Die Frage nach dem Einsatz von Literatur im Englischunterricht der Grundschule ist eine der vielen aktuellen Fragen des Englischunterrichts. Eignet sich Literatur, wie Bilderbücher, nursery rhymes oder Cartoons, überhaupt für den Anfangsunterricht Englisch? Wie bringt man Schüler der dritten oder vierten Klasse dazu, englischsprachige Texte zu verstehen? Ist die Lektüre von Büchern, die ursprünglich für native speakers verfasst wurden, nicht zu schwierig für Kinder, die gerade erst das Lesen in der Muttersprache erlernt haben? Sind Texte, die ausschließlich für English learners geschrieben wurden, zu bevorzugen? Diesen Fragen widmet sich die vorliegende Hausarbeit unter Einbezug aktueller literaturdidaktischer Erkenntnisse.
Bisher wurde dem Englischunterricht in der Grundschule unter literaturdidaktischen Aspekten nur wenig Beachtung geschenkt. Untersuchungen und Publikationen der neunziger Jahre über den Einsatz von Literatur im Englischunterricht beschränken sich auf die Sekundarstufe, so beispielsweise Ansgar Nünnings Artikel Literatur ist, wenn das Lesen wieder Spaß macht! .
Lothar Bredella und Eva Burwitz-Melzer dagegen beschäftigen sich in ihrer 2004 erschienenen Publikation Rezeptionsästhetische Literaturdidaktik unter anderem auch mit dem Englischunterricht der Grundschule. Die Grundlagen dieser aktuellen literaturdidaktischen Auffassung werden ausführlich erläutert und anhand zahlreicher Praxisbeispiele verdeutlicht.
Im ersten Kapitel der Hausarbeit werden Grundlagen und Ziele der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik beschrieben.
In einem weiteren Kapitel werden die der Rezeptionsästhetik konträren Auffassungen der Ideologiekritik und des Formalismus erläutert. Argumente, die scheinbar die rezeptionsästhetische Literaturdidaktik sprechen, werden widerlegt.
Im vierten Kapitel werden die zu berücksichtigenden Besonderheiten des Einsatzes von Bilderbüchern im Englischunterricht der Grundschule aufgezeigt.
In den zwei folgenden Kapiteln werden ein authentisches Bilderbuch und ein Bilderbuch für Englischlerner hinsichtlich des Inhalts, der Illustrationen und der möglichen Umsetzung im Unterricht untersucht.
In einem anschließenden Kapitel werden authentische und didaktisierte Bilderbücher anhand dieser Untersuchungen verglichen.
Die Ergebnisse der Arbeit werden in einem abschließenden Resumé zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik
3. Widersprechende Auffassungen
4. Bilderbücher im Englischunterricht der Grundschule
5. Elephant Dance – ein Bilderbuch für native speakers
6. Zebra Toast on Monday – ein Bilderbuch für English learners
7. Der Vergleich
8. Resumé
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einsatz von authentischer und didaktisierter Literatur im Englischunterricht der Grundschule vor dem Hintergrund der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit unterschiedliche Bilderbuchkonzepte zur Förderung von Sprachkompetenz, Motivation und interkulturellem Verstehen beitragen können.
- Rezeptionsästhetische Grundlagen im Fremdsprachenunterricht
- Entwicklungspsychologische Aspekte des frühen Englischlernens
- Methodik des Storytellings und Arbeit mit Bilderbüchern
- Vergleich zwischen authentischer und didaktisierter Literatur
- Förderung von interkulturellem Lernen
Auszug aus dem Buch
Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik
Im Mittelpunkt der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik stehen Leser und Text. Der Leser nimmt während der Lektüre verschiedene Rollen an. Er ist Mitspieler, Beobachter und Kritiker.
Als Mitspieler kann sich der Leser auf die im Text dargestellte Welt einlassen. Da Gefühle auf Erfahrungen zurückgehen, „die wir nicht in rein kognitiven Urteilen erfassen können“, dienen sie dem Leser zur Orientierung in dieser fiktiven Welt. Als Mitspieler fühlt und denkt der Leser aus der Perspektive der Charaktere mit. Er nimmt eine „Innenperspektive“ ein und erfährt, „was es bedeutet, in der Position des Anderen zu sein.“
In der Rolle des Beobachters bewertet der Leser das im Text Dargestellte „aus der Außenperspektive im Lichte seiner Bedürfnisse, Interessen und Wertvorstellungen“. Als Beobachter „entfalten wir unsere Urteilskraft und lernen dabei, über unsere Wertvorstellungen zu reflektieren und sie möglicherweise zu differenzieren.“
Der Leser als Kritiker richtet seine Aufmerksamkeit auf den Text selbst und nicht auf die im Text dargestellte Welt. Die Lektüre und damit das Mitspielen und Bewerten werden reflektiert. Als Kritiker ist der Leser um eine Interpretation des Textes bemüht.
Durch das Einnehmen dieser drei Rollen wirkt der Leser nach rezeptionsästhetischer Auffassung stark an der „Sinnbildung“ des Textes mit. Andererseits enthalten literarische Texte zahlreiche Signale, die der Leser erkennen muss, um überhaupt mitspielen zu können. Ein Text erhält seinen Sinn, nach rezeptionsästhetischer Auffassung, daher erst durch die Interaktion von Leser und Text. Lernenden als Lesern schreibt die rezeptionsästhetische Literaturdidaktik damit eine „konstitutive Rolle“ zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Thema und stellt die Forschungsfrage nach der Eignung von Literatur im Englischunterricht der Grundschule vor.
2. Grundlagen der rezeptionsästhetischen Literaturdidaktik: Dieses Kapitel erläutert die Rollen des Lesers (Mitspieler, Beobachter, Kritiker) und die Bedeutung der Interaktion zwischen Text und Leser.
3. Widersprechende Auffassungen: Es werden Gegenpositionen wie die Ideologiekritik und der Formalismus diskutiert, um die rezeptionsästhetische Didaktik abzugrenzen.
4. Bilderbücher im Englischunterricht der Grundschule: Hier werden die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen und methodische Ansätze wie das Storytelling behandelt.
5. Elephant Dance – ein Bilderbuch für native speakers: Untersuchung eines authentischen Bilderbuchs hinsichtlich Inhalt, Illustration und didaktischem Potenzial.
6. Zebra Toast on Monday – ein Bilderbuch für English learners: Analyse eines didaktisierten Bilderbuchs, seiner Zusatzmaterialien und seiner speziellen Eignung für Anfänger.
7. Der Vergleich: Gegenüberstellung von authentischer und didaktisierter Literatur bezüglich Motivation, Wortschatz und kulturellem Anspruch.
8. Resumé: Zusammenfassende Bewertung des Einsatzes von Literatur in der Grundschule und Fazit zur Überlegenheit authentischer Bilderbücher.
Schlüsselwörter
Literaturdidaktik, Englischunterricht, Grundschule, Rezeptionsästhetik, Bilderbücher, Storytelling, interkulturelles Verstehen, authentische Literatur, didaktisierte Literatur, Lesestrategien, Sprachkompetenz, Sinnbildung, Primarstufe, Schülerorientierung, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Einsatz von englischsprachigen Bilderbüchern im Englischunterricht der Grundschule und wie diese didaktisch sinnvoll genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die rezeptionsästhetische Literaturdidaktik, den Vergleich zwischen authentischen und didaktisierten Büchern sowie methodische Ansätze für den Anfangsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Literatur für Grundschüler geeignet ist und wie Lehrkräfte durch den Einsatz von Bilderbüchern Lernerfolge und interkulturelles Lernen fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf Literaturdidaktik-Theorien basiert und zwei spezifische Bilderbücher in einer Fallstudie vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine kritische Diskussion von Gegenpositionen, Rahmenbedingungen des Grundschulunterrichts und eine detaillierte Analyse zweier Bilderbuchbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rezeptionsästhetik, Storytelling, interkulturelles Verstehen, authentische vs. didaktisierte Literatur und schülerorientierter Fremdsprachenunterricht.
Was ist der Hauptunterschied zwischen den analysierten Bilderbüchern?
Elephant Dance ist ein authentisches Buch für Muttersprachler, das vielschichtige Einblicke bietet, während Zebra Toast on Monday speziell für Englischlernende didaktisiert wurde und den Fokus auf Sprachvermittlung legt.
Warum wird im Fazit authentische Literatur empfohlen?
Authentische Literatur wird bevorzugt, da sie realen Sprachgebrauch abbildet, tiefgründigere Themen behandelt und die Schüler motiviert, da sie nicht wie klassische Lehrbücher wirkt.
- Arbeit zitieren
- Tamara Bauer (Autor:in), 2005, Literatur im Englischunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164280