Unmittelbar nach der Finanzmarktkrise besteht die Möglichkeit, das weltweite Finanzsystem neu zu gestalten, um zukünftiges Wachstum und Stabilität zu gewährleisten. Während der Krise sind die Schwachstellen der globalen Zusammenarbeit und Regulierung sowie die Schwachstellen im Risikomanagement zu Tage getreten. Um für die Zukunft besser gerüstet zu sein, sind neue Ansätze und Lösungen erforderlich. Im Rahmen dieser Überlegungen stellt sich die zentrale Frage:
"How might the governance and structure of the global financial system evolve over both the near-term and long-term?" (WEF. 2009. The Future of the Global Financial System. A Near-Term Outlook and Long-Term Scenarios. Genf, S. 4)
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird dieser Frage für den Zeitraum 2009-2012 und für eine etwas fernere Zukunft (2012-2020) nachgegangen. Bezüglich des Zeitraums 2012-2020 bedient man sich hierzu der Szenario-Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Makroökonomische Verwerfungen als Wegbereiter der Krise
2.1. Deleveraging und Bremsung der Weltwirtschaft
2.2. Anstieg der Häufigkeit staatlicher Eingriffe
2.3. Verlangsamung des Tempos der Globalisierung
3. Die Entwicklung der Finanzbranche im Zeitraum von 2009 – 2012
3.1. Neue Richtlinien für die Finanzwirtschaft
3.2. Der G20-Gipfel in London und Pittsburgh sowie aktuelle Entwicklungen
3.2.1. Der G20-Gipfel in London
3.2.2. Der G20-Gipfel in Pittsburgh
3.2.3. Aktuelle Entwicklungen
3.3. Entwicklung im Bankensektor
3.4. Entwicklung bei alternativen Investments (Private Equity, Hedgefonds)
3.5. Entwicklung im Versicherungssektor
3.6. Gewinner und Verlierer der Finanzkrise in der kurzen Frist
4. Die Entwicklung der Finanzbranche in der fernen Zukunft (2012 – 2020)
4.1 Zweck der Szenarioanalyse
4.2. Methodik der Szenarioanalyse
4.3. Formulierung der Szenarien
4.3.1. Financial Regionalism
4.3.2. Re-engineered Western-Centrism
4.3.3. Fragmented Protectionism
4.3.4. Rebalanced Multilateralism
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der globalen Finanzmarktkrise auf das Finanzsystem und leitet daraus notwendige Reformansätze ab. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die Governance und Struktur des globalen Finanzsystems kurz- und langfristig weiterentwickeln wird, um künftiges Wachstum und Stabilität zu sichern.
- Analyse der makroökonomischen Ursachen der Finanzmarktkrise
- Untersuchung der Regulierungsmaßnahmen im Zeitraum 2009–2012
- Evaluation sektorenspezifischer Entwicklungen (Banken, Versicherungen, alternative Investments)
- Entwicklung von Zukunftsszenarien für den Zeitraum 2012–2020 mittels Szenarioanalyse
Auszug aus dem Buch
3.3. Entwicklung im Bankensektor
Die Neuordnung vollzieht sich zweistufig. In der 1. Stufe wird es lediglich darum gehen, das Überleben zu sichern, also die Kapitalseite der Bilanz zu stärken, das Delta zwischen aufgebrachtem Kapital und erfolgten Abschreibungen zu reduzieren. Ferner ist die Liquidität durch eine liquidere Aktivseite und durch Gewinnung von Kundeneinlagen zulasten einer Refinanzierungsaktivität am Interbankenmarkt zu stärken. Wenn doch der Weg über den Interbankenmarkt gewählt wird, soll er hin zu langfristigen, ungesicherten Refinanzierungen gehen.
Eine ausreichende Liquidität hat insbesondere vor dem Hintergrund der Fälle Bear Stearns, Lehman und AIG besondere Relevanz. Insbesondere die Liquiditätsmanagementsysteme, die Stresstests und Notfallpläne sind zu überarbeiten. Besonderes Augenmerk fällt hier auf die Verbesserung der Liquiditätskennzahlen. Als zukünftige zuverlässige Refinanzierungsquellen werden sich private Spareinlagen und Einlagen von sogenannten High-Net-Worth-Kunden (Kunden mit 1 bis 5 Millionen USD in flüssigen Mitteln), die eher langfristigen Charakter haben, erweisen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die fünf unabhängigen Investmentbanken sich in Geschäftsbanken, die Einlagen annehmen dürfen, umgewandelt haben bzw. von einer größeren Bankengruppe übernommen worden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Krisenfolgen und der zentralen Fragestellung zur zukünftigen Entwicklung des globalen Finanzsystems.
2. Makroökonomische Verwerfungen als Wegbereiter der Krise: Analyse der Ursachen wie expansive Geldpolitik, hohe Verschuldung und Deregulierung, die zur Krise führten.
3. Die Entwicklung der Finanzbranche im Zeitraum von 2009 – 2012: Untersuchung regulatorischer Rahmenbedingungen sowie sektoraler Anpassungen in Banken, Versicherungen und dem Bereich der alternativen Investments.
4. Die Entwicklung der Finanzbranche in der fernen Zukunft (2012 – 2020): Methodische Anwendung der Szenarioanalyse zur Identifikation möglicher Zukunftsbilder des Finanzmarktes.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die künftige Notwendigkeit der Modellanpassung von Finanzinstituten.
Schlüsselwörter
Finanzmarktkrise, Bankensektor, Regulierung, Szenarioanalyse, Weltwirtschaft, Liquidität, Eigenkapital, Private Equity, Hedgefonds, Versicherungssektor, Finanzarchitektur, Globalisierung, Systemrelevanz, Risikomanagement, Finanzinstitute.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen des globalen Finanzsystems infolge der Finanzmarktkrise 2008/2009 und bewertet Strategien für die Zukunft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die makroökonomischen Krisenursachen, die staatliche Regulierung, die strukturelle Umgestaltung der Finanzbranche sowie langfristige Zukunftsszenarien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung des Finanzsystems im Zeitraum 2009-2012 und darüber hinaus (bis 2020) zu prognostizieren und Orientierungshilfe für Entscheidungsträger zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt neben einer Literaturanalyse die Methode der Szenarioanalyse, um verschiedene Zukunftsoptionen für die Finanzbranche deduktiv herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Krisenursachen, einen regulatorischen Abriss der G20-Gipfel und eine sektorale Untersuchung von Banken, Versicherungen und alternativen Investments.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Finanzmarktkrise, Regulierung, Finanzsektor, Szenarioanalyse, Systemrelevanz und globale Finanzarchitektur.
Welche Rolle spielen Hedgefonds in der neuen Finanzwelt?
Hedgefonds unterliegen zukünftig strengeren Regularien, insbesondere hinsichtlich Meldepflichten und Transparenz, sofern sie systemrelevante Größe erreichen.
Wie unterscheiden sich die Szenarien für die ferne Zukunft?
Die Szenarien basieren auf zwei Achsen: dem Grad der internationalen Zusammenarbeit und der Geschwindigkeit der Kräfteverschiebung, was zu Modellen wie "Financial Regionalism" oder "Rebalanced Multilateralism" führt.
Warum ist das "Deleveraging" für die Weltwirtschaft so bedeutsam?
Das Zurückfahren der Kreditengagements durch Banken und Haushalte bremst den Konsum und die Investitionstätigkeit, was den Finanzsektor zwingt, neue Ertragsquellen zu erschließen.
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- Diplom-Ökonom Christian Warnecke (Author), 2010, Ausblick auf die globalen Finanzmärkte in der Zukunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163898