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Die westdeutsche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit

Titel: Die westdeutsche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit

Hausarbeit , 2000 , 13 Seiten

Autor:in: Visar Nonaj (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung der bundesrepublikanischen Gesellschaft mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Es stellt sich dabei die Frage, ob diese Auseinandersetzung wirklich eine gelungene war oder nicht.

In der langen Zeit seit der Kapitulation des „tausendjährigen Reiches“ sind mehrere Theorien und Thesen entstanden, die über die Art und Weise, wie das Hitlerregime im Nachkriegsdeutschland betrachtet wurde, Reflexionen angestellt haben. Es geht bei dieser Arbeit darum, die wesentlichsten Maßnahmen darzustellen, die in der Frühzeit der Bundesrepublik bezüglich der Vergangenheitspolitik getroffen wurden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. NS-Vergangenheit - nur historisch relevant?

2. Abschluß der Entnazifizierung

3. Gesetzgeberische Maßnahmen zur Vergangenheitspolitik

4. Das Kriegsverbrecherproblem

5. Die Kollektivschuldfrage

6. Rechtliche Normsetzung in der Vergangenheitspolitik

7. Unbewältigte Vergangenheit

8. Die These Lübbes

9. Nachwort

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die westdeutsche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Nachkriegszeit. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob diese gesellschaftliche Aufarbeitung als gelungen betrachtet werden kann oder ob sie primär als Mechanismus zur Selbst-Rehabilitierung und zur Vermeidung der Kollektivschuldfrage diente.

  • Politische und gesetzgeberische Weichenstellungen zur Vergangenheitspolitik in der Frühzeit der Bundesrepublik.
  • Die Entwicklung des Umgangs mit Kriegsverbrechern und die daraus resultierende öffentliche Stimmung.
  • Die Analyse der Konzepte „unbewältigte Vergangenheit“ (Mitscherlich) und die Gegenthese von Hermann Lübbe.
  • Die Rolle gesellschaftlicher Solidarität mit „Entnazifizierungsgeschädigten“ und die Integration ehemaliger Parteigenossen.
  • Die Bedeutung der kollektiven Identitätsbildung im Kontext der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Auszug aus dem Buch

Die These Lübbes

Die spektakulärste Begründung für eine mögliche Verdrängung der NS-Vergangenheit in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten lieferte 1983 Hermann Lübbe. Er stellte fest, daß „die öffentliche Anerkennung der politischen und moralischen Niederlage der nationalsozialistischen Herrschaft zu den zentralen legitimatorischen Elementen“ der westdeutschen Republik gehörte.

Wichtige Voraussetzung dafür sei die Tatsache gewesen, dass das Dritte Reich 1945 vernichtend besiegt und niedergeworfen wurde. Ein derartiger vollständiger Zusammenbruch habe keinen Stoff für die Bildung einer neuen Dolchstoßlegende hergegeben.

Die Bevölkerung habe eingesehen, daß sie und ihre Führungsschicht mit ihren Zielen und Entscheidungen die Verantwortung für den Untergang des Reiches trugen. Dementsprechend habe sie nach der Kapitulation die Chance wahrgenommen, sich im Rahmen der verbliebenen Möglichkeiten einzurichten.

Nach Kriegsende wurde den Deutschen das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen bekannt. Diese erschütternde Erkenntnis brachte eine Diskreditierung der nazistischen Rassentheorie mit sich. Diese Ideologie war im Nachkriegsdeutschland nicht mehr fähig, eine Massenbewegung auszulösen.

Beim Aufbau des neuen Staates galt das Prinzip der Wiederanknüpfung an jene kulturellen Traditionen, die durch die nationalsozialistische Machtergreifung abgeschafft worden waren. Die Repräsentation dieser Traditionen verkörperte sich in den Gründervätern der Bundesrepublik Deutschland. Sie haben sich aber nicht gegen die Mehrheit des Volkes wenden können, nur weil diese Mehrheit in der nationalsozialistischen Herrschaftszeit aus Mitläufern bestanden hatte.

Lübbe vertritt die These, dass „die gewisse Zurückhaltung“ gegenüber der Nazi-Vergangenheit, welche man in der Frühzeit der Bundesrepublik an den Tag legte, „eine Funktion der Bemühung war, zwar nicht diese Vergangenheit, aber doch ihre Subjekte in den neuen demokratischen Staat zu integrieren“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. NS-Vergangenheit - nur historisch relevant?: Das Kapitel erörtert, warum das Thema der NS-Vergangenheit lange Zeit aus Sorge vor politischer Sprengkraft vernachlässigt wurde und nunmehr verstärkt in den Fokus der Geschichtsforschung rückt.

2. Abschluß der Entnazifizierung: Hier wird der Prozess der politischen Säuberung und dessen teilweise Rückgängigmachung durch Straffreiheitsgesetze und Integrationsmaßnahmen analysiert.

3. Gesetzgeberische Maßnahmen zur Vergangenheitspolitik: Der Fokus liegt auf der Verabschiedung früher Gesetze, die ehemaligen NS-Tätern und Mitläufern Straffreiheit und Wiedereingliederung ermöglichten.

4. Das Kriegsverbrecherproblem: Dieses Kapitel thematisiert die Entlassung und Haftbedingungen verurteilter Kriegsverbrecher sowie den zunehmenden Druck zur Beendigung ihrer Strafen.

5. Die Kollektivschuldfrage: Es wird der Widerspruch zwischen der Sorge um NS-Täter und der fehlenden Anteilnahme für die Opfer des Nationalsozialismus untersucht.

6. Rechtliche Normsetzung in der Vergangenheitspolitik: Das Kapitel analysiert Prozesse und Maßnahmen gegen neonazistische Tendenzen sowie die Rolle der Alliierten bei der Distanzierung vom Nationalsozialismus.

7. Unbewältigte Vergangenheit: Basierend auf Mitscherlich wird die Verweigerung der kollektiven Erinnerung und die Flucht in das Wirtschaftswunder als Identitätsstiftung thematisiert.

8. Die These Lübbes: Hier wird die Gegenthese von Hermann Lübbe vorgestellt, welche die Verdrängung als notwendigen Schritt zur Integration der Bevölkerung in die neue Demokratie deutet.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Bundesrepublik Deutschland, Vergangenheitspolitik, Entnazifizierung, Kriegsverbrecher, Kollektivschuld, Unbewältigte Vergangenheit, Wirtschaftswunder, Hermann Lübbe, Alexander Mitscherlich, Wiedereingliederung, Geschichtsforschung, Identität, NS-Täter, Straffreiheitsgesetz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich kritisch mit der Auseinandersetzung der westdeutschen Gesellschaft mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit nach 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernpunkten zählen die Entnazifizierung, gesetzliche Straffreiheitsregelungen, der Umgang mit Kriegsverbrechern sowie die soziologische Debatte über Vergangenheitsbewältigung und Identitätsbildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob die frühe Vergangenheitspolitik der BRD als echte Aufarbeitung oder als zweckorientierte Strategie zur gesellschaftlichen Selbst-Rehabilitierung zu werten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter politikwissenschaftlicher und zeitgeschichtlicher Thesen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Schritte der politischen Integration ehemaliger Parteigenossen, die Gesetzgebung der 1950er Jahre sowie die theoretischen Gegensätze zwischen Mitscherlichs Konzept der Unfähigkeit zu trauern und Lübbes These zur demokratischen Integration.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Vergangenheitspolitik, Kollektivschuld, Entnazifizierung, Integration, NS-Vergangenheit und das Spannungsfeld zwischen Verdrängung und demokratischem Neuanfang.

Warum war die "Entnazifizierung" laut Autor in der Frühphase der Bundesrepublik umstritten?

Sie wurde von weiten Teilen der Gesellschaft als unangenehme Belastung empfunden, weshalb Bemühungen zur Rückgängigmachung dieser politischen Säuberung auf breite Zustimmung stießen.

Inwiefern unterschieden sich die Thesen von Mitscherlich und Lübbe?

Während Mitscherlich die Verdrängung der Vergangenheit als psychologisches Defizit und als Unfähigkeit zu trauern deutet, sieht Lübbe darin eine funktionale Notwendigkeit, um die Subjekte der Vergangenheit erfolgreich in den neuen demokratischen Staat zu integrieren.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die westdeutsche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Autor
Visar Nonaj (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V163895
ISBN (eBook)
9783640804351
ISBN (Buch)
9783640804566
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftswunder Entnazifizierung Bundesrepublik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Visar Nonaj (Autor:in), 2000, Die westdeutsche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163895
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Leseprobe aus  13  Seiten
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