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Tastendes Wesen und heiliges Kriegskleid - Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben

Title: Tastendes Wesen und heiliges Kriegskleid - Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mirjam Krapoth (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

„Mein Vater hat mir schon so oft die Geschichte aus dem Leben meines Urgroßvaters
erzählt, ich glaube nun, ich habe sie selbst erlebt.“: So beginnt Der Prinz von Theben, den
Else Lasker-Schüler (1869-1945) im Jahre 1914 schrieb. Sie malt in elf Erzählungen Bilder
von orientalischen Palästen, von Melechs und Oberpriestern, Haremsfrauen und
verschleierten Prinzessinnen, von Hochzeiten, blutigen Feiertagen und Liedern in fremden
Sprachen. In „Der Scheik“ wird die Beziehung zwischen einem muslimischen und einem
jüdischen Herrscher geschildert, die über die Grenzen ihrer Religionen hinweg befreundet
sind. „Tschandragupta“ ist die Geschichte eines heidnischen Häuptlingssohnes, der nach
Jericho kommt und sich bemüht, von den dort lebenden Menschen aufgenommen zu werden.
„Der Derwisch“ berichtet von den blutigen Geschehnissen an einem muslimischen Feiertag in
Kairo. In „Ein Brief meiner Base Schalôme“ schreibt diese über ihre Erlebnisse im Palast
ihres Großonkels in Konstantinopel, besonders mit den Frauen und dem Eunuchen des
Harems. Die nächste Geschichte, „Der Fakir“, spielt am Hofe des Emirs von Afghanistan. Die
Ich-Erzählerin ist dort zu Besuch und begegnet ihren drei Kusinen. Hierauf folgt das „Buch
der drei Abigails“, drei aufeinanderfolgender Herrscher von Theben. Hierzu gehören auch die
nächsten beiden kurzen Abschnitte „Singa, die Mutter des toten Melechs des Dritten“ und
„Eine Begebenheit aus dem Leben Abigail des Liebenden“. Den Schluß des Buches bildet
„Der Kreuzfahrer“, eine Erzählung über die christlichen Kreuzfahrer und ihre muslimischen
Widersacher in Jerusalem.
Diese kurze Zusammenfassung zeigt schon die Schwierigkeit auf, den Inhalt der
Geschichten konkret und faßbar zu machen. Es geht hier weniger um Ereignisse und Fakten,
als vielmehr um Sinneseindrücke, Stimmungen, Farben, Begierden. Was allen Erzählungen
gemeinsam ist, sind die Grenzen, die durch die traumähnliche Wirklichkeit, welche die
Dichterin erschafft, hindurchlaufen. Es sind Grenzen zwischen Erwartungen und ihrer
(Nicht-)Erfüllung, zwischen Religionen und Völkern, zwischen Menschen und Menschen.
Diese Grenzlinien können einengen, beschränken, Leben vernichten, und manchmal werden
sie auch überschritten. Solche Grenzüberschreitungen werden innerhalb des Textes gewagt,
aber auch der Text selbst stellt eine Grenzüberschreitung dar: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstruktionen von geschlechtlicher Identität im Prinzen von Theben

2.1. Männlichkeit: „sein Wesen so liebevoll tastend“

2.2. Weiblichkeit: sie „entfaltet ihr Angesicht“

2.3. Die Erzählinstanz: „nie zog eine Prinzessin in die Schlacht“

2.4. Sexualität: da „trafen sie sich einmal als junge Kinder und liebten sich“

3. Vergleich mit Konstruktionen von geschlechtlicher Identität in sexualwissenschaftlichen Theorien um 1900

3.1. Sigmund Freud: Infantile Sexualität

3.2. Otto Weininger: Grenzen zwischen den Menschen

3.3. Richard von Krafft-Ebing: Naturtrieb und Entwicklung

4. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit in Else Lasker-Schülers Erzählband Der Prinz von Theben. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Geschlechterrollen und die Darstellung von Sexualität innerhalb der fiktionalen Welt der Autorin herauszuarbeiten und diese mit den dominierenden sexualwissenschaftlichen Diskursen um 1900, insbesondere denen von Sigmund Freud, Otto Weininger und Richard von Krafft-Ebing, kritisch zu vergleichen.

  • Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit im literarischen Werk
  • Die Rolle der Erzählinstanz und Grenzüberschreitungen
  • Verhältnis von Macht, Schmerz und Sexualität
  • Intertextueller Vergleich mit zeitgenössischen psychoanalytischen Theorien
  • Suche nach einer individuellen Identität jenseits binärer Kategorien

Auszug aus dem Buch

2.1. Männlichkeit: „sein Wesen so liebevoll tastend“

Bei einem ersten Blick in den Prinzen von Theben fällt sofort ins Auge, daß hier wesentlich mehr männliche als weibliche Figuren auftauchen und ersteren auch meist die handlungstragenden Rollen zugeschrieben werden. Im Folgenden sollen die Wichtigsten von ihnen beschrieben werden: der Scheik und sein Freund Mschattre-Zimt, Tschandragupta, der Derwisch, der Eunuch, der Fakir und die drei Abigails.

Der Scheik ist der Urgroßvater des erzählenden Ichs, „der oberste Priester aller Moscheen“ und Vater von 23 Söhnen. Er raucht Opium, während er mit seinem Freund ein Spiel namens Enti spielt und theologische Diskussionen führt. Als sein Freund stirbt, ist er sehr betrübt. Ein Jahr später jedoch steigt dieser aus seinem Grab heraus und der Scheik legt ihn dorthin zurück. Während der ganzen Erzählung wird der Name dieser Figur nicht erwähnt, er tritt nur unter der Bezeichnung seines Amtes und in seiner Beziehung zu anderen als (Ur-) (groß-) Vater auf. Mschattre-Zimt ist ein jüdischer Sultan. Er besitzt medizinische Kenntnisse, ist jedoch kein Menschenfreund. Insgesamt wird er als wesentlich zurückhaltender und stiller als der Scheik beschrieben. Er ist jedoch neidisch auf die Extrovertiertheit seines Freundes.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Konstruktion von Geschlechteridentität.

2. Konstruktionen von geschlechtlicher Identität im Prinzen von Theben: Detaillierte Analyse der männlichen und weiblichen Figuren, der Rolle der Erzählinstanz sowie der Darstellung von Sexualität und Grenzüberschreitung in der Erzählung.

3. Vergleich mit Konstruktionen von geschlechtlicher Identität in sexualwissenschaftlichen Theorien um 1900: Gegenüberstellung der literarischen Befunde mit den Theorien von Freud, Weininger und Krafft-Ebing, um Gemeinsamkeiten oder Divergenzen aufzudecken.

4. Schluß: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche die Besonderheit von Lasker-Schülers Ästhetik in Bezug auf die Dekonstruktion binärer Geschlechterkategorien hervorhebt.

Schlüsselwörter

Else Lasker-Schüler, Der Prinz von Theben, Männlichkeit, Weiblichkeit, Sexualität, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Otto Weininger, Richard von Krafft-Ebing, Geschlechterkonstruktion, Identität, Literatur um 1900, Sadismus, Masochismus, Grenzüberschreitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben Männlichkeit und Weiblichkeit dargestellt werden und inwiefern diese literarische Konstruktion mit dem sexualwissenschaftlichen Diskurs der Zeit korrespondiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Geschlecht, die Verbindung von Sexualität, Aggression und Macht sowie die Suche nach einer authentischen Identität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob Lasker-Schüler wissenschaftliche Theorien ihrer Zeit als Vorlage nutzt oder einen eigenständigen, literarischen Gegenentwurf entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext tiefgehend interpretiert und anschließend intertextuell mit psychoanalytischen und sexualwissenschaftlichen Schriften vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Figuren und ihre geschlechtsspezifischen Rollen im Text analysiert, gefolgt von einem detaillierten Vergleich mit den Theorien von Freud, Weininger und Krafft-Ebing.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechterkonstruktion, Psychoanalyse, Binäre Kategorien, Grenzüberschreitung und Identitätssuche.

Inwiefern beeinflussen psychoanalytische Theorien die Interpretation?

Die Arbeit zeigt, dass zwar Gemeinsamkeiten, etwa in der Verbindung von Ernährung, Sexualität und Grausamkeit, existieren, Lasker-Schülers Werk jedoch die eindeutigen Kategorisierungen der Wissenschaft häufig durchbricht.

Wie bewertet die Autorin die Geschlechterordnung bei Lasker-Schüler?

Sie kommt zu dem Schluss, dass Lasker-Schüler die Geschlechterordnung durch das Ich, das sich einer eindeutigen Positionierung entzieht, in Frage stellt und ein Experimentierfeld jenseits binärer Kategorien eröffnet.

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Details

Title
Tastendes Wesen und heiliges Kriegskleid - Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben
College
University of Paderborn  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Course
Geschlecht und Sexualität in der europäischen Literatur um 1900
Grade
1,0
Author
Mirjam Krapoth (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V16434
ISBN (eBook)
9783638212939
Language
German
Tags
Tastendes Wesen Kriegskleid Bilder Männlichkeit Weiblichkeit Else Lasker-Schülers Prinz Theben Geschlecht Sexualität Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirjam Krapoth (Author), 2003, Tastendes Wesen und heiliges Kriegskleid - Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit in Else Lasker-Schülers Der Prinz von Theben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16434
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