Wissensarbeit und Innovation

Darstellung der zentralen Thesen von Helmut Willke zur Wissensgesellschaft


Essay, 2007

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

Argumentation und Ebenen der Analyse

Fazit

Verzeichnis der verwendeten Literatur

Einleitung

Die soziologischen Ansätze um das Thema der Wissensarbeit beschreiben im Allgemeinen den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Mit welchen Möglichkeiten und Notwendigkeiten diese Transformation verbunden ist, versucht Helmut Willke in seinem Textüber die „Organisierte Wissensarbeit“ zu erläutern͘ Ziel dieses Essays soll es sein, die zentralen Thesen herauszuarbeiten sowie die Argumentation und Ebenen der Analyse zu untersuchen. Eine knappe Einführung zum Thema der Wissensgesellschaft bildet dabei den Rahmen zu den großen Themenblöcken der „Wissensarbeit“ und der „intelligenten Organisation“͘

Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

Einer der ersten Entwürfe zur Zukunft der Industriegesellschaften - im Sinne einer Wissensgesellschaft - stammt von dem US-amerikanischen Soziologen Daniel Bell. Dieser prognostizierte bereits 1973, in einigen Aufsätzen sogar noch früher, die Entstehung einer „postindustriellen Gesellschaft“͘1

Dass es sich dabei um eine Wissensgesellschaft handelt, erläutert Bell an Hand folgender Tendenzen: „einmal, weil Neuerungen mehr und mehr von Forschung und Entwicklung getragen werden (...); und zum anderen, weil die Gesellschaft (...) immer mehr Gewicht auf das Gebiet des Wissens legt.“2

Bei seiner Argumentation stützt sich Bell bevorzugt auf Daten aus der empirischen Sozialforschung. So belegen beispielsweise Zuwachsraten bei wissenschaftlich qualifizierten Erwerbstätigkeiten sowie die Verteilung des für den Wissensbereich aufgewandten Anteils am Bruttosozialprodukt seine Thesen. Insgesamt zeichnete Bell das Bild einer Gesellschaft, welche durch eine durchdringende und dominante Rolle von wissensbasierten Dienstleistungen, Symbolanalyse und Forschung geprägt ist.3

Obwohl Bell schon damals schlüssig argumentierte, blieb das Thema jedoch fast zwanzig Jahre relativ unbeachtet. Wiederbelebt wurde es in den 1990er Jahren durch die Managementtheorie. In der Soziologie waren es Autoren wie Helmut Willke, welche die Wissensgesellschaft erneut zum Untersuchungsobjekt machten. Nach Willke lässt sich immer dann von einer Wissensgesellschaft sprechen,

„wenn die Strukturen und Prozesse der materiellen und symbolischen Reproduktion so von wissensabhängigen Operationen durchdrungen sind, dass Informationsverarbeitung, symbolische Analyse und Expertensysteme gegenüber anderen Faktoren der Reproduktion vorrangig werden.“4

Dies soll heißen, dass sowohl wissensbasierte Dienstleistungen, als auch der Produktionsfaktor Wissen gegenüber herkömmlichen Tätigkeitsfeldern und Faktoren wie Land, Kapital und Arbeit an Bedeutung gewinnen. Des Weiteren bedarf es bei Mitgliedern der Wissensgesellschaft einer längeren sowie professionelleren Ausbildung, zunehmend sind Produkte mit einer künstlichen Intelligenz versehen und Organisationen transformieren sich zu wissensbasierten Organisationen. Im Gegensatz zur Industrie-gesellschaft, welche sich erst durch eine verbesserte Infrastruktur an Energieversorgung, Straßen usw. entfalten konnte, stützt sich die Wissensgesellschaft auf die Entwicklung neuer Kommunikationsnetze. In diesem Kontext spricht Willke vom Aufbau einer wissensbasierten Infrastruktur. Dabei geht er jedoch nicht so weit zu behaupten, die Wissensgesellschaft bestehe bereits. Vielmehr wird ein Entwicklungs-trend beschrieben, der aber das Potential einer dritten industriellen Revolution in sich trägt.

Argumentation und Ebenen der Analyse

„Organisierte Wissensarbeit entwickelt sich zum Standardmodus der Operationsweise von wissens- basierten, „intelligenten“ Organisationen (͘͘͘)͘“5 Um diese zentrale These von Willke zu erläutern, ist es zunächst notwendig, auf dessen Begriffsbestimmung von Wissensarbeit einzugehen. Seiner Ansicht nach sind zwar im Prinzip alle Tätigkeiten wissensbasiert in dem Sinne, dass für deren Ausführung eine gewisse Erfahrung und Expertise notwendig sind, gemeint sind aber im Kontext Willkes Theorie:

„Tätigkeiten die dadurch gekennzeichnet sind, dass das erforderliche Wissen nicht einmal im Leben durch Erfahrung, Initation, Lehre, Fachausbildung oder Professionalisierung erworben und dann angewendet wird. Vielmehr erfordert Wissensarbeit im hier gemeinten Sinn, dass das relevante Wissen (1) kontinuierlich revidiert, (2) permanent als verbesserungsfähig angesehen, (3) prinzipiell nicht als Wahrheit sondern als Ressource betrachtet wird und (4) untrennbar mit Nichtwissen gekoppelt ist, so dass mit Wissensarbeit spezifische Risiken verbunden sind.“6

Den entscheidenden Unterschied zur herkömmlichen Wissensarbeit sieht Willke in der neuen Qualität. Demnach reicht es nun nicht mehr aus, dass entweder die Person oder die Organisation wissensbasiert operiert. Vielmehr muss ein Zusammenspiel aus personellem und organisationalem Wissen entstehen. Durch diese Vorgehensweise, erhofft sich Willke eine effektivere Wissensgenerierung sowie bessere Nutzung des bereits vorhandenen Wissens. Mit dieser These des Zusammenspiels zwischen Organisation und Personal, welche im Rahmen der intelligenten Organisation noch genauer erläutert wird, grenzt sich Willke bewusst von Personen fixierten soziologischen Theorien ab. Als Grundlage dient ihm dabei die Unterscheidung zwischen Selbstreferenz und operativer Geschlossenheit. Die aus der Kommunikations- sowie Systemtheorieübernommen Begriffe, können laut Willke folgendermaßen beschrieben werden:

a) Selbstreferenz meint die Operationsweise eines Systems, bei welcher die Reproduktion der Einheit des Systems die Bedingung der Möglichkeit von Umweltkontakten (Fremdreferenzen) abgibt.
b) Operative Geschlossenheit kommt zustande, wenn ein System seine spezifischen operativen Elemente (...) zirkulär untereinander vernetzt.7

In Bezug auf die Wissensarbeit sieht Willke nun die Chance, dass eine Organisation als System selbstreferenzielle Mechanismen nutzen kann. Diese zeichnen sich durch den spezifischen „collective mind“ aus͘ Institutionalisierte Geschichte, Regelsysteme, Geschäftsprozesse und Standardprozeduren können demnach je nach Struktur helfen, auf akkumuliertes Wissen zu reagieren, es zu kanonisieren, latent zu halten, zu nutzen oder aber zur kontinuierlichen Revision freizugeben.8 Die Selbstreferenz eines Systems kann also als Vorraussetzung für erfolgreiche Wissensarbeit im hier gemeinten Sinn bezeichnet werden. Um die Bedeutung dieses Themas zu untermauern, greift Willke auf „klassische“ Fallstudien zurück (Wohlstetter 1966; Wilensky 1967; Allison 1971; Dörner 1989). Diese sollen belegen, dass zahlreiche Unternehmen an ihrer Operationslogik zerbrachen. So seien es oftmals veraltete Regel-systeme und eine institutionalisierte kollektive Identität, die eineänderung in den Handlungs-möglichkeiten der Mitglieder verhindert. Wie die Strukturen eines modernen Unternehmens hingegen aussehen könnten, versucht Willke im Rahmen der intelligenten Organisation zu skizzieren.

Hinführend dazu wirft Willke einen Blick auf die aktuelle Entwicklung der Wirtschaft. Dabei fällt auf, dass es nicht nur im Bereich professioneller Dienstleistungen zu einer Spezialisierung kommt, sondern auch die hergestellten Produkte eine neue Qualität erreichen. So belegen Zahlen aus der Automobil-industrie, „dass Elektronikbauteile inzwischen 25 % *Stand: 1995; N͘S͘+ und bis zum Jahre 2000 40 % des Wertes ausmachen͘“9

Als charakteristisch für besonders innovative Unternehmen wird die eigenständige Generierung von Wissen genannt. Fallstudien sollen demnach belegen: „Wissensbasierte „intelligente“ Organisationen entwickeln eine selbstverstärkende Rekursivität der Nutzung und Generierung von Wissen͘“10 Aus dieser autonomeren Form der Wissensgenerierung durch Unternehmen schließt Willke eine Aufweichung der klassischen Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Industrie. Waren es zuvor die Wissenschafts-systeme, welche sich für die Erzeugung von Wissen zuständig fühlten,übernehmen heute zunehmend Unternehmen die Aufgabe der Wissensgenerierung.11

[...]


1 Vgl. Resch, Kristine: Berater-Kapitalismus oder Wissensgesellschaft?, Münster 2003, S. 32. 2

2 Bell, Daniel: Die nachindustrielle Gesellschaft, Hamburg 1979, S. 214.

3 Willke, Helmut: Organisierte Wissensarbeit. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 3, Juni 1998, S. 165.

4 Willke (1998, S. 162).

5 Willke (1998, S. 161).

6 Willke (1998, S. 161).

7 Willke (1998, S. 168).

8 Vgl. Willke (1998, S. 168).

9 Willke (1998, S. 164).

10 Willke (1998, S. 165).

11 Exkurs: An dieser These erkennt man einen wichtigen Unterschied zwischen den ersten Ansätzen und der heutigen Forschung zum Thema Wissensgesellschaft. So war es für Daniel Bell noch selbstverständlich, dass die wichtigste Gruppe der Wissensgesellschaft natürlich die Wissenschaftler bilden (Vgl. Bell 1979, S. 218). Des ]Weiteren spricht

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Details

Titel
Wissensarbeit und Innovation
Untertitel
Darstellung der zentralen Thesen von Helmut Willke zur Wissensgesellschaft
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Arbeits- und Industriesoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V164268
ISBN (eBook)
9783640794164
ISBN (Buch)
9783640794249
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziologie, arbeits-, industriesoziologie, wissensarbeit, innovation, helmut, willke, wissensgesellschaft, gesellschaft, arbeit, organisation, kapitalismus, wissenslogistik, industrielle beziehungen, wissen, markt, wirtschaft, arbeitnehmer, arbeitgeber, wissensmanagement, unternehmen
Arbeit zitieren
Nikolai Schön (Autor), 2007, Wissensarbeit und Innovation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164268

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