Herodot von Halikarnassos

Wer war Herodot?


Essay, 2005
4 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Einführungsseminar: Die Perser

1.Wer war Herodot?

Herodot von Halikarnassos (griech. Herodotos) war ein griechischer Völkerkundler, Geograf und Historiker, der von 485 v. Chr. bis 425 n. Chr., gelebt haben soll. Er soll außerdem von Cicero als Vater der Geschichtsschreibung („Pater Historiae“) und als Erzähler zahlloser Märchen („innuberabiles fabulae“) bezeichnet worden sein. Herodot wurde angeblich in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren und unternahm nach eigenen Angaben lange Reisen nach Persien, Ägypten, Babylonien und zum Schwarzen Meer[1].

Herodot schrieb u.a. über der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), diese Schriften sind unter dem Titel Historien bekannt. Er war der erste Geschichtsschreiber der nicht nur die Vergangenheit protokollierte, sondern zusätzlich künstlerische und philosophische Überlegungen in seine Aufzeichnungen einfließen ließ. Seine Historien sind daher auch oft weniger wissenschaftlich als vielmehr philosophisch. Von Teilen der Forschung wird Herodot aber auch sehr kritisch gesehen, ihm wird vorgeworfen nicht immer zwischen Mythen und historischen Ereignissen zu unterscheiden weswegen über die Frage, welchen Wert die Historien als Quelle haben, bis heute keine eindeutige Einigung erzielt worden ist. Herodot schrieb hauptsächlich für die Griechen der nachfolgenden Generationen, weshalb seine Darstellung an manchen Stellen wohl etwas subjektiv ausfällt um die Griechen seiner Generation möglichst in einem positiven Licht darzustellen.

Wie berichtet Herodot über die Meder und Perser?

Zu Beginn des 95. Kapitels seiner Historien schreibt Herodot, dass er sich nun näher mit der Person von Kyros beschäftigen möchte um diese Person etwas zu durchleuchten. Er stellt jedoch zunächst klar, dass er dabei nichts beschönigen möchte und die Geschichte so wiedergeben will, wie sie ihm von einigen Persern berichtet wurde[2].

Herodot beginnt seine Geschichte mit Deikos, einem Mann der nach der Herrschaft über die Meder strebte. Deikos schafft es nach und nach, durch seinen Drang nach Gerechtigkeit, das Vertrauen der Meder zu gewinnen und als Richter Urteilssprüche zu sprechen. Herodot schreibt, dass sein Ansehen unter den Medern zunehmend stieg und Deikos schließlich seinen Posten als Rechtssprecher aufgab um sich seinen eigenen Interessen zu widmen. Bei einer Art Volksversammlung schlägt Deikos den Medern die Wahl eines Königs vor, um für mehr Gerechtigkeit uns Sicherheit im Reich zu sorgen. Herodot berichtet über diese Versammlung, dass sich wohl vor allem Freunde von Deikos für eben diesen stark gemacht haben und dessen Vorschlag unterstützten. Die Meder, die schließlich überzeugt wurden, schlugen daraufhin direkt den von ihnen hoch geschätzten Deikos als König vor, der die Wahl natürlich gerne annahm[3].

Deikos wird bis zu diesem Zeitpunkt von Herodot zwar als machthungrig aber auch als klug und gerecht beschrieben. Dennoch vermitteln Herodots Erzählungen über ihn den Eindruck von einer sehr berechnenden Person die ein klares Ziel, die Herrschaft über das Mederreich verfolgt. Aus Herodots Schilderungen entsteht der Eindruck, dass Deikos sich das Vertrauen der Meder regelrecht erschlichen hat und sie teilweise manipuliert, damit sie ihn schließlich zu ihrem König machen.

Auch die Erzählungen über die Amtszeit des Königs Deikos vermitteln ein überwiegend negatives Bild von diesem Herrscher. Herodot schreibt, dass Deikos die Meder als erste Amtshandlung dazu zwang eine einzige Stadt zu errichten und sich um nichts anderes als den Schutz dieser Stadt zu kümmern. Deikos wirkt sehr machtbesessen und distanziert seinem Volk gegenüber, denn während, laut Herodot, der Königspalast von hohen Mauern geschützt wird, muss sich das Volk vor diesen Mauern ansiedeln. In seinen weiteren Erzählungen wird Deikos als arrogant und exzentrisch beschrieben, als ein König der sich selbst als unglaublich überlegen seinem Volk gegenüber ansieht. Herodot schreibt wie sich der König von seinem Volk abschottet und nur über Boten Kontakt zur Außenwelt aufnimmt und die Meder mit Spionen und Spitzeln überwacht. Das Bild, dass sich mittlerweile aus Herodots Erzählungen ergibt, gleicht einem Tyrannen. Deikos ist aus Herodots Sicht ein extrem unnahbarer König geworden, der Leuten in seiner Gegenwart sogar das Lachen verbietet und sich mit einer exzentrischen Aura umgibt[4].

Nach einer 53 jährigen Amtszeit übernimmt schließlich Deikos Sohn Phraortes die Herrschaft über die Meder und wie Herodot berichtet reicht ihm diese allein schon bald nicht mehr. Herodot stellt Phraortes, genau wie seinen Vater, als sehr machthungrig aber darüber hinaus auch noch als einen extrem kriegslustigen Herrscher dar. Phraortes soll so zum Beispiel die Perser in einem Feldzug unterworfen haben. Nach diesem Sieg wollte er auch Asien und die Assyrer seinem Reich eingliedern, jedoch wurde er in einer Schlacht getötet[5].

Herodots Darstellung von Kyaxares, dem Sohn und Nachfolger Phraortes, verläuft ähnlich wie die seiner Vorgänger. Allerdings steigert Herodot seine bisherige Beschreibung noch und beschreibt ihn als „noch viel kriegerischer als seine Vorfahren [...]“[6]. Hinzu kommt noch, dass Kyaxares rachsüchtig gewesen sein soll, da er um seinen Vater zu rächen, die Stadt Ninos dem Erdboden gleich machen wollte.

Unter der Herrschaft des Kyaxares fielen laut Herodot die Skythen in das Land sein und übernahmen nach einigen Kämpfen mit den Medern die Macht. Diese werden von Herodot als ein rein barbarisches Volk beschrieben, dass sehr übermütig und verachtend auftritt. So sollen sie alles verwüstet haben und darüber hinaus geraubt und geplündert haben[7].

Im folgenden Teil seiner Erzählung schreibt Herodot wie die Kyaxares es schließlich geschafft hat doch wieder die Herrschaft zu übernehmen. Und zwar soll er einen großen Teil der Skythen zum Essen eingeladen haben und sie, nachdem er sie bewusste betrunken gemacht hatte, getötet haben. Hier zeigt Herodot eine sehr hinterlistige und heimtückische Seite der Meder bzw. Kyaxares der offenbar selbst zu den hinterlistigsten Mitteln greift um seine Macht zu erhalten.

Das 107. Kapitel seiner Historien handelt von Astyages, dem Sohn und Nachfolger des Kyaxares. In diesem Kapitel macht Herodot etwas was ihm von vielen Historikern vorgeworfen wird, er lässt einen Mythos in seine Erzählung einfließen als wäre es wirklich geschehen. Bei diesem Mythos handelt es sich hier um einen Traum, den Astyages von seiner Tochter Mandane hatte und aufgrund dessen er sie mit einem Perser und nicht wie es üblich wäre einem Meder verheiratete. Herodot berichtet mit einer solchen Selbstverständlichkeit von diesem Traum als wäre es eine feststehende Tatsache und nicht einfach nur eine Geschichte die man sich unter dem Volk erzählt[8].

Was bei Herodots Erzählungen auffällt ist das extrem einseitige Bild, dass er von den Herrschern der Meder reflektiert. Alle drei Herrscher über die er in den Kapiteln 95 bis 107 berichtet erscheinen als machtgierige und kriegslustige Tyrannen. Dabei fällt auf, dass Herodot sie zwar nie wörtlich als, zum Beispiel, krieglustig bezeichnet, jedoch lässt die Art seiner Darstellung für den Leser gar keinen anderen Schluss zu. Durch seine einseitige Erzählung von den diversen Kriegen und Schlachten oder den hinterlistigen Morden nimmt Herodot eine indirekte Charakterisierung der Herrscher vor und vermittelt so dem Leser das Bild der barbarischen und gewaltbereiten Meder bzw. ihrer Herrscher. Es scheint so als wolle Herodot bewusst einen krassen Gegensatz zu den demokratischen und gebildeten Griechen herstellen und ihre Feinde als unkultivierte, kampflustige Barbaren darstellen denn stets sind Kriege und Schlachten Kernthema der Darstellung über die medischen Herrscher. Dies ist in sofern natürlich nachvollziehbar, als dass Herodots Zielgruppe ja hauptsächlich Griechen waren, denen er bewusst ein positives Bild ihrer Landsleute und ein entsprechend negatives Bild ihrer Feinde vermitteln wollte.

Florian Rübener (Gruppe1)

[...]


[1] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 6

[2] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 125

[3] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 127-129

[4] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 131

[5] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 133

[6] Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 133

[7] Vgl. Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 135-137

[8] Vgl. Reclam: Herodot Historien. 1. Buch Griechisch/Deutsch, Stuttgart 2002, S. 137

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Herodot von Halikarnassos
Untertitel
Wer war Herodot?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die Perser
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
4
Katalognummer
V163926
ISBN (eBook)
9783640785810
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Geschichtsschreibung, Herodot, Historiker, Perser, Persien
Arbeit zitieren
Florian Rübener (Autor), 2005, Herodot von Halikarnassos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163926

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