In dem Seminar El Español Coloquial haben wir uns mit den Unterschieden zwischen der gesprochenen und geschriebenen Sprache beschäftigt. In meiner Seminararbeit lege ich den Schwerpunkt auf den Gebrauch der Zeiten in der gesprochenen Sprache. Dabei gehe ich insbesondere darauf ein, dass Zuvorgesagtes im Spanischen meistens in der direkten Rede wiedergegeben und mit einem im Präsens stehenden Verb eingeleitet wird. [...] Wie auch in anderen Sprachen ändert sich in dem gesprochenen Register des Spanischen nicht nur die Anzahl gleichzeitiger Sprechakte, der Wortschatz und die Syntax sondern auch die Verwendung der Tempora. Besonders auffällig bei der Betrachtung der transkribierten Gespräche aus Briz‘ «Corpus de conversaciones coloquiales», eine Sammlung verdeckt aufgenommener Unterhaltungen durch die valencianische Gruppe Val.Es.Co., ist der häufige Gebrauch des Präsens zur Einleitung von wiedergegebener Rede, die in der Umgangssprache fast ausschließlich in direkter Form vorkommt. Diese Arbeit dient nun der Untersuchung der These, dass der Sprecher bei der Wiedergabe von zuvor Gesagtem oft ins Präsens verfällt um jene Äußerungen gegenwärtiger und realer darzustellen, eine Intention, die durch die direkte Rede weiter unterstützt wird.
Zunächst soll ein genereller Überblick zum Thema ‚Gebrauch des Präsens in der Diskurssprache‘ erstellt werden, wobei der Schwerpunkt auf dem historischen Präsens liegen soll. Im darauffolgenden Abschnitt geht es um die Verwendung der direkten Rede zur Wiedergabe vergangener Äußerungen im gesprochenen Spanisch sowie deren Eigenschaften. Danach gilt es einen transkribierten Korpus zu analysieren, um die zuvor definierte Hypothese anhand einer „conversación coloquial periférica“ zu überprüfen. Dabei soll diskursanalytisch vorgegangen werden, um die Funktionen und Werte des Präsens in dem Gesprächsausschnitt zu erklären. Weiterhin berücksichtigt werden sollen sowohl die Intention des Sprechers als auch die Reaktion des Zuhörers.
Inhaltsverzeichnis
- Hinwendung zur Behandlung der Zeiten in gesprochenem Spanisch
- Gebrauch und Funktion des Präsens zur Einleitung der direkten Rede
- Das historische Präsens in der Diskurssprache
- Die direkte Rede in der Diskurssprache
- Gesprächsanalyse im Hinblick auf Zeitengebrauch und direkte Rede
- Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Gebrauch des historischen Präsens in der Einleitung der direkten Rede im gesprochenen Spanisch. Es soll beleuchtet werden, wie der Sprecher durch die Verwendung des Präsens und die direkte Rede die Wiedergabe zuvor Gesagten als gegenwärtig und real darstellt.
- Das historische Präsens in der Diskurssprache
- Die direkte Rede in der Diskurssprache
- Die Funktion des historischen Präsens bei der Einleitung der direkten Rede
- Die pragmatischen Funktionen der direkten Rede
- Die Rolle des deiktischen Zentrums im gesprochenen Spanisch
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel stellt die Problematik des gesprochenen Spanisch gegenüber dem in Lehrbüchern und Filmen dargestellten formellen Spanisch dar. Es wird hervorgehoben, dass die gesprochene Sprache von einer komplexen Struktur mit „Wiederholungen, Abbrüchen, Überschneidungen“ geprägt ist, die in formalen Texten kaum wiedergegeben werden können. Das Kapitel führt auch den Begriff des historischen Präsens und seine Verwendung im gesprochenen Spanisch ein.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem historischen Präsens in der Diskurssprache und seiner Funktion als Mittel zur Aktualisierung vergangener Ereignisse. Es werden verschiedene Theorien zum Einsatz des Präsens und seiner Rolle bei der Verlagerung des deiktischen Zentrums beleuchtet. Der Abschnitt behandelt auch die direkte Rede als Mittel der Reproduktion zuvor Gesagten und ihren Unterschied zur indirekten Rede.
Das dritte Kapitel soll sich mit einer konkreten Gesprächsanalyse befassen, die die zuvor aufgestellte These anhand eines transkribierten Korpus überprüfen soll. Es werden die Funktionen des Präsens in dem Gesprächsausschnitt analysiert und die Intention des Sprechers sowie die Reaktion des Zuhörers betrachtet.
Schlüsselwörter
Historisches Präsens, direkte Rede, gesprochene Sprache, Diskurssprache, deiktisches Zentrum, pragmatische Funktionen, Conversación coloquial, Gesprächsanalyse, Corpusanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was wird unter dem „historischen Präsens“ verstanden?
Es ist der Gebrauch der Gegenwartsform, um vergangene Ereignisse in Erzählungen lebendiger, gegenwärtiger und realer erscheinen zu lassen.
Warum wird im gesprochenen Spanisch oft das Präsens für direkte Rede genutzt?
Sprecher nutzen es als pragmatisches Mittel, um die Wiedergabe von zuvor Gesagtem zu aktualisieren und das deiktische Zentrum zu verschieben.
Was ist eine „conversación coloquial“?
Es handelt sich um die informelle, umgangssprachliche Form der Kommunikation, die sich stark von der formellen Schriftsprache unterscheidet.
Welcher Korpus wurde für diese Untersuchung verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf Briz’ „Corpus de conversaciones coloquiales“ der valencianischen Forschungsgruppe Val.Es.Co.
Welche Rolle spielt die direkte Rede in der Diskurssprache?
Sie dient der authentischen Reproduktion von Äußerungen und wird in der Umgangssprache fast ausschließlich gegenüber der indirekten Rede bevorzugt.
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- Doreen Klahold (Author), 2010, El discurso reproducido, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163917