Bernhard von Clairvaux und die Tempelritter

Identitätsfindung und Legitimation eines umstrittenen Ordens


Seminararbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bernhard von Clairvaux und die Anfänge des Templerordens
2.1 Die Templer - Entstehung und Vorgeschichte
2.2 Kämpfende Mönche? - Identitätskrise und Ablehnung des neuen Ordens
2.3 Erste Unterstützung von Bernhard - Das Konzil von Troyes

3. Die Suche nach der Identität der Templer
3.1 Kreuzzug und gerechter Krieg - Legitimation für die Templer
3.2 De laude novae militiae - Mit Hilfe Bernhards zur eigenen Identität
3.3 Wirkung und Rezeption der „De laude novae militiae“

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein solcher ist jedenfalls ein unerschrockener Ritter, allenthalben gefeit; er umgibt seinen Leib mit dem Panzer aus Eisen, seine Seele aber mit dem des Glaubens. Da er aber durch beiderlei Waffen geschützt ist, fürchtet er weder Teufel noch Menschen.“[1] (Bernhard von Clairvaux)

Der mittelalterliche Abt und Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) wird heute von der Forschung als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens wahrgenommen, für dessen Ausbreitung in ganz Europa er sich verantwortlich zeichnete. Er wirkte unter anderem als theologischer Schriftsteller und predigte gegen Irrlehrer und Abtrünnige. Wegen seiner entscheidenden Impulse und aufgrund seiner Bedeutung als Kirchenlehrer wird Bernhard von den Zisterziensern neben den drei Gründervätern des Ordens[2] als größter Ordensheiliger verehrt. Seine Lehren werden noch heute in vielen Werken gewürdigt. Umstritten ist jedoch sein Wirken als Kreuzzugsprediger und Befürworter der Kreuzzüge sowie seine Verbindungen zum Orden der Templer.

Bernhard wird oft als „Geburtshelfer“[3] des Templerordens bezeichnet, da er an dessen Entstehung sowie Anerkennung seitens der Kirche beteiligt gewesen sein soll. Nach den ersten, unscheinbaren Anfängen der Templer, sollte diese neue Ritterschaft einige Jahre später die militärische Leitung des zweiten Kreuzzugs übernehmen und sich schließlich zu einem reichen, sowie auch mächtigen Orden entwickeln. Ermöglicht wurde dieser Aufstieg der Templer nicht zuletzt durch die entschiedene Fürsprache Bernhards.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu versuchen die Reaktion Bernhards von Clairvaux auf das Auftauchen dieses neuen und zugleich ungewöhnlichen Ordens zu erkunden und die Verbindungen zwischen dem Abt und den - bei Zeitgenossen umstrittenen - Templern darzustellen und zu analysieren. Waren die Templer wirklich von vornherein „Lieblingskinder“[4], oder gab es eher Entwicklungsmomente im Denken Bernhards? In welcher Weise förderte er die Templer? Und welche Gründe und Motive gab es für Bernhard, sie zu unterstützen?

Der Schwerpunkt der Arbeit soll dabei vor allem auf seiner Wertschätzung der neuen Ritterschaft die in seiner Lobrede „De laude novae militia“ zum Ausdruck gebracht wird. Um an diesen Themenkomplex heranzuführen, werde ich versuchen, in einer Einführung den hinsichtlich der Templer bedeutsamen Kontext der Entstehung des „De laude novae militiae“ darzustellen, da das Werk nur vor diesem Hintergrund verständlich werden kann. Dabei werde ich versuchen einen kurzen Überblick über die Entstehung des Ordens der Templer, sowie anfängliche Schwierigkeiten zu geben. Im folgenden Teil sollen dann die Darstellung und Rechtfertigung der neuen Ritterschaft in der Lobrede wiedergegeben und analysiert werden, um darauf aufbauend auf die Intention und Einstellung Bernhards von Clairvaux hinsichtlich seiner Schrift und des Tempelordens einzugehen. Wie legitimierte Bernhard die Existenz der Tempelritter?

Da sich diese Hausarbeit mit den Tempelrittern beschäftigt, einem Thema, welches stark an Mythen und Legenden geknüpft ist, gilt es hier außerdem festzulegen, dass diese nicht Gegenstand der Arbeit sein sollen. Zeitlich ist diese Arbeit auf die Anfangsphase des Templerordens, insbesondere auf die Zeit um das Konzil von Troyes fokussiert. Im Zusammenhang mit den Templern entstanden auch zahlreiche Legenden und Verschwörungstheorien um das Wirken, die Geheimnisse und die Schätze des Ordens, auch dies wird hier nicht behandelt werden. Schwerpunkt meiner Darstellung wird das Verhältnis Bernhards zu den Templern sein, daher werde ich Mythen und Legenden um den Orden der Templer keinen Platz einräumen.

Als Literaturgrundlage dienen mir u.a. die gesammelten Werke Bernhards, besonders die bereits erwähnte Lobrede, sowie die Darstellungen von Alain Demurger, Gert Wendelborn und ein Aufsatz Josef Fleckensteins über die De laude.

2. Bernhard von Clairvaux und die Anfänge des Templerordens

2.1 Die Templer - Entstehung und Vorgeschichte

Die genauen Anfänge des Templerordens lassen sich aufgrund einer schwierigen Quellensituation nur lückenhaft rekonstruieren. Detaillierte Berichte über den Orden wurden erst lange nach dessen Gründung von Historikern verfasst, welche die ersten Schritte der Templer nicht miterlebt hatten[5]. Als Gründungszeitraum werden heute die Jahre 1119 bis 1120 vermutet und als Gründer der französischen Ritter Hugo von Payns[6] (1080 – 1136), ein Verwandter Bernhards von Clairvaux.[7] Unter der Führung Hugos sollen sich neun Ritter zu einer Gemeinschaft zusammen geschlossen und gelobt haben, sich zu Armut, Keuschheit und Gehorsam und einem gemeinsamen, mönchischen Leben zu verpflichten, ohne sich jedoch einer bestimmten Ordensregel zu unterwerfen[8]: „Die Tempelritter betrachteten sich als Soldaten Christi, lebten asketisch bis zum Fanatismus [...]“[9].

Der König von Jerusalem (Balduin II.) war angeblich begeistert von der Idee eines bewaffneten Mönchsordens, weshalb er den Templern jenen Teil seines Palastes überließ, in welchem man die Überreste des Tempels von Salomon vermutete. Dies wurde schließlich ihr Hauptsitz und brachte ihnen den Namen „Templer“ ein.[10] Die für den Orden charakteristische Verbindung von Mönch- und Ritterideal hatte zunächst einen sehr eng gefassten Hintergrund. Der Templerorden sollte Pilger, die nach dem ersten Kreuzzug Palästina besuchen wollten, schützen und ihnen sicheren Zugang zu den heiligen Stätten in Jerusalem garantieren, sie vor Räubern und Angreifern beschützen[11]: „Diese militärische Aufgabe tritt als viertes Gelübde zu den drei herkömmlichen (Armut, ehelose Keuschheit, Gehorsam).“[12]

Die Entwicklung des neuen Ordens ging jedoch langsam voran und auch Bernhard von Clairvaux begegnete den Templern in den ersten Jahren noch mit Zurückhaltung. In einem Brief an einen befreundeten Grafen aus der Champagne beglückwünschte er diesen 1126 zwar zu seiner Entscheidung ein Tempelritter zu werden, zeigte jedoch auch sein Bedauern darüber, dass er stattdessen nicht den Zisterziensern beigetreten war:

„Wenn Du um Gottes Willen vom Grafen zum Ritter und von einem Reichen zu einem Armen geworden bist, so beglückwünschen wir Dich natürlich dazu [...]. Daß uns aber in dieser Weise Deine treue Gegenwart [...] entzogen wurde, [...] das können wir, zugegeben, nicht gleichmütig ertragen.“[13]

Auch ein Interesse am „heiligen Krieg“ und den Kreuzzügen war bei Bernhard zunächst kaum festzustellen, noch 1229 berichtet er an den englischen Bischof von Lincoln, von einem Pilger, der auf der Durchreise nach Jerusalem in Clairvaux rastete. Bernhard bezeichnet dabei Clairvaux als sein wahres Jerusalem[14], die Weltentsagung eines Mönches in seinem Kloster steht somit für ihn über dem Kreuzzug.

2.2 Kämpfende Mönche? - Identitätskrise und Ablehnung des neuen Ordens

Der Orden der Templer soll in der Anfangszeit nicht nur unter einem mangelnden Zulauf gelitten haben, sondern auch unter der problematischen Rezeption der Zeitgenossen. Das Mönchs- und das Ritterideal miteinander in Einklang zu bringen, gestaltete sich als schwierig. Waren die Templer Mönche oder Soldaten? Die Tempelritter selbst begriffen sich als beides und darin lag das Problem. Die christliche Gemeinschaft war zur Zeit der Ordensgründung stark von dem Schema der drei Stände geprägt; Klerus, Adel und Bürger waren klar voneinander getrennt und hierarchisch geordnet. Die Templer jedoch stellten eine Verbindung von Ritter und Mönch dar, eine Neuerung und einen Skandal[15]. Mönche die gleichzeitig auch Krieger waren, galten als eine fragwürdige Verbindung, war es doch Mönchen und Klerikern ausdrücklich untersagt sich kämpfend an Kreuzzügen zu beteiligen.[16] Die zweifelhafte Legitimation der Existenz sowie die geringe Mitgliederzahl führten 1127/28 schließlich zu einer Krise des Templerordens.

Der Orden der Templer stieß in den ersten Jahren seiner Existenz auf wenig Zustimmung, stellte er doch eine unerwünschte Vermischung der Stände dar.[17] Hugo von Payns hatte eine neue Gestalt erfunden, den „Mönchsritter“[18]: „Sie waren bewaffnete Mönche, das Schwert führende Priester [...]“[19]. Ein kämpfender Mönch war jedoch zunächst einmal ein Widerspruch in sich, verurteilte das Christentum doch jede Form von Gewalt und Krieg. Entsprechend ablehnend waren zunächst die Reaktionen auf den neuen Orden.

Mönche als Krieger hatte es bisher nicht gegeben, so untersagte Papst Urban II (1042-1099) allen Mönchen und Klerikern sich als Kämpfer am Kreuzzug zu beteiligen: „Er erlaubte nur, dass sie als Seelsorger des Kreuzheeres mitzogen, wenn die zuständigen Bischöfe und Äbte einverstanden waren.“[20] Auch Bernhard von Clairvaux unterstütze diese Einstellung gegenüber Mönchen, die sich an kriegerischen bzw. militärischen Aktionen beteiligten. In einem Brief an die Zisterzienseräbte von 1147 spricht er sich eindeutig dagegen aus, dass Mönche am Kreuzzug ins heilige Land teilnehmen:

„Um jedes weitere Wort zu meiden, sagen wir daher ganz allgemein, nicht etwa auf unsere Autorität pochend, sondern auf die des Papstes: Wenn ein Mönch oder Laienbruder am Kreuzzug teilnimmt, wird er dem verdienten Spruch der Exkommunikation unterliegen.“[21]

[...]


[1] Bernardus: Ad milites templi. De laude novae militiae/An die Tempelritter. Lobrede auf das neue Rittertum, in: Bernhard von Clairvaux. Sämtliche Werke lateinisch/deutsch, Bd. I, Hrsg. v. Gerhard B. Winkler, Innsbruck 1990, S. 271.

[2] Robert von Molesme, Alberich von Cîteaux und Stephan Harding.

[3] Alain Demurger: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120-1314, aus dem Französischen von Wolfgang Kaiser, München 1994, Seite 37.

[4] Demurger: Templer, Seite 37.

[5] Vgl. Demurger: Templer, S. 17.

[6] bzw. Hugo von Payens oder Hugues de Payns.

[7] Vgl. Demurger: Templer, S. 22.

[8] Vgl. Hermann Josef Roth/Anton Großmann: Bernhard von Clairvaux an die Tempel-Ritter, die Speerspitze der Kreuzzüge, (= Beihefte zu Cistercienser Chronik, Bd.1 und Sinziger theologische Texte und Studien, Bd.10), Sinzig 1990, S 49.

[9] Robert Payne: Die Kreuzzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab, aus dem Amerikanischen von Hans Marfurt, Köln 1986, S. 128.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Gert Wendelborn: Bernhard von Clairvaux. Ein großer Zisterzienser in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1993.

[12] Georg Schwaiger: Mönchtum, Orden, Klöster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Lexikon, hrsg. von Georg Schwaiger, München 1993, S. 421.

[13] Bernardus: Ep. 31. An Hugo, den Grafen der Champagne, der Tempelritter wurde, in: Bernhard von Clairvaux. Sämtliche Werke lateinisch/deutsch, Bd. II, Hrsg. v. Gerhard B. Winkler, Innsbruck 1992, S. 411.

[14] Vgl. Bernardus: Ep. 64.

[15] Vgl. Wendelborn: Bernhard von Clairvaux.

[16] Ebd.

[17] Ebd..

[18] Demurger: Templer, S. 27.

[19] Payne: Kreuzzüge, S. 128.

[20] Wendelborn: Bernhard von Clairvaux, S. 61.

[21] Bernardus: Ep. 544. An alle Zisterzienseräbte, in: Bernhard von Clairvaux. Sämtliche Werke lateinisch/deutsch, Bd. III, Hrsg. v. Gerhard B. Winkler, Innsbruck 1992, Seite 1039.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bernhard von Clairvaux und die Tempelritter
Untertitel
Identitätsfindung und Legitimation eines umstrittenen Ordens
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
„Ich bin die Chimäre meiner Zeit“ – Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V163927
ISBN (eBook)
9783640787258
ISBN (Buch)
9783640787265
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernhard von Clairvaux, Die Templer, Tempelritter, Orden, Mittelalter, Mystik, Zisterzienser
Arbeit zitieren
Florian Rübener (Autor), 2007, Bernhard von Clairvaux und die Tempelritter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163927

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