Ludwig Tiecks: Der getreue Eckart und der Tannenhäuser - in zwei Abschnitten

Gegenüberstellung der beiden Abschnitte


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines zur Erzählung

2. Eckarterzählung (Erster Abschnitt)
2.1 Inhalt
2.2 Die Macht der Klänge
2.3 Wirkung der Erzählung
2.4 Charaktere
2.5 Der Tannenhäuser

3. Tannenhäusererzählung ( zweiter Abschnitt)
3.1 Inhalt
3.2 Die Verworrenheit des Abschnitts
3.3 Die Macht des Spielmannes
3.4 Der Venusberg
3.5 Der Anruf des Teufels

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

"In demselben Jahre, indem die Erzählung veröffentlich wurde, ist sie auch entstanden"[1], so erzählt Hertel von der Entstehung des Werkes Ludwig Tiecks: Der getreue Eckart und der Tannenhäuser. In zwei Abschnitten. 1799 soll Tieck mit August Wilhelm Schlegel und Friedrich von Hardenberg, einem sehr guten Freund Tiecks, in einer Mondnacht spazieren gewesen sein. Als sie sich voneinander verabschiedeten soll Tieck gesagt haben, er wolle nun "seine Erzählung vollenden"[2]. Schlegel sollte dies, sofern es Tieck schaffen würde, hoch anrechnen wollen. Man sagt, dass die ganze Erzählung in dieser einzigen Nacht entstanden sei. Tieck meinte jedoch lediglich, dass er sein Werk "vollenden"[3] wolle. Es muss daher schon zu einem Teil geschaffen gewesen sein.

Nicht nur diese kurze Zeit, sondern auch Tiecks Persönlichkeit sorgten schließlich, sofern man spekulieren darf, für ein Werk, welches von Klarheit und Verworrenheit durchdrungen zu sein scheint.

Selbst den Titel änderte Tieck, als er in der späteren Veröffentlichung "Romantische Dichtungen" unter anderem den Tannenhäuser nur noch "Tannhäuser" nannte.

Hertel spricht aus, was viele andere denken: "Er war unfähig, sich in andere Menschen hineinzudenken und fremde Charaktere zu schildern."[4]

Es ist schwer zu beurteilen, ob sein Werk und seine Unfähigkeit, die ihm vorgeworfen wurde, einen Realitätswert aufweisen. Klar ist jedoch, dass sich sein Werk gut lesen lässt, auch wenn es an manchen Stellen nicht vollkommen verständlich erscheinen mag.

Die Figuren dachte sich Tieck nicht allesamt selbst aus. Sie erinnern vielmehr an Sagen, die bereits vor der Veröffentlichung seines Werkes im Umlauf waren. Näher betrachtet fasste der Autor drei Sagen zusammen: Eckart und der Venusberg waren schon bekannt. Der Spielmann lässt sehr an den Rattenfänger von Hameln erinnern. Diese Art von Vermischung war jedoch zu seiner Zeit sehr beliebt, sodass die Erzählung von vielen gelesen wurde. Dabei blieb eine Bewertung durch die anderen, sei sie auch negativ, natürlich nicht aus.

Es muss jedoch nicht jeder diese Ansicht teilen. Das Werk ist meines Erachtens gut und durchdacht geschrieben, was im folgenden zu beweisen gilt.

Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick über die Inhalte der Abschnitte geben, aber auch die Verbindungen zwischen den Teilen herstellen bzw. aufzeigen.

1. Allgemeines zur Erzählung

Ludwig Tiecks "Der getreue Eckart und der Tannenhäuser" ist, wie der Titel erahnen lässt, ein zweigeteiltes Werk. Im ersten Abschnitt kommt es zur Erzählung über den getreuen Eckart, der zweite handelt vom wiederkehrenden Tannenhäuser vierhundert Jahre später. Als ob es ein Bezug zur angegebenen Zeitspanne gäbe, scheint der zweite Abschnitt moderner gestaltet zu sein. Verse findet man selten und die Geschichte vom Venusberg wird mit Unterstützung gehäufter jambischer Versgruppen sowie dem Einschub von Daktylen geschildert. Der erste Abschnitt hingegen erscheint altertümlich, beispielsweise durch den Bezug zur Ritterzeit durch Eckart. Diese klar strukturierte Erzählung steht einer verwirrenden, traumbehafteten Tannenhäuserhandlung gegenüber, die sich jedoch psychologisch interpretieren lässt. Es scheint, als stünde die Klarheit des ersten Abschnitts der Verschwommenheit des zweiten gegenüber, wodurch eine Verbindung entsteht. Die einfache Welt des Mittelalters steht der verwickelten Welt der neuen Zeit, in welcher der Mensch nicht mehr Herr seiner Gefühle ist, gegenüber. Beide Teile unterscheiden sich in Inhalt und Stimmung gänzlich, heben sich gar voneinander ab. Die Begründung hierfür findet man in Tieck selbst: in ihm waren immer 2 Persönlichkeiten: der klar denkende Mensch und der phantastische Romantiker. Je nachdem, welche Seite gerade überwog, waren seine Werke mit dessen Gesinnung behaftet.

Der Wechsel zwischen Prosa und Vers im ersten Abschnitt verdeutlicht den Wechsel der Geschehnisse, könnte jedoch zugleich auch auf Tiecks Persönlichkeit hindeuten. Im Vergleich dazu fehlen im zweiten Abschnitt die Verse.

2. Eckarterzählung (Erster Abschnitt)

2.1 Inhalt

Tiecks Erzählung vom getreuen Eckart spiegelt die Sehnsüchte und inneren Zwänge der Aufklärung wider.

Zu Beginn des ersten Abschnitts erfährt der Leser von der Geschichte Eckarts und seiner Treue gegenüber dem Herzog von Burgund im archaisierend angeordneten Text mit Bezug zum Mittelalter.

Eckart opfert das Leben seines Sohnes im Kampf, um den Herzog zu retten und seine geschworene Treue einzuhalten. Doch Eckart erntet nur dessen Zorn, als der Herzog das Gerücht erfährt, er wolle ihm sein Herzogtum entreißen.

Als Eckart seinen Sohn zur Burg des Herzogs begleitet, welcher diesen um die Entlassung seines Bruders aus der Gefangenschaft bitten möchte, trifft er einen alten Mann. Dieser erzählt ihm von seinen verlorenen Söhnen und dem magischen Venusberg.

Hierbei wird der Leser in romantische Erfahrungen eingeführt, ebenfalls mit Bezug zur Ritterzeit.

Der Alte erzählt ihm vom Niedergang des Christentums und seiner ordnenden, regulierenden Kraft. Die Venus wird dabei vom Christentum als Teufel identifiziert und in die Unterwelt vertrieben. Doch in der Gegenwart ist die Furcht vor Gott vergangen. Die unterirdischen höllischen Kräfte gewinnen an Macht und der Erzählung zufolge leistet die Menschheit keinen Widerstand dagegen, da sie ihre Triebe nicht mehr unter Kontrolle halten kann. "Von unerklärlicher Gewalt erfaßt"[5], aus ihren Trieben heraus, folgen die Menschen den verführenden Pfeifenklängen des Spielmanns, wie auch die Söhne des Alten es taten.

Eckart, getrieben von Rachsucht, eilt zum Herzog, um diesen zur Rede zu stellen. Dieser zeigt jedoch keine Einsicht und vertreibt ihn aus seinem Reich.

Eckart verstößt sich selbst in den wilden Wald, nachdem er seine Rache am Herzog nicht üben konnte. Die Wildheit des Waldes stellt hierbei Leidenschaft und Trieb in den Vordergrund.

Danach folgt der Feindeszug des Herzogs gegen Eckart, da er ihm zum Feind werden könnte. Dabei verirrt sich der Fürst im Wald und stürzt zu Boden. Eckart, sein vermeintlicher Freund und Feind, hilft dem Herzog auf, trägt ihn auf seinen Schultern zur Straße, geleitet ihn und seinen Knappen in ein Haus und somit in Sicherheit vor der Sturmnacht.

Erst gegen Ende der Eckarterzählung erkennt der Herzog dessen wahre Treue und stirbt kurz darauf.

Als der nun regierende Eckart selbst von den Klängen erfasst wird, lässt er sich von diesen unwillkürlich durch den Wald zum Venusberg leiten, wo er gegen die Zwerge der Unterwelt kämpft. Dabei verliert schließlich auch der scheinbar unbesiegbare, mächtige Eckart sein Leben. Doch in Verbindung zur geleisteten Treue gegenüber dem Herzog steht er nun, am Ende der Eckarterzählung, treu als Wächter vor dem Venusberg.

Diese Funktion war früher die Aufgabe der Gottesfurcht, die der Erzählung des Alten zufolge nun verschwunden ist. Die höllischen Mächte werden fortan erneut unterdrückt durch den neuen Wächter. Eckart steht nicht, wie man vermuten könnte, repräsentativ für das Christentum, sondern für die intrinsisch motivierte Treue, die sich bereits in der Beziehung zum Herzog bemerkbar machte.

2.2 Die Macht der Klänge

Der Leser wird im ersten Abschnitt der Erzählung Tiecks über die Macht der Klänge informiert, im zweiten erlebt er es durch Tannenhäuser selbst und intensiver. In Eckarts Verführung durch die Klänge wird die Verzauberung mit "Ferne, Unbekanntheit und Fremdheit"[6] beschrieben. Er erfährt ein "irdische[s] Paradies"[7], welches sich als "ekstatische Ich-Entgrenzung und Totalitäserfahrung"[8] enthüllt. Im Rausch der Sinne nimmt Eckart alles viel intensiver wahr: den Klang, die Farben, die Luft. Die Welt scheint sich zu verändern, kommt aus ihrem Gleichgewicht. Bald lassen sich unbestimmbare Konturen verzeichnen, die gleichzeitig dem Leser die Distanz zur Erzählung nehmen. Er erkennt nicht mehr klar die Trennungslinie zwischen Innen- u. Außenperspektive wie es im folgenden Ausschnitt deutlich wird:

Und höher schwillt der Töne Macht,

Und heller glänzt der Sonne Licht,

Die Blumen scheinen trunken.

[...]

Die Felsen schwanken lichterloh,

Die Triften jauchzen und sind froh,

Es wirrt und irrt alles in die Klänge hinein,

Und will in der Freude heimisch sein.

Des Menschen Seele reißen die Funken,

Sie ist im holden Wahnsinn ganz versunken.[9]

Die Welt scheint für Eckart" im [...] Wahnsinn [...] versunken" zu sein. Hierin findet sich die Verbindung zum zweiten Abschnitt, da der wahnsinnige Tannenhäuser ebenfalls von solchen Erfahrungen berichtet.

Nimmt man eine Trennung der Eckarterzählung vor, so scheint durch die Erzählung des Alten eine Verbindung zum zweiten Teil dieses Abschnitts zu bestehen: nach ihr nimmt Eckarts Schicksal seinen Lauf. Im ersten Teil hört er von der Macht der Musik und dem bösen Geist, der in den Kindern des Alten erwachte. Gesteigert wird die Spannung mit der Fortsetzung im zweiten Teil der Eckarthandlung. Dabei ergreifen die Klänge Eckart selbst genauso wie die Kinder des Alten ihnen zum Opfer wurden.

Die Treue Eckarts, gegen die seine Sehnsucht und Wünsche, den Herzog zu töten, nicht ankommen, verdeutlicht dessen Kraft, die er auch im Kampf gegen den Venusberg aufbringt.

In der Begegnung mit dem Spielmann versucht er sich zu widersetzen. Er rüstet sich "und steht gewappnet da"[10].

Dem gegenüber steht die Erfahrung Tannenhäusers: er sieht den Spielmann nicht. Er unternimmt jedoch auch keinen Versuch, gegen die Klänge anzukämpfen, sondern ergibt sich einfach.

2.3 Wirkung der Erzählung

Die Wirkung der Eckarterzählung scheint trotz der vielen Schicksalsschläge Eckarts versöhnend, nicht zuletzt durch die Einsicht des Herzogs am Ende des Abschnitts, wo er begreift, dass Eckarts Treue immer gegenwärtig war.

Die Erzählung vom getreuen Eckart im ersten Abschnitt stellt dar, wie er selbst zur Legende wurde. Am Ende fällt sie mit der Legende zusammen, die im 2. Abschnitt selbst über Eckart im Umlauf ist und vom jungen Tannenhäuser erwähnt wird.

2.4 Charaktere

Die charakterlichen Eigenschaften des ersten Abschnitts spiegeln die Treue Eckarts, die Treulosigkeit des Herzogs, Liebe, Schmerz, die Rachelust Eckarts und seine vergebende Güte wider. Sie stehen denen des zweiten Abschnitts gegenüber: die Verwirrtheit, die der Leser durch Tannenhäuser erfährt, bildet einen Kontrast zur Klarheit des ersten Abschnitts. Die Liebe Eckarts zum Herzog ist eine andere, als jene von Tannenhäuser gegenüber Emma und doch wird sie intensiv in beiden Abschnitten dargestellt.

2.5 Der Tannenhäuser

Der Tannenhäuser wirkt im ersten Abschnitt unscheinbar und es hat auf den Leser den Anschein, als wurde ihm nur eine unbedeutende Nebenrolle zugeteilt. Er erhielt seinen Namen, als er im Wald mit Eckart und dem Herzog als dessen Knappe auf eine hohe Tanne steigen sollte, von wo aus er ein Haus erspähte. Den Namen soll er auf Anordnung des Herzogs zur ewigen Erinnerung an jene Nacht tragen. Diese unscheinbare Figur verbindet die beiden Abschnitte deutlich, da sogleich zu Beginn des zweiten Teils der Tannenhäusername aufgegriffen wird.

Stellt der Knappe im ersten Abschnitt noch einen Helden dar, so zeigt sich der junge Tannenhäuser des zweiten Teils als unglücklicher Wahnsinniger.

[...]


[1] Hertel (1917): 3

[2] Hertel (1917): 3

[3] Hertel (1917): 3

[4] Hertel (1917): 7

[5] Ludwig Tieck´s Schriften (1828): 182

[6] Begemann (2006): 3

[7] Ludwig Tieck´s Schriften (1828): 194

[8] Begemann (2006): 4

[9] Ludwig Tieck´s Schriften (1828): 194

[10] Ludwig Tieck´s Schriften (1828): 196

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ludwig Tiecks: Der getreue Eckart und der Tannenhäuser - in zwei Abschnitten
Untertitel
Gegenüberstellung der beiden Abschnitte
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Ludwig Tiecks Phantasus
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V164009
ISBN (eBook)
9783640785599
ISBN (Buch)
9783640785476
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit stellt die beiden Abschnitte einander gegenüber. Dabei wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hingewiesen.
Schlagworte
Phantasus;, Ludwig Tieck;, getreue Eckart;, Tannhäuser;, Tannenhäuser;, Der getreue Eckart und Tannenhäuser;
Arbeit zitieren
Christopher Kilian (Autor:in), 2010, Ludwig Tiecks: Der getreue Eckart und der Tannenhäuser - in zwei Abschnitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164009

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