Voraussetzungen und Ursachen für die Krise im Bankensektor

Übernahmen als Form von Stabilisierungsmaßnahmen am Fall von Bear Stearns


Essay, 2010

10 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor
1.1 erster Faktor: Asset Backed Securities
1.2 zweiter Faktor: Leverage-Effekt
1.3 dritter Faktor: niedrige Eigenkapitalquote

2. Chronik des Niedergangs

3. Wenn Dominosteine kippen - Die Pleite von Bear Stearns

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor

In der mittelfristigen Ursachenforschung kann der Beginn der Weltwirtschaftskrise am Abschwung auf dem US-Immobilienmarkt im Jahr 2006 festgemacht werden. Privat- finanzierte Hypothekenkredite minderer Bonität (subprime mortgages) wurden als Hypotheken gesicherte Wertpapiere (MBS) verbrieft, Forderungen in CDOs umge- wandelt und an die Kunden weitergereicht.1 Hausbesitzer mit schwächerer Bonität spe- kulierten auf den Anstieg der Immobilienpreise, finanzierten ihr Eigentum also nicht durch das laufende Einkommen, sondern durch eine mögliche Verwertung ihrer Im- mobilie.2 Diese Spekulation gelingt aber nur dann, wenn die Preise tatsächlich steigen. Steigen die Preise nicht mehr an oder sinken sie, ist die Spekulation geplatzt. Die zu- nehmenden Kreditausfälle bei Hypotheken und die damit verbundene Zwangsverkäufe verstärkten den Preisverfall der Immobilien.3

1.1 erster Faktor: Asset Backed Securities

Die Krise im Bankensektor kann auf drei Faktoren zurückgeführt werden.4 Zunächst wurden Instrumente entwickelt, die die Kreditrisiken aus den Bilanzbüchern der Banken entfernen sollten.5 Forderungen in unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichen Risikoprofilen wurden von dem Emittenten in eine Vielzahl von Tranchen gebündelt, von einer Ratingagentur bewertet und an den Kunden weitergereicht.6

1.2 zweiter Faktor: Leverage-Effekt

Die Unsicherheit auf den globalen Finanzmärkten ist aber insbesondere auf den so ge- nannten „Leverage-Effekt“ zurückzuführen. Dabei wird ein bestimmtes Zielprojekt (z.B. Investition in Immobilien) sowohl durch Fremd- als auch durch Eigenkapital fi- nanziert. Das Fremdkapital wird mit einer zuvor vereinbarten Höhe verzinst. Die Eigen- kapitalrendite errechnet sich aus dem Gewinn dividiert durch das eingesetzte Kapital. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass der Gewinn durch eine Reduzierung des Eigenkapitals maximiert werden kann. Diese enorme Hebelwirkung führt zu einem Ma- ximum an Fremdfinanzierung und einem Minimum an Eigenkapital. Dabei waren sich einige Banken ihrer Risikostreuung derart sicher, dass sie die gegenteilige Hebel- wirkung unterschätzten. Die zentrale Funktion des Eigenkapitals, einen Puffer gegen

Verluste zu bilden, sei an unaufhörlich wachsenden Märkten verzichtbar gewesen.7 Der hohe Leverage-Effekt verursachte eine massive Vertrauenskrise in die Finanzmarkt- stabilität.8 Folglich war eine Refinanzierung der Banken untereinander nur noch be- dingt möglich. Obwohl die Zentralbanken die Rolle des Interbankenmarktes Übernah- men und den Markt mit Liquidität versorgten, konnte dennoch nicht verhindert werden, dass einzelne Kreditinstitute gestützt (gar verstaatlicht) werden mussten. Diese Finanz- institute wurden als „too-big-to-fail“ bewertet, also systemrelevant für die gesamte Sta- bilität des Finanzsektors.9 Vorsichtige Betrachtungsweisen lassen darauf schließen, dass sich einige Banken (insbesondere in den Vereinigten Staaten) strategisch vergrößerten um in eine Kategorie eingereiht zu werden, in der sie zu groß zum Scheitern waren.

1.3 dritter Faktor: niedrige Eigenkapitalquote

Die entsprechende Kreditdeckung durch das Eigenkapital der Bank hängt von den zuvor eingegangenen Risiken ab. So schrieb Basel II den Banken vor, dass mindestens acht Prozent der mit Risiken behafteten Forderungen mit entsprechendem Eigenkapital auszustatten sei. Die restlichen 92 Prozent konnten fremdfinanziert werden. Mit einem solchen Eigenkapitalpuffer sollte das Ausmaß einer Insolvenz so niedrig gehalten werden, dass es für die gesamte Stabilität des Finanzsystems als absorbierbar bewertet wurde.10 Auf dem Feld der großen Finanzmarktakteure waren aber jene besonders er- folgreich, die sich weniger an die eigentlich verbindlichen Vorgaben hielten.11 Als Folge dessen sollten die Finanzaufsichtsbehörden ihre Vorgaben möglichst breit und großzügig formulieren.12 Aus Sicht der Banken konnten auf einem deregulierten Feld höhere Gewinne erzielt werden, die aber zugleich mit hohen Risiken behaftet waren. Der Leverage-Effekt und eine niedrige Eigenkapitalquote haben eine hohe Eigen- kapitalrendite ermöglicht. Zugleich aber auch dazu geführt, dass sich die Folgen von Kreditausfällen wie ein Flächenbrand auf die gesamte Finanzbranche ausgebreitet haben. Das eigentliche Ziel einer Bank, der realen Wirtschaft zu dienen13, wurde im großen Ausmaß verfehlt.

2. Chronik des Niedergangs

Zu Beginn wurde bereits auf die vermehrten Zwangverkäufe auf den Immobilien- märkten im Jahr 2006 hingewiesen. Nachdem im April 2007 der Hypothekenfinanzierer New Century Financial Insolvenz beantragen musste, stuften Rating-Agenturen eine Vielzahl von Wertpapieren, die auf Kreditforderungen beruhten, herab.14 Daraufhin ver- loren diese Papiere deutlich an Wert, sodass insbesondere Finanzinstitute, die auf eine kurzfristige Refinanzierung und durch Vermögenswerte besicherte Finanzinstrumente angewiesen waren in ernsthafte Zahlungsprobleme gerieten.15 Das Misstrauen der Banken wuchs stetig an und wurde durch die Insolvenz zweier Hedgefonds verstärkt, die sich massiv auf dem Immobilienmarkt verspekuliert hatten. Beide Fonds, die von der fünftgrößten amerikanischen Investmentbank Bear Stearns verwaltet wurden, waren nach der Liquidation mit ihrem Gesamtvolumen von fast 1,6 Milliarden Dollar nahezu wertlos.16 Man befürchtete, dass auch anderen Investoren Verluste in Milliardenhöhe drohten, waren doch auch diese durch den bereits beschriebenen „Leverage-Effekt“ hoch verschuldet.17 In der Hedgefondssparte wurde jeder reale Dollar mit bis zu 35 Dollar beliehen.18 Das anhaltende Misstrauen der Banken untereinander konnten weder die EZB mit Liquiditätsmaßnahmen (August 2007), noch die Federal Reserve mit ihrer Leitzinssenkung (September 2007) verhindern.19 In den Folgemonaten erlebten die weltweiten Aktienmärkte schwere Turbulenzen. Zahlreiche Banken gerieten in ernsthafte Liquiditätsengpässe. Bei der britischen Hypothekenbank Northern Rock kam es gar zu einem gefürchteten Bank Run.20 Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die den Einlegern seit der Großen Depression eine Einlagensicherungsgarantie aussprechen, weigerte sich Großbritannien zunächst Northern Rock zu retten, geschweigedenn für deren Einlagen zu bürgen. Die zögernde Entscheidung der Regierung Brown, die Bank zu verstaatlichen kam erst Monate später und zeigte zugleich die Ratlosigkeit der gesamten Politik. 21 Der Bank Run auf Northern Rock verleitete die Analysten und Ex- perten in den USA dazu, die gigantischen -mit Hypotheken verbundenen Verluste - ab- zuschätzen.22 Zahlreiche Banken begannen mit massiven Abschreibungen der „faulen Kredite“23 und Geldbeschaffungsmaßnahmen. Merrill Lynch konnte 6 Milliarden Dollar von zahlreichen Investoren einsammeln, Abu Dhabi unterstütze die Citigroup mit 7,5 Milliarden Dollar und Goldman Sachs wurde von Warren Buffet mit 5 Milliarden Dollar gestützt.24

[...]


1 Vgl. Hans-Peter Burghof 2008 S.703 ff.

2 Vgl. ebda.

3 Vgl. ebda.

4 Vgl. ebda.

5 Vgl. ebda.

6 Vgl. ebda.

7 Vgl. Burghof, 2008

8 Vgl. ebda.

9 Vgl. ebda.

10 Vgl. ebda.

11 Vgl. ebda

12 Vgl. ebda. S. 705

13 WiSo Direkt, F.E.S., 2008

14 Scharff, 2009

15 Vgl. ebda.

16 Vgl. Chapter15

17 SPIEGEL Online, 18.07.2007

18 Kansas 2009

19 Scharff, 2009

20 Vgl. ebda.

21 Kansas, 2009, S. 63-66

22 Vgl. ebda.

23 Vgl. ebda.

24 Vgl. ebda.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Voraussetzungen und Ursachen für die Krise im Bankensektor
Untertitel
Übernahmen als Form von Stabilisierungsmaßnahmen am Fall von Bear Stearns
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Ringvorlesung "Weltwirtschaftskrise - Ursachen und Folgen"
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V164389
ISBN (eBook)
9783640794409
ISBN (Buch)
9783640794423
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Lehman Brothers, Bear Stearns, J.P. Morgan, Finanzmarkt, Investment, Bankenkrise, Stabilisierungsmaßnahmen
Arbeit zitieren
Marco M. Hagemeyer (Autor), 2010, Voraussetzungen und Ursachen für die Krise im Bankensektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164389

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