„Few female artists have ever achieved such an iconic status as Frida Kahlo. Although, initially, many people may be more fascinated by her biography than by the paintings themselves, the life and the work of this Mexican artist are inseparably intertwined.“ (Wynne 2005, 5).
Dass Frida Kahlos Bilder stets in Abhängigkeit von ihrer Biographie zu betrachten sind, ist wohl die gängige Meinung heutzutage. Hinsichtlich ihrer Selbstportraits, die einen Großteil ihres künstlerischen Schaffens ausmachen, ist dies auch unverkennbar.
Dennoch schuf sie ebenso Werke, bei denen eine derart persönliche Komponente nicht eindeutig auszumachen ist. Ein Beispiel hierfür liefern ihre Stillleben, die von vielen Autoren, ebenso wie ihre Selbstportraits, ausschließlich in Bezug auf ihr schicksalhaftes Leben interpretiert werden. Die Analyse dieser Stillleben soll den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bilden. Dabei werden diese nicht nur bezüglich Kahlos Biographie betrachtet, sondern auch im Vergleich zu Stillleben anderer Epochen analysiert.
Ziel soll es sein, mögliche Gemeinsamkeiten und somit eventuelle Einflüsse anderer Kunstrichtungen auf Kahlos Stillleben ebenso heraus zu stellen wie prägnante Unterschiede.
Um eine theoretische Grundlage dafür zu schaffen, möchte die Verfasserin dieser Arbeit zunächst auf Begriff und Geschichte der Gattung Stillleben eingehen, bevor sie sich spezifisch den Stillleben von Frida Kahlo zuwendet. Diese werden zuerst beschrieben und zeitlich eingeordnet, bevor die Autorin sie dann im Vergleich zu anderen Epochen betrachtet. Dabei geht sie besonders auf Stillleben des 20. Jahrhunderts ein, im welchem Frida Kahlo selbst als Künstlerin aktiv war.
Es kann natürlich auch angenommen werden, dass sie ebenso künstlerische Einflüsse anderer Epochen in ihre Bilder einfließen ließ. Diese werden jedoch in dieser Arbeit außen vor gelassen und es soll stattdessen durch das Vergleichen jener Stillleben, die im selben Zeitabschnitt entstanden wie die Frida Kahlos, ein direkter Vergleich ermöglicht werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Stillleben als Gattung
1. Der Begriff „Stilleben“
2. Die Geschichte des Stilllebens
III. Die Stillleben von Frida Kahlo
1. Stillleben bei Frida Kahlo allgemein
2. Vergleich früher und später Stillleben Frida Kahlos
2.1 Frühe Stillleben
2.2 Späte Stillleben
IV. Vergleich der Stillleben Frida Kahlos mit Stillleben anderer Epochen
1. Impressionismus
2. Expressionismus
3. Kubismus
4. Surrealismus
5. Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus
V. Zusammenfassung
1. Schlussbetrachtung
2. Resumen español
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stillleben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die häufig primär biographisch gedeutet werden, hinsichtlich ihrer künstlerischen Qualität und Einflüsse. Ziel ist es, die Werke nicht nur vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte zu betrachten, sondern sie systematisch mit den Stilen anderer Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.
- Analyse von Begriff und Geschichte der Gattung Stillleben
- Untersuchung der thematischen und stilistischen Entwicklung von Kahlos Stillleben
- Vergleich von Kahlos Werk mit Impressionismus, Expressionismus und Kubismus
- Einordnung in den Surrealismus sowie die Neue Sachlichkeit und den Magischen Realismus
Auszug aus dem Buch
1. Stillleben bei Frida Kahlo allgemein
Die Stillleben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo zeigen vorrangig einheimische Früchte, die einen gewissen Stolz auf ihre Heimat und deren Erzeugnisse erkennen lassen (vgl. Dexter 2005, 11). Dennoch malte sie im Laufe ihres Lebens auch vier Blütenstillleben: die Mohnblütenschale aus dem Jahre 1924, 1937 Ich gehöre meiner Besitzerin, 1941 Blumenkorb und 1945 Magnolien (vgl. Grimberg/ Prignitz-Poda/ Kettenmann 1988, 42 f.).
Die Früchte, welche wie gesagt das Hauptmotiv ihrer Stillleben bildeten, stellte sie oft aufgeschnitten dar, was an die Tradition mexikanischer Märkte erinnert, Früchte anzuschneiden, um Käufer anzulocken (Grimberg/ Prignitz-Poda/ Kettenmann 1988, 44). Dabei malte sie zumeist „Früchte, die als besondere Genüsse und zur Herstellung von Schleckereien oder Nachspeisen von Bedeutung sind und die sich durch ihre Farben und Samenformen auszeichnen“ (Grimberg/ Prignitz-Poda/ Kettenmann 1988, 44). Aufgrund der Samenform wird ihren Bildern häufig eine sexuelle Konnotation beigemessen, da diese an männliche Geschlechtsorgane erinnern könnten. Die Samenfrüchte würden dabei für das Männliche stehen und alle anderen für das Weibliche (Grimberg/ Prignitz-Poda/ Kettenmann 1988, 44).
Die aufgeschnittenen Früchte werden weiterhin oft als Darstellung ihres Lebens und Leidens interpretiert, wie z.B. Wynne konstatiert: „[…] the tropical fruits are laden with sexual innuendo […] whereas other still lifes with sliced fruit are a reference to the artist’s wounded body […]“ (Wynne 2005, 13). Möglicherweise spiegeln sie sogar Fridas Beziehung mit Rivera wider, wie Grimberg/ Prignitz-Poda und Kettenmann feststellen, wobei dies jedoch nur eine mögliche Deutungsvariante ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, Frida Kahlos Stillleben oft nur biographisch zu deuten, und stellt den Plan vor, die Künstlerin stattdessen auch kunstgeschichtlich zu analysieren.
II. Das Stillleben als Gattung: Das Kapitel definiert den Begriff „Stillleben“ und gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Gattung von den Anfängen bis zur Moderne.
III. Die Stillleben von Frida Kahlo: Hier wird das Werk Kahlos in dieser Gattung vorgestellt, wobei zwischen den frühen, präzisen Arbeiten und den späteren, wilderen Bildern differenziert wird.
IV. Vergleich der Stillleben Frida Kahlos mit Stillleben anderer Epochen: Dieses Kapitel gleicht Kahlos Werke mit verschiedenen Stilen des 20. Jahrhunderts ab, darunter Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Surrealismus sowie Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus.
V. Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass Kahlos Stillleben trotz verschiedener künstlerischer Einflüsse einen eigenen, einmaligen Stil aufweisen.
Schlüsselwörter
Frida Kahlo, Stillleben, Kunstgeschichte, Malerei, Biographie, Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Surrealismus, Magischer Realismus, Neue Sachlichkeit, mexikanische Identität, Gattungsdefinition, Symbolik, Kunstvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kunsthistorischen Analyse der Stillleben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die im Gegensatz zu ihren Selbstporträts oft nur als biographisches Zeugnis ihres Leidens interpretiert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Definition und Geschichte der Gattung Stillleben, die stilistische Entwicklung im Werk Kahlos sowie der vergleichende Bezug zu bedeutenden Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Einfluss verschiedener Kunstrichtungen auf Kahlos Stillleben zu untersuchen und sowohl Gemeinsamkeiten als auch prägnante Unterschiede herauszuarbeiten, um den rein biographischen Deutungsansatz zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende kunsthistorische Analyse vorgenommen, bei der Kahlos Werke mit den Stilmerkmalen von Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Surrealismus sowie der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Gattung Stillleben gelegt, daraufhin Kahlos eigene Stillleben detailliert beschrieben und zeitlich eingeordnet, bevor schließlich der Vergleich mit den genannten Kunstepochen erfolgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Frida Kahlo, Stillleben, Kunstgeschichte, Surrealismus, Magischer Realismus und mexikanische Identität charakterisiert.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen "frühen" und "späten" Stillleben Kahlos?
Diese Unterscheidung ist notwendig, da sich die Malweise Kahlos ab 1952 aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands, starker Medikamente und finanziellen Drucks deutlich veränderte und die Bilder eine wildere, ungenauere Pinselführung aufwiesen.
Welche Rolle spielt der Surrealismus bei der Interpretation von Kahlos Bildern?
Der Surrealismus dient als wichtiger Vergleichspunkt, da Kahlos Stillleben – wie z.B. „El sol y la vida“ – Elemente des Absurden, Irreale und Träumerische kombinieren, was die Einordnung in den klassischen Stillleben-Begriff in Frage stellt.
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- Ariane Bahr (Author), 2008, Die Stillleben von Frida Kahlo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163942