1.Die Europäische Union
Es existieren einige Definitionen über die Europäische Union (EU), welche jeweils mit ausführlich vielen Zahlen und Statistiken ausgeschmückt werden. Die EU mit ihren seit 2007 nunmehr 27 Staaten, in welchen ca. 492 Mio. Menschen leben und ca. 20 verschiedene Sprachen gesprochen werden, ist aber viel mehr als das. Denn wie die Zahlen schon erahnen lassen, treffen in der EU zahlreiche Sprachen, Kulturen, Lebensstile, Politiken und Wirtschaftsräume aufeinander. Daher ist die EU ohne Zweifel ungewöhnlich reich – reich nicht nur an Kapital und Einkommen – sondern auch an Bildung, Kultur und Vielfalt.
Politisch gesehen haben die Staaten einige Gemeinsamkeiten, aber untereinander auch unterschiedliche politische Systeme. Zwar haben sie alle eine gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik, aber, und das ist das wichtigste, keine einheitliche Sozialpolitik. In Europa spricht man von drei (Prof. Dr. Opielka sogar von vier) welfare-state-systems, diese sind Fürsorge, Versorgung, Sozialversicherung und Bürgerversicherung. Diese sind die verschiedenen Sozialsicherungssysteme. Vor allem an diesen Systemen und ihren charakteristischen Merkmalen erkennt man die Diversifizierungen und Disparitäten der EU. Stellt sich nur hier die Frage, inwieweit der Europäischen Sozialpolitik Partizipationsmöglichkeiten in Bezug auf Schaffung und Erhalt der sozialen Sicherung im vereinigten Europa eingeräumt werden. Freilich ist das Thema Sozialpolitik in einem so großen disparitativen Kultur- und Wirtschaftsraum wie Europa eher in einem ambivalenten Kontext zu sehen, doch möchte eben diese Sozialpolitik auch hier vor dem europäischen Liberalisierungsgedanke keinen Halt machen. Sozialpolitik ist auf der einen Seite als „Begrenzung sozialer Verwerfungen“ zu verstehen.
Das vereinigte Europa als gewollte Konsequenz der Globalisierung, mit einem einheitlichen Binnenmarkt und keinen Zollschranken, führt zur Aufhebung von bestehenden Grenzen. Und hier ist zu erkennen, dass die Sozialpolitik sich zwangsweise den Gesetzen der Globalisierung zu unterwerfen, und mit diesem Prozess ganz neuen Aufgaben, Herausforderungen und Problemen zu widmen hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Europäische Union
2 Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union
3 Sozialpolitik der Europäischen Union
4 Deutschland – eine kurze Übersicht
4.1 Zusammensetzung der Bevölkerung
4.2 Wirtschaft und Arbeitsmarkt
5 Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf Deutschland
5.1 Auswirkungen auf Migration
5.2 Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt
6 Politische Reaktionen auf die neuen Herausforderungen
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf Deutschland zu analysieren, insbesondere in den kritischen Bereichen Arbeitsmarkt, Migrationsverhalten und nationale Sozialpolitik. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob Deutschland eher als Gewinner oder Verlierer dieser Erweiterung zu betrachten ist und wie die Politik auf die damit verbundenen Herausforderungen reagiert hat.
- Historische Einordnung der europäischen Integration und Sozialpolitik
- Strukturdaten von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland
- Migrationspotenziale und deren sozio-kulturelle Auswirkungen
- Der Konkurrenzkampf durch Lohnunterschiede und Steuerwettbewerb
- Politische Maßnahmen, Übergangsfristen und die Auswirkungen der Lissabon-Strategie
Auszug aus dem Buch
5.1 Auswirkungen auf Migration
Die Erweiterung der Europäischen Union wird nicht nur zu freien Kapital- und Handelsbewegungen zwischen den west- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten führen, sondern früher oder später auch zur Aufhebung aller Migrationsbarrieren. Dies wird es osteuropäischen Bürgerinnen und Bürgern erlauben, sich unbeschränkt in den anderen Staaten der EU niederzulassen. Obwohl westliche Politiker seit Jahrzehnten Reisefreiheit für Osteuropäer einfordern, sehen sie die Realisierung dieses Persönlichkeitsrechtes nun mit Besorgnis. Die großen Einkommensdifferenzen zwischen West und Ost, die wachsende Arbeitslosigkeit in den Transformationsländern und die dort immer wieder aufflammenden politischen und ethnischen Konflikte konfrontieren Westeuropa, vor allem Deutschland, mit einem beachtlichen Migrationspotential.
Aber was bedeutet Migration? Definitionen dieses Begriffes gibt es einige. Z. B. ist Migration „eine interregionale Arbeitskräftewanderung, die mit einem dauerhaften Arbeitsplatz und Wohnortwechsel von Individuen und Haushalten verbunden ist.“ Bei den Migranten aus den Ost-Europäischen Staaten ist das anders: Es sind meist überdurchschnittlich hoch qualifizierte Arbeitskräfte, vorallem männlich, oft junge Menschen. Zielregionen für diese sind meist Bayern, Baden-Würtemberg, Berlin und die industriellen Zentren Nordrhein-Westfalens. Trotz der geographisch günstigen Lage der neuen Bundesländer, gehören diese nicht vordergründig zu den Zielregionen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Europäische Union: Einleitende Betrachtung der EU als disparativen Kultur- und Wirtschaftsraum, in dem verschiedene Sozialsysteme aufeinandertreffen.
2 Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union: Überblick über die vertraglichen Grundlagen und die historische Ausweitung der Gemeinschaft bis zur Osterweiterung 2004.
3 Sozialpolitik der Europäischen Union: Analyse der Schwierigkeiten bei der Etablierung einer einheitlichen Sozialpolitik sowie die Bedeutung des Subsidiaritätsprinzips.
4 Deutschland – eine kurze Übersicht: Darstellung der sozio-ökonomischen Ausgangslage Deutschlands als bedeutendster Wirtschaftsstandort der EU.
5 Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf Deutschland: Untersuchung der Folgen für den Arbeitsmarkt und die Migration, sowie die ambivalenten wirtschaftlichen Konsequenzen.
6 Politische Reaktionen auf die neuen Herausforderungen: Erläuterung der Übergangsmaßnahmen und der arbeitsmarktpolitischen Einschränkungen für neue Mitgliedsstaaten.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die tatsächlichen Auswirkungen der Osterweiterung und Notwendigkeit einer sozialpolitischen Neuausrichtung.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Sozialpolitik, Migration, Arbeitsmarkt, Deutschland, Globalisierung, Lissabon-Strategie, Wirtschaftswachstum, Freizügigkeit, Wohlfahrtsstaat, Konkurrenzkampf, Arbeitslosigkeit, EU-Binnenmarkt, Niedriglohnsektor, Sozialmodell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Bundesrepublik Deutschland, mit einem besonderen Fokus auf die Bereiche Arbeitsmarkt, Migration und Sozialpolitik.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wirtschaftliche Integration innerhalb der EU, der Umgang mit dem demographischen Wandel, die Migrationsströme aus Osteuropa sowie die politische Umsetzung der Lissabon-Strategie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Konsequenzen der EU-Osterweiterung und die Beantwortung der Frage, wie Deutschland auf die damit verbundenen ökonomischen und sozialen Herausforderungen reagiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Verfasser nutzen eine Literatur- und Sekundärdatenanalyse, um die Auswirkungen der EU-Politik auf nationale Gegebenheiten zu bewerten und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie der EU, der ökonomischen und sozialen Situation in Deutschland vor und nach der Erweiterung sowie den spezifischen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt durch Lohnkonkurrenz und Migrationsbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie EU-Osterweiterung, Sozialpolitik, Migration, Arbeitsmarkt und Lissabon-Strategie definieren.
Warum wurden die Arbeitsmärkte für neue EU-Mitglieder zeitweise beschränkt?
Die Bundesregierung befürchtete bei einem Wegfall der Beschränkungen einen zu hohen Andrang an Wanderarbeitern im Niedriglohnsektor, was zu Spannungen auf dem ohnehin von hoher Arbeitslosigkeit geprägten deutschen Arbeitsmarkt hätte führen können.
Welche Rolle spielt die Lissabon-Strategie im Kontext dieser Ausarbeitung?
Die Lissabon-Strategie wird als ein zentraler Rahmen dargestellt, der die EU wettbewerbsfähiger machen soll, jedoch in Deutschland aufgrund des einhergehenden Drucks auf das Sozialsystem und der "Aktivierung" der Bürger kritisch hinterfragt wird.
- Quote paper
- Jan Sakris (Author), Dirk Poetschlag (Author), 2009, Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164356