Messung von sprachlichen Teilfertigkeiten

Eine kritische Reflexion zu Sprachstandstests am Beispiel des C-Tests nach Baur & Spettmann


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ein kurzer Überblick zu Sprachstandstests

3. Messen von Teilfertigkeiten mit dem C-Test bzw. TF-Tests

4. Chancen und Grenzen der C-Test Formate

5. Resümee und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel einer umfassenden schulischen Ausbildung ist unter anderem die Vermittlung von allgemeinen sprachlichen Fähigkeiten, die neben Kompetenzen in der mündlichen Kommunikation ebenso die schriftlichen Teilfertigkeiten umfassen. Sie sind es demnach auch, die in umfangreichen Förderprogrammen als Voraussetzung für die Teilhabe an zivilgesellschaftlichen Handlungsprozessen vermittelt werden sollen. Daher ist eine Förderung insbesondere von jenen Kindern und Jugendlichen notwendig, die hinter den für ihr jeweiliges Alter charakteristischen Qualifikationsprofilen deutlich und erkennbar zurückbleiben. Hierzu zählen nicht selten Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse zumeist nur die Mindeststandards erreichen und dem allgemeinen Konsens entsprechend, einer verstärkten Förderung auf sprachlicher Ebene bedürfen.

Aus dieser Erkenntnis heraus haben sich seit den 60er Jahren Vorbereitungsklassen, in denen Kinder mit Migrationshintergrund getrennt von Kindern mit Deutsch als Muttersprache unterrichtet werden, etabliert. Diese methodische Separierung, die das Ziel verfolgte, den Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache die Eingliederung in den deutschen Schulalltag zu erleichtern und ihnen eine gezieltere Förderung zukommen zu zulassen, erwies sich jedoch als kontraproduktiv. Nicht zuletzt aus der Kritik an diesem pädagogischen Vorgehen, erstarkte die Forderung nach einer den individuellen Voraussetzungen des Kindes angepassten Förderung (Vgl. Röhr-Sendlmeier 1988, 89).

Dem Erfolg von Fördermaßnahmen implizit ist jedoch die Tatsache, dass die Stärken und Schwächen des Schülers bekannt sein müssen. Nur so können sinnvolle pädagogische Hilfestellungen geleistet werden. Zur Überwindung des Dilemmas zwischen dem Ziel der Förderung und der Feststelllung des genauen Leistungsstandes des zu Fördernden wurden neben der schulorganisatorischen Zuweisung dieser Schüler in Vorbereitungsklassen eine Reihe von Testverfahren entwickelt (Vgl. ebd.). Sie sollen es ermöglichen, „Aussagen über die Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern in ungesteuert erworbenen Sprachen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Bildungsbiographie zu liefern“ (Vgl. Reich 2010, 420).

Als ein Beispiel für Sprachstandstests sollen in der vorliegenden Arbeit die adaptierte Version des C-Tests nach Baur/Spettmann, der sich in seiner Ursprungsform nicht zuletzt als Resultat umfangreicher Forschungen, als ein zuverlässiges Instrument zur Messung allgemeiner Sprachkompetenz bei Fremd- und Zweitsprachenlernern erwiesen hat (Vgl. Grotjahn 1992, 1994-96, 2002, 2006, Coleman/Grotjahn/ Raatz 2002) sowie die weiterführenden TF-Tests, ebenfalls von Baur/Spettmann (Vgl. hierzu die Arbeiten aus den Jahren 2006/2008/2009/2010), vorgestellt werden.

Der Zielstellung der Arbeit entsprechend, werden im ersten Teil der Arbeit ein Überblick zu verschiedenen Sprachstandstests im deutschen Bildungswesen und eine Skizze des C-Test-Formats, das als Grundlage für die Erarbeitung von TF-Tests dient, vorgestellt. Daran anschließend werden verschiedene TF-Tests vorgestellt, die nicht nur als Messinstrumente, sondern parallel auch als Förderinstrumente eingesetzt werden. Abschluss der vorliegenden Ausarbeitung bilden eine kritische Reflexion der vorgestellten Testformate sowie ein Ausblick in zukünftige Testentwicklungen.

2. Ein kurzer Überblick zu Sprachstandstests

Auf der Suche nach neuen Wegen objektiver und objektivierbarer Methoden der Leistungsbeurteilung entstanden in den ausgehenden 60er und beginnenden 70er Jahren viele wichtige Sprach- und Schultests in Deutschland. Zu nennen wären an dieser Stelle die Formate:

- HSET-Heidelberger Sprachentwicklungstest (Grimm/Schöler 1978),
- PET- Psycholinguistischer Entwicklungstest 1974 (Angermaier 1974),
- ADST- Allgemeiner Deutscher Sprachtest (Steinert 1978).

Alle drei Testverfahren waren dabei auf die Ermittlung isolierter sprachlicher Fertigkeiten ausgerichtet, wie z. B. die Erfassung der Satzstruktur, Satzbedeutung, Wortbedeutung, usw. Umfassende Validitäts- und Reabilitätsmessungen lagen jedoch nicht vor, so dass die gewonnenen Testergebnisse als weitgehend beliebig und wenig aussagekräftig im Hinblick auf den ermittelten Sprachstand galten. Aus heutiger Sicht verwundert es demnach nicht, dass ohne ausgedehnte Testphasen und die Ermittlung von umfangreichem Datenmaterial in Vorstudien viele der entwickelten Tests der einsetzenden Kritik nicht gewachsen waren.

„Die Diskussion um die Chancen und Risiken einer Vermessung der sprachlichen Kompetenzen fiel zu Gunsten der Risiken und zu Ungunsten der Chancen aus.“ (Bredel 2007, 79)

Sich dieser Problematik bewusst, wurden die genannten Testverfahren durch eine Reihe informeller Ansätze ergänzt, die eine weitere Möglichkeit aufzeigten, sprachliche Fertigkeiten bei Kindern und Jugendlichen außerhalb quantitativer Tests zu erreichen.

Hierzu dienten:

„beispielhafte, deskriptive Analysen von zum Teil durch Bildvorlagen evozierte mündliche und schriftliche Äußerungen und Vorschläge zur Behebung der auftretenden Fehler durch bestimmte Übungen, bis hin zu Ansätzen, die als Vorstufen zu objektivierten Verfahren oder bereits als objektive Instrumente gewertet werden konnten.“

(Vgl. Röhr-Sendlmeier 1988, 91)

Testformate, die dieses Prinzip anwenden, werden zumeist bei Schülerinnen und Schülern vor dem Eintritt in die Grundschule eingesetzt. Zu nennen wären hier: die Profilanalyse (Grießhaber 2006), DELFI (Fried 2006) oder HAVAS-5 (Reich/Roth 2005).

Zur schulübergreifenden Erfassung schulischer Fertigkeiten vor allem von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sind in Anlehnung an PISA und dem damit einhergehenden Umdenken in der Bildungspolitik, eine Reihe an Schultests entstanden, die in verschiedenen Teiltests die Überprüfung der sprachlichen Fähigkeiten stets mit einschließen. Hierzu zählen das Bayern-Hessen-Screening „Kenntnisse in Deutsch als Zweitsprache erfassen“ (Staatsinstitut 2002) oder der niedersächsische Test „Fit in Deutsch“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2006).[1] Konzipiert für zweisprachige Schulanfänger, sollen beide die Deutschkenntnisse dieser erfassen und die Zuteilung in Sprachlernklassen rechtfertigen.[2]

Die bisherige Aufzählung zeigt, dass sich der Großteil der Tests auf die Feststellung des Sprachstandes im Vorschul- und Grundschulalter konzentriert. Sprachstandstests für die Sekundarstufe I hingegen existieren kaum. Als einzige Ausnahmen wären an dieser Stelle der Duisburger-Sprachstandstest, der mit nicht-standardisierten Aufgaben versucht, verschiedene Teilfertigkeiten von Fünftklässlern abzuprüfen oder der Bremer Sprachstandstest für Aussiedler und Ausländer der Sekundarstufe 1, aufzuführen.

3. Messen von Teilfertigkeiten mit dem C-Test bzw. TF-Tests

Konzeptionierung des C-Tests nach Baur/Spettmann

Als schriftlicher Lückentest konzeptioniert, zielt der C- Test auf die Erfassung der allgemeinen, mit Lesen und Schreiben verbundenen Sprachkompetenz. Aufgeteilt in vier bis fünf Untertests können in Abhängigkeit von der Tilgungsart des Textes – in der Regel wird die zweite Hälfte eines Wortes gelöscht – Hinweise zum Förderbedarf des Schülers gewonnen werden. Dabei gilt: Je mehr Lücken der Schüler formalsprachlich richtig ergänzt, desto größer ist sein sprachliches Vermögen (Vgl. Baur/Spettmann 2010, 431).

Wird bei dem Schüler ein Förderbedarf diagnostiziert, bieten ergänzende Formate des C-Tests, so genannte TF-Tests die Möglichkeit, Defizite objektiv zu belegen und entsprechende Fördermaßnahme zu individualisieren.

[...]


[1] Ein umfassender Überblick zu schulischen Diagnoseinstrumenten findet sich bei, < http://www.ph-ludwigsburg.de/1489.html>, am 29.07.2010.

[2] Weitere Verfahren sind: Sprachstandsüberprüfung und Förderdiagnostik für Ausländer- und Aussiedlerkinder (SFD) (Bremen), Cito-Test Zweisprachigkeit oder HAVA-5.

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Details

Titel
Messung von sprachlichen Teilfertigkeiten
Untertitel
Eine kritische Reflexion zu Sprachstandstests am Beispiel des C-Tests nach Baur & Spettmann
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V164185
ISBN (eBook)
9783640789917
ISBN (Buch)
9783640789429
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachkompetenz messen, Sprachstandstests
Arbeit zitieren
Juliane Dube (Autor:in), 2010, Messung von sprachlichen Teilfertigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164185

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