The greatest mistake you can make in life is to be continually fearing you will make one“ (Hubbard zit. nach Vetter 2007: 36). Dieses Zitat stammt von dem Schriftsteller und Verleger Elbert Hubbard und obwohl er im 19. Jahrhundert lebte, hat es immer noch seine Gültigkeit. Denn viele Schüler und Schülerinnen begehen diesen im Zitat erwähnten Fehler noch heute: Anstatt mündlich im Unterricht mitzuarbeiten, äußern sie sich lieber nicht in der Fremdsprache aus Angst, dass sie einen Fehler machen könnten. Jedoch wird die von der DESI-Studie konstatierte ‚Sprachlosigkeit’ im Unterricht nicht nur durch zeitliche und logistische Einschränkungen verursacht, sondern auch der Umgang mit Fehlern spielt dabei eine Rolle (Vetter 2007: 36). Wie Vetter schreibt, betrifft dies „einerseits die Sprachlerner und ihre Wahrnehmung der eigenen Leistung, andererseits aber die Fremdsprachenlehrkräfte, die mit ihrer Reaktion auf Feh-ler die Haltung der Lerner maßgeblich beeinflussen“ (Vetter 2007: 36). Lange Zeit herrschte bei Fachdidaktikern und Lehrern die Meinung, dass Fehler etwas Negatives und auf mangelnden Einsatz der Lernenden zurückzuführen und somit durch ständiges Verbessern auszumerzen seien. Dies stimmt aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr. In der fachdidaktischen Literatur und Zweitspracherwerbsforschung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Fehler zum Lernprozess gehören und zeigen, dass Schüler Hypothesen über die zu lernende Sprache bilden, weshalb sie nicht als Defizite betrachtet werden dürfen, und dass sie Zwischenstufen auf dem Weg zur Zielsprache sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Zweitspracherwerbshypothesen und Fehlerentstehungsfaktoren
1. Fehlerdefinitionen
2. Kontrastivhypothese
2.1. Entstehung und Inhalte
2.2. Kritik an der Kontrastivhypothese
2.3. Fehlergenese
3. Identitätshypothese
3.1. Entstehung und Inhalt
3.2. Kritik an der Identitätshypothese
3.3. Fehlergenese
4. Interlanguagehypothese
4.1. Entstehung und Inhalt
4.2. Fehlergenese
4.3. Kritik an der Interlanguagehypothese
II. Die mündliche Fehlerdidaktik im Englischunterricht
1. Formen der Reaktion auf Fehler
1.1. Korrektur
1.2. Reparatur
1.3. Reformulation
1.4. Ignorieren, Missbilligen, Helfen
2. Korrekturtypen
2.1. Fremdinitiierte Fremdkorrektur
2.2 Selbstinitiierte Fremdkorrektur
2.3. Fremdinitiierte Selbstkorrektur
2.4. Selbstinitiierte Selbstkorrektur
3. Korrekturverhalten in Abhängigkeit von Lernstand, Unterrichtsphasen und anderen Bedingungen
3.1. Schülerpersönlichkeit
3.2. Anspruchsniveau
3.3. Unterrichtsphase
3.4. Fehlerarten
3.5. Aufwand- Wirkung- Verhältnis
III). Einstellung zu und Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern in der Praxis – eine empirische Untersuchung
1. Methodologie
1.1. Testschule und Testpersonen
1.2. Materialien und Vorgehen
1.3. Erwartungen an die Einstellung zu und den Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern
2. Auswertung
2.1. Auswertung der Fragebögen
2.2. Auswertung der Hospitationen unter Bezugnahme der Ergebnisse der Fragebögen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Feld der mündlichen Fehlerkorrektur im Englischunterricht, wobei der Fokus auf dem theoretischen Verständnis von Fehlern und deren praktischer Handhabung in der Schule liegt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen fachdidaktischen Ansprüchen und der tatsächlichen Unterrichtspraxis zu beleuchten und Empfehlungen für einen lernförderlichen Umgang mit Fehlern abzuleiten.
- Entwicklung und Kritik der zentralen Zweitspracherwerbshypothesen (Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese).
- Didaktische Konzepte und Methoden der mündlichen Fehlerkorrektur sowie deren Wirksamkeit.
- Empirische Untersuchung zur Einstellung von Schülern und Lehrern gegenüber Fehlerkorrekturen.
- Einflussfaktoren auf das Korrekturverhalten wie Unterrichtsphasen, Schülerpersönlichkeit und Lernstand.
Auszug aus dem Buch
1. Fehlerdefinitionen
Es herrscht keine einheitliche Meinung darüber, wie eine angemessene Fehlerdefinition lauten könne oder ob überhaupt eine solche Definition vorgenommen werden sollte. Kleppin (1998: 20 – 22) stellt verschiedene Kriterien auf, unter denen jeweils eine Fehlerdefinition betrachtet werden kann. Ihrer Ansicht nach können Fehler unter den Gesichtspunkten Korrektheit, Verständlichkeit, Situationsangemessenheit, unterrichtsabhängige Faktoren, Flexibilität und Lernerbezogenheit untersucht werden. Legt man einem Fehler das Kriterium Korrektheit zugrunde, so handelt es sich entweder um eine Abweichung vom Sprachsystem (Definition A) oder um eine Abweichung von den geltenden linguistischen Normen (Definition B). Bei Definition A handelt es sich um einen reinen Regelverstoß einer Sprache (z.B. *He go to school), bei Definition B hingegen wäre ein Satz wie *I eated an apple vom Wortbildungssystem zwar möglich, jedoch würde er von einer geltenden linguistischen Norm abweichen.
Des Weiteren kann ein Fehler auch ein Verstoß gegen die Art und Weise sein, wie man innerhalb einer Sprachgemeinschaft spricht und handelt (Definition C). Die Sprachwirklichkeit, d.h. wie man in englischsprachigen Ländern spricht, wird als Bezugsgröße angenommen. Dabei ergibt sich jedoch das Problem, was als Bezugsgröße angesehen werden soll (ein Dialekt, die Sprache einer bestimmten sozialen Schicht etc.). Eine solche deskriptive Norm als Vergleichsgröße ist im Unterricht aber nicht handhabbar.
Wird ein Fehler unter dem Gesichtspunkt Verständlichkeit betrachtet, so ist ein Fehler entweder das, was ein Kommunikationspartner (Definition D) oder ein native speaker (Definition E) nicht versteht. Hierbei ist das Kriterium, ob ein Fehler die Kommunikation behindert oder nicht. Alles, was verstanden wird, obgleich Abweichungen von einer grammatischen Regel feststellbar sind, gilt nicht als Fehler. So könnte beispielsweise der Kommunikationspartner ein Mitlernender sein, der eine fehlerhafte Äußerung versteht, die ein Muttersprachler nicht mehr versteht. Darüber hinaus korrigieren Muttersprachler viel toleranter, da sie sich an der Gebrauchsnorm und nicht an bloßen Regeln orientieren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zweitspracherwerbshypothesen und Fehlerentstehungsfaktoren: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle des Zweitspracherwerbs, wie die Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese, und zeigt die Entwicklung vom Verständnis des Fehlers als Defizit zum Fehler als Lernschritt.
II. Die mündliche Fehlerdidaktik im Englischunterricht: Hier werden didaktische Reaktionsmöglichkeiten auf Fehler sowie verschiedene Korrekturtypen analysiert und in Abhängigkeit von Faktoren wie Unterrichtsphase und Fehlerart bewertet.
III). Einstellung zu und Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern in der Praxis – eine empirische Untersuchung: Das Kapitel präsentiert eine eigene empirische Studie an einer Testschule, die die Einstellung von Lehrern und Schülern sowie das tatsächliche Korrekturverhalten in der Praxis mittels Fragebögen und Hospitationen untersucht.
Schlüsselwörter
Fehlerkorrektur, Englischunterricht, Zweitspracherwerb, Interlanguage, Fehlergenese, Korrekturtypen, Fremdsprachendidaktik, Lernerstrategien, Sprachbewusstsein, Kommunikation, empirische Untersuchung, Sprachdidaktik, Fehlerdefinition, Unterrichtsphasen, Fremdsprachenlernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der mündlichen Fehlerkorrektur im Englischunterricht, von theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs bis hin zur praktischen Umsetzung und den Einstellungen der Beteiligten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Fehlerdefinitionen, Spracherwerbshypothesen, didaktische Formen der Fehlerreaktion sowie die empirische Analyse von Korrekturverhalten in verschiedenen Unterrichtsphasen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer Fehler korrigieren, wie dies von Schülern wahrgenommen wird und inwieweit diese Praxis mit fachdidaktischen Anforderungen übereinstimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein methodischer Dreiklang aus Literaturrecherche, einer anonymen Fragebogenaktion bei Schülern und Lehrern sowie fokussierten Hospitationen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen gewählt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Hypothesen zur Fehlerentstehung dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Didaktik der mündlichen Fehlerkorrektur und der Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fehlerkorrektur, Interlanguage, Spracherwerbshypothesen, empirische Untersuchung und didaktisches Korrekturverhalten geprägt.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf Fehler zwischen den verschiedenen Hypothesen?
Während die Kontrastivhypothese Fehler als störende Interferenz ansieht, betrachtet die Identitätshypothese Fehler als entwicklungsspezifisch und die Interlanguage-Hypothese als Zeichen einer aktiven Auseinandersetzung mit der Zielsprache.
Warum spielt die Unterrichtsphase bei der Korrektur eine Rolle?
Unterschiedliche Phasen (z.B. Vorlesen vs. Kommunikation) haben unterschiedliche Ziele; während beim Vorlesen Korrektheit im Fokus stehen kann, hat in freien Gesprächsphasen die Aufrechterhaltung des Kommunikationsflusses (message before accuracy) Vorrang.
Wie beeinflussen Erfahrungen die Einstellung der Lehrer zur Korrektur?
Die Untersuchung zeigt, dass erfahrene Lehrer tendenziell gelassener mit Fehlern umgehen, während jüngere Lehrkräfte oder Referendare eher zu direkten Korrekturen neigen.
Was ist das Hauptergebnis der empirischen Untersuchung zur Schülersicht?
Die meisten Schüler wünschen sich korrigiert zu werden, ziehen es aber vor, ihre Äußerung zu Ende bringen zu dürfen, anstatt sofort unterbrochen zu werden.
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- Karolin Büttner (Author), 2010, Die mündliche Fehlerkorrektur im Englischunterricht in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164193