Vergleich der Protagonisten in Schillers Drama „Die Räuber, Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ und Kafkas Roman „Der Proceß“


Facharbeit (Schule), 2004

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Inhaltsangaben
2.1. Die Räuber
2.2. Der Proceß
2.3. Michael Kohlhaas

3. Gemeinsamkeiten
3.1. Charakter
3.2. Motive
3.3. Methoden

4. Unterschiede
4.1. Charakter
4.2. Motive
4.3. Methoden

5. Kohlhaas und Karl - Rebellen, Anarchisten oder Terroristen?

1. Einführung

Die Wahrung der „Gerechtigkeit“ durch die Justitz und deren Gesetzte gilt für uns in unserer heutigen Zeit, zumindest auf unserem Kontinent, als selbstverständlich. Wir alle sind gewohnt, vor dem Gesetz gleich zu sein und sehen es als normal an, dass unsere Grundrechte durch eine Verfassung geschützt sind. Oft war der Versuch, Gerechtigkeit durchzusetzen ein langwieriger Prozess, der, unter anderem auch gewaltsam, bestritten wurde, wie z.B. der Kampf für die Gleichberechtigung der dunkelhäutigen Menschen in den USA. Es gibt unterschiedliche Ansichten über „Gerechtigkeit“, was in der heutigen Zeit gerichtliche Auseinandersetzung zufolge hat. In den literarschen Werken „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist, „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller und „Der Prozess“ von Franz Kafka, machen alle Hauptakteure ihre ganz persönliche Erfahrung mit dem Gesetz. Michael Kohlhaas kämpft für einen fairen Prozess, in Friedrich von Schillers „Die Räuber“ kämpft Karl von Moor für die Armen und gegen die Korrupten und bei Kafka Durchlebt der Bankangestellte K einen inneren und äußeren „Prozess“, der von einem Gericht ausgeht, das undurchschaubar schein. Trotz der verschiedenen Ziele, welche die Hauptpersonen verfolgen, lassen sich viele Ähnlichkeiten in ihren Handlungsmethoden, Charakterzügen und –motiven erkennen. Ich werde in dieser Lernleistung versuchen, die Parallelen, aber auch ihre Unterschiede der Hauptfiguren aufzuzeigen.

2. Inhaltsangaben

2.1. Die Räuber

Das 1781 von Friedrich Schiller veröffentlichte Drama „Die Räuber“ erzählt von Karl von Moor, dem Sohn des Grafen von Moor, der durch fingierte Briefe erfährt, dass sein Vater ihn verstoßen habe und der daraufhin eine Räuberbande gründet. Der gefälschten Brief wird von dem jüngeren, in der Thronfolge benachteiligten Sohn, Franz von Moor, verschickt. Karl von Moor bemerkt nicht, dass die Briefe gefälscht sind, in denen sein Vater ihn von der Thronfolge ausschließt und verflucht. Während Karl mit seiner Räuberbande darauf folgend durch das Land zieht, um unschuldig Verfolgte zu rächen und korrupte Politiker zu strafen, versucht Franz Karl von Moors Braut Amilia für sich zu gewinnen und sperrt seinen Vater in einen Turm, in dem verhungern soll, um selbst König zu werden. Nachdem ein junger Mann, der in Karls Räuberbande eintreten möchte, Karl von Moor wieder an seine Geliebte Amalia erinnert, beschließt er, diese zu besuchen und erfährt dabei von den Intrigen seines Bruders. Nachdem Karl von Moor seinen Vater befreit hat, schwört er Rache an seinem Bruder, der sich zwischenzeitlich erhängt, nachdem er erkennt, dass seine Pläne gescheiterten. Graf von Moor stirbt, als er erfährt, dass Karl von Moor der Anführer der Räuberbande und Franz von Moor tot ist. Darauffolgend tötet Karl von Moor Amalia und stellt sich der Justiz.

2.2. Der Proceß

Der nie vollendete Roman „Der Proceß“, wurde 1914-1915 von Franz Kafka verfasst und handelt von dem Bankangestellten Joseph K., der eines Morgens in seiner Wohnung geweckt wird und ihm mitgeteilt wird, dass ein Prozess gegen ihn geführt wird. Trotz seiner angeblichen Verhaftung bleibt K. scheinbar frei. Je länger sich K. mit dem Gericht beschäftigt, das gegen ihn den Prozess führt, umso undurchsichtiger wird das ganze Gerichtswesen für ihn. K. sucht Hilfe bei diversen Leuten, die ihm jedoch alle nicht helfen können. Ohne jemals den Verfahrensgrund genannt bekommen zu haben, wird K. am Ende des Romans für schuldig befunden und schließlich getötet.

2.3. Michael Kohlhaas

Das 1808 in der Zeitschrift „Phöbus“ veröffentlichte Werk Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist, wurde in einer Zeit des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs geschrieben. Kleist erzählt die Geschichte eines Rosshändlers, der mit allen Mitteln versucht, sein „Recht“ durchzusetzen. Von Kohlhaas wird zu Beginn der Geschichte verlangt, einen Passschein vorzuzeigen, welchen er nicht besitzt. Die Pferde die er als Pfand zurücklässt, um passieren zu dürfen, findet er nach seiner Reise, genau wie seinen Knecht Herse, in einem sehr schlechten Zustand vor. Kohlhaasens eingereichte Klagen werden abgewiesen und seine Frau, beim Versuch ihrem Manne zu helfen, getötet. Kohlhaas versucht daraufhin durch Gewalt für Gerechtigkeit zu sorgen. Nach einem persönlichen Gespräch mit Luther, der Kohlhaas Amnestie zusichert, löst Kohlhaas seinen „Haufen“ auf. Jene wird zunächst gebrochen, da Obrigkeit in Berlin sich jedoch folgend dem Fall annimmt, erhält Kohlhaas einen Prozess, indem er Recht bekommt, aber auch gleichzeitig zum Tode verurteilt wird.

3. Gemeinsamkeiten

3.1. Charakter

Michael Kohlhaas und Karl von Moor sind zwei Hauptprotagonisten, die viele Eigenschaften gemeinsam haben. Beide spielen, anders als K., eine Heldenrolle in ihren Romanen und werden als ehrenvolle Menschen beschrieben: Karl von Moor durch seine Kampf gegen „das Unrecht“ und Michael Kohlhaas, nach dem sogar seine Stadt, in der er wohnt (Kohlhaasenbrück) benannt ist, durch seine ehrliche Arbeit als Rosshändler. In ihren Kämpfen erscheinen sie als Siegertypen, die sich nicht unterkriegen lassen. Beide glauben an die Gesetze des Staates. Kohlhaas tut dies von Anfang an, Karl von Moor erst gegen Ende des Romans. Beide werden zu Beginn der jeweiligen Romane mit positiven Charakterzügen und einem erheblichen Stolz dargestellt, der ihnen eine ungeheuere Würde verleiht und durch die die Reaktion auf die Verletzung des persönlichen Rechtsgefühls zum Vorschein kommt. Auch K. wird als sehr selbstbewusst dargestellt und präsentiert sich somit ebenfalls dementsprechend seiner Umwelt, der er seriös, aber nicht liebenswert erscheint. Das Selbstbewusstsein K.s, welches vermutlich aus seinem beruflichen Erfolg rührt, zeigt sich sowohl in seiner herablassenden Art zu Beginn des Romans (1. Kapitel) gegenüber den Dienern des Gerichts, dem Nicht-Schätzen von Frau Grubachs Äußerungen, als auch im Umgang mit seinen Mitarbeitern. Doch nicht nur diese vermeintlich positiven Eigenschaften verbinden die drei Protagonisten. Alle sind egoistisch und in ihrem Handeln auf sich selbst bezogen. Kohlhaas und Karl von Moor nehmen den Tod vieler Menschen in Kauf, um ihre persönlichen Ziele durchzusetzen. Sie nehmen nicht das Leid um sie herum wahr und können dieses nicht nachempfinden. Auch der Verlust von treuen Gefährten wie Herse und Kosinsky löst bei beiden keine große Trauer aus. Alle drei erhalten im Verlauf der Handlung eine Warnung eines Geistlichen, welche nur Michael Kohlhaas berücksichtigt, K. missversteht und Karl von Moor nicht berührt. Die vielen Toten aus ihren Überfällen erkennen sie nicht als Zeichen, dass ihr Verhalten von Grund auf falsch ist. Dabei lässt sich ein Starrsinn bei den Protagonisten erkennen, den Kohlhaas, aber vermutlich auch Karl von Moor, mit ihrem Leben bezahlen. Alle drei Protagonisten räumen ihrem Anliegen, nicht nur beruflich, sondern auch gegenüber anderen Menschen, höchste Priorität ein. Der Bankangestellte K. in Kafkas Roman, für den sein Beruf zuvor sein wichtigster Lebensinhalt war. Vernachlässigt diesen, um sich voll und ganz auf seinen Prozess konzentrieren zu können. Michael Kohlhaas und Karl von Moor gehen sogar einen Schritt weiter, indem sie ihr ganzes Leben nach ihrem Anliegen ausrichten. Michael Kohlhaas verkauft seinen Hof, um genug finanzielle Mittel zu besitzen seinen Racheakt auszuüben. Karl von Moor entschließt sich sogar für ein Leben als Räuber. Diese Entschlossenheit verhindert allen drei Protagonisten die Möglichkeit, von ihrem eingeschlagenen Weg ins normale Leben wiederzukehren. Karl von Moor tut dies durch seinen Schwur gegenüber seiner Räuberbande, in dem er ein Schwur ablegt, für immer ein Räuber zu bleiben. Obwohl er diesen bricht, sieht er am Ende nur noch die Möglichkeit, sich der Justiz zu stellen. Kohlhaas hat durch den Verkauf seines Besitzes keine Existensgrundlage mehr und ist in gewisser Weise gezwungen , seine Sache bis zum Ende hin durchzuziehen, wenn er nicht als armer Mensch „von vorne beginnen“ möchte. Bei K. ist der Umbruch nicht so extrem, jedoch vernachlässigt er seinen Beruf derart, dass sein größter Konkurrent, der Direktor-Stellvertreter, ihm „den Rang abläuft“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Protagonisten in Schillers Drama „Die Räuber, Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ und Kafkas Roman „Der Proceß“
Hochschule
Wirtschaftsgymnasium Königsfeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V164169
ISBN (eBook)
9783640789047
ISBN (Buch)
9783640788835
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In „Michael Kohlhaas“, „Die Räuber“ und „Der Prozess“, machen alle Hauptakteure ihre ganz persönliche Erfahrung mit dem Gesetz. Michael Kohlhaas kämpft für einen fairen Prozess, in Friedrich von Schillers „Die Räuber“ kämpft Karl von Moor für die Armen und gegen die Korrupten und bei Kafka Durchlebt der Bankangestellte K einen inneren und äußeren „Prozess“, der von einem Gericht ausgeht, das undurchschaubar schein. Trotz der verschiedenen Ziele, welche die Hauptpersonen verfolgen, lassen sich viele Ähnlichkeiten in ihren Handlungsmethoden, Charakterzügen und –motiven erkennen.
Schlagworte
Vergleich Kohlhaas Der Proceß, Vergleich Kohlhaas und die Räuber, Vergleich der Proceß und die Räuber, GLS, Thema Der Process
Arbeit zitieren
Till Haakshorst (Autor), 2004, Vergleich der Protagonisten in Schillers Drama „Die Räuber, Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ und Kafkas Roman „Der Proceß“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164169

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