Literatur im Englischunterricht der Grundschule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik

Widersprechende Auffassungen

Bilderbücher im Englischunterricht der Grundschule

Elephant Dance – ein Bilderbuch für native speakers

Zebra Toast on Monday – ein Bilderbuch für English learners

Der Vergleich

Resumé

Literatur- und Quellenangaben

Einleitung

Die Frage nach dem Einsatz von Literatur im Englischunterricht der Grundschule ist eine der vielen aktuellen Fragen des Englischunterrichts. Eignet sich Literatur, wie Bilderbücher, nursery rhymes oder Cartoons, überhaupt für den Anfangsunterricht Englisch? Wie bringt man Schüler der dritten oder vierten Klasse dazu, englischsprachige Texte zu verstehen? Ist die Lektüre von Büchern, die ursprünglich für native speakers verfasst wurden, nicht zu schwierig für Kinder, die gerade erst das Lesen in der Muttersprache erlernt haben? Sind Texte, die ausschließlich für English learners geschrieben wurden, zu bevorzugen? Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Hausarbeit unter Einbezug aktueller literaturdidaktischer Erkenntnisse.

Bisher wurde dem Englischunterricht in der Grundschule unter literaturdidaktischen Aspekten nur wenig Beachtung geschenkt. Untersuchungen und Publikationen der neunziger Jahre über den Einsatz von Literatur im Englischunterricht beschränken sich auf die Sekundarstufe, so beispielsweise Ansgar Nünnings Artikel Literatur ist, wenn das Lesen wieder Spaß macht![1].

Lothar Bredella und Eva Burwitz-Melzer dagegen beschäftigen sich in ihrer 2004 erschienenen Publikation Rezeptionsästhetische Literaturdidaktik[2] unter anderem auch mit dem Englischunterricht der Grundschule. Die Grundlagen dieser aktuellen literaturdidaktischen Auffassung werden ausführlich erläutert und anhand zahlreicher Praxisbeispiele verdeutlicht.

Im ersten Kapitel der Hausarbeit werden Grundlagen und Ziele der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik beschrieben.

In einem weiteren Kapitel werden die der Rezeptionsästhetik konträren Auffassungen der Ideologiekritik und des Formalismus erläutert. Argumente, die scheinbar die rezeptionsästhetische Literaturdidaktik sprechen, werden widerlegt.

Im vierten Kapitel werden die zu berücksichtigenden Besonderheiten des Einsatzes von Bilderbüchern im Englischunterricht der Grundschule aufgezeigt.

In den zwei folgenden Kapiteln werden ein authentisches Bilderbuch und ein Bilderbuch für Englischlerner hinsichtlich des Inhalts, der Illustrationen und der möglichen Umsetzung im Unterricht untersucht.

In einem anschließenden Kapitel werden authentische und didaktisierte Bilderbücher anhand dieser Untersuchungen verglichen.

Die Ergebnisse der Arbeit werden in einem abschließenden Resumé zusammengefasst.

Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik

Im Mittelpunkt der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik stehen Leser und Text. Der Leser nimmt während der Lektüre verschiedene Rollen an. Er ist Mitspieler, Beobachter und Kritiker.[3]

Als Mitspieler kann sich der Leser auf die im Text dargestellte Welt einlassen. Da Gefühle auf Erfahrungen zurückgehen, „die wir nicht in rein kognitiven Urteilen erfassen können“[4], dienen sie dem Leser zur Orientierung in dieser fiktiven Welt. Als Mitspieler fühlt und denkt der Leser aus der Perspektive der Charaktere mit.[5] Er nimmt eine „Innenperspektive“[6] ein und erfährt, „was es bedeutet, in der Position des Anderen zu sein.“[7]

In der Rolle des Beobachters bewertet der Leser das im Text Dargestellte „aus der Außenperspektive im Lichte seiner Bedürfnisse, Interessen und Wertvorstellungen“[8]. Als Beobachter „entfalten wir unsere Urteilskraft und lernen dabei, über unsere Wertvorstellungen zu reflektieren und sie möglicherweise zu differenzieren.“[9]

Der Leser als Kritiker richtet seine Aufmerksamkeit auf den Text selbst und nicht auf die im Text dargestellte Welt. Die Lektüre und damit das Mitspielen und Bewerten werden reflektiert. Als Kritiker ist der Leser um eine Interpretation des Textes bemüht.[10]

Durch das Einnehmen dieser drei Rollen wirkt der Leser nach rezeptionsästhetischer Auffassung stark an der „Sinnbildung“[11] des Textes mit. Andererseits enthalten literarische Texte zahlreiche Signale, die der Leser erkennen muss, um überhaupt mitspielen zu können. Ein Text erhält seinen Sinn, nach rezeptionsästhetischer Auffassung, daher erst durch die Interaktion von Leser und Text. Lernenden als Lesern schreibt die rezeptionsästhetische Literaturdidaktik damit eine „konstitutive Rolle“[12] zu.

Ein weiterer Aspekt der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik ist das Verhältnis zwischen der realen Welt des Lesers und der fiktiven Welt des Textes. Beide Welten sind scharf von einander zu trennen, gleichwohl sie sich gegenseitig durchdringen. Laut der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik „kann kein literarischer Text ohne Bezug auf das lebensweltliche Wissen und Wertvorstellungen des Lesers verstanden werden.“[13] Literarische Texte stellen „Modelle von Wirklichkeit“[14] dar, die die reale Welt verdeutlichen sollen. Aus diesem Grund eignen sich literarische Texte aus Sicht der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik besonders zur Vermittlung von kulturellen Einblicken.

Neben der intensiven, schülerorientierten Auseinandersetzung mit literarischen Texten ist interkulturelles Verstehen das wichtigste Ziel der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik. Mittels literarischer Texte soll eine „Veränderung des Vorverständnisses“[15] des Lesers herbeigeführt werden. Bestehende Konzepte und Einstellungen zu den Kulturen sollen modifiziert und erweitert werden. Dazu zählen in erster Linie Vorurteile und Stereotypen. Nach rezeptionsästhetischer Auffassung ist es Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts Einblicke in verschiedene Kulturen zu vermitteln.

Widersprechende Auffassungen

Die ideologiekritische und die formalistische Auffassung widersprechen einigen Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik vehement.

Aus ideologiekritischer Sicht sollte der Einsatz von Literatur im Unterricht vermieden werden. Literarische Texte vermitteln „dem Leser eine falsche Sicht der Welt und wirken deshalb herrschaftsstabilisierend“[16]

Die Ideologiekritik kritisiert die unreflektierte Übernahme der jeweiligen Sichtweisen literarischer Texte, wie sie in der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik praktiziert werde.[17] Dieser Vorwurf berücksichtigt jedoch nicht, dass der Leser, nach rezeptionsästhetischer Auffassung, unter anderem die Rolle des Beobachters übernimmt. In dieser Rolle reflektiert und bewertet der Leser das im Text Dargestellte. Als Kritiker geht der Leser darüber hinaus und beurteilt außerdem den Text selbst und dessen Wirkung.[18]

Dem Formalismus nach besteht die Bedeutung literarischer Texte darin, „uns von Fragen der Erkenntnis, Ethik und Politik zu befreien und unsere Aufmerksamkeit auf die formalen Elemente literarischer Texte zu lenken.“[19] Der einflussreichste formalistische Ansatz ist der New Criticism.[20] Die Intention des Autors, sowie die Reaktionen des Lesers auf den Text gelten nach dieser Auffassung als subjektiv.[21] Die Form des Textes, nicht seine gesellschaftliche Funktion, müsse beachtet werden.[22] Im Literaturunterricht solle objektive Literaturwissenschaft betrieben werden. Zahlreiche Aspekte, die dem Autor nicht bewusst seien und deren Wirkung auf den Leser er nicht abschätzen könne, würden ihn während dem Schreiben beeinflussen. Aus diesem Grund könne man nicht von einer Intention des Autors sprechen. Aus rezeptionsästhetischer Sicht rechtfertigt dieses Argument jedoch nicht die Abschaffung des Begriffes der Intention.[23] Der rezeptionsästhetische Ansatz ist bemüht dieser „Entpersönlichung und [...] Enthistorisierung des Textes“[24] entgegenzuwirken.

[...]


[1] Nünning, Ansgar: Literatur ist, wenn das Lesen wieder Spaß macht! In: Der fremdsprachliche Unterricht – Englisch, Heft 27, Seite 4 - 12.

[2] Bredella, Lothar; Burwitz-Melzer, Eva: Rezeptionsästhetische Literaturdidaktik mit Beispielen aus dem Fremdsprachunterricht Englisch. Tübingen 2004.

[3] Vgl. Bredella, Lothar; Burwitz-Melzer, Eva: Rezeptionsästhetische Literaturdidaktik mit Beispielen aus dem Fremdsprachenunterricht Englisch. Tübingen 2004, Seite 101.

[4] Ebd. Seite 45.

[5] Vgl. ebd. Seite 101.

[6] Ebd. Seite 38.

[7] Ebd. Seite 39.

[8] Ebd. Seite 42.

[9] Ebd. Seite 105.

[10] Vgl. ebd. Seite108.

[11] Ebd. Seite 109.

[12] Ebd. Seite 79.

[13] Ebd. Seite 54.

[14] Ebd. Seite 80.

[15] Ebd. Seite 65.

[16] Ebd. Seite 27.

[17] Ebd. Seite 29.

[18] Ebd. Seite 30.

[19] Vgl. ebd. Seite 33.

[20] Vgl. ebd. Seite 34.

[21] Vgl. ebd. Seite 35.

[22] Vgl. ebd. Seite 78.

[23] Vgl. ebd. Seite 34.

[24] Ebd. Seite 35.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Literatur im Englischunterricht der Grundschule
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V164280
ISBN (eBook)
9783640791989
ISBN (Buch)
9783640791521
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Englischunterricht, Grundschule
Arbeit zitieren
Tamara Bauer (Autor), 2005, Literatur im Englischunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164280

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