1.Wer war Herodot?
Herodot von Halikarnassos (griech. Herodotos) war ein griechischer Völkerkundler, Geograf und Historiker, der von 485 v. Chr. bis 425 n. Chr., gelebt haben soll. Er soll außerdem von Cicero als Vater der Geschichtsschreibung („Pater Historiae“) und als Erzähler zahlloser Märchen („innuberabiles fabulae“) bezeichnet worden sein. Herodot wurde angeblich in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren und unternahm nach eigenen Angaben lange Reisen nach Persien, Ägypten, Babylonien und zum Schwarzen Meer1.
Herodot schrieb u.a. über der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), diese Schriften sind unter dem Titel Historien bekannt. Er war der erste Geschichtsschreiber der nicht nur die Vergangenheit protokollierte, sondern zusätzlich künstlerische und philosophische Überlegungen in seine Aufzeichnungen einfließen ließ. Seine Historien sind daher auch oft weniger wissenschaftlich als vielmehr philosophisch. Von Teilen der Forschung wird Herodot aber auch sehr kritisch gesehen, ihm wird vorgeworfen nicht immer zwischen Mythen und historischen Ereignissen zu unterscheiden weswegen über die Frage, welchen Wert die Historien als Quelle haben, bis heute keine eindeutige Einigung erzielt worden ist. Herodot schrieb hauptsächlich für die Griechen der nachfolgenden Generationen, weshalb seine Darstellung an manchen Stellen wohl etwas subjektiv ausfällt um die Griechen seiner Generation möglichst in einem positiven Licht darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Wer war Herodot?
2. Wie berichtet Herodot über die Meder und Perser?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der medischen Herrscher in den Historien des Herodot von Halikarnassos, um aufzuzeigen, wie der Autor durch eine einseitige Charakterisierung ein negatives Bild der „Barbaren“ gegenüber den Griechen konstruiert.
- Biografische Einordnung und Quellenwert von Herodot
- Analyse der Herrschaftsdarstellung von Deikos
- Untersuchung der Machtausübung unter Phraortes und Kyaxares
- Rolle von Mythen und Traumdeutung in der historischen Erzählung
- Die Konstruktion des Gegensatzes zwischen Griechen und Persern/Medern
Auszug aus dem Buch
Wie berichtet Herodot über die Meder und Perser?
Zu Beginn des 95. Kapitels seiner Historien schreibt Herodot, dass er sich nun näher mit der Person von Kyros beschäftigen möchte um diese Person etwas zu durchleuchten. Er stellt jedoch zunächst klar, dass er dabei nichts beschönigen möchte und die Geschichte so wiedergeben will, wie sie ihm von einigen Persern berichtet wurde. Herodot beginnt seine Geschichte mit Deikos, einem Mann der nach der Herrschaft über die Meder strebte. Deikos schafft es nach und nach, durch seinen Drang nach Gerechtigkeit, das Vertrauen der Meder zu gewinnen und als Richter Urteilssprüche zu sprechen. Herodot schreibt, dass sein Ansehen unter den Medern zunehmend stieg und Deikos schließlich seinen Posten als Rechtssprecher aufgab um sich seinen eigenen Interessen zu widmen. Bei einer Art Volksversammlung schlägt Deikos den Medern die Wahl eines Königs vor, um für mehr Gerechtigkeit uns Sicherheit im Reich zu sorgen. Herodot berichtet über diese Versammlung, dass sich wohl vor allem Freunde von Deikos für eben diesen stark gemacht haben und dessen Vorschlag unterstützten. Die Meder, die schließlich überzeugt wurden, schlugen daraufhin direkt den von ihnen hoch geschätzten Deikos als König vor, der die Wahl natürlich gerne annahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wer war Herodot?: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Überblick über Herodot von Halikarnassos, beleuchtet seine Rolle als „Vater der Geschichtsschreibung“ und thematisiert die forschungskritische Debatte um den Wahrheitsgehalt seiner Historien.
2. Wie berichtet Herodot über die Meder und Perser?: Dieser Abschnitt analysiert die Darstellung der Herrscher Deikos, Phraortes, Kyaxares und Astyages, wobei der Fokus auf der diskursiven Konstruktion eines einseitig negativen, tyrannischen Bildes der Feinde der Griechen liegt.
Schlüsselwörter
Herodot, Historien, Meder, Perser, Kyros, Deikos, Phraortes, Kyaxares, Geschichtsschreibung, Antike, Barbaren, Tyrannenherrschaft, Quellenkritik, Griechenland, Machtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Art und Weise, wie der antike Geschichtsschreiber Herodot das Mederreich und seine Herrscher in seinem Werk „Historien“ darstellt und charakterisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Glaubwürdigkeit Herodots, die Schilderung von Herrschaftsstrukturen im Orient sowie die bewusste Konstruktion eines kulturellen Gegensatzes zwischen Griechen und „Barbaren“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, mit welchen narrativen Mitteln Herodot ein negatives Bild der medischen Herrscher erzeugt, um die Identität der griechischen Zielgruppe zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, bei der spezifische Kapitel der Historien (Kapitel 95 bis 107) auf ihre Rhetorik, Wortwahl und inhaltliche Tendenz hin ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lebenswege und Machtausübungen von Deikos, Phraortes, Kyaxares und Astyages unter besonderer Berücksichtigung von deren kriegerischem und hinterlistigem Gebaren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Herodot, Historien, antike Geschichtsschreibung, Tyrannis und die Abgrenzung von Griechen und Barbaren charakterisieren.
Wie bewertet Herodot den Charakter von Deikos?
Herodot beschreibt Deikos als eine berechnende und machthungrige Person, die das Vertrauen des Volkes manipulativ erschleicht, um sich später als unnahbarer und arroganter Tyrann zu isolieren.
Welche Rolle spielt der Mythos bei der Schilderung von Astyages?
Herodot integriert eine Traumgeschichte über die Tochter des Astyages als faktische historische Begebenheit, was von modernen Historikern als Beispiel für seine mangelnde Unterscheidung zwischen Sage und historischem Ereignis kritisiert wird.
Warum stellt Herodot die Meder als Barbaren dar?
Die negative Darstellung dient als rhetorisches Mittel, um durch einen krassen Gegensatz zur demokratischen und gebildeten griechischen Kultur die eigene Identität der Zeitgenossen des Autors positiv hervorzuheben.
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- Florian Rübener (Author), 2005, Herodot von Halikarnassos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163926