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Der Personbegriff des Johannes Duns Scotus

Eine systematische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der ontologischen Grundlagen

Title: Der Personbegriff des Johannes Duns Scotus

Diploma Thesis , 1985 , 59 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dr. Axel Schmidt (Author)

Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500-1350)
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Die Frage, was unter Person oder personalem Leben zu verstehen ist, bewegt heute viele Gemüter. Biologen, Mediziner und Juristen versuchen, den Beginn und das Ende menschlicher Personalität zu definieren, da diese zeitliche Festlegung heute zum Problem geworden ist angesichts der Debatten um die sittliche Erlaubtheit der Abtreibung und der (aktiven) Euthanasie.
Einige Moraltheologen unterscheiden zwischen biologisch-menschlichem und personal-menschlichem Leben, als gäbe es eine Zeitspanne, in der ein Mensch noch nicht Person ist (und eine solche, in welcher er nicht mehr Person ist?). Häufig läßt man sich bei solchen Überlegungen von pragmatischen Gesichtspunkten leiten, oder man interpretiert gewisse empirische Erkenntnisse aus der Embryonalentwicklung oder aus der Gehirnphysiologie voreilig als metaphysisch relevante Aussagen über das Wesen des Menschen und seines Personseins.
Demgegenüber tut eine genuin philosophische Besinnung über das Wesen der Person not. Eine Hauptursache der heutigen Unklarheit über den Personbegriff besteht darin, daß nicht mehr klar zwischen Vermögen und aktueller Ausübung desselben unterschieden wird, oder ontologisch gesagt: zwischen actus primus und secundus.
Wenn auch ungeborene Kinder, Unmündige oder geistig Behinderte nicht aktuell in der Lage sind, gewisse Akte zu setzen, die man zu Recht als personal bezeichnet (z.B. freie Willensentscheidungen, Vernunftgebrauch, Kommunikation mit anderen usw.), so besagt dies noch nichts über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein der realen Vermögen zu solchen Akten.
Die Würde der Person besteht nicht in der tatsächlichen (und damit zufälligen) Ausübung gewisser Fähigkeiten, sondern ist begründet in ihrem Wesen als Inhaberin einer geistigen Natur. Was darunter zu verstehen ist, ist eine rein philosophische Frage, zu deren Beantwortung in dieser Arbeit der große scholastische Denker Johannes Duns Scotus herangezogen werden soll. Daß Scotus nicht unmittelbar Antworten auf Fragen unserer Zeit geben kann, ist klar; aber es könnte sich herausstellen, daß dieser Philosoph uns heute mehr zu sagen hat, als man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1 Die Aktualität des Problems

2 Der Personbegriff in der geschichtlichen Entfaltung

3. Zum geschichtlichen Ort der Philosophie und Theologie des Duns Scotus

4. Einige Grundelemente der Philosophie des Duns Scotus

a) Die univocatio entis und die erweiterte Transzendentalienlehre

b) Die distinctio formalis (a parte rei) als neues Denkmittel

c) Der Zusammenhang von Schöpfung, Freiheit und Kontingenz

d) Die Situation „pro statu isto“ und das Verhältnis von Theologie und Philosophie

5. Zum Aufbau und methodischen Vorgehen dieser Arbeit

II. Erster Hauptteil: Ontologische Grundlagen

1. Die Bestimmung des Personbegriffs im Rahmen der Ontologie bzw. Metaphysik

2. Das Individuationsprinzip: natura communis und haecceitas

a) Vom Individuellen zum Allgemeinen

b) Vom Allgemeinen zum Individuellen

c) Die haecceitas

3. Natur und Suppositum

a) „abstractio totalis“ und „abstractio formalis“

b) Geschöpfliche Natur und Suppositum: Mitteilung der Natur durch Teilung und Vervielfältigung

c) Göttliche Natur und Suppositum: Mitteilung des Wesens Gottes ohne Teilung und Vervielfältigung

[Exkurs:] Die formale Distinktion von Natur und Suppositum in Gott

Zweiter Hauptteil: Die göttlichen Personen

1 Definition und Definierbarkeit der (göttlichen) Personen

a) Die blickweise Erkenntnismethode und die Lehre von den intentiones primae et secundae

b) Der Personbegriff

2. Person und Relation

3 Die Einfachheit der göttlichen Personen

IV. Dritter Hauptteil: Die menschliche Person

1. Die Inkommunikabilität der Person als doppelte negatio dependentiae actualis et aptitudinalis

2 Menschliche Person und Leiblichkeit

3. Person und Wille

a) Vergleich der beiden Wirklichkeiten Person und Wille

b) Die personale Liebe

V. Zusammenfassende Würdigung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die wesentlichen Äußerungen des mittelalterlichen Denkers Johannes Duns Scotus zum Personbegriff systematisch zu erschließen, zu ordnen und unter Einbeziehung der ontologischen Grundlagen zu interpretieren, um so Scotus' Beitrag zur philosophisch-theologischen Personalitätsdebatte herauszuarbeiten.

  • Ontologische Grundlagen des Individuationsprinzips (natura communis und haecceitas)
  • Die Unterscheidung zwischen göttlichen Personen und menschlicher Person
  • Die Rolle der Formaldistinktion in der scotischen Metaphysik
  • Verhältnis von Person, Willensfreiheit und der Fähigkeit zur personalen Liebe
  • Abgrenzung der scotischen Position gegenüber Thomas von Aquin und Heinrich von Gent

Auszug aus dem Buch

2. Das Individuationsprinzip: natura communis und haecceitas

Duns Scotus definiert das Individuum in Anlehnung an die Tradition: „Individuum, sive unum numero, dicitur illud quod non est divisibile in multa et distinguitur ab omni alio secundum numerum.“62

Um diese Definition ganz zu verstehen, muß der entsprechende Gegenbegriff zum Individuum, also das Teilbare, insbesondere die species oder Art, erläutert werden: Die species (z.B. Mensch) ist das vielen Individuen Gemeinsame, insofern diese an einer gemeinsamen Natur (natura communis; z.B. Menschheit), welche der Artbegriff bezeichnet, „teilhaben“. Die species wird so, wie man sagt, in die Individuen „geteilt“ (dividitur), und zwar derart, daß bei dieser Teilung die einzelnen Teile (die Individuen) formal die Art sind, d.h. jedes Individuum besitzt die Wesenheit63 der Art ganz.

Genauer nennt man die Individuen subjektive Teile der Art, um eine Verwechslung mit einer anderen Art von Teilung, der quantitativen, zu vermeiden.64

Während es also wesentlich für die Art bzw. für die gemeinsame (Art)Natur ist, teilbar zu sein, sind die Individuen gerade dadurch ausgezeichnet, daß sie nicht wie die Art weiter teilbar sind.

Da nun, wie schon Aristoteles gegen Platon einwandte, nur die Einzeldinge, also die Individuen, aktuell existieren65, fragt es sich, welche Art Sein den Arten zukommt und auf welche Weise der Verstand Artbegriffe bildet. Kurz: wie kommt man vom Individuellen zum Allgemeinen?

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung der Problematik des Personbegriffs im Kontext heutiger wissenschaftlicher Debatten und Verortung der Relevanz des scholastischen Denkers Duns Scotus.

II. Erster Hauptteil: Ontologische Grundlagen: Untersuchung der metaphysischen Voraussetzungen wie der natura communis und der haecceitas als Individuationsprinzipien.

Zweiter Hauptteil: Die göttlichen Personen: Analyse der trinitarischen Konstitution von Personen unter Verwendung der Formaldistinktion und Klärung des Begriffs der göttlichen Personen.

IV. Dritter Hauptteil: Die menschliche Person: Erörterung der menschlichen Person durch den Begriff der Inkommunikabilität, das Verhältnis von Leib und Seele sowie die Funktion des Willens.

V. Zusammenfassende Würdigung und Ausblick: Kritische Bewertung des Beitrags von Duns Scotus zur Personalitätsdebatte und dessen Bedeutung im Vergleich mit der modernen Philosophie.

Schlüsselwörter

Johannes Duns Scotus, Personbegriff, Ontologie, Metaphysik, natura communis, haecceitas, Formaldistinktion, Trinitätslehre, Inkommunikabilität, Wille, Freiheit, personale Liebe, Individualität, Scholastik, Gotteslehre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Diplomarbeit?

Die Arbeit untersucht das Wesen des Personbegriffs bei Johannes Duns Scotus, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den ontologischen Grundlagen liegt, die sein Verständnis von Individualität und Personalität stützen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Arbeit behandelt die Ontologie des Seienden, das Individuationsprinzip (Haecceitas), die trinitarische Differenzierung, die menschliche Person als Leib-Seele-Einheit sowie die Rolle des freien Willens.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die scotische Lehre systematisch zu ordnen und zu interpretieren, um aufzuzeigen, wie Duns Scotus den Personbegriff metaphysisch fundiert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor nutzt die historisch-systematische Methode, bei der die Originaltexte von Duns Scotus analysiert und in den Diskurs der scholastischen Sekundärliteratur eingeordnet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil ist dreigeteilt: Zuerst werden die ontologischen Grundlagen geklärt, dann erfolgt die Anwendung auf die göttlichen Personen (Trinitätslehre), und abschließend wird die menschliche Person mit ihren Spezifika wie Wille und Leiblichkeit untersucht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Duns Scotus, Personbegriff, Haecceitas, Formaldistinktion, Trinitätslehre, Inkommunikabilität und freier Wille.

Warum unterscheidet Duns Scotus zwischen göttlichen und menschlichen Personen?

Duns Scotus differenziert, weil göttliche Personen durch ihre absolute, inkommunikable Natur konstituiert sind, während menschliche Personen zwar individuelle, aber geschöpfliche Naturen besitzen, die in einem anderen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Schöpfer stehen.

Was bedeutet der Begriff "Haecceitas" in diesem Zusammenhang?

Haecceitas (Diesheit) ist das von Scotus eingeführte Prinzip der Individualität, das ein Ding zu genau diesem Individuum macht, ohne dass dabei eine weitere Form oder Materie hinzugefügt werden müsste.

Inwiefern spielt der Wille eine Rolle bei der Definition der menschlichen Person?

Der Wille wird als die Fähigkeit zur Selbstbestimmung gesehen, die der Person ermöglicht, ihre inkommunikable Subsistenz aktiv und in Liebe zum Ausdruck zu bringen.

Wie bewertet der Autor die Bedeutung von Duns Scotus für die Gegenwart?

Der Autor sieht in Scotus einen Denker, dessen Ontologie als solide Basis dienen kann, um auch moderne philosophische Einseitigkeiten (wie die Reduktion auf reines Selbstbewusstsein) kritisch zu hinterfragen und zu korrigieren.

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Details

Title
Der Personbegriff des Johannes Duns Scotus
Subtitle
Eine systematische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der ontologischen Grundlagen
College
University of Münster  (Fachbreich katholische Theologie)
Grade
1,0
Author
Dr. Axel Schmidt (Author)
Publication Year
1985
Pages
59
Catalog Number
V163882
ISBN (eBook)
9783640787128
ISBN (Book)
9783640786831
Language
German
Tags
Duns Scotus Personbegriff Individuationsprinzip Trinitätslehre Anthropologie Christologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Axel Schmidt (Author), 1985, Der Personbegriff des Johannes Duns Scotus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163882
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