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Die Politik im Unterhaltungsfernsehen der DDR

"Ein Kessel Buntes“ als Erfolgsschlager

Title: Die Politik im Unterhaltungsfernsehen der DDR

Term Paper , 2010 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefanie Gareiss (Author)

Communications - Movies and Television
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Summary Excerpt Details

„Wir brauchen keine Lügen mehr“, so hieß der Musiktitel den Frank Schöbels in der 100. Sendung des „Kessel Buntes“ am 23. September 1989 in einer Live-Übertragung im Deutschen Fernsehfunk präsentierte. Auffällig dabei war, dass in der Wiederholungssendung genau diese eine Darbietung fehlte. Scheinbar gefiel er dem stellvertretenden Vorsitzenden des staatlichen Komitees für Fernsehen und Berichtsleiter der Fernseh-Unterhaltung, Horst Rentz, beim zweiten Hören dann doch nicht mehr so gut. Steckte etwa zu viel Wahrheit in dieser Aussage und das einen Monat vor dem Mauerfall? Hierbei wird deut-lich, dass die staatliche Zensur und Beeinflussung des DDR-Unterhaltungsfernsehen bis zur letzten Minute aufrecht erhalten wurde.
Das die Medien der DDR der totalen staatlichen Kontrolle unterlagen und der Begriff Agitation dabei eine entscheidende Rolle spielte, ist heute kein Geheimnis mehr. Nun stellt sich die Frage, inwieweit es dennoch möglich war ein Unterhaltungsprogramm zu schaffen, das sowohl den Bedürfnissen der Zuschauer angemessen war, als auch dem staatlichen Lehrauftrag nach dem sozialistischen Gedanken. Zur Beantwortung dieser Frage ist es erforderlich die Entwicklung der DDR-Fernsehunterhaltung von Anfang an zu durchforsten. Um eine Struktur zu bilden, werden in dieser Arbeit hierbei drei entscheidende Phasen unterschieden: Die Gründungsphase von 1952-1955, die Formbildungsphase des neuen Massenmediums von 1956-1960 und schließlich die Experimentierphase von 1961-1971. In der Zeit danach dominierten vor allem zwei Fernsehformate das Unterhaltungsprogramm der DDR: Gunther Emmerlichs „Show-kolade“ und das in ganz Deutschland bekannte Erfolgs-format „Ein Kessel Buntes“. Aus Gründen seiner Popularität und seiner Privilegien vor allen anderen DDR-Produktionen wird nach der historischen Analyse der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den „Kessel Buntes“ verlagert. Anhand dieses Formatbeispiels soll den Mitteln der Agitation näher auf den Grund gegangen werden. Die zentrale Frage ist hierbei, in welchen Elementen der sozialistische Gedanke versteckt ist und was die entscheidenden Faktoren waren, die das damalige Interesse der Zuschauer auf sich ziehen konnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 PHASEN DER DDR FERNSEHUNTERHALTUNG

2.1 Gründungsphase 1952-1955

2.2 Formbildung des neuen Massenmediums 1956-1960

2.3 Formatexperimente 1961-1971

3 „EIN KESSEL BUNTES“ UND SEIN POLITISCHER GEDANKE

3.1 Der Rahmen des „Kessels“

3.2 Die bunte Mixtur: Musik

3.3 Die bunte Mixtur: Talk

3.4 Die bunte Mixtur: Ballett und Artistik

3.5 Die Wende

4 FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das DDR-Fernsehen den Spagat zwischen den Unterhaltungsbedürfnissen der Bevölkerung und dem staatlichen Lehrauftrag zur Vermittlung sozialistischer Ideale bewältigte. Im Fokus steht dabei die Analyse des Erfolgsformats „Ein Kessel Buntes“ als Instrument der politischen Agitation.

  • Historische Phasen der DDR-Fernsehunterhaltung von 1952 bis 1971
  • Die Funktion von Unterhaltungsformaten als Propagandainstrumente
  • Strukturanalysen von „Ein Kessel Buntes“ (Musik, Talk, Showelemente)
  • Die Rolle von Zensur und politischer Einflussnahme in der Programmgestaltung
  • Wirkungsweise von Unterhaltung im Kontext der sozialistischen Identitätsbildung

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Rahmen des „Kessels“

Mit dem Unterhaltungsformat „Ein Kessel Buntes“ wurde ein Einschaltmagnet geschaffen, der bis über den Fall der Mauer andauern sollte und nicht nur den DDR Bürger ansprach. Der DFF I wollte mit dieser Sendung der großen Konkurrenz aus dem Westen (ARD und ZDF) entgegensetzen und so wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um einen „Bunten Abend“ zu gestalten. Man wollte sich als modern, tolerant, innovativ aber auch als kultiviert und vermögend präsentieren.

Erstmalig ausgestrahlt wurde der sogenannte „Kessel“ am 29.01.1972 in der glamourösen Atmosphäre des Berliner Friedrichstadtpalastes. Dieser sollte künftig der am häufigsten genutzte Drehort werden, nicht zuletzt aus Gründen seiner Prestigekraft. Neben dem Friedrichstadtpalast Berlin standen der Kulturpalast Dresden, die Stadthalle Cottbus und das Kulturhaus Gera im Glanz des „Kessels“. Bei der Betrachtung der damaligen Landeskarte der DDR fällt auf, dass die Fläche ab der Hauptstadt abwärts weiträumig mit einbezogen wurde. Diese Feststellung ist keineswegs trivial, da es sich nicht nur um eine Samstagabend Show handelte, die live übertragen wurde, sondern ebenso vor einem großen Livepublikum stattfand.

Somit war „Ein Kessel Buntes“ kein alleiniges Privileg der Hauptstadt, sondern des ganzen Landes, ganz im Sinne des kommunistischen Gedankens. Eine Eintrittskarte zu besitzen bedeutete sogleich ein kleines Stückchen Macht erworben zu haben. Macht soll in diesem Kontext verstanden werden im Sinne von Bevorzugungen im Alltag und besonderem Ansehen. Diese sind besonders in kommunistischen Systemen bedeutsame Faktoren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Zensur und Agitation im DDR-Fernsehen sowie Festlegung der Forschungsfragen und Phasenmodellierung.

2 PHASEN DER DDR FERNSEHUNTERHALTUNG: Analyse der zeitlichen Entwicklung des Mediums Fernsehen in der DDR unter Berücksichtigung von Propaganda und Formatentwicklungen wie „Bunten Abenden“.

2.1 Gründungsphase 1952-1955: Beschreibung der Anfänge, in denen das Fernsehen noch stark durch klassische Varieté-Elemente und den Aufbau als Bildungsmedium geprägt war.

2.2 Formbildung des neuen Massenmediums 1956-1960: Untersuchung der Etablierung des Fernsehens als Propagandainstrument und Einführung kultureller Quotenregelungen zur Sicherung sozialistischer Inhalte.

2.3 Formatexperimente 1961-1971: Analyse des Übergangs zu technisch innovativeren Formaten, die zwar populär waren, aber weiterhin unter staatlicher Beobachtung standen.

3 „EIN KESSEL BUNTES“ UND SEIN POLITISCHER GEDANKE: Fokussierte Untersuchung des erfolgreichsten DDR-Fernsehformats und dessen politische Einbettung.

3.1 Der Rahmen des „Kessels“: Betrachtung der Entstehungsbedingungen und der Bedeutung des „Kessels“ als überregionales Identitäts- und Machtsymbol.

3.2 Die bunte Mixtur: Musik: Analyse der musikalischen Gestaltung und des gezielten Einsatzes internationaler Stars zur Imagepflege.

3.3 Die bunte Mixtur: Talk: Untersuchung der Rolle des Trios „Die Drei Dialektiker“ als satirisches Element zwischen den Darbietungen.

3.4 Die bunte Mixtur: Ballett und Artistik: Würdigung der ästhetischen und künstlerischen Komponenten als feste Bestandteile des Show-Glanzes.

3.5 Die Wende: Beschreibung des Übergangs der Sendung in das gesamtdeutsche Fernsehen und des darauffolgenden Endes aufgrund sinkender Quoten.

4 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage zur Vereinbarkeit von Unterhaltung und sozialistischem Agitationsauftrag.

Schlüsselwörter

DDR-Fernsehen, Ein Kessel Buntes, Sozialistische Agitation, Propaganda, Unterhaltungsprogramm, DFF, Deutscher Fernsehfunk, Varieté, Medienkontrolle, Kulturpolitik, DDR-Geschichte, Fernsehformate, Politische Bildung, Medienwissenschaft, Massenmedien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der staatlich verordneten Agitation und dem Wunsch nach ansprechender Unterhaltung im Fernsehen der DDR am Beispiel prominenter Formate.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Es werden die historische Entwicklung des DDR-Fernsehens, die Rolle der Propaganda, die Bedeutung von Unterhaltungsformaten sowie deren Rezeption durch die Zuschauer thematisiert.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern es dem DDR-Fernsehen gelang, ein Unterhaltungsprogramm zu etablieren, das sowohl den Bedürfnissen der Zuschauer als auch dem staatlichen Lehrauftrag nach dem sozialistischen Gedanken entsprach.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Fernsehformaten und deren Rahmenbedingungen, unterfüttert durch Fachliteratur zur Programmgeschichte des DDR-Fernsehens.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Entwicklungsphasen des DDR-Fernsehens und eine detaillierte Analyse der Sendung „Ein Kessel Buntes“ in ihre verschiedenen Bestandteile wie Musik, Talk und Ballett.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den zentralen Begriffen zählen DDR-Fernsehen, Agitation, Propaganda, Ein Kessel Buntes, Unterhaltungskunst und Medienkontrolle.

Welche Rolle spielten „Die Drei Dialektiker“?

Sie fungierten als verbindendes, humoristisches Element, das in Form von Sketchen tagespolitische Themen aufgriff, bis ihre satirische Schärfe schließlich zur Absetzung führte.

Warum war „Ein Kessel Buntes“ so bedeutend?

Es diente nicht nur als hochqualitative Unterhaltungssendung zur Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Westfernsehen, sondern auch als Instrument zur Förderung eines Gemeinschaftsgefühls innerhalb der DDR.

Wie wurde die staatliche Zensur in der Unterhaltung umgesetzt?

Durch die enge Verzahnung von Unterhaltung und Publizistik sowie durch explizite Vorgaben zur Musikauswahl (60:40 Quote) und die direkte Kontrolle durch staatliche Komitees.

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Details

Title
Die Politik im Unterhaltungsfernsehen der DDR
Subtitle
"Ein Kessel Buntes“ als Erfolgsschlager
College
University of Marburg  (Medienwissenschaft)
Course
Die Vermittlung von Unterhaltung
Grade
1,3
Author
Stefanie Gareiss (Author)
Publication Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V164259
ISBN (eBook)
9783640790135
ISBN (Book)
9783640790470
Language
German
Tags
Ein Kessel Buntes DDR Fernsehen Fernsehunterhaltung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Gareiss (Author), 2010, Die Politik im Unterhaltungsfernsehen der DDR , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164259
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