Wolframs von Eschenbachs "Parzival" - Gawan und Feirefiz im Vergleich

Ihre Liebe zu Orgeluse und Repanse de Schoye in Wolframs "Parzival"


Seminararbeit, 2009
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Minnedienst in der höfischen Kultur des Mittelalters

3. Gawan und Orgeluse
3.1.Erste Begegnung
3.2. Minneaufgabe…
3.3.Minnenot

4. Feirefiz und Repanse de Schoye
4.1.ErsteBegegnung
4.2.„Liebe“ innerhalb der Gralsgesellschaft…
4.3.Feirefiz’Taufe –Mittel zum Zweck?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

„swiez iuch habe verdrozzen,

ir habt mich în geslozzen:

nu lœset oder bindet.“ (V. 510,21-23)

„dô slôz sich in ir minnen stric

Feirefîz der werde gast." (V. 811,4f.)

Das Thema dieser Hausarbeit soll die Liebe sein, genauer die Liebe Gawans zu Orgeluse und die Liebe Feirefiz‘ zu Repanse de Schoye. Ausgehend von den oben genannten Stellen aus Wolframs von Eschenbach „Parzival“ wird deutlich, dass beide Helden der Liebe verfallen. Das Verb „sliezen“ signalisiert, dass sie in ihrer Liebe eingeschlos­sen bzw. von ihren Geliebten gebunden sind. Somit, unfähig sich dagegen zu wehren, legen sie ihr Schicksal in die Hände der jeweiligen Geliebten und sind bereit alles was in ihrer Macht steht zu tun um mit Gegenliebe belohnt zu werden.

Das Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich der Helden bezüglich ihrer Liebe zu Orgeluse bzw. zu Repanse. Während die Forschung es darauf abzielt Gawan mit Parzival zu vergleichen, was in vielen Fällen auch Sinn ergibt, ist dieser Vergleich in der Liebe sehr von Gegensätzen geprägt. Der junge Parzival hat seine Liebe bereits im vierten Buch mit Condwiramurs gefunden, die er heiratet und der er treu bleibt. Gawan dagegen bildet das Gegenpol zu Parzival. Er findet an vielen Frauen Gefallen und kann sich vorerst nicht festlegen, sondern erst als er Orgeluse trifft, entflammt seine Liebe. Ähnliches Ver­halten lässt sich auch bei Feirefiz, dem Bruder von Parzival, beobachten. Somit agiert Feirefiz als eine Parallelfigur zu Gawan, da beide Charaktere sich in ihrem Liebesver­halten sehr ähnlich sind.

Im Laufe dieser Arbeit werden diese Parallelen Schritt für Schritt vorgestellt und analy­siert. Außerdem soll auch auf die Unterschiede eingegangen werden. Um einen Einblick in die damalige Liebessituation zu bekommen, steht ein Exkurs in den Minnedienst der höfischen Kultur des Mittelalters am Anfang dieser Arbeit. Dabei soll geklärt wer­den, was typisch für einen solchen Minnedienst war. Die erarbeiteten Aspekte sollen anhand von Situationen der Helden veranschaulicht werden. Des Weiteren wird näher auf die beiden Charaktere eingegangen. Zuersts soll Gawans Beziehung analysiert werden. Dabei wird auf die französische Vorlage von Chrétien de Troyes Bezug genommen. Danach soll Feirefiz‘ Beziehung zu Repanse näher untersucht werden. Insgesamt werden die Schwerpunkte dabei auf die erste Begegnung und auf den weiteren Verlauf der Beziehungen gelegt. Beide Helden müssen Opfer für ihre Liebe aufbringen: Gawans âventiuren im Dienst Orgeluses und Feirefiz‘ Taufe. Ein Kapitel soll der „Liebe“ in der Gralsgesellschaft gewidmet werden, um die Funktion der Taufe zu verdeutlichen. Zuletzt soll der Frage nachgegangen werden, ob Fairefiz‘ Taufe, so wie sie im 16. Buch dargestellt wird, nur ein Mittel zum Zweck ist, um Repanse zu heiraten und somit das Liebesziel zu erreichen. Am Ende der Arbeit sollen die Ergebnisse in einem Fazit zu­sammengefasst werden.

2. Minnedienst in der höfischen Kultur des Mittelalters

Im zehnten Buch des „Parzival“ äußert sich Gawan wie folgt zum Minnedienst:

„'wer mac minne ungedienet hân?

muoz ich iu daz künden,

der treit si hin mit sünden.

swem ist ze werder minne gâch,

dâ hœret dienst vor unde nâch.'“ (V. 511,12-16)

Hierbei wird deutlich, dass Liebe mit dem Liebesdienst zusammenhängt. Ohne Dienst gibt es keine Liebe. Diese soll „erdient“ werden.

Wenn man analysieren will was Minnedienst ist, soll man an dieser Stelle zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden, denn so wie man sich die höfische Liebe vorstellt, trat diese nur in der Literatur in Erscheinung. Der Begriff „höfische Liebe“ wurde zum ers­ten Mal im 19. Jahrhundert von Franzosen Gaston Paris geprägt. Dieser formulierte dazu Folgendes:

„1. Höfische Liebe ist ungesetzlich, illégitime, und daher auf Heimlichkeit angewiesen. Sie schließt die volle körperliche Hingabe ein.
2. Höfische Liebe verwirklicht sich in der Unterordnung des Mannes, der sich als Die­ner seiner Dame betrachtet und die Wünsche seiner Herrin zu erfüllen sucht.
3. Höfische Liebe fordert von dem Mann das Bemühen, besser und vollkommener zu werden, um dadurch seiner Dame würdiger zu sein.
4. Höfische Liebe ist 'eine Kunst, eine Wissenschaft, eine Tugend' (un art, une science, une vertu) mit eigenen Spielregeln und Gesetzen, die die Liebenden beherrschen müs­sen.“[1] (Hervorhebungen im Original)

Wenn man diese Ausführungen auf die Liebe der beiden Helden, die im Zentrum dieser Arbeit stehen, überträgt, so treffen die Punkte 2 bis 4 zu. Beide ordnen sich ihrer Geliebten unter. Während Gawan sich um Orgeluses Gunst zu erhalten von einem Abenteuer ins andere stürzt, lässt sich Feirefiz taufen, um Repanse heiraten zu können. Da­durch ordnen sie sich den Frauen unter, wobei an dieser Stelle in Zweifel gestellt wer­den soll, ob Feirefiz durch seine Taufe sich Repanse unterordnet. Vielmehr ist die Taufe notwendig um die Konzeptionen der Gralsgesellschaft zu erfüllen. Hieraus re­sultiert automatisch der dritte Punkt, da gerade dadurch, dass die beiden Männer darum bemüht sind, die Wünsche ihrer Minnedamen zu erfüllen, sie danach streben vollkommener in ihren Augen zu sein und sich selbst zu übertreffen. Der erste Punkt trifft nur bedingt zu, denn weder bei Gawan noch bei Feirefiz ist die Liebe auf Heimlichkeit angewiesen. Im Ge­genteil, am Ende von „Parzival“ heiraten die beiden Paare sogar und machen ihre Liebe dadurch légitime. Bei Gawan und Orgeluse wird noch vor ihrer Hochzeit der Aspekt der körperlichen Hingabe in Betracht gezogen, da der Erzähler Andeutungen macht, dass es mehr zwischen den beiden gelaufen ist, als sie alleine geblieben sind:

„kunn si zwei nu minne steln,

daz mag ich unsanfte heln.

ich sage vil lîht waz dâ geschach,

wan daz man dem unfuoge ie jach,

der verholniu mᴂre machte breit.“ (V. 643,1-5)

Nimmt man an, dass diese Andeutungen stimmen, kann man trotzdem nicht von Heim­lichkeit sprechen, da zumindest Arnive Bescheid weiß, dass Orgeluse bei Gawan ge­blieben ist, da diese Orgeluse selbst dazu auffordert bei Gawan zu bleiben:

„'nu sult ir schaffen guot gemach

disem rîter den ir brâhtet her. […]

doch sult ir sînen kumber klagn:

ob ir im senftet, daz ist guot.“ (V. 642,14-23)

Dieser Rede von Arnive kann man entnehmen, dass sie beinahe Orgeluse dazu antreiben will, sich in Gawans Bett zu legen um seinen kumber zu lindern, wobei kumber wiederum doppeldeutig ist. Einerseits kann damit seine körperliche Qual gemeint sein aufgrund seiner noch nicht verheilten Wunden, andererseits aber der kumber nach körperlicher Liebe.

Auch bei Feirefiz‘ Verliebtheit kann man nicht von Heimlichkeit reden, da sobald er seine Zuneigung Repanse gegenüber ausspricht, wird er sofort von Arthus und Parzival dazu aufgefordert sich taufen zu lassen, um Repanse heiraten zu können. Ungesetzlich wäre aber der Aspekt der Verwandtschaft zwischen ihm und sei­ner Geliebten, da Feirefiz die Tante von seinem Halbbruder Parzival heiratet (vgl. Stammbaum, S. 806f.). An dieser Stelle spiegelt sich der Widerspruch zwischen Fiktion und Wirklichkeit wider. Während es im „Parzival“ ohne weitere Probleme zu einer Ehe zwischen Feirefiz und Repanse kommt, ist in der Realität die Verwandschaft ein Hindernis für die Ehe. Mit diesem Aspekt setzt sich Bumke näher auseinander. Er erwähnt dazu Folgendes:

„Einer Entscheidung folgend, die Papst Alexander II. († 1073) im Jahr 1059 getroffen hatte, wurde in Gratians 'Decretum' festgelegt, daß Verwandtschaft bis zum siebenten Grad ein zwingendes Ehehindernis darstellte. Diese Position, die eine große Zahl feudaler Ehen mit der Feststellung ihrer Ungültigkeit bedrohte, war aber auf die Dauer nicht zu halten. Auf dem Vierten Laterankonzil im Jahr 1215 wurde die kirchen­rechtliche Entscheidung dahin revidiert, daß nur noch Verwandtschaft bis zum vierten Grad als kanonisches Ehehindernis gelten sollte.“[2]

[...]


[1] Bumke, 1990, 504

[2] Ebd., 545

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wolframs von Eschenbachs "Parzival" - Gawan und Feirefiz im Vergleich
Untertitel
Ihre Liebe zu Orgeluse und Repanse de Schoye in Wolframs "Parzival"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut )
Veranstaltung
Proseminar Gawan
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V164412
ISBN (eBook)
9783640793587
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Wolframs, Eschenbachs, Parzival, Gawan, Feirefiz, Vergleich, Ihre, Liebe, Orgeluse, Repanse, Schoye
Arbeit zitieren
Anastasia Schmidt (Autor), 2009, Wolframs von Eschenbachs "Parzival" - Gawan und Feirefiz im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164412

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