Die Lexik des kanarischen Spanisch


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Entwicklung der kanarischen Lexikographie

II. Einflüsse auf die Lexik des kanarischen Spanisch
1. el guanchismo
2. el andalucismo
3. el americanismo
4. el orígen marinero
5. el portuguesismo
6. Weitere Einflüsse…

III. Einige Besonderheiten des kanarischen Spanisch
1. Am Beispiel von Fuerteventura
1.1 Der Diminutiv
1.2 Andere Formen der Anrede
2. Am Beispiel von La Palma
2.1 Die Verwendung des Verbs quitar

IV. Zusammenfassung
1. Schlussbetrachtung
2. resumen español

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„La fisonomía léxica del español de Canarias actual se debe en cierta medida a su dimensión sociohistórica y cultural, a un proceso continuo de acomodación lingüistica, condicionada por factores geográficos, socioeconómicos, políticos y de emigración.“ (Corbella Díaz 1996: 131)

Wie Corbella Díaz hier beschreibt, wurde das Spanische der Kanarischen Inseln, besonders während deren Eroberung im 15. Jahrhundert, von verschiedenen sprachlichen Einflüssen geprägt. Das westlich von Marokko liegende Archipel umfasst insgesamt 13 Inseln und dabei folgende sieben Hauptinseln: Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Teneriffa, La Palma, El Hierro und La Gomera. Amtssprache im gesamten Gebiet ist Spanisch, wobei das Kanarische eher als Varietät des castellano betrachtet werden muss. Viele verschiedene sprachliche und kulturelle Faktoren führten im Laufe der Jahrhunderte zu einer reichhaltigen Vielseitigkeit dieser Sprache. Besonders der kanarische Wortschatz hat viele Interferenzen mit anderen Kulturen zu verzeichnen. So zum Beispiel mischt er sich mit Wörtern der indigenen Sprache guanche, Begrifflichkeiten aus der Welt der Seefahrer, portugiesischen Bezeichnungen und solchen der amerikanischen Urbevölkerung. Nicht zuletzt sind auch die unzähligen sprachlichen Gemeinsamkeiten zwischen den Kanarischen Inseln und Amerika zu erwähnen, deren Eroberung im selben Jahrhundert durch die Spanier eine bis heute andauernde sprachliche Brücke schuf.

Die hier genannten Einflüsse auf die kanarische Lexik werden in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet, wobei dies stets in einem historischen Kontext geschehen soll.

Zuerst möchte der Verfasser jedoch einen Einblick in die äußerst vielfältige Lexikographie des kanarischen Spanisch geben und dabei wichtige Werke herausstellen.

Im Anschluss sollen neben dem guanchismo, americanismo, orígen marinero und portuguesismo noch weitere Einflussfaktoren auf das Kanarische ebenso beschrieben werden wie die Andalucismo- These, die in diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben darf.

Im dritten Teil der Arbeit werden dann am Beispiel von Fuerteventura und La Palma einige linguistische Besonderheiten dargestellt, die veranschaulichen, dass zwischen den verschiedenen Inseln viele kleine Differenzen zu beobachten sind, obwohl im gesamten Archipel grundsätzlich dieselbe Ausprägung der spanischen Sprache vorliegt.

II. Die Entwicklung der kanarischen Lexikographie

Um den kanarischen Wortschatz vollständig beschreiben zu können, muss auch dessen Lexikographie in die Betrachtung einbezogen werden. Dies erscheint wichtig, da besonders seit Beginn der 1990er Jahre einige bedeutende Werke zu dieser Thematik existieren, die im Folgenden chronologisch dargestellt werden.

Als erster lexikographischer kanarischer Text kann das Diccionario de Historia Natural de las Islas Canarias. Indice alfabético descriptivo de sus tres reinos: animal, vegetal y mineral. von José de Viera y Clavijo angesehen werden, welches zwischen 1799 und 1812 fertig gestellt, jedoch erst in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurde (vgl. Corrales Zumbado 1996, 146 f.). Der Autor liefert in diesem erstmalig fundierte und detaillierte Kenntnisse über die Natur des Archipels und dabei besonders über die auf den Inseln verwendeten Bezeichnungen für Pflanzen und Tiere. Corrales Zumbado beschreibt das Werk als „primer repertorio sistemático de términos canarios“ (Corrales Zumbado 1996, 147), besonders auch da de Viera y Clavijo alle Einträge alphabetisch ordnete. Das Diccionario de Historia Natural de las Islas Canarias umfasst zwei grundlegende Funktionen: 1. eine indirekte, da es als Nachschlagewerk bzw. Enzyklopädie in Bezug auf die Fauna und Flora der Kanarischen Inseln funktioniert und 2. eine direkte, da es eine Liste von kanarischen Wörtern präsentiert und ebenso deren jeweiligen Gebrauch auf den verschiedenen Inseln aufzeigt.

Als eigentlicher Initiator der kanarischen Lexikographie gilt jedoch erst Sebastián de Lugo mit seinem Werk Colección de voces y frases provinciales de Canaria aus dem Jahre 1846. Als Erster erstellte er aus seinen Erinnerungen heraus eine Liste mit eigentümlichen Wörtern der Kanarischen Inseln (vgl. Corrales Zumbado 1996, 148). Zumbado beschreibt dieses Werk folgendermaßen: „[…] es para nosotros un verdadero diccionario de canarismos, de pequeñas dimensiones […]“ (Corrales Zumbado 1996, 147). Er spricht von „pequeñas dimensiones“, da die Collección einerseits nur circa 200 Wörter enthält und andererseits vorrangig Begriffe aus La Palma auflistet. Letzteres liegt darin begründet, dass de Lugo auf dieser Insel geboren wurde. Das Werk gliedert sich in insgesamt drei Teile: Der erste, von Zumbado als „cuerpo fundamental del texto“ (Corrales Zumbado 1996, 148) betitelt, enthält insgesamt 192 alphabetisch geordnete Wörter. Im zweiten Abschnitt werden weiterhin 16 Begriffe dargestellt, die auf den Kanaren gebraucht, aber im castellano nicht bekannt sind bzw. verwendet werden, obwohl sie dort ebenso in Wörterbüchern dokumentiert und mit derselben Bedeutung versehen sind. Im dritten Teil präsentiert de Lugo außerdem fünf, auf den Kanaren benutzte Wörter, die ebenso in Wörterbüchern der Iberischen Halbinsel zu finden sind, dort jedoch eine komplett andere Bedeutung besitzen. Es kann an dieser Stelle also festgehalten werden, dass de Lugo auch vergleichende Aspekte zwischen dem Spanischen der Kanaren und dem der Iberischen Halbinsel in die Analyse einbezog und somit erstmals Differenzen herausstellte. Ebenso muss noch erwähnt werden, dass die Originalversion der Collección nicht mehr erhalten ist, sondern nur eine von Bartolomé José Gallardo angefertigte Kopie existiert, „que el Conde de la Viñaza entregó a la Real Academia española“ (Corrales Zumbado 1996, 147). In Folge dessen wurden in der BRAE von 1920 (Boletín de la Real Academia) erstmalig kanarische Begriffe aufgeführt. 1936/ 1939 nahm man auch in die DRAE 16 Wörter aus der Colección auf.

Im 19. Jahrhundert erwiesen sich dann zwei weitere Autoren als bedeutend, deren Werke jedoch erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden. Der Grund dafür besteht darin, dass erst zu dieser Zeit wieder eine intensive Beschäftigung mit der kanarischen Lexik statt fand (vgl. Corrales Zumbado 1996, 149), da man sich vorher eher auf „lo más cercano e inmediato“ (Corrales Zumbado 1996, 152), also vermutlich auf das Spanische der Iberischen Halbinsel, konzentriert hatte. Einer der beiden Schriftsteller war José Agustín Álvarez Rixo mit seinem Wörterbuch Voces, frases y proverbios provinciales de nuestras Islas Canarias con sus derivaciones, significados y aplicaciones. Dieses umfasste bereits 305 Einträge und hob erstmals auch den Einfluss anderer Sprachen wie zum Beispiel des Portugiesischen (vgl. Corrales Zumbado 1996, 149) Kastellanischen, Arabischen, Englischen und Indigenen (vgl. Corbella Díaz 1996, 112). auf das kanarische Spanisch hervor. Auch Juan Maffiotes Glosario de canarismos. Voces, frases y acepciones usuales de las Islas Canarias enthielt einige Neuerungen (vgl. Corrales Zumbado 1996, 150) . Die insgesamt 1309 Einträge präsentierten stets zuerst das jeweilige Wort, dann dessen grammatikalische Kategorie, gegebenenfalls Informationen über seine Nutzung auf den jeweiligen Inseln sowie eine Definition. Juan Maffiote realisierte also „un estudio métodico de todas las parcelas del vocabulario, aportando nuevas definiciones y nuevos vocablos nunca antes documentados.“ (Corrales Zumbado 1996, 151). Das Werk konnte jedoch nie vollständig abgeschlossen werden und bedarf bis heute einer letzten Überarbeitung.

Obwohl man sich, wie schon erwähnt, bis in die 1990er Jahre vergleichsweise geringfügig auf die kanarische Lexik konzentrierte, beschäftigten sich im 20. Jahrhundert dennoch einige Autoren mit dieser Thematik. So zum Beispiel Aldonso Armas Ayala in seinem Werk Pequeño vocabulario de voces canarias, con una lista de frases canariotas (1944), welches eine recht klein gehaltene Auflistung von kanarischen, insbesondere aus Gran Canaria stammenden Wörtern sowie Redewendungen aus La Palma präsentierte (vgl. Corrales Zumbado 1996, 152) oder auch Francisco Navarro Artiles mit Lienda. Vocabulario de las Islas Canarias. (1985), das im Gegenteil zur Publikation von Armas Ayala eine relativ große Anzahl an Wörtern beinhaltete und alles zu der Zeit bekannte Wissen zum kanarischen Wortschatz aufgriff (vgl. Corrales Zumbado 1996, 151).

Als wohl besonders wichtiger Meilenstein in der kanarischen Lexikographie ist der Atlas linguístico y etnográfico de las Islas Canarias, kurz ALEICAn, anzusehen. Manuel Alvars Sprachatlas stellt anhand von 1212 Karten die auf den Inseln gebräuchliche Sprache dar (vgl. Flick 1988, 10) und beinhaltet drei, in den Jahren 1975, 1976 und 1978 veröffentlichte Bände (vgl. Corrales Zumbado 1996, 152 f.). Wie Flick beschreibt, konnte der ALEICan jedoch nur derart intensiv unter Hinzunahme einiger bereits publizierter Sprachatlanten entwickelt werden, so zum Beispiel des ALEA (Atlas lingüistico y etnográfico de Andalucía) und des ALEAR (Atlas lingüistico y etnográfico de Aragón) (vgl. Flick 1988, 11 f.).

In den 1990er Jahren dann erschienen zahlreiche Publikationen, die die Lexik der kanarischen Inseln analysierten, so zum Beispiel Voces y frases de las Islas Canarias (1991). Jenes Werk beinhaltete bereits mehr als 2300 Einträge, die der Autor, Orlando García Ramos, auf seinen Reisen zusammentrug. Während seiner Aufenthalte auf den verschiedenen Inseln sammelte er vorrangig Wörter, die er an öffentlichen Orten bzw. auf der Straße wahrnahm (vgl. Corrales Zumbado 1996, 154) und vermerkte einige von ihnen mit Beschreibungen und Kommentaren in seinem Werk so detailliert, dass es fast schon an eine Enzyklopädie erinnerte. Die restlichen Begriffe listete er lediglich auf und versah sie mit Definitionen sowie geographischen Zugehörigkeiten. Außerdem ordnete er alle Begriffe zusätzlich in thematische Kategorien ein, so zum z. B. nach Juegos y deportes, Música, cantas y danzas, Cocina y aperitivos, etc. (vgl. Corrales Zumbado 1996, 155). Die wohl letztendlich bedeutendste Publikation erschien dann im Jahre 1992 mit dem TLEC (Tesoro lexicográfico del español de Canarias) . Dieser fasst einerseits jede Art von Wörterbüchern bzw. Artikeln, die zur Lexik der kanarischen Inseln bis dahin publiziert worden waren, in einer Bibliographie zusammen, andererseits präsentiert er alle jemals erwähnten Wörter sowie deren grammatikalische Struktur und Bedeutung. Besonders ist dabei, dass bei jedem Begriff bzw. jeder Begriffsbedeutung stets die dazugehörige literarische Quelle angegeben wird, aus der das jeweilige Wort entnommen ist. (vgl. Corrales Zumbado 1996, 152 f.). Ebenso werden die Nutzungsintensität des Terminus sowie eventuelle Veränderungen, die dieser durchlebt hat, herausgestellt (vgl. Corrales Zumbado 1996, 54). Corrales Zumbado betont die Bedeutung des TLEC letztendlich mit folgenden Worten: „Es por lo tanto el TLCE, en primer lugar, un punto de llegada, al registrar metódicamente cuanto se ha escrito sobre las palabras canarias, pero, al mismo tiempo, es un punto de partida, un proyecto de futuro basado en lo que se tiene ya realizado y en lo que se ha ido haciendo en la tradición lexicográfica a lo largo de casi dos siglos.“ (Corrales Zumbado 1996, 154).

Weitere nennenswerte Veröffentlichungen der 90er Jahren sind z. B. das Diccionario de canarismos (1994) von Marcial Morera y Gonzalo Ortega, welches einen reichhaltigen Überblick über aktuell verwendete Begriffe auf den kanarischen Inseln liefert (vgl. Corrales Zumbado 1996, 155), aber auch Enzyklopädien wie z. B. die Gran Enciclopedia Canaria (1994) an der sich über 50 Redakteure beteiligten und die Auskunft über verschiedene Teilgebiete wie zum Beispiel Geographie, Literatur, Recht, Geschichte und Wirtschaft gibt (vgl. Corrales Zumbado 1996, 157 f.).

Es sollte hier noch erwähnt werden, dass neben all den benannten Werken auch umfassende Publikationen existieren, die sich nicht mit einem Gesamtüberblick über die kanarische Lexik, sondern z. B. spezifischer mit einzelnen Inseln oder sprachlichen Einflüssen auf das kanarische Spanisch befassen.

Als letztes wichtiges Werk soll an dieser Stelle Alfonso O’ Shanahans Gran diccionario del habla canaria erwähnt werden, welches über 13000 kanarische Begriffe auflistet „que constituyen un fundamento creo que rigoroso para poder decir con propiedad que el canario no es sólo un gentilicio y un adjetivo, sino también una lengua, el español que hablamos en Canarias.“ (O’ Shanahan 24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Lexik des kanarischen Spanisch
Hochschule
Universität Leipzig  (Romanistik)
Veranstaltung
Linguistik und Soziolinguistik des Spanischen in Amerika
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V163943
ISBN (eBook)
9783640790579
ISBN (Buch)
9783640790258
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lexik, Spanisch
Arbeit zitieren
Magistra Artium Ariane Bahr (Autor), 2007, Die Lexik des kanarischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163943

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