Marc Aurel - Der Feldherr und Kaiserphilosoph


Seminararbeit, 2008
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1) Marcus Aurelius

2) Der erste Markomannenkrieg

3) Avidius Cassius und der zweite Markomannekrieg

4) Marcus Aurelius

1) Marcus Aurelius :

1a) Als Kaiser-Philosoph in die Geschichte eingegangen, musste sich Marc Aurel wie kaum ein anderer einer Unzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen stellen. Mit den besten Vorsätzen hatte Marc Aurel 161 n. Chr. den Thron bestiegen. Ausgerechnet er, der so unsoldatische Kaiser, voll von römischem Pflichtgefühl, wurde Opfer seines eigenen Schicksals. In neunzehn Amtsjahren gab es nur zwei friedliche Jahre. Und obwohl sein Vorgänger Pius ihm fast drei Milliarden Sesterzen in den Staatskassen überlassen hatte, brannte es an allen Grenzen und Grenzgebieten. Um nicht allein regieren zu müssen, ernannte er seinen Adoptivbruder Lucius Verus zu seinem Mitregenten. Fast zwei Jahrhunderte lang galt die Einherrschaft und so war dieses Doppelprinzipat ein Novum für Senat und Volk. „Zudem war Verus in der Öffentlichkeit nur wenig hervorgetreten. 154 hatte er als Vierundzwanzigjähriger sein erstes Konsulat erhalten. (...) Trotzdem stieß Marcus´ Antrag auf keinen Widerspruch. Gewiss hatte er sich den Bruch mit der Tradition nicht leicht gemacht, und man konnte darauf vertrauen, dass er zwingende Gründe hatte. So akklamierte der Senat an dem ereignisreichen Tag einen zweiten Imperator Caesar Augustus.“[1] Es begann eine Dyrachie, die von Krieg und Friedensschluss, von langen Reisen und kurzen Ruhepausen und der Pest geprägt war. Die Jahre seiner Regierung sollte er überwiegend in seinen Donauprovinzen und auf dem Balkan verbringen. Aber die „innige Verbindung von römischer Armee und dem Leben in diesen Provinzen ergab sich nicht nur daraus, dass diese Provinzen erst jüngst erobert worden waren und noch romanisiert werden mussten, sondern auch aus der ständigen Bedrohung durch die freien Barbaren jenseits der Donau, die sich (...) in den Donaukriegen des Marcus Aurelius zwischen 166-167 und 180 (...) manifestiert. Darum wurden die Streitkräfte zunehmend an der Donau konzentriert, was zur Verlagerung des Schwergewichts der Legionen vom Rhein zur Donau führte und – mit der wachsenden Tendenz, in den Gebieten Truppen auszuheben, in denen die Legionen stationiert waren – zu einem ständig größer werdenden Übergewicht von Männern aus diesen Provinzen in den wichtigsten Kampftruppen des Reiches.“[2] Marc Aurel und seine Fähigkeiten als Herrscher und Feldherr waren nun gefordert. Seine Ziele für den Balkanraum, und wie sich diese Vorstellungen umsetzen ließen, wird im folgenden erörtert.

1b) Zunächst einmal muss man sagen, dass die Chronologie des Kriegsverlaufes ein schwieriges Problem darstellt. Historiker haben sich bisher nicht auf einen allgemein gültigen Verlauf der Kriegshandlungen einigen können. „Das liegt vor allem an der bruchstückhaften Natur der literarischen Überlieferung. Denn über die Anfangsstadien des Krieges besitzen wir überhaupt keinen Bericht eines antiken Geschichtsschreibers, und die Darstellung, die Cassius Dio von den Feldzügen der siebziger Jahre des zweiten Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nur in fragmentarischen Auszügen und Abrissen erhalten (...). Außerdem muss es jedem Schriftsteller sehr schwer gefallen sein, einen klaren Bericht von einem Krieg zu liefern, der an einer weit auseinander gezogenen Front gegen ständig wechselnde Feinde geführt wurde.“[3] Die nachfolgende Chronologie versucht den Kriegsverlauf mit all seinen Facetten, unter Berücksichtigung verschiedener Quellen, so genau wie möglich darzustellen.

Die Vorboten des ersten Markomannenkrieges zeigten sich schon früh nach Marc Aurels Amtsantritt, als „165 eine Schar von sechstausend Langobarden und Obiern die Donau überquerte und in Pannonien eindrang. Sie nutzten die Gelegenheit, dass 162 die in Aquincum (Budapest) stationierte Legion nach dem Osten abgezogen worden war. Es gelang den vorhandenen Kräften jedoch, die Eindringlinge zurückzuschlagen.“[4] Das war der Vorgeschmack auf das, was die Römer in den nächsten Jahren erwarten sollte. Und der nächste Konflikt ließ auch nicht lange auf sich warten. Aufsässige Nachbarstämme unter der Führung des Markomannenkönigs Ballomarius handelten mit Iallius Bassus, dem Statthalter Oberpannoniens, einen Friedensvertrag aus. Um einer drohenden Völkerwanderung, die die Sicherheit Roms empfindlich schwächen würde, zu verhindern, blieb Marc Aurel nur die Grenzen zu stärken, um dem immer größer werdenden Druck entgegenzuwirken. Schnell wurden zwei neue Legionen ausgehoben, um bei einem weiteren Angriff der Langobarden gerüstet zu sein.

In dieser „Phase der ausgesprochenen Erschöpfung und Lähmung der römischen Kräfte, einer Phase, die man mit der Situation nach der Niederwerfung des Pannonischen Aufstandes vor der Varuskatastrophe vergleichen kann, wurde dann von 166 n. Chr. an die römische Donaufront überrannt. Die großen Unruhen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. hatten sich schon seit Domitian abgezeichnet, und von römischer Seite aus waren die Defensivkräfte auch beträchtlich verstärkt worden. (...) In den Wellen der sogenannten Markomannenkriege prallten die ersten Wogen der Völkerwanderung gegen die römischen Deiche.“[5] Zu den Hauptstämmen zählten die Markomannen, Quaden, Langobarden, Jazygen, Roxolanen, Kostoboken und die Alanen. Natürlich waren auch immer kleinere Stämme beteiligt, die auf der Welle der Expansion mitschwimmen wollten. Bis kurz vor Verona in Oberitalien stießen die Markomannen noch 166 vor. Marcus hob sofort zwei Legionen und mehrere Hilfstruppen aus, um Plünderungen und auch mögliche Siedlungen einzudämmen. Die nächsten Jahre sollten die pannonischen Provinzen, sowie Noricum und Rätien, immer wieder von benachbarten Stämmen heimgesucht werden.

2) Der erste Markomannenkrieg

2a) Im Jahre 167 vereinigten sich markomannische und quadische Stämme und drangen durch die Sicherheitslinien der Römer an der Donau bis in die venetische Tiefebene vor. Die Stadt Aqueleia konnte einer Belagerung jedoch standhalten. Die 70 Kilometer entfernte Stadt Opitergium hatte nicht so viel Glück und fiel den Plünderungen zum Opfer. Dieser ehrenlose Vertragsbruch zwang Marc Aurel zu handeln. Daraufhin erklärte Marcus den Markomannen und den Quaden den Krieg. Aber nicht nur nach Westen drängende Stämme bereiteten dem Kaiser Sorgen. Die Pest sollte eine entscheidende Rolle im Kriegsverlauf spielen. Als 166 drei Legionen aus dem Osten in ihre Heimat zurückkehrten, verbreiteten sie die tödliche Krankheit rasend schnell. Auch Rom traf die Seuche, und so starben Tausende von Römern.

Im Frühjahr 168 richtete sich Marc Aurel sein Hauptquartier in Aqueleia ein, und seine Präsenz führte nun scheinbar zu einem Einlenken der Stämme. „Gesandtschaften erschienen in Aqueleia, die heftige Reaktionen innerhalb einzelner Stämme meldeten und um Erneuerung des Friedens baten. Die Quaden verlangten sogar, die Kaiser sollten dem neuen Stammeskönig Furtius ihren Segen geben. Auch schon früher hatte Rom Stammeskönige bestätigt und damit zugleich bestehende Bündnisverträge erneuert. (...) [Verus glaubte], das Kriegsziel bereits erreicht zu haben. Er drängte Marcus zurückzukehren, zumal inzwischen die Pest große Lücken ins Heer gerissen hatte.“[6] Ein weiteres Mal wollte sich Marcus jedoch nicht mit der vertraglichen Bindung der Stämme an das römische Reich begnügen. Er musste seine Stellung militärisch stützen. Also ließ er eine Verteidigungslinie bauen. Diese Linie betraf die italische Pforte und benachbarte Alpenbezirke. Antistius Adventus wurde den neu ausgehobenen Truppen vorangestellt. Im Jahre 169 starb Marcus´ Bruder Verus an einem Schlaganfall und das erste Doppelprinzipat in der römischen Geschichte fand sein Ende. Auch wurden Stimmen laut, die Marcus eine Verschwörung gegen seinen eigenen Bruder unterstellten. Doch Marcus wollte keinen Vorteil aus dem Tod ziehen. So überließ er den Schwestern des Verus den Großteil des Nachlasses, der eigentlich ihm zugestanden hätte. Auch die Verwandten von Verus sollten nicht zu kurz kommen. Aber trotzdem hatte auch Marcus Vorteile durch den Tod Verus´. Lucilla, die Frau von Verus, Marcus nun verwitwete Schwiegertochter, wurde noch im Jahre 169 mit dem General und Konsul Claudius Pompeianus verheiratet. Dieser würde Marcus sehr nützlich sein bei den bevorstehenden Aufgaben im Norden.

[...]


[1] Rosen, Klaus, Der Kaiser, in : Wolfgang Müller und Uwe Naumann (Hg.) : Marc Aurel (Monographie), 20043, (63f)

[2] Miller, Fergus, Der Balkan und die Donauprovinzen, in : Weltbild Verlag (HG), Weltgeschichte : Das römische Reich und seine Nachbarn, Die Mittelalterwelt im Altertum IV (Band 8), 2000, (225)

[3] Birley, Anthony, Die Markomannenkriege, in : C.H. Beck München (HG), Mark Aurel. Kaiser und Philosoph, 1968, (427f)

[4] Rosen, Klaus, Der Feldherr, in : Wolfgang Müller und Uwe Naumann (Hg.) : Marc Aurel (Monographie), 20043, (86)

[5] Christ, Karl, Das römische Reich unter Marc Aurel (161-180 n. Chr.) und Commodus (180-192), in : C.H. Beck (HG), Beck´s historische Bibliothek : Geschichte der römischen Kaiserzeit, 20024, (336)

[6] Rosen, Klaus, Der Feldherr, in : Wolfgang Müller und Uwe Naumann (Hg.) : Marc Aurel (Monographie), 20043, (90)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Marc Aurel - Der Feldherr und Kaiserphilosoph
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V163863
ISBN (eBook)
9783640792245
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marc Aurel, Aurelius, Feldherr, Römischer Kaiser, Rom, Kaiser, Kaiserphilosoph, Marcus Aurelius
Arbeit zitieren
Joachim Schwarz (Autor), 2008, Marc Aurel - Der Feldherr und Kaiserphilosoph, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163863

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