Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Filmwissenschaft

Das epische Theater Brechts im Hollywoodkino

"Hangmen also die" von Fritz Lang

Titel: Das epische Theater Brechts im Hollywoodkino

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 24 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Rosalinda Basta (Autor:in)

Filmwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details


Der Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht, der als einer der bedeutendsten Dichter, Schriftsteller und Autoren des 20. Jahrhunderts gilt, entwickelte bereits in seinen frühen Schaffensjahren ein Interesse am Film. Mit dem neuen Medium beschäftigte er sich intensiver, während seiner Emigrationsphase, überwiegend in den USA, von 1941 bis 1947. In dieser Zeit war er mehr oder weniger gezwungen sich dem Film zu widmen, da er hier eine Möglichkeit sah, die Existenz für sich und seine Familie zu sichern. Die Nazis bemächtigten sich nämlich der Einnahmen aus Werken, die an deutsche Verlage gebunden waren, worunter auch Brechts Tantieme fielen. Die Jahre in Hollywood, in denen er sich als Drehbuchautor versuchte, waren für ihn sehr erfolglose Jahre. Vergeblich versuchte er seine politische Einstellung und seine Ziele durch diese neue, massenwirksame Kunst, in dem streng antikommunistischen Land zu etablieren. Doch das einzige, was es ihm einbrachte, waren Verhöre vor dem „Kongreßausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung.“ Auch die Zusammenarbeit mit Fritz Lang am Film: Hangmen also die, in der Brecht seine größte Hoffnung steckte, entstand nicht in seinem Sinne, da der Einfluss von Fritz Lang und dem hinzugezogenen, zweisprachigen Drehbuchautor John Wexley zu sehr Brechts eigentliche Intentionen veränderte und er darüber dermaßen enttäuscht war, dass er sich bereits nach einigen Monaten vom Film distanzierte. Hieraus resultiert nun folgende Frage: Inwieweit hat der Film sich tatsächlich von Brechts anfänglichen Absichten und Zielen weg entwickelt, beziehungsweise inwieweit hat es Brecht nicht doch geschafft sein episches Theater und seine damit verbundenen Ideologien trotz der immensen Veränderungen von Fritz Lang und John Wexley durchzusetzen? In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die Ereignisse und die Diskrepanzen zwischen ihm, Lang und Wexley, die Brecht während der Pre-Production miterlebte, genauer dargestellt, um einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Films und die damit verbundenen Drehbuch Änderungen zu erhalten. Im Anschluss daran werden die typologischen brechtschen Elemente näher erläutert, mit Passagen aus dem Film verglichen und genauer analysiert. Dem wird Fritz Lang und seine Stilmittel filmisch zu erzählen, unter Berücksichtigung des Hollywoodkinos in den Vierziger Jahren gegenübergestellt. Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, wie viel von Brechts Ästhetik der Film letztendlich doch mit sich trägt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Brechts frühes Filminteresse

2. Die Entstehung von Hangmen also die

2.1 Seine dritte Phase: Im Exil

2.2 Die Ermordung Heydrichs und der Anstoß zur Stoffentwicklung

3. Konzepte des epischen Theaters im Film

3.1 Der Verfremdungseffekt gegen die Vermittlung einer Illusion

3.1.1 Die Verwendung von ‚Songs’

3.1.2 Ein Brief als Appell an den Zuschauer

3.2. Volksszenen: Eine Darstellung des kollektiven Widerstands

3.3 Das Postulat sozialrevolutionärer Aktivität

4. Fritz Lang im Hollywoodkino

4.1 Deutschlands führender Regisseur im Exil

4.2 Gegen einen Überhang ‚brechtianischer’ Elemente

4.3 Der ‚amerikanische Realismus’ von Fritz Lang

4.4 Nicht alle Änderungen Langs gegen die Intentionen Brechts

5. Schlussfolgerung

Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Konzeptionen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Zusammenarbeit zwischen Bertolt Brecht und Fritz Lang bei der Produktion des Films "Hangmen also die" (1943). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit Brechts Konzepte des epischen Theaters trotz der Einflussnahme von Fritz Lang und Hollywood-Konventionen im Film realisiert wurden oder ob seine ursprünglichen Absichten vollständig verdrängt wurden.

  • Die Emigrationsphase von Bertolt Brecht in den USA und seine Arbeit als Drehbuchautor.
  • Die künstlerischen Spannungen und Diskrepanzen zwischen Brechts epischem Theater und Langs Hollywood-Stil.
  • Analyse von filmischen Mitteln wie Verfremdungseffekt, Musik und Montage im Kontext des Widerstandskampfes.
  • Die Rolle der politischen Ideologie und der Darstellung des Kollektivs gegenüber dem individuellen Helden.
  • Der Einfluss ökonomischer und produktionstechnischer Rahmenbedingungen auf den kreativen Prozess.

Auszug aus dem Buch

3. Konzepte des epischen Theaters im Film

Wie im Bereich des Literarischen stützte sich Brecht auch im Film auf seine Konzepte des epischen Theaters. Die Gattung des epischen Theaters lebt vom so genannten Verfremdungseffekt. Brecht wollte ein Theater, das den Zuschauer eher zum distanzierten Nachdenken und Hinterfragen anregt, als zum Mitfühlen. Deswegen soll der Schauspieler sich nicht mit seiner Rolle identifizieren, sondern er soll sie viel mehr erläutern, sie zeigen. Mit dem Verfremdungseffekt (V-Effekt) wollte er weg vom Naturalismus. Im Film ist dies durch die Verwendung von Titeln vor allem erreichbar und nicht wie im Stummfilm verfolgten Ziel zum Mitteilen wichtiger Informationen, die visuell nicht darstellbar waren, sondern um einen Bruch, eine Distanz zu erzielen, um den Zuschauer jegliche Möglichkeit sich in das Stück hineinzufühlen wegzunehmen. Brecht wollte keine Illusion vermitteln. In Hangmen also die herrscht heute bereits durch die historische Distanz ein Verfremdungseffekt.

Bis auf wenige Ausnahmen, kann der Zuschauer sich nicht persönlich mit den Geschehnissen des Nationalsozialismus identifizieren. Beginnend mit dem Einstiegsbild wird dem Zuschauer ein Gefühl der Distanz vermittelt. Es beginnt mit einem Rolltext, in dem in wenigen Sätzen die Widerstandsfähigkeit der Tschechen und gleichzeitig der tyrannische Reichsprotektor Reinhard Heydrich dem Zuschauer näher gebracht werden. Es handelt sich hierbei nicht um einen Prolog für eine spannende, fiktionale Geschichte, sondern um einen Tatsachenbericht aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dies nimmt einem gleich von Anfang an die Gelegenheit, sich in die Geschichte hineinzufühlen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Brechts frühes Filminteresse: Einführung in Brechts Emigrationsjahre in den USA, seine Versuche als Drehbuchautor und die daraus resultierende Forschungsfrage hinsichtlich der Umsetzung seines epischen Theaters.

2. Die Entstehung von Hangmen also die: Detaillierte Darstellung der Entstehung des Films unter dem Eindruck des Attentats auf Reinhard Heydrich und der Konflikte zwischen Brecht, Lang und Wexley.

3. Konzepte des epischen Theaters im Film: Untersuchung, wie Brechts V-Effekt, Songs und die Darstellung von Volksszenen und sozialrevolutionärer Aktivität in den Film integriert wurden.

4. Fritz Lang im Hollywoodkino: Analyse von Langs Regiestil, seinem "amerikanischen Realismus" und den Gründen für die massiven Änderungen an Brechts ursprünglichem Drehbuch.

5. Schlussfolgerung: Fazit über die Zusammenarbeit der beiden Künstler und die Bewertung, inwiefern trotz ideologischer Gegensätze ein künstlerisch hochwertiges, politisches Werk entstand.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Fritz Lang, Hangmen also die, episches Theater, Verfremdungseffekt, Exilfilm, Hollywood, Widerstandskampf, Reinhard Heydrich, Drehbuch, Filmtheorie, Kollaboration, Sozialrevolutionäre Aktivität, Antifaschismus, Montage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die filmische Zusammenarbeit zwischen Bertolt Brecht und Fritz Lang bei dem Film "Hangmen also die" aus dem Jahr 1943 vor dem Hintergrund der unterschiedlichen künstlerischen und politischen Visionen der beiden Exilkünstler.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Anwendung von Brechts Theorien des epischen Theaters auf das Hollywood-Kino, die filmische Darstellung von Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der kreative Konflikt zwischen Autor und Regisseur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit Brecht seine ästhetischen und ideologischen Vorstellungen in einem kommerziell ausgerichteten Hollywood-Film etablieren konnte oder ob diese durch Fritz Langs Anpassungen eliminiert wurden.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer filmwissenschaftlichen Filmanalyse, ergänzt durch Quellenarbeit, insbesondere durch die Auswertung von Brechts Arbeitsjournalen und zeitgenössischer Literatur über Filmtheorie.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Im Hauptteil werden Brechts V-Effekt, die Bedeutung von Musik ("Songs") und Volksszenen im Film, sowie Fritz Langs spezifische Regietechniken und der Einfluss des Hollywood-Studiosystems detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Verfremdungseffekt, Episches Theater, Exil, Hollywood-Kino und der Widerstand gegen das Naziregime.

Warum kam es zwischen Brecht und Lang zu solch starken Differenzen?

Die Konflikte entstanden primär durch unterschiedliche Auffassungen: Während Brecht ein episches, politisch belehrendes Kino wollte, fokussierte sich Lang auf Dramaturgie, psychologische Charaktere und die Anforderungen des Hollywood-Marktes.

Welche Rolle spielte John Wexley bei der Entstehung des Films?

John Wexley wurde als zweisprachiger Drehbuchautor hinzugezogen und fungierte als Vermittler, geriet jedoch in den Konflikt zwischen Brecht und Lang, was letztlich dazu führte, dass Wexley als offizieller Drehbuchautor genannt wurde und Brecht sich distanzierte.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das epische Theater Brechts im Hollywoodkino
Untertitel
"Hangmen also die" von Fritz Lang
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Brecht-intermedial
Note
1,7
Autor
Rosalinda Basta (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V164381
ISBN (eBook)
9783640793501
ISBN (Buch)
9783640793846
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fritz Lang Bertolt Brecht Hollywoodkino
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rosalinda Basta (Autor:in), 2008, Das epische Theater Brechts im Hollywoodkino, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164381
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  24  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum