Publizistische Alliiertenpolitik in Bayern von der Stunde Null bis zur Generallizenz


Seminararbeit, 2000

15 Seiten, Note: 1,75


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Versorgung mit Informationen nach dem Krieg
2. 1. Die „Stunde Null“ der deutschen Presse
2.2. Der „Black-out“ der Medien
2.3. Nachrichtenblätter und Heeresgruppenzeitungen
2.4. Strenge Informationskontrolle

3. Das Lizenzierungssystem der Alliierten
3.1. Vorstellungen und Ziele
3.2. Die Suche nach geeigneten Lizenzträgern
3.3. Lizenzpresse „keine Patentlösung“
3.4. Großes Feedback und Kritik: Das US-Zonenblatt „Die Neue Zeitung“

4. Das Gesetz Nr. 5 und seine Folgen 13

1. Einleitung

„Nach zwölfjähriger zentraler politischer Lenkung und Kontrolle waren trotz des allgemeinen Nachrichtenhungers die Bedingungen für den Neuaufbau der deutschen Presse 1945 denkbar schlecht. Das gesprochene Wort war hoffnungslos kompromittiert. Die Presse mußte das Vertrauen der nun skeptisch gewordenen Leser zurückgewinnen, ihre Nachrichten mußten wieder glaubwürdig werden.“[1]

Für den Aufbau eines neuen deutschen Staates nach dem 2. Weltkrieg war eine freie Presse unentbehrlich. Die damals gegründeten Zeitungen können mittlerweile auf eine über 50jährige Geschichte zurückblicken. Sie alle haben sich weiterentwickelt. Und mit der Zeit kamen auch noch zahlreiche weitere Titel hinzu.

Heute gibt es einen großen und vielfältigen Blätterwald, der sich aber nach den Vorgaben der Besatzer aus ganz bescheidenen Mitteln heraus entwickelt hat. In den ersten Nachkriegsjahren gab es zum Beispiel noch keine Tageszeitungen. Wegen hoher Produktionskosten und Papiermangels erschienen die Zeitungen anfangs nur zweimal pro Woche. Erst allmählich gelang es, die technischen, finanziellen und organisatorischen Hürden zu überwinden; und es kehrte eine gewisse Regelmäßigkeit ins Tagesgeschäft ein.

Den Grundstein für eine freie Presse legten damals die alliierten Besatzungsmächte; in Bayern also die Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika. Unter den Schlagworten Demilitarisierung, Demokratisierung und Denazifizierung sollte neben einem neuen deutschen Staat auch eine neue Presselandschaft entstehen. Die Alliierten setzten damals Lizenzträger ein, die ­­– zuerst unter Aufsicht, später frei – die neu aus der Taufe gehobenen Zeitungen führten. Den Anfang in Bayern machte damals die „Süddeutsche Zeitung“.

Doch bis es soweit war, war ein steiniger Weg zu gehen, an dessen Ende erst Druckwerke entstanden, die dem Namen Zeitung gerecht wurden. Dazwischen gab es aus Flugzeugen abgeworfene Informationsblätter, Heeresgruppenzeitungen und Zonenblätter. Doch dies waren nur die Ergebnisse bürokratischer und organisatorischer Leistungen. Dahinter standen zahlreiche Direktiven, Gesetze, Verordnungen und Befehle.

Welche Hürden von der sogenannten Stunde Null der deutschen Presse bis hin zum Erscheinen der neuen Zeitungen zu nehmen waren, und wie die Besatzer vorgingen, das soll diese Arbeit in groben Zügen für Bayern darstellen. Aus Platzgründen soll dabei nicht eigens auf die Entwicklung der Nachrichtenagenturen eingegangen werden.

2. Die erste Versorgung mit Informationen nach dem Krieg

2. 1. Die „Stunde Null“ der deutschen Presse

Mit dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands gegenüber den Alliierten war der 2. Weltkrieg am 7. Mai 1945 zu Ende.[2] Damit wurde auch der deutschen Presse ein definitiver Schlußpunkt gesetzt, der häufig als „Stunde Null“ bezeichnet wird. Ab sofort übernahmen die alliierten Besatzungsmächte die völlige Kontrolle über das besetzte Deutschland.

Bereits in den letzten Kriegsjahren hatten sich die westlichen Alliierten (USA, Großbritannien und Frankreich) Gedanken über den Aufbau eines neuen, demokratischen Informationswesens in Deutschland gemacht. Die wichtigsten und grundsätzlichen Übereinkünfte trafen die Alliierten auf den Konferenzen der sogenannten Anti-Hitler-Koalition in Casablanca (Januar 1943), Teheran (November 1943), Jalta (Februar 1945) und Potsdam (Juli 1945).

Für den Aufbau einer künftigen anglo-amerikanischen Informationspolitik hatte die Abteilung für psychologische Kriegsführung im Hauptquartier der alliierten Streitkräfte im Oktober 1944 ein detailliertes Programm entwickelt. Demnach sollte sich der Neuaufbau der westdeutschen Presse in drei Stufen vollziehen:

Stufe eins sah ein totales Verbot auf dem Gebiet des Informations- und Unterhaltungswesens sowie die Schließung aller entsprechenden Betriebe vor. Als zweite Stufe wurde die Herausgabe offizieller Nachrichtenblätter der Militärregierung angeordnet, die in beschlagnahmten Betrieben zu drucken waren. Mittels dieser Blätter sollte die deutsche Öffentlichkeit über die Vorgänge in der Welt unterrichtet werden. In der dritten Phase sollten Kontrolloffiziere der Militärregierung geeignete deutsche Personen auswählen, denen die Leitung selbstverantwortlicher Zeitungen – anfangs noch unter alliierter Kontrolle – anvertraut werden konnte.

Dieser letzte Schritt, die Übergabe der Presse in deutsche Hände, wird in einigen Quellen auch als eigene Phase aufgeführt. Diese Etappe „ist in dem Abschnitt der alliierten Kontrolle aller personellen und technischen Fragen im Publikationsbereich zu sehen, mit der ein allfälliges Wiederaufleben nationalsozialistischen Gedankengutes unbedingt verhindert werden sollte“.[3]

2.2. Der „Black-out“ der Medien

Ab der sogenannten Stunde Null wurde dem Publikations-, Verlags- und Medienwesen von den Alliierten ein dreimonatiger „Black-out“ verhängt. Legitimiert wurde diese Phase durch das Gesetz Nr. 191 vom 24. November 1944, das General Eisenhower als Oberbefehlshaber aller westlichen Armeen für die von den Alliierten besetzten bzw. noch zu besetzenden deutschen Gebiete erlassen hatte. Mit einigen Änderungen trat dieses Gesetz dann am 12. Mai 1945 als Gesetz Nr. 191 (1) in Kraft.[4]

Darin untersagten die Alliierten unter anderem das Drucken, Erzeugen, Veröffentlichen, Vertreiben, Verkaufen und gewerbliche Verleihen von Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften, Büchern, Broschüren, Plakaten, Musikalien sowie von Tonaufnahmen und Lichtspielfilmen jeglicher Art. Ferner verbot es die Tätigkeit und den Betrieb jedes Nachrichten- und Bilddienstes, von Agenturen, Rundfunkstationen und -einrichtungen, von Drahtfunksendern und Niederfrequenz-Übertragungsanlagen. Auch Theater, Lichtspielhäuser, Filmverleihe, Opernhäuser, Filmateliers- und -labors mußten ihren Betrieb einstellen. Nicht mehr erlaubt waren ferner Jahrmärkte sowie Zirkus- und Karnevalsveranstaltungen.[5]

Durch dieses Totalverbot aller öffentlichen Kommunikation entstand im besiegten Deutschland eine Art publizistisches Vakuum. Denn mit dem Gesetz Nr. 191 war jegliche deutsche Tätigkeit auf dem Informations- und Unterhaltungssektor erloschen.

2.3. Nachrichtenblätter und Heeresgruppenzeitungen

Bereits vor Kriegsende gab es Informationen aus Händen der Amerikaner und Briten an das deutsche Volk. „Es waren dies deutschsprachige Flug- und Nachrichtenblätter, wie sie vor allem von den Amerikanern und den Briten gegen Ende des Krieges über deutschen Gebieten abgeworfen oder während des Vormarschs der Alliierten (als sogenannte Mitteilungen) unter der Bevölkerung verteilt worden waren.“[6]

Auch im folgenden unterrichteten die Besatzer selbst das besiegte Deutschland über die wichtigsten Anordnungen der Befehlshaber. „Hierzu bedienten sie sich in der Regel mehr oder weniger dürftiger Mitteilungsblätter, die kaum ihren Namen ‚Besatzungszeitungen‘ verdienten.“[7]

[...]


[1] Meyn, Hermann: Massenmedien in Deutschland. Konstanz: UVK Medien 1999, S. 79. Im folgenden: Meyn.

[2] Am 30. April 1945 beging Adolf Hitler Selbstmord. Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl in Reims, im Hauptquartier General Dwight D. Eisenhowers, die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Einen Tag später setzte Generalfeldmarschall Keitel im sowjetischen Hauptquartier von Karlhorst seinen Namen unter die Kapitulationsurkunde. Am 9. Mai trat dann die Gesamtkapitulation in Kraft. Mussolini war inzwischen in Italien von Partisanen erschossen worden. Roosevelt, im November 1944 wieder zum US-Präsidenten gewählt, starb am 12.April 1945 an den Folgen eines schweren Schlaganfalles. So ging der Krieg in Europa zu Ende.

[3] Pürer Heinz; Raabe, Johannes: Medien in Deutschland. Band 1: Presse. Konstanz: UVK Medien 1996, S. 93. Im folgenden: Pürer/Raabe.

[4] Vgl. Brummund, Peter; Schwindt, Peter: Der Pressemarkt in der Bundesrepublik Deutschland. Öffentliche Aufgabe und privatwirtschaftliche Organisation der Presse. Köln: Pahl-Rugenstein 1982. Im folgenden: Brummund/Schwindt.

[5] Vgl. Benz, Wolfgang: Demokratisierung durch Entnazifizierung und Erziehung. Im Internet unter :

http://www.bpb.de/info-franzis/info_259/body_i_259_5.html. Im folgenden: Benz.

[6] Pürer/Raabe, S. 94.

[7] Richter, Rolf: Kommunikationsfreiheit = Verlegerfreiheit? Zur Kommunikationspolitik der Zeitungsverleger in der Bundesrepublik Deutschland 1945 – 1969. Pullach bei München: Verlag Dokumentation 1973 (Reihe: Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung; Band 17), S. 15. Im folgenden: Richter.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Publizistische Alliiertenpolitik in Bayern von der Stunde Null bis zur Generallizenz
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (FB Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Pressesystem der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,75
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V1640
ISBN (eBook)
9783638110150
ISBN (Buch)
9783656246466
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit zeichnet einen groben Überblick der alliierten Pressepolitik in Bayern. Betrachtet werden die Jahre 1945 bis 1949. Das heißt: Von der sogenannten Stunde Null bis hin zur Generallizenz. Dabei bleiben Presseagenturen oder Nachrichtendienste außen vor. 292 KB
Schlagworte
Publizistische, Alliiertenpolitik, Bayern, Stunde, Null, Generallizenz, Proseminar, Pressesystem, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Tobias Zell (Autor), 2000, Publizistische Alliiertenpolitik in Bayern von der Stunde Null bis zur Generallizenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1640

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