen verbunden(1), die dem Helden teils Aufschluss über die Vergangenheit, teils sogar Einblick in die Zukunft bieten und somit das Ziel der Katabasis implizieren.
Auch das Mysterium von Leben und Tod, das mit dem eschatologischen Schicksal der Seelen im Rahmen ihrer jeweiligen Klassifizierung verbunden ist, wird im Laufe der
Katabasis in solchen Dialogen offenbart.

(1) Nur in Ausnahmefällen kommt es nicht zu einem Gespräch, sondern bleibt bei einer einseitigen Anrede des in die Unterwelt Hinabgestiegenen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. DIE STRUKTURELEMENTE DER HOMERISCHEN NEKYIA UND DER VERGILISCHEN KATABASIS

I. Gemeinsame Elemente und methodische Vorbemerkung

II. Ausführung der grundlegenden Struktur bei Homer

1. Der Held

2. Der Weg als erste Schwelle

3. Die Riten

4. Kontakt zu den Seelen Verstorbener

a) Die Seele des jüngst verstorbene Elpenor als Schwellenfigur

b) Die Prophezeiung des Teiresias

c) Einschub eines erzählerischen Intermezzos

d) Blick ins Innere der Unterwelt zu den mythologischen Figuren

5. Ausgang

III. Ausführung der grundlegenden Struktur bei Vergil

1. Der Held

2. Riten und Führer

3. Schwellen

4. Kontakt zu den Seelen Verstorbener

a) Die Seele des unbegrabenen Palinurus

b) Die Begungnung mit Dido

c) Seelen aus Aeneas’ trojanischer Vergangenheit

d) Die mythologischen Figuren als zeitlose Ebene

e) Bei Anchises im Elysium: Einblick in postmortale Mysterien

5. Die Heldenschau

a) Grundlegendes zur Anchisesrede

b) Die erste Gruppe zukünftiger Helden: Gründung und Ausdehnung Roms

c) Die zweite Gruppe der Helden: Abhängigkeit Roms von menschlichem Schaffen

d) Die dritte Gruppe zukünftiger Helden: Weltgeschichtliche Aufgabe der Römer

e) Klage um Marcellus

f) Telos des Ausblickes auf die römische Zukunft

6. Ausgang: Aufstieg durch das Tor der falschen Träume

B. MEMORIA ET OBLIVIO – DIE KONZEPTION DER ZEIT IN DER AENEIS

I. Die Konstruktion von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Gesamt-Aeneis

II. Die Katabasis im Zeitgefüge der Aeneis

1. Der Gang in den „Zeitort“: Die Visualisierung der memoria und der spes in der Unterwelt

a) Die Tote als Träger der memoria

b) Das Universum der memoria

c) Die Kommenden als Träger der spes

2. Die Wirkung des „Zeitortes“: Die Umpolung des Helden in der Katabasis

Exkurs: Die Frage nach der Determination des Menschen

3. Das Resultat: Aeneas‘ Vergessen nach der Katabasis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Unterweltfahrt (Katabasis) als zentrales Element in Homers Odyssee und Vergils Aeneis, wobei der Schwerpunkt auf Vergils differenzierter Zeitebenen-Konstruktion liegt. Sie erforscht, wie der Abstieg in den Hades den Helden Aeneas von einer vergangenheitsfixierten Haltung zur Akzeptanz seiner schicksalhaften, zukunftsgerichteten Aufgabe als Begründer römischer Größe führt.

  • Strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Nekyia (Homer) und der Katabasis (Vergil).
  • Die Rolle von memoria (Erinnerung) und spes (Hoffnung) innerhalb der Unterwelts-Topographie.
  • Die psychologische Wandlung des Helden Aeneas vom Trojaner zum römischen Träger des fatum.
  • Die Darstellung römischer Geschichte und Weltherrschaft durch die Heldenschau und Anchises' Rede.
  • Philosophische Konzepte wie Seelenwanderung und die Einheit von Mensch, Geschichte und Kosmos.

Auszug aus dem Buch

Die Wirkung des „Zeitortes“: Die Umpolung des Helden in der Katabasis

In dieser Welt des Hades, in der die Seelen der Toten geläutert werden, erfährt Aeneas in seiner Katabasis auch eine „Umpolung“. War er vorher vollkommen auf die Vergangenheit fixiert, so kehrt sich die Blickrichtung des Helden und damit die Bewegung des Epos in der Katabasis um.

Der Blick des Aeneas ist in den ersten Büchern auf das Vergangene statt auf das Bevorstehende gerichtet; bereits während des im ersten Buch beschriebenen Seesturms hadert er mit dem Schicksal, das ihm nicht den glücklichen Tod in Troja gegönnt, sondern ihm die schwere Aufgabe übertragen hat, eine neue Heimat zu gründen. Auch wenn sein geschichtlicher Auftrag immer deutlicher enthüllt wird – etwa in der Helenus-Prophetie -, so bleibt Aeneas‘ Verhalten diesem gegenüber weiterhin von Passivität, teils sogar von bewusstem Sträuben gekennzeichnet. Die Sehnsucht nach Troja ist das zentrale Motiv im odysseischen Teil des Epos, Aeneas trauert seiner patria nach. Das Trojaspiel während der Leichenspiele für Anchises im fünften Buch wird zu Recht bezeichnet als „the most vivid expression of [the] Trojan hope“. Obwohl Aeneas bereits seit dem Fall Trojas weiß, dass die Stadt untergegangen ist und nicht wieder aufgebaut werden wird, ist er so sehr mit seiner Heimatstadt verbunden, dass er den Gedanken an ihre Wiedererrichtung nicht fallen lassen kann. Das Trojaspiel im fünften Buch zeigt sich auch dadurch als charakteristischer Rückblick, dass hier nicht nur die trojanischen Führer dargestellt werden, sondern auch Dido Erwähnung findet. Diese wird als candida charakterisiert und erscheint so als weiteres Element aus Aeneas Vergangenheit, nach dem er sich sehnt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Gemeinsame Elemente und methodische Vorbemerkung: Einführung in die Katabasis als zentrale Etappe der Heldenreise und Benennung tragender Elemente wie Held, Führer, Riten und Dialoge.

II. Ausführung der grundlegenden Struktur bei Homer: Untersuchung der Nekyia bei Homer, beginnend mit der Motivation des Helden über Riten bis hin zur Begegnung mit Seelen wie Elpenor und Teiresias.

III. Ausführung der grundlegenden Struktur bei Vergil: Detaillierte Analyse der Aeneis-Katabasis, inklusive der Vorbereitung durch den goldenen Zweig, der Begegnung mit Dido und dem zentralen Moment der Heldenschau bei Anchises.

I. Die Konstruktion von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Gesamt-Aeneis: Darstellung des Epos als mythischer Raum, der durch die „drei großen Durchblicke“ in die geschichtliche Zukunft des römischen Volkes erweitert wird.

II. Die Katabasis im Zeitgefüge der Aeneis: Untersuchung des Hades als „Zeitort“, in dem Vergangenheit und Zukunft konvergieren und den Helden durch die Visualisierung der memoria und spes wandeln.

Schlüsselwörter

Katabasis, Nekyia, Aeneis, Odyssee, Aeneas, fatum, memoria, spes, Unterwelt, Heldenschau, Anchises, Rom, Zeitgefüge, Seelenwanderung, Pietas.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Unterweltfahrten in Homers Odyssee und Vergils Aeneis, wobei der Fokus auf dem Zeitkonzept und der Entwicklung des Helden Aeneas liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die antiken Jenseitsvorstellungen, die Bedeutung von Erinnerung (memoria) und Hoffnung (spes) sowie die Auseinandersetzung des Individuums mit seiner schicksalhaften Bestimmung (fatum).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Katabasis als „Zeitort“ fungiert, an dem sich die Blickrichtung des Helden Aeneas von der Vergangenheit auf die römische Zukunft wandelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Epen chronologisch untersucht und mittels Sekundärliteratur zu antiker Philosophie und Zeitkonzeptionen deutet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der strukturellen Elemente bei Homer und Vergil sowie eine tiefgehende Analyse der Konzepte von Memoria und Oblivio (Vergessen) in der Aeneis.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Katabasis, fatum, memoria, spes und die Entwicklung des Helden Aeneas zum Vollstrecker römischer Geschichte definiert.

Warum ist der "goldene Zweig" für Aeneas so bedeutsam?

Der goldene Zweig dient als Voraussetzung und Symbol für die göttliche Legitimation Aeneas', die ihm den Einlass in die Welt der Toten trotz seiner lebendigen Natur ermöglicht.

Welche Rolle spielt das "Tor der falschen Träume" beim Ausgang aus der Unterwelt?

Es symbolisiert die Unhaltbarkeit und Flüchtigkeit der Jenseitserfahrungen für den Lebenden und verdeutlicht, dass Aeneas das Erlebte nach seiner Rückkehr in die irdische Welt nicht als direktes Wissen behalten kann.

Inwiefern unterscheidet sich Aeneas' Wandlung im Hades von Odysseus' Erfahrung?

Während Odysseus' Begegnungen eher der Informationsbeschaffung dienen, vollzieht Aeneas im Hades einen Prozess der inneren Abkehr von seiner trojanischen Vergangenheit hin zur bewussten Bejahung seiner Aufgabe als römischer Staatsgründer.

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Details

Title
Der Gang des Helden in die Unterwelt als Weg zu Vergangenheit und Zukunft
College
Ursulaschule Osnabrück  (Ursulaschule Osnabrück)
Author
Wiebke Voß (Author)
Publication Year
2008
Pages
57
Catalog Number
V163852
ISBN (eBook)
9783640787371
ISBN (Book)
9783640787494
Language
German
Tags
Vergil Aeneis Katabasis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wiebke Voß (Author), 2008, Der Gang des Helden in die Unterwelt als Weg zu Vergangenheit und Zukunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163852
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