Die Versprechen von Faith21 in der deutschen Wellenreitszene

Eine empirische Untersuchung kommerzieller Angebote in postmodernen Bewegungskulturen


Magisterarbeit, 2010

119 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung
1.2. Gliederung der Forschungsarbeit

2. ANGEBOTE IM RAUM DES SPORTS
2.1. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Sport
2.2. Wellenreiten als Angebot im Sport
2.2.1. Das stilistische Feld der Surfszene
2.2.2. Die eigenlogische Ökonomie der Szene
2.2.3. Besonderheiten des deutschen Szeneraums
2.3. Leitende Forschungsfragestellung

3. FORSCHUNGSMETHODEN
3.1. Kennzeichen qualitativer Sozialforschung
3.2. Das episodische Interview
3.3. Aufbau und Themenbereiche des Interview-Leitfadens
3.4. Erhebungsdurchführung
3.4.1. Kontaktaufnahme
3.4.2. Räumliches Setting
3.4.3. Aufzeichnungstechnik
3.4.4. interviewstil
3.4.5. Interviewverlauf
3.5. Interviewtranskription
3.6. Entwicklung des Auswertungsschemas
3.6.1. Deduktiv erarbeitete Kategorien
3.6.2. Induktiver Feinschliff
3.7. Zwischenfazit

4. DAS ANGEBOT VON FAITH
4.1. Die Anbieter
4.1.1. Miller
4.1.2. Rik
4.1.3. Das Anbieterteam
4.1.4. Angebotsrelevantes Wissen der Anbieter
4.2. Surfboards
4.2.1. Surfboardshapes
4.2.2. Shaper
4.2.3. Surfboardgrafiken
4.2.4. Marktpositionierung
4.3. Kleidung
4.3.1. Funktionelle Surfbekleidung
4.3.2. Surfmode
4.4. Streetart
4.4.1. Integration von Streetart
4.4.2. Bilder des Surfens
4.4.3. Markenlogo
4.5. Der ideale Stilist
4.6. Das Kollektiv
4.6.1. Das performative Korps des Faith21-Stils
4.6.2. Instanz der Produktbeglaubigung
4.6.3. Verflüssigung der Grenze von Unternehmen und Szene

5. ZUSAMMENFASSUNG
5.1. Weiterführende Fragestellungen

ANHANG
I. Literatur
Wissenschaftliche Literatur
Zeitschriften
Internetrecherchen
II. Abbildungsnachweise

„ Und plötzlich taucht dort [...]wie ein Meeresgott aus sprudelnder und stampfender Gischt der dunkle Kopf eines Mannes auf. [...] Wo einen Moment zuvor nur grenzenlose Verlassenheit und unerschütterliches Gebrüll war, ist nun ein Mensch, aufrecht, in voller Statur, der nicht verzweifelt kämpft in dem reißenden Strom, [...]sondern der über ihnen allen steht; ruhig und erhaben schwebt er über dem taumelnden Gipfel [...] und er fliegt durch die Luft, fliegt vorwärts, fliegt ebenso schnell wie die Woge unter ihm. [...]Doch von ihm kein hilfloses Rudern und Balancieren. Er ist gelassen, bewegungslos wie eine Statue, die geformt wurde durch ein plötzliches Wunder aus den Tiefen des Meeres, denen er entstieg, [...]und der Stolz über diese Leistung zeigt sich in der Haltung seines prachtvollen Körpers, als dich sein unbekümmerter Blick einen Moment

lang streift, dich, der du im Schatten des Ufers sitzt. “

(Jack London) „Only a Surfer knows the feeling“

(Billabong)

„Das Unaussprechbare (das, was mir geheimnisvoll erschien und ich nicht auszusprechen vermag) gibt vielleicht den Hintergrund, auf dem das, was ich

aussprechen konnte, Bedeutung bekommt.“

(Wittgenstein)

1. Einleitung

Seit ich an der französischen Atlantikküste meine ersten Erfahrungen mit dem Surfen[1] gemacht habe, bin ich fasziniert von dieser Auseinandersetzung mit dem Meer und dem berauschenden Gefühl eines jeden Versuches, seinen Wellen gerade im Moment ihrer Auflösung einen möglichst kunstvollen Ritt zu entlocken.

Aufgewachsen in einer ländlichen Region Niedersachsens war meine Kontaktaufnahme zum Wellenreiten zwar alles andere als selbstverständlich, doch familiäre Urlaubsreisen führten mich regelmäßig auf nordfriesische Inseln und meine mangelnde Schwimmfähigkeit, schauerliche Erzählungen der Inselbewohner und eigenes Erleben von Sturmfluten, harmonischen Strandtagen und heikel wahrgenommenen Fährfahrten ließen das Meer schon sehr früh eine Anziehungskraft auf mich ausüben, die zugleich durch Angst und Neugierde und dessen Schönheit getriebene Faszination gespeist wurde. Fand sich in Suchbewegungen meiner spätpubertären Jugendzeit vor allem im Skateboardfahren ein dankbarer roter Faden, entlang dessen erste gedankliche und räumliche Ausflüge aus ungeliebter dörflicher und elterlicher Enge erfolgten, so richteten sich diese später, im Erlernen der riskant spielerischen Auseinandersetzung mit den Wellen des mystisch wahrgenommenen Ozeans auf gänzlich unbekannte Sprachräume, Regionen und Alltagszusammenhänge aus. Surfen verhieß mir hierbei eine Mischung aus Selbstbestimmtheit, Individualität, Abenteuer und Unabhängigkeit und der Empfindung eines Lebens im Hier und Jetzt, gleichsam gepaart mit dessen permanenter Veränderlichkeit als einzig bleibende Konstante. Virtuose Surfer, denen man in den Wellen begegnete, verklärten sich vor meinen Augen oft ins Heldenhafte. Ihre leichtfüßigen Manöver ließen sie graziös, fast schwebend auf den Wellen agieren, um deren eigenwilligen Tanz sie in jeder ihrer Bewegungen genau zu wissen schienen. Als völlig unerklärlich erlebte ich dabei auch ihre blinde Kenntnis der Brandung, die es ihnen erlaubte, ankommende Wellen vorauszuahnen und ohne übermäßige Kraftanstrengung stets an der richtigen Stelle anzustarten. Ihre Gemeinschaft begegnete mir als unkommerziell gewandter und sauberer Parallelentwurf zur harten und staubigen Straßenattitüde des Skateboardfahrens, als das schönere, der Welt und ihrer Natur zugewandte Gesicht einer ähnlichen Art und Weise. Mit jedem Aufenthalt am Meer erweiterte sich meine Teilnahme, meine Erfahrung und Leidenschaft am Surfen, in dessen Lebensgefühl, Gemeinschaft und Geheimnisse ich mich in den folgenden Jahren immer tiefer einweihte.

Rückblickend stelle ich dabei fest, dass auch in meinen Kleidungsstil und in meine Vorlieben für Markenangebote Elemente der Wellenreitszene Einzug genommen hatten, deren Ausgestaltung im Verlauf meiner Surferbiografie permanenten Wandlungen unterzogen war. Zum Ende meiner ersten Surfreise markierte der Kauf eines eigenen Neoprenanzugs[2] und weiterer Surferkleidung und -magazine mein Streben nach weiterer Auseinandersetzung mit dieser Gemeinschaft und war - vielleicht auch zur Selbstvergewisserung eines nachhaltigen Interesses - ein Ausdruck meiner spürbaren Leidenschaft am Wellenreiten. Zu verschiedenen Zeitpunkten meiner Surferlaufbahn sind je unterschiedliche Bündel aus Surfbrettern, Profisurfern, Surfmarken, Surfspots, Surfreisezielen oder Kleidungsstücken (bzw. deren gewollte Abwesenheit) in meinen Wünschen und meinem Besitz vertreten gewesen, die mir irgendwie interessant, cool und zu meiner Person passend vorgekommen sind und mir gegenüber der eigentlich als unkommerziell angesehenen Wellenreitgemeinschaft und meiner Alltagswelt in irgendeiner Weise eine treffende Inszenierung meiner selbst versprochen haben. Ich wurde einer speziellen Qualität der Durchdrungenheit mit kommerziellen Waren-, Dienstleistungs- und Markenangeboten in der Wellenreitszene gewahr, die jeder Form des Wellenreitens adäquat erscheinende, kommodifizierte Begleitung zur Verfügung zu stellen scheint.

Es warf sich mir die Frage auf, wie sich das Verhältnis von kommerziellen Angeboten von Unternehmen auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine Nachfrage ihnen gegenüber bei Surfern so gestaltet, dass sie dem Surfer versprechen können, sein eigentlich nur praktisch erfahrbares Lebensgefühl des Surfens zu bedienen. Eben solche Versprechen stehen im Interesse der vorliegenden Forschungsarbeit und werden entlang der Angebotsgestaltung eines jungen Surflabels und in Bezugnahme auf die sportlich Aktiven der deutschen Wellenreitszene analysiert.

1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung

Diese Arbeit betrachtet das Angebot eines Surfmarkenherstellers und stellt die Frage nach dem Verhältnis von postmodernen Bewegungskulturen[3] und kommerziellen Angeboten. Sie berührt dabei Fragestellungen der Kultursoziologie und greift gleichsam Interessenbereiche der Betriebswirtschaftslehre auf. Es wird ein Blick auf kommerzielle Angebote für „Nachfrager“ aus postmodernen Bewegungskulturen geworfen und damit ein Themengebiet der Betriebswirtschaftslehre und des Marketings bearbeitet.[4] Unter Zuhilfenahme einer kultursoziologischen Brille werden diese Angebote und ihre Gestaltungen im Verlauf der Arbeit dahingehend untersucht, in welcher Relation sie zu Formierungs- und Vergemeinschaftungsprozessen im Verhältnis von Sport und Lebensstil[5] stehen. Auch ergeben sich aus dieser Perspektive möglicherweise neue Fragestellungen und Sichtweisen für die Vermarktung und Gestaltung von Produkten in szenisch konstituierten Bewegungskulturen. Ausgehend von einer persönlich beobachteten Kookurrenz und Durchdringung postmoderner Bewegungskulturen mit kommerziellen Angeboten wird davon ausgegangen, dass in den Angeboten Potentiale enthalten sind, die mit kulturell geformten und verankerten Verhaltensweisen und Erfolgsmodellen innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft in einer Weise korrespondieren, dass sie Versprechen an deren Aktive zu artikulieren vermögen.

Es wird daher der Frage nachgegangen, wie in der Gestaltung eines Angebots die jeweilige soziale und kulturelle Eingebundenheit der anvisierten Nachfrager in eine Gemeinschaft Berücksichtigung findet und wie das Angebot auf Basis dessen Versprechen gegenüber den Aktiven der Bewegungsgemeinschaft formuliert, die ihnen die Anwesenheit und den Konsum des Angebots als vorteilhaft und profitabel erscheinen lassen. Weil die Fragestellung dieser Arbeit zudem aus der Perspektive der Sportsoziologie an den Forschungsgegenstand herangetragen wird, nimmt sie vor allem in den Blick, in welcher Weise diese Versprechen an den sozial und kulturell geformten Körpern und Praktiken der sportlich Aktiven ansetzen. Es kommt daher eben solchen Bereichen eine besondere Berücksichtigung zu, die in leibhaftige und praktische Vollzüge der Surfszene eingebunden sind. Mit gleicher Begründung finden sich andere typische Phänomene eines kommerziellen Angebots (Preis, Werbung) weniger oder gar nicht in Betracht gezogen.

Für dieses Forschungsinteresse stellt sich das junge Surflabel Faith21[6] als passender Erhebungsgegenstand dar: Gegründet im Jahr 2004 hält es mit Surfboards, Bekleidung und Accessoires ein kommerzielles Angebot bereit, das auf Aktive der deutschen Wellenreitszene ausgerichtet ist. Ausgehend von qualitativen Interviews mit den Betreibern von Faith21 wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit analysiert, in welcher Weise die Angebotsgestaltung in ihren Augen Versprechen an die Interessen deutscher Wellenreiter macht. Hierzu wird ausschließlich die Anbieterseite ins Visir genommen. Der Erkenntnishorizont dieser Forschungsarbeit ist von vornherein dahingehend eingeschränkt, dass sie weder analysieren werden kann, wie kommerzielle Angebote auf die Gemeinschaft deutscher Surfer wirken, noch erlaubt, Voraussagen über ihren kommerziellen Erfolg zu treffen.

1.2. Gliederung der Forschungsarbeit

Entlang der Fragestellung Pierre Bourdieus, „ob nicht das Objekt, das ich mir vorgenommen habe, in ein Netz von Relationen eingebunden ist, und ob es seine Eigenschaften nicht zu wesentlichen Teilen diesem Relationennetz verdankt“[7], wird in

Kapitel 2 der Erhebungsraum in vier Schritten theoretisch aufgearbeitet. In einem ersten Schritt werden Angebot und Nachfrage im Sport als relational strukturierte und über den Habitus[8] der Akteure miteinander verbundene Felder[9] verstanden und aktuelle Veränderungstendenzen aufgezeigt. Als ein Angebot in diesem relationalen Feld des Sports wird die Gemeinschaft der Wellenreiter in einem weiteren Schritt als Szene kenntlich gemacht und für diese der Stellenwert authentischen Stils und der Treue zu selbigem im Besonderen hervorgehoben. Entlang weiterer Sekundärliteratur wird im dritten Schritt auf Basis historisch angebundener Stilfraktionen eine Binnenstruktur der Wellenreitszene sowie ihre eigenlogische Symbolökonomie und Hierarchisierung rekonstruiert. Die Darstellung von Besonderheiten des deutschen Szeneraums markieren den Abschluss der theoretischen Aufarbeitung und münden in eine hierauf fußende Konkretisierung der Leitfrage.

Das dritte Kapitel wendet sich dem Forschungsdesign der Arbeit zu. Auf Grundlage der leitenden Fragestellung und des Erkenntnisinteresses wird die verwendete Erhebungsmethode, ihre Anwendung im Erhebungsverlauf und die Entwicklung des Auswertungsschemas ausgeführt. Im Prozess der Erhebung, Aufbereitung und Auswertung des Materials werden Interviews mit den Anbietern von Faith21 durchgeführt, sequenziell transkribiert und nach einem Kategorienschema ausgewertet, das sowohl entlang herangezogener Sekundärliteratur als auch wesentlich in Auseinandersetzung mit dem erhobenen Material entstanden ist.

Im Kapitel 4 werden, nach einer einführenden Vorstellung der erhobenen Fälle, die im Datenmaterial erkennbaren Versprechen von Faith21 herausgearbeitet. In Relation zu den im Kapitel 2 aufgezeigten Besonderheiten des deutschen Szeneraums wird entlang der Produktgestaltungen von Faith21 eine symbolische Strategie des Angebots sichtbar gemacht.

Im abschließenden Kapitel 5 werden die herausgearbeiteten Versprechen von Faith21 und ihre Präsentation gegenüber der Szene zusammenfassend dargestellt. Darüber hinaus wird das im Kapitel 2.1. ausgeführte Verständnis des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage im Sport auf Basis der gewonnenen empirischen Erkenntnisse einer kritischen Betrachtung unterzogen. Anschließend finden sich weiterführende Fragestellungen und Forschungsdesiderate aufgeführt, die während der Anfertigung dieser Arbeit entstanden sind.

In der Arbeit wird ein Großteil der englischsprachigen Zitate im Original wiedergegeben, um eine korrekte Wiedergabe ihres Sinnes zu gewährleisten. Im Text findet ausschließlich die männliche Form Verwendung. Grundsätzlich sind hiermit jedoch stets beide, Frauen und Männer gemeint.[10]

2. Angebote im Raum des Sports

Zum Einstieg in die theoretische Aufarbeitung des Erhebungsfelds werden Angebot und Nachfrage im Sport als relational strukturierte und über den Habitus der Akteure miteinander verbundene Felder dargestellt sowie aktuelle Veränderungstendenzen aufgezeigt.

2.1. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Sport

Im Anschluss an Pierre Bourdieu kann einem soziologischen Verständnis von Sport ein „Raum der Sportarten“[11] zugrunde gelegt werden, in dem die Bedeutung einer jeden Sportart erst aus ihrer Relation zu allen anderen hervorgeht. Die historisch gewordene innere Struktur eines solchen relationalen Gefüges ist dabei stets an ein bestimmtes Datum gebunden und unterliegt einer permanenten Differenzierungs- und Innovationsdynamik, die bei Auftritt einer neuen, bzw. dem Bedeutungswandel einer bestehenden Sportart eine Transformation des gesamten Gefüges bewirkt.[12] Bezieht sich das bourdieusche Verständnis dieses Gefüges wesentlich auf traditionelle und institutionell gerahmte Sportarten, so muss dieses für eine treffende Beschreibung des Erhebungsfelds um die Betrachtung sportlicher Praktiken als stilisierende Elemente einer alltäglichen Lebensführung erweitert werden. Entlang sozialer Prozesse der Expansion, Inklusion und Differenzierung und einer Etablierung von Sportivität als legitimes Muster der Alltagskultur entwickelt der Angebotsraum des Sportes in Anschluss an Robert Schmidt ab Ausgang der 80er Jahre eine kaum überschaubare Heterogenität, die im bisher gültigen Modell des vereinsmäßig organisierten und wettkampforientierten Vereinssports nicht mehr aufgeht und die Herausbildung eines neuen, präsentatorisch-inszenatorischen Sportmodells kennzeichnet.[13] Es bildet sich nach Schmidt in der Konvergenz von Pop- und Sportkultur ein neuer kultureller Angebotsraum popkulturell-sportlicher Kulturpraxen heraus, in denen Bedeutungsstiftung wesentlich als Performanz, entfernt von Texten, Bildlichkeit und Sprache, dem ,Sprechen’ des Körpers in körperpraktischen Aufführungen zugeschrieben wird.[14] Gegenüber Wettkampf und Leistung, stehen hier Aufführungen von körperlich ästhetischer Kompetenz mit Aspekten wie ,Gestik, Aussehen und Erscheinung, der Auftritt und die Show’ im Vordergrund, deren vermehrte Beanspruchung öffentlicher Räume und ,Symbiose mit Mode und Freizeitkonsum’ die Grenzen der Sportkultur zu anderen kulturellen Arealen, wie denen der Popkultur hin öffnen und in Überschneidungen mit diesen eine präsentatorische Sportlichkeit zum festen Bestandteil einer Stilisierung der alltäglichen Lebensführung werden lassen.[15]

Transformationsprozesse im Gefüge dieser körperlichen Stilistiken und sportiven Praktiken sind, hier wiederum nach Bourdieu, stets „eingebettet in ein umfängliches Feld von Auseinandersetzungen, die die Definition des legitimen Körpers und des legitimen Gebrauchs des bzw. Umgangs mit dem Körper zum Gegenstand haben“[16]. Derart konkurrierende Vorstellungen legitimer körperlicher Praxis finden sich von allen Anbietern, „neben den Vereins- und Verbandsfunktionären, [...] sonstigen Anbietern von Gütern und Dienstleistungen des Sportbereichs [...] auch [durch] die Richter über Geschmack und Eleganz, die Modemacher“[17] artikuliert.

BouRDiEUs Konstruktion des Gefüges körperlich sportlicher Praktiken stellt darüber hinaus einen Zusammenhang zum sozialen Raum her:

„Praxis und Konsum von Sport [lassen sich]als eine Art Angebot verstehen, das auf eine bestimmte gesellschaftliche Nachfrage stößt“[18].

Es besteht nach Bourdieu jedoch kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer Sportart und der sozialen Position der Aktiven, sondern ein dispositioneller Zusammenhang, der „den Möglichkeiten Rechnung trägt, welche im Körper der Akteure und in der Struktur der Situation, in der sie agieren, oder genauer gesagt, in der Relation zwischen diesen beiden angelegt ist“[19] und entlang dessen ein Sportangebot seine Relevanz erst auf Basis von Homologien zum Raum der sozialen Positionen erhält. Akteure entwickeln gegenüber solchen Sportangeboten wahrscheinlicher ein Interesse (im Sinne einer körperlichen Affinität), die den über Sozialisation erworbenen körperlichen Dispositionen ihres Habitus eher erlauben, zur Sprache zu kommen[20]

„[Die ] spezifische Logik, dergemäß die Akteure sich eher diesem als jenem Sport zuwenden und eher auf diese als auf jene Weise praktizieren, [ist] erst dann nachvollziehbar, wenn die jeweils besonderen Haltungen und Einstellungen zum Sport Berücksichtigung finden, die - als Dimensionen eines jeweils bestimmten Verhältnisses zum eigenen Körper - dem einheitlichen System der Dispositionen eingebunden sind, das heißt dem Habitus als Fundament der Lebensstile.“[21]

Steht damit eine Teilhabe an sportlichen Angeboten nach Bourdieu auf der einen Seite in einem engen Zusammenhang mit den mitgebrachten Habitus der Akteure, so leisten die neuen Aufführungs- und Spielpraxen nach Schmidt auf der anderen Seite gleichzeitig eine Übersetzungsarbeit an den inkorporierten Dispositionen entlang der Angebote an Bewegungsmöglichkeiten, Materialien und Körperstilistiken der Sport- und Popkultur und bieten sowohl Bühnen zur performativen Darstellung neuer sozialer Differenzierungen als auch die Grundlage für neue Formen der Vergemeinschaftung.[22]

Sportangebote und -nachfrage bewegen sich damit in einem relationalen Verhältnis zueinander, deren jeweilige Entwicklungen „aus der unablässigen Konfrontation und Anpassung jener beiden [...] resultiert“[23]. Gleichzeitig kennzeichnen sich Formierungs­und Differenzierungsprozesse des einen Bereichs aber auch durch eine vom jeweils anderen Bereich relativ autonome Eigenlogik.

Angesichts vorliegender Bearbeitung kommerzieller Angebote ist dabei vor allem in Betracht zu ziehen, dass im Unterschied zu den nachfragenden Akteuren die Interessen der Anbieter gleichzeitig auf die möglichst effiziente Konvertierbarkeit ihres Angebots in ökonomisches Kapital ausgerichtet ist. Zeigt sich auf der Anbieterseite eine Eigenlogik in der Verknüpfung von Hervorbringungen im Gefüge der Sportangebote mit monetären Interessen, so kennzeichnet sich eine solche auf der Nachfragerseite darin, dass ein Interesse an sportlicher Praxis und ihre Veränderung sich entlang unterschiedlicher sozialer Präferenzsysteme formiert. Sie ist damit nach Bourdieu stets “eingebettet in den Wandlungsprozess der Lebensstile und damit dessen allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unterworfen“[24]. Eine Korrespondenz zwischen beiden Räumen führt Bourdieu darauf zurück, dass der „Raum der Produzenten [...] in seiner inneren Gliederung die des Raums der Konsumenten reproduziert.“[25] Anbieter auf dem Markt des Sports sind hiernach nur so weit in der Lage, die mehr oder weniger bewusst vorliegenden Erwartungen der Nachfrager „Kraft Objektivierung zu realisieren“[26], wie sie deren Dispositionen mittels ihrer Angebote zu rekonstruieren vermögen.

Im anschließenden Kapitel wird die Gemeinschaft der Wellenreiter als ein Angebot im relationalen Gefüge des Sports kenntlich gemacht und für dieses der Stellenwert authentischen Stils im Besonderen hervorgehoben.

2.2. Wellenreiten als Angebot im Sport

Trotz seiner ungleich weit zurückreichenden Geschichte und Tradition[27], stellen u. a. LAMPRECHT/STAMM Wellenreiten in die Nähe sozial ähnlich kontextualisierter Bewegungskulturen und Szenen sogenannter Trend-, Mode- oder Risikosportarten wie Skateboarding, Snowboarding oder auch Kitesurfing.[28] Ford/Brown begründen die Nähe des Wellenreitens zu solchen lifestyle sports zudem auf Basis geteilter struktureller Elemente und Diskurse:

„[...] concerns with authenticity, sensation and thrill-seeking, mediatization, widespread social debate regarding the place of professionalism and competition, and especially high levels of involvement in the practice by ,hardcore’ participants“.[29]

Entlang seiner expressiven Körperpraktiken des Wellenreitens, im Rahmen der Gemeinschaft gegebener Möglichkeiten zur Umcodierung mitgebrachter Dispositionen zu einer surferischen Körper- und Lebensstilistik und seinem Modus sozialer Aggregation stellt Wellenreiten ein signifikantes Angebot im entstehenden Konvergenzbereich von Pop- und Sportkultur dar. In der Form der „Sportszenen“[30] stehen sie den Rekrutierungsformen institutionell gerahmten Vereinssports direkt - und in weiten Teilen in ablehnender Haltung - gegenüber. Während sich der soziale Zusammenhang des Vereins vor allem auf seine institutionell-organisatorischen Rahmungen von Vereinssatzungen und festen Trainings- und Spielzeiten stützt, gründen die Rahmungen von Szenen auf „ähnlichen verkörperten Dispositionen der Teilnehmer [und auf ein] fremdorganisiertes, von der Sport- und Lifestyle-Industrie bereitgestelltes Angebot“[31]. Zugehörigkeit lässt sich in diesen sozialen Kontexten nicht schon formal via Mitgliedsausweis garantieren, sondern muss in einem „doppelten Auswahlprozess des Präsentierens und Akzeptierens von Attributen“[32] immer wieder aufs Neue performativ hergestellt werden. Die Möglichkeit einer Teilnahme an den Praktiken der Bewegungskultur findet sich nach Gebauer im Verweis auf Bourdieu im Moment einer „prästabilierten Harmonie zwischen dem einzelnen Stilisten und der Spielgemeinschaft“[33] bedingt und benötigt zu ihrer Realisierung neben der Übereinstimmung äußerer Merkmale von Kleidung, Accessoires und Sportgeräten, vor allem eine Passung zum, „im Habitus verankerten praktischen umgangs mit den Attributen“[34]. Mit anderen Worten: Zur Teilnahme muss der Akteur die vorhandenen ,Gemeinschaftsmotoriken’[35] der Szene und ihren Akteuren in seinen praktischen Hervorbringungen weitgehend reproduzieren können.

„Im Zusammenspiel von Bewegungsmustern, Zeichen, ritualisierten Handlungen, Gesten und Symbolen formieren sich kollektive Repräsentationen und ein gemeinsamer Glaube [...]. In den körperlichen Aufführungen im Spiel modelliert die Gemeinschaft ihre Gestalt; sie wird erkennbar und beginnt für sich und andere sozial zu existieren.“[36]

Dieser Art sozial erzeugte Emotionen finden sich vor allem in den Bewegungsformen und Körperhaltungen des Wellenreitens selbst wieder, zeigen sich darüber hinaus aber auch in wiederholten Darstellungen und Versicherungen gemeinsamer Interessen und Leidenschaft in der Peripherie der eigentlichen Praxis (Bsp. morgendliche Kontrolle der Wellenbedingungen). Ritualisierte Handlungen und Symboliken bieten den Szeneakteuren dabei ebenso Möglichkeiten der Hervorbringung von Zugehörigkeit, wie der Abgleich von Erlebnissen in ihrer Wellenreitkarriere oder die Teilnahme an szeneeigenen Events oder sonstigen Zusammenkünften. Hierunter fallen im Wellenreiten über eine Teilnahme an organisierten Surfveranstaltungen und -parties hinaus beispielsweise auch die Annahme von Dienstleistungsarrangements von Surfschulen, surferorientierten Hostals oder Bars, ebenso wie die Nutzung von Surfmagazinen, Internetseiten zur Wellenvorhersage oder zum Austausch zwischen Wellenreitern über Spots, Surftrips oder Wellenbedingungen. Möglichkeiten der performativen Manifestation von Zugehörigkeit liegen darüber hinaus in der Konsumation und Verwendung bedeutsamer Gerätschaften (Surfboards), Warenangebote (Surfbekleidung und Accessoires) und Marken, deren Herkunft in der Surfszene oder ihrer direkten Umgebung verwurzelt sind und gleichsam im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.[37]

Mit diesen Elementen verschlungene Aufführungen bieten den Akteuren Möglichkeiten des ostentativen Hervorbringens gemeinschaftlichen wie gleichsam individuellen Stils, der den „Kern der kollektiven Identität“[38] der Sozialform einer Szene bildet und dem einzelnen Akteur insoweit eine Mitgliedschaft versichert, wie er in der Lage ist, diesen mittels seiner individuellen Ästhetik und Stilistik glaubhaft aufzuführen:

„Es ist der von allen Beteiligten anerkannte Stil, der die Gemeinschaft zusammenhält, ihr Beständigkeit gibt und ihre zeitliche Kontinuität sicherstellt.

Als ein solcher Stabilitätsgarant tritt in den neuen Spielgemeinschaften der Stil an die Stelle von Satzungen und Vereinsstrukturen.“[39]

Ein verkörperter, szenespezifischer Stil bürgt als „Ausdruck, Instrument und Ergebnis sozialer Orientierung“ [40] nicht nur für den inneren Zusammenhalt der Bewegungskultur, sondern markiert auch mehr oder weniger durchlässige Grenzen, bzw. Anschlüsse zu anderen Angeboten im Raum des präsentatorisch-inszenatorischen Sports und ist darüber hinaus auch die Grundlage für ein feingliedriges soziales Binnendifferenzial des Szenefeldes. Wirkt die Surfszene auf den außenstehenden Betrachter wie eine weitgehend homogene Einheit, so zeigt sie sich intern bzw. ihren Stilisten als weitgehend heterogen. Ebenso wie die vagen und verschwimmenden Außengrenzen der Wellenreitszene mittels des szeneeigenen Stils gezogen sind, zeigen sich feinere Fraktionierungen innerhalb der Szene ebenfalls auf Basis stilistischer Differenzen. Diese Binnenstruktur wird im anschließenden Kapitel entlang historisch begründeter, stilistischer Idealtypen des Wellenreitens rekonstruiert.

2.2.1. Das stilistische Feld der Surfszene

In Anlehnung an Robert Schmidt kann man das stilistische Binnendifferential des Szenefeldes als ein “relationales Raummodell denken, in dem sich die einzelnen Stilgruppen wechselseitig definieren, unterscheiden und sich ihre Position zuweisen“[41]. In einer entwicklungsgeschichtlichen Betrachtung skizziert Booth für die Wellenreitszene eine Auswahl von sechs Stilistiken, die in ihrer aktuellen Sichtbarkeit zwar in weiten Teilen durch zeitgeistige Strömungen der Wellenreitszene re- interpretiert vorliegen, jedoch stets epochale Elemente in der historischen Entwicklung des Surfens zitieren.

„They are complex, both in their internal dynamics, roles, rules and symbolic meanings, and in the social and cultural interactions they initiate across society. [...] [They display] the ways that surfers have historically differentiated and separated themselves from outsiders’ and the way they distribute prestige and honor within their social group.“[42]

Booth unterscheidet hedonistische hawaiianische Beachboys, Mitglieder vereinsähnlich strukturierter Clubs australischer Rettungsschwimmer, sorgenfreie und spaßorientierte kalifornische Surfer, umstürzlerische spirituelle Soulsurfer, körper- und gesundheitsbewusste, professionelle Wettkampfsurfer sowie Anhänger einer aggressiv­nihilistischen Punkbewegung.[43] Analog zum Modell präsentatorisch-inszenatorischen Sports stehen die verschiedenen Stile im Feld der Surferkultur nach Ford/Brown in einem Zusammenhang mit feinen sozialen Unterschieden in der Gemeinschaft der Wellenreiter:

„The field of surfing therefore, is comprised of a number of sub-fields, all of which give values to the practiced, surfed body in subtly different ways and these manifest themselves through surfing styles. Moreover these sub fields’ have distinct practices, institutions and practicioners with subtle, but important, distinctions in their habitus that command different degrees of capital conversion.“[44]

Spannen Ford/Brown das Feld der Surfszene, entlang einer sehr direkten Integration der eigenlogischen und nur datums- und ortsbezogen gültigen BooTH’schen Surfstilistiken, als Gefüge von Sub-Feldern auf, so werden diese in der vorliegenden Arbeit nicht weiter als Sub-Felder sondern als stilistische Idealtypen des aktuellen Feldes verstanden, in dem sich die Aktiven nach heutiger (und je von ihrer eigenen Position im Feld abhängigen) Auffassung und Interpretation dieser historischen Figuren in Relation zu den verschiedenen Orten auf einer Art stilistischen Landkarte der Surfszene positionieren.[45]

Das von Ford/Brown beschriebene Verhältnis einer Position im sozialen Raum zu ihrer Position im relationalen Gefüge stilistischer Möglichkeiten des eigenlogischen Feldes ist dabei durch einen von Bourdieu so genannten „Übersetzungs- und Brechungseffekt“[46] gekennzeichnet, der aus einem eigenlogischen Modell für Erfolg und Ansehen im Feld resultiert, welches auch nur hier Gültigkeit besitzt. Je nach der Zusammensetzung seiner inkorporierten Dispositionen weist diese szeneeigene Ökonomie den stilistischen Aufführungen eines Akteurs symbolische Profite, in Form von Ansehen im Rahmen der Surferkultur zu. Diese eigenlogische Ökonomie wird im anschließenden Kapitel näher beleuchtet.

2.2.2. Die eigenlogische Ökonomie der Szene

Die Wellenreitszene wird wesentlich durch eine eigenlogische Ordnung bestimmt.

„The joy, peak experience and sheer pleasure of [...] surfing has prompted a cultural process of reflections and storytelling, through which practitioners have sought to make sense of their obsession and passion“[47]

In ihren Darstellungen konturiert sie sich gegenüber anderen kulturellen Feldern, beispielsweise dem politischen oder dem ökonomischen als relativ autonomes Feld.

„ [... ] status through economic capital is probably not a high priority for most surfers.“[48]

Dies zeichnet sich auch in nahezu allen Idealisierungen eines surferischen Lebensstils ab. Es wird das Ideal eines Vollzeitakteurs sichtbar, der sich - BOURDIEUs Beschreibung eines „freien Künstlers“ sehr ähnlich - seiner surferisch praktischen Tätigkeit total und ausschließlich widmet, der gesellschaftlichen Anforderungen und Ansprüchen und den Imperativen bürgerlicher Moral gegenüber gleichgültig bleibt und keine andere Bewertungsinstanz anerkennt als die spezifische Norm seiner Bewegungskunst und seines Umfelds.[49]

„ [... ] surfing subculture articulates a middle class myth of holiday leisure time spent in relaxation. The ,surfie’ appears to live a life of escape in the eyes of the individual trapped in a 48-hour-a-week job, and is given a certain status by his/her position as myth.“[50]

Surferische Stilisierungen und Ritualisierungen (siehe hierzu auch Kapitel 2.2.) führen sich dementsprechend als möglichst direkt und permanent auf den Ozean bezogen und an dessen Veränderungen angepasst sowie dessen Surfpotential optimal und möglichst virtuos ausnutzend auf.[51] Akteure, die einen solchen hardcore surfing lifestyle in ihrem Alltag glaubhaft als eine die gesamte Lebensführung einbindende Form hervorbringen, genießen im Rahmen der Szene höchstes Renomé als ernstzunehmende Surfer.[52] Derartiges Ansehen in der Szene kann mit Pierre Bourdieu als symbolisches Kapital des Hervorbringenden verstanden werden.

Es „besteht aus einem beliebigen Merkmal, [...] das wie eine echte magische Kraft symbolische Wirkung entfaltet, sobald es von sozialen Akteuren wahrgenommen wird, die über die zum Wahrnehmen, Erkennen und Anerkennen dieser Eigenschaft nötigen Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien verfügen: Ein Merkmal, das, weil es auf sozial geschaffene kollektive Erwartungen’ trifft, auf Glauben, eine Art Fernwirkung ausübt [..] “[53]

Diese als Glaube bezeichnete, kollektiv geteilte Erwartung innerhalb eines Feldes bezeichnet Bourdieu an anderer Stelle mit dem Begriff der illusio als das, „um was es bei diesem Spiel geht (also die illusio im Sinne von Spieleinsatz, Spielergebnis, Spielinteresse, Anerkennung der Spielvoraussetzungen - doxa)“[54]. Als praktischer Glaube der Feldakteure bezeichnet die doxa ein körperliches Verhältnis, eine leibliche Haltung des Glaubens gegenüber den Selbstverständlichkeiten eines Feldes. Sie ist „jenes unmittelbare Verhältnis der Anerkennung, das in der Praxis zwischen einem Habitus und dem Feld hergestellt wird, [...] also jene stumme Erfahrung der Welt als einer selbstverständlichen [...]“[55]. Diese Glaubenshaltung der Akteure, die eine symbolische Wirkung und ihre Kapitalisierungen im Feld erst ermöglicht, fußt nach Bourdieu wiederum auf die Ausbildung oder das Innehaben feldspezifischer Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien bei den Akteuren. Die Internalisierung der äußeren, materiellen und kulturellen Existenzbedingungen, der gegebenen Strukturen eines Feldes als hiermit verbundene Vorstellungen, Ansichten, Gefühle und Weltbilder in die Akteure erfolgt laut Bourdieu wesentlich auf körperlicher Ebene. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von der Inkorporierung sozialer Praxen und gesellschaftlicher Normen, in der der Leib eine speichernde Funktion übernimmt sowie als Medium und Agens fungiert.[56] Die „Einarbeitung“ in ein immer schon strukturiertes, kulturelles Feld erfolgt nach Gebauer/Wulf über praktisch mimetische Prozesse, mittels „Bewegungen, die auf andere Bewegungen Bezug nehmen“[57]. Mimesis meint hier jedoch nicht die direkte Reproduktion eines vorliegenden Modells, vielmehr ist es eine kreative Nachschöpfung realer oder möglicher Vorgänge, ritualisierter Handlungen, des umgangs mit Dingen, oder auch von Gesprächen und Personen. Sie vollzieht sich immer unter vorbewusstem Einbezug von Kriterien wie Anschaulichkeit, Wahrscheinlichkeit und Glaubhaftigkeit der eigenen Hervorbringung und ist aufgrund der individuellen Biografie eines jeden Akteurs gleichsam durch einen performativen Überschuss gekennzeichnet, der „etwas zur Aufführung [bringt, dass] es genau so noch nicht gegeben hat“[58].

So in der leidenschaftlichen[59] Auseinandersetzung mit dem Feld erworbenes körperliches Wissen[60] schreibt sich in die Dispositionen des Habitus der Akteure ein und repräsentiert sich nach Bourdieu zum einen äußerlich in ihrer körperlichen Haltung als hexis, die den Glauben an das Feld äußerlich sichtbar manifestiert.

„Die körperliche Hexis ist die realisierte, einverleibte, zur dauerhaften Disposition, zur stabilen Art und Weise der Körperhaltung, des Redens, Gehens und damit des Fühlens und Denkens gewordene [...] Mythologie“[61]

Zum anderen zeigt es sich in der Herausbildung eines spezifischen praktischen Sinns für das Feld:

Dieser leitet Entscheidungen „[..] die zwar nicht überlegt, doch durchaus systematisch und zwar nicht zweckgerichtet sind, aber rückblickend durchaus zweckmäßig erscheinen. Als besonders exemplarische Form des praktischen Sinns, als vorweggenommene Anpassung an die Erfordernisse eines Feldes, vermittelt das, was in der Sprache des Sports als Sinn für das Spiel (wie Sinn für Einsatz; Kunst der Vorwegnahme) bezeichnet wird, eine recht genaue Vorstellung von dem fast wundersamen Zusammentreffen von Habitus und Feld, von einverleibter und objektiver Geschichte, das die fast perfekte Vorwegnahme der Zukunft in allen konkreten Spielsituationen ermöglicht.“[62]

In Bezugnahme auf Szenen schreibt sich ein solcher Sinn nach THORNTON unter Formung subkulturellen Kapitals[63] in die Körper der Szeneakteure ein und liegt ihnen als strukturierende wie strukturierte Schemata der Perzeption und Performation vor.[64] So beschreiben Ford/Brown die Ausbildung eines surferischen Blicks, der abhängig vom Karrierepunkt des Surfers für relevante Aspekte der Surfer-Kultur ein entsprechend hohes Maß an Sensibilität und Differenziertheit in der Wahrnehmung bereithält.[65] Dieser Blick zielt über die Art und Weise der Betrachtung des Ozeans und seinen Wellenbedingungen und dem Erkennen und Bewerten von Virtuosität im Stil anderer beim Surfen hinaus auch auf Surfequipments und Kleidung dieser.[66] Ebenso ist er auf die medialen Repräsentationen der Szene und Markenzeichen ausgerichtet.[67] Solchen Wahrnehmungsschemata stehen nach Ford/Brown in der Szene ebenfalls surferspezifische Hervorbringungsqualitäten gegenüber, ein als performance capital bezeichnetes Vermögen an Virtuosität in der körperlichen Haltung und der Art und Weise des Kombinierens von Manövern beim Surfen in verschiedensten Wellenbedingungen.[68] [69] Dieses kommt zudem im szeneadäquaten Gebrauch von Surfersprache59, Musik[70], Gerätschaften und Kleidung[71] zum Tragen und bringt in den Aufführungen der Surfer einen mehr oder weniger prestigeträchtigen, individuellen, surferischen Stils hervor. Wiederum entlang individuell mehr oder weniger ausdifferenzierter surferischer Blicke verorten sich die Aufführungen im stilistischen Feld der Szene (siehe Kap. 2.1.1) bzw. in dessen Stil-Aristokratie.

In dieser Aristokratie sehen Gebauer hohen, noblen Stil „als das Gekonnte, Beherrschte, Elegante, das durch Leichtigkeit und Lässigkeit gekennzeichnet ist in einem Gegensatz zum Schwerfälligen und Bemühten, [...] in der die Könner das, was andere mit Bedacht und nach Vorschrift ausführen, in einen leichtfüßigen Tanz“[72] verwandeln. Jeder so als „Muster und Variation“[73] in einer Szene auftretende Stil verkörpert sich als Idealtyp in einer vorbildlichen, authentischen Person, um die „herum sich die anderen Mitglieder in konzentrischen Kreisen einordnen, bis hin zu den Positionen an der Peripherie“[74]. Nach Schmidt erfüllt die Stilisierung eines Akteurs einen solchen Authentizitätsanspruch in dem Maße, wie ihre Bedeutungen auch im Alltag gelebt und auch dort über emblematische Zugehörigkeitsdarstellungen ausgedrückt werden.[75] Darüber hinaus wird der Authentizitätsgrad einer praktischen Darbietung in seinen Augen danach gestaffelt, in wie weit das mehr oder weniger willentlich gestaltete Bricolage einer oberflächlichen, surferischen Fassade szenischer Komponenten’[76] in einer Passung zu den mitgebrachten sowie szeneintern bereits umgearbeiteten habituellen Tiefenstrukturen (Dispositionen) des Akteurs steht[77], bzw. in den Worten Hahns ausgedrückt: „Der Stil des äußeren Auftretens und Handelns durch das inkommensurable ,innere Sein’ gedeckt wird“[78].

Mit performativen Darbietungen auf der Folie eines derart aristokratisch stratifizierten Feldes stilistischer Möglichkeiten rangeln die Akteure in den szeneeigenen Machtstrukturen um Aneignung und Anerkennung symbolischer Profite in permanenten Akten symbolischer Legitimierung und Aufwertung der eigenen Stilposition gegenüber anderen Positionen bei gleichzeitiger Abwertung jener.[79] Das Feld der Szene ist damit zu jedem Zeitpunkt sowohl das Ergebnis von, als auch gleichzeitig die strukturelle Ausgangslage für „[...] struggle and competition for scarce resources and symbolic recognition related to the specific type of capital, that gouverns success in the field“[80]. Die Beständigkeit der Feldökonomie des Wellenreitens stützt sich auf die stilisierenden Aufführungen kollektiv-körperlich eingelagerter romantischer Verklärungen[81] in den leidenschaftlichen, peiformativen Praktiken seiner Akteure und „produziert als Profit für den, der die Euphemisierungs-, Verklärungs, Ausformungsakte vollzieht, ein Kapital an Anerkennung, das es ihm gestattet, symbolische Wirkung auszuüben“[82].

Um der Idee einer Gebundenheit jeglicher Praxis nicht nur an ihre soziale Formierung und ihren sozialen Sinn sondern auch an ihren sozialen Ort Rechnung zu tragen, skizziert das nachfolgende Kapitel wesentliche Eigenheiten des deutschen Szeneraums.

2.2.3. Besonderheiten des deutschen Szeneraums

Das am stärksten von anderen europäischen Surfszenen differenzierende Merkmal der deutschen Surfszene stellt die geografische Lage Deutschlands und seiner Küstenabschnitte dar. Abgesehen von wenigen Orten an der Ostsee und den Nord- und Ostfriesischen Inseln ist Deutschland von Meeresregionen abgeschnitten, die zum Surfen geeignete Wellen bereithalten.[83] Diese erreichen aufgrund der geringen Tiefe von Deutscher Bucht (Wattenmeer) und Ostsee nebst zu geringem Abstand von wellenproduzierenden Tiefdruckgebieten des Nordatlantik zumeist nur schwache und von auflandigen Winden zerwühlte Wellenfelder.[84] Alternativen finden sich Inlands in vereinzelten künstlichen[85] oder natürlichen[86] stehenden Wellen, die sich abhängig von Wassertiefe und -fließgeschwindigkeit durch Überströmung größerer Erhebungen (Steine, Wehre, etc) bilden.[87] Ungeachtet, im europäischen Vergleich, recht früher erster Surfaktivitäten von Sylter Rettungsschwimmern, die bereits Mitte der 60er Jahre auf


importierten französischen Brettern stattfanden und ein Jahrzehnt später sogar in die Gründung eines ersten Surfvereins mündeten[88], hat sich Wellenreiten in Deutschland im Wesentlichen als exotisches und abenteuerliches Urlaubsvergnügen etabliert, das stets mit einem Auslandsaufenthalt verbunden ist. Die inhaltliche Umgewichtung des etabliertesten deutschen Szenemagazins Surfers weg vom Thema Windsurfen hin zum Wellenreiten macht ein steigendes Interesse am Wellenreiten gegen Ende der 90er Jahre deutlich.[89] Trotz verschiedener Versuche des Magazins, Wellenreiten in Nord- und Ostsee[90] stärker zu betonen und ihre Protagonisten landesweit sichtbar zu machen, kommt dem Surfen auf deutschem Bundesgebiet gegenüber dem Wellenreiten auf Reisen weiterhin die Position einer Randerscheinung zu.

Beobachten lässt sich dies auch an institutionellen Rahmungen der deutschen Szene: Mit der Gründung eines deutschen Wellenreitverbandes (DWV) im Jahr 1991 durch verschiedene Vertreter deutscher Surfvereine und Inhaber deutscher Surfschulen in Frankreich, vollzieht sich ein vororganisierter Zugang zum Wellenreiten für Bürger der Bundesrepublik wesentlich über eine stetig wachsende Anzahl DWV-zertifizierter Surfcamps und -schulen.[91] Die Zertifizierung nimmt dabei sowohl Bezug auf das in einer Schule verwendete didaktische Konzept des DWV für Anfänger und Fortgeschrittenen als auch auf den Einsatz nach Verbandskonzept ausgebildeter Wellenreitlehrer[92] und ihrer Assistenten sowie der Verwendung verbandsseitig zulässiger Surfboards.[93] Deutschsprachige Surfschulen und -camps haben sich hiervon ausgehend teils mit, teils ohne Zertifizierung auf den gesamten europäischen Atlantikraum ausgebreitet und bilden mittlerweile ein globales Netzwerk.[94] Wellenreiten für deutsche Akteure findet sich in diesen Angeboten wie selbstverständlich mit Reise, Exotik und vereinsähnlichem Gruppenerleben verknüpft.[95]

Die Marginalität des Surfsports im geografischen Raum der BRD drückt sich auch in der Wahl des Austragungsorts der seit 1996 regelmäßig durchgeführten Deutschen Wellenreitmeisterschaften aus. Ebenfalls organisiert vom DWV finden sie nicht im Bundesgebiet sondern an der französischen Atlantikküste statt.[96] Surfer auf den oberen Platzierungen der deutschen Rangliste besitzen zwar einen deutschen Pass, verbringen ihr Leben und ihren Surfalltag jedoch außerhalb Deutschlands in unterschiedlichsten internationalen Küstenregionen.[97] Als virtuose Protagonisten der deutsche Szene bekräftigen sie diese als eine außerhalb der deutschen Landesgrenzen angesiedelte Gemeinschaft und fungieren als Leitbilder eines touristischen Selbstverständnisses deutscher Akteure.

Die Wellenreitszene verortet sich im Auge deutscher Akteure wesentlich außerhalb des Bundesgebiets und ermöglicht der überwiegenden Mehrzahl der Aktiven, abgesehen von wenigen Wochen im Jahr, eine lediglich imaginäre oder medial vermittelte Teilhabe an ihren Geschehnissen. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass deutsche Surfer bei ihren Gastauftritten in anderen Surfergemeinden eine untergeordnete Position am Surfspot einnehmen, die ihnen aufgrund ihrer zumeist geringen Ausstattung mit performance capital und einer diesbezüglichen Dominanz durch dort ansässige Akteure (sog. locals) den Genuss von hochwertigen Wellen und die Zuerkennung von Ehre und Ansehen verweigern. Die geografische Distanz zu qualitativ hochwertigen Wellen schlägt sich im Raum der globalen Szene in surferischen Darbietungen mit relativ geringer Virtuosität und geringerem Ansehen nieder, die deutschen Surfern nicht selten spürbar den Rang eines Wellenreiters zweiter Klasse verleihen. Parallel zur Praxisferne und ihren Effekten ist in Deutschland hingegen ein Angebot an kommodifizierten Gütern und medialen Darstellungen der Surfszene sichtbar, das dem anderer europäischer Surfgemeinschaften vor allem im Bereich Kleidung und Accessoires vergleichbar ist.

Verglichen mit meeresnahen Surfergemeinschaften zeigt sich ein Praxisdefizit im Alltag deutscher Szeneakteure. Gegenüber vis-à-vis Begegnungen von Akteuren, in praktischen Aufführung des Wellenreitens wird eine starke Dominanz von medial transportierten Symboliken, Emblemen und Bildern und damit Phänomenen des Ideellen als eine strukturelle Besonderheit des deutschen Szeneraums erkennbar.

[...]


[1] Unter dem Begriff Surfen (englisch: Surfing) wird in dieser Arbeit das stehende Abreiten von Brandungswellen auf einem dafür geschaffenen Gerät verstanden, ohne Segel oder andere Hilfsmittel. Synonym wird auch der deutsche Begriff Wellenreiten verwendet.

[2] Ein Neoprenanzug, auch Wetsuit genannt, ermöglicht durch seine wärmende Wirkung verlängerte Surfphasen, auch in kaltem Wasser. Siehe hierzu auch Kapitel 4.3.1..

[3] Unter dem Begriff werden in dieser Arbeit bewegungsorientierte Vergemeinschaftungsformen verstanden, die sich im Zuge der Herausbildung eines inszenatorisch-präsentatorischen Sportmodells im Konvergenzbereich von Sport- und Popkultur etabliert haben. Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S. 31ff.

[4] Siehe hierzu: Runia, P. / Wahl, F. / Geyer, O. / Thewißen, C. (2004): Marketing. Eine prozess- und praxisorientierte Einführung. München: Oldenbourg. S. 4.

[5] Mit dem Begriff Lebensstil wird in dieser Arbeit ein „relativ stabiles, regelmäßig wiederkehrendes Muster der alltäglichen Lebensführung verstanden, ein „Ensemble’ von Wertorientierungen, Einstellungen, Deutungen, Geschmackspräferenzen, Handlungen und Interaktionen, die aufeinander bezogen sind.“ (Geißler, R. (2002): Die Sozialstruktur Deutschlands. Die gesellschaftliche Entwicklung vor und nach der Vereinigung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. S. 126ff).

[6] Sprich: Faith-twenty-one, IPA: [féiG-twenti-wsn]. Nimmt der Zahlenteil des Namens, die 21 in Einbindung der Ortskennzahl Kapstadts Bezug auf den ideelen Entstehungsort der Marke in einem urbanen Kontext, so drückt sich im Wortteil Faith die Hoffnung aus, den zur Gestaltung des initialen Produktangebots der Marke hauptsächlich aus dieser Metropole stammenden Surfern, Künstlern und Grafikdesignern eine Sichtbarkeit in westeuropäischen Ländern zu ermöglichen. Siehe hierzu auch: Transkription 1, Sequenz 36.

[7] Bourdieu, P. / Wacquant, L. (1996): Reflexive Anthropologie. Frankfurt/M.: Suhrkamp. S. 262.

[8] Mit dem Begriff des Habitus werden inkorporierte Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungschemata bezeichnet. Siehe hierzu: Gebauer, G. / Krais, B. (2002): Habitus. Bielefeld: Transcript. S. 31f.

[9] Unter dem Begriff des Feldes werden differenzierte gesellschaftliche Bereiche verstanden, mit eigenen Ressourcen und eigenen Spielregeln für das soziale Verhalten innerhalb dieses Feldes, dessen Struktur auf die Verknüpfung des relationalen Gefüges seiner internen Positionen zurückzuführen ist. Siehe hierzu: Bourdieu, P. / Wacquant, L. (1996): S. 127.

[10] Hiermit soll jedoch keinesfalls suggeriert werden, dass die Surferkultur geschlechtsindifferent wäre. Siehe hierzu auch Kapitel 5.1..

[11] Bourdieu, P. (1992a): Rede und Antwort. Frankfurt/M: Suhrkamp. S.193.

[12] Ebd. S.195.

[13] Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S. 31.

[14] Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S.112.

[15] Siehe hierzu: Ebd. S. 32f.

[16] Ebd. S. 99.

[17] Bourdieu, P. (1986): Historische und soziale Voraussetzungen modernen Sports. In: Hortleder, G. / Gebauer, G.: Sport - Eros - Tod. Frankfurt/M.: Suhrkamp. S. 99.

[18] Ebd. S. 91.

[19] Bourdieu, P. (1985): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Frankfurt/M: Suhrkamp. S.7.

[20] Siehe hierzu: Bourdieu, P. (1992a): S.200.

[21] Bourdieu, P. (1986): S. 106f.

[22] Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S.112.

[23] Bourdieu, P. (1986): S. 106.

[24] Bourdieu, P. (1986): S. 112.

[25] Ebd. S. 112.

[26] Ebd. S. 112.

[27] „Stand-up surfing (as opposed to bellyboarding or kneeboarding) likely began around A.D. 1000 and was soon deeply integrated into Hawaiien culture, practiced by commoners and royalty, young and old, men, women and children.“ (Warshaw, M. (2005): The encyclopedia of surfing. San Diego: Harcourt. S. XIIV).

[28] Siehe hierzu: Lamprecht, M. / Stamm, H. (2002): Sport zwischen Kultur, Kult und Kommerz. Zürich: Seismo Verlag. S. 129.

[29] Ford, N. / Brown, D. (2006): Surfing and social theory. Experience, embodiment and narrative of the dream glide. Oxford: Routledge. S. 63.

[30] Gebauer, G. / Alkemeyer, T. / Boschert, B. / Flick, U. / Schmidt, R. (2004): Treue zum Stil. Die aufgeführte Gesellschaft. Bielefeld: Transcript. S. 63.

[31] Ebd. S. 63.

[32] Ebd. S. 58.

[33] Ebd. S. 64.

[34] Ebd. S. 64.

[35] Weiterführende Erläuterungen zum Begriff der Gemeinschaftsmotorik siehe: Gebauer, G. (2002): Sport in der Gesellschaft des Spektakels. St. Augustin: Academia. S. 162ff.

[36] Gebauer, G. / Alkemeyer, T. / Boschert, B. / Flick, U. / Schmidt, R. (2004): S. 65.

[37] Siehe hierzu: Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 68.

[38] Gebauer, G. / Alkemeyer, T. / Boschert, B. / Flick, U. / Schmidt, R. (2004): S. 65.

[39] Ebd. S. 65.

[40] Soeffner, H.-G. (1986): Stil und Stilisierung. Punk oder die Überhöhung des Alltags. In: Gumbrecht, H.

U. / Biermann, A. (Hrsg): Stil: Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen

Diskurselements. Frankfurt/M.: Suhrkamp. S. 318.

[41] Schmidt, R. (2002): S. 261f.

[42] Booth, D. (2003): Expression session. Surfing, style and prestige. In: Rinehart, R. / Sydor, S.: To the extreme. New York: University of New York. S. 316.

[43] Siehe hierzu: Booth, D. (2003): S. 316.

[44] Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 128.

[45] Die metaphorische Verwendung von Orten und Landkarte soll in diesem Zusammenhang den konstruierten Charakter des entwickelten, heuristischen Modells eines Stilfeldes der Szene betonen, das zwar auf einem theoretisch angebundenen, aber sehr fragilen empirischen Fundament aufgebaut wurde.

[46] Siehe hierzu: Bourdieu, P. (1999): Die Regeln der Kunst. Frankfurt/M: Suhrkamp. S. 349.

[47] Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 166.

[48] Ebd. S 76.

[49] Siehe hierzu: Bourdieu, P. (1999): S.127.

[50] Ford, N. / Brown, D. (2006): S 66.

[51] Siehe hierzu: Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 74.

[52] Siehe hierzu: Ebd. S. 76.

[53] Bourdieu, P. (1985): S. 173.

[54] Bourdieu, P. (1987): Sozialer Sinn. Frankfurt/M: Suhrkamp. S. 122.

[55] Ebd. S. 126.

[56] Siehe hierzu: Bourdieu, P. (2001): Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft. Frankfurt/M.: Suhrkamp. S. 192.

[57] Gebauer, G. / Wulf, C. (1998): Spiel - Ritual - Geste. Mimetisches Handeln in der sozialen Welt. Hamburg: Rowohlt. S. 11.

[58] Wulf, C. (2001): Einführung in die Anthropologie der Erziehung. Weinheim: Beltz. S. 257.

[59] Bourdieu beschreibt das leidenschaftliche Verhältnis von Akteur und Feld mit dem Begriff der libido, unterscheidet sie dabei jedoch von der biologischen libido undifferenzierter Triebe als sozial differenzierte und begründete Interessen die nur in Zusammenhang mit einem sozialen Raum existieren. Siehe hierzu: Bourdieu, P. (1985): S.143.

[60] Bourdieu verweist auf eine körperlich verankerte Wissensform, die er der cogito als rationales Wissen hinzustellt: „Was der Leib gelernt hat, das besitzt man nicht wie ein wiederbetrachtbares Wissen, sondern das ist man“ (Bourdieu, P. (1987): S. 135). Um keinen etablierten Entgegensetzungen von Geist und Körper, Explizitem und lmplizitem, Bewusstem und Unbewusstem und letztendlich zwischen theoretischem und praktischem Wissen und Handeln das Wort zu reden, wird Wissen und Entscheidungsfindung der Anbieter hier im Anschluss an Brümmer als zwischen eben diesen dichotomen Begrifflichkeiten oszillierend aufgefasst und als je nach Handlungsanforderung und entsprechendem Könnensstand geformt verstanden (siehe hierzu: Brümmer, K. (2009): Praktische Intelligenz. Überlegungen zu einer interdisziplinären Systematisierung. In: Alkemeyer, T. / Brümmer, K. / Kodalle, R. / Pille, T. (Hg): Ordnung in Bewegung: Choreographien des sozialen. Körper in Sport, Tanz, Arbeit und Bildung. Bielefeld: Transcript. S. 44f.).

[61] Bourdieu, P. (1987): S.129.

[62] Bourdieu, P. (1987): S.122.

[63] Die Vorsilbe ,sub’ entspringt Thorntons Arbeit in der britischen Subkulturforschung und betont den auf die Szene beschränkten Wertebereich dieses inkorporierten kulturellen Kapitals. Das inkorporierte kulturelle Kapital beschreibt das Produkt eines Verinnerlichungsprozesses von Kultur, das gegen die Aufwendung von Zeit akkumuliert wird und in körper- bzw. praxisgebundener Form vorliegt. Seine Weitergabe erfolgt ausschließlich auf dem Wege sozialer Vererbung und tradiert sich somit stets implizit und unsichtbar. Es umfasst Fertigkeiten und sozial angeeignete Lernvoraussetzungen wie Lesekompetenzen, Interesse für Mathematik, Kompetenzen, sich in öffentlichen Räumen zu bewegen, ein Musikinstrument spielen zu können oder sich beispielsweise mit Kunst auszukennen und im Bezug hierauf entsprechend artikulieren zu können (siehe hierzu: Bourdieu, P. (1992): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zu Politik und Kultur 1. Hamburg: VSA-Verlag. S. 55f.).

[64] Thornton, S. (2005): The social logic of subcultural capital. In: Gelder, K.: The subcultures reader. London: Routledge. S. 186.

[65] Siehe hierzu: Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 82.

[66] Siehe hierzu: Ebd. S. 82.

[67] Siehe hierzu: Wheaton, B./ Beal, B. (2003): Alternative Sport'Keeping It Real'. Subcultural Media and the Discourses of Authenticity in Alternative Sport. In: International Review for the Sociology of Sport 38. S. 174.

[68] Siehe hierzu: Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 77.

[69] Anmerkung des Autors: Hierzu siehe auch das Kapitel „surf slang“ in: Warshaw, M. (2005): The encyclopedia of surfing. San Diego: Harcourt. S. 590.

[70] Anmerkung des Autors: Surfer verorten sich auch über Musikkonsum in unterschiedlichen Unterräumen des Wellenreitens. Neben Musikrichtungen, die im Genre der Surfmusik (zu diesem Genre siehe auch das Kapitel „surf music“ in: Warshaw, M. (2005): S. 585ff.) zusammengefasst lässt sich auch mittels der alltäglichen Vorliebe für bestimmte Musikrichtungen eine szeneräumliche Zuordnung des Rezipienten bestimmen. Anhand einer spezifischen Performance und Stimme, eines Sounds und Rhythmus konturiert sich nach Schmidt eine je eigene Körperästhetik des musikalischen Genres, das sich durch spezifische Ensembles von Körperbewegungen und körperlichen Ausdrucksformen kennzeichnet und in den eingekörperten Dispositionen des Habitus eines sozial entsprechend strukturierten Körpers einen Resonanzboden findet. Aufgrund dieser körperlichen Affinitäten ,wählt’ ein Akteur einen entsprechenden Musikstil schon vorbewusst systematisch aus (Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S. 110.). In dem Fall, in dem die Körperästhetik der Musik die Rhythmik der bevorzugten Surfpraktiken reproduziert, kann sie mittels ihrer Korrespondenz zum Surfstil auch fern des Wassers zum körperlich spürbaren Ausdruck des jeweiligen Surfstils werden und in dieser Weise der Anreicherung einer authentischen surferischen Stilistik dienen. Die stimmige Koinzidenz von Musik und Bewegungspraxis findet sich vor allem in Surfvideos und anderen multimedialen Aufgriffen des Surfens genutzt und reproduziert.

[71] Siehe hierzu: Ford, N. / Brown, D. (2006): S. 66f.

[72] Gebauer, G. / Alkemeyer, T. / Boschert, B. / Flick, U. / Schmidt, R. (2004): S. 130.

[73] Ebd. S. 126.

[74] Ebd. S. 131.

[75] Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S. 273.

[76] Schmidt verweist in diesem Zusammenhang auf Goffmanns ,dramatologische’ Analysen körperlicher Ausdrucksformen und -strategien, gemäß derer die Akteure verschiedene szenische Komponenten der persönlichen Fassade (Kleidung, Haltung, Sprechweise, Gestik, Amtsabzeichen, etc.) im Rahmen ihrer Aufführungen zur strategischen Manipulationen des Umfelds anwenden. Siehe hierzu: Goffman, E. (2004): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. 2. Auflage. München: Piper. S. 25.

[77] Siehe hierzu: Schmidt, R. (2002): S. 285.

[78] Hahn, A. (1986): Soziologische Relevanz des Stilbegriffs. In: Gumbrecht, H.-U./Pfeiffer, K. L. (Hg): Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements. Frankfurt/M: Suhrkamp. S. 607.

[79] Siehe hierzu: Thornton, S. (2005): S. 191.

[80] Ritzer, G. / Goodmann, D. / Wiedenhoft, W. (2001): Theories of consumption. In: Ritzer, G. / Smart, B. (eds.) (2001): Handbook of social theory. London: Sage. S. 419.

[81] Hierzu Bourdieu: „Mit den unzähligen Akten des Anerkennens, diesem Eintrittsgeld, ohne das man nicht dazugehört, die ständig kollektive falsche Erkenntnis erzeugen, ohne die das Feld nicht funktioniert [...], investiert man gleichzeitig in das kollektive Unternehmen der Bildung symbolischen Kapitals, das nur gelingen kann, wenn unerkannt bleibt, wie die Logik des Feldes überhaupt funktioniert“ (Bourdieu, P. (1987): S.125).

[82] Bourdieu, P. (1985): S. 173.

[83] Siehe hierzu: Low Pressure (1998): The Stormrider Guide Europe. 3. Auflage. London: Low Pressure Publishing. S. 124f.

[84] Siehe hierzu: Ebd. S. 117f.

[85] In Deutschland gibt es diese künstlichen stehenden Wellen derzeit in Bad Tölz: http://www.alpamare.de/action-spass/indoor-surfen.html und auf der Insel Borkum: http://www.gezeitenland.de/index.php?sid=1064&ses=2de5560f9852e9e264509f8ee2b3db11.

[86] Die konstanteste und (auch international) bekannteste Flusswelle Deutschlands, die „Eisbachwelle“, findet man am Haus der Kunst im Englischen Garten in München, auf der seit über 26 Jahren gesurft wird. Siehe hierzu auch: Low Pressure (1998): S. 125.

[87] Siehe hierzu: Wave. Ausgabe 3. 1996. S. 90ff.

[88] Vergleiche Siehe hierzu: Leimann, Eric (2006): Nur das Meer die Welle und mein Brett: Die Geschichte des deutschen Wellenreitens. Nachspiel vom 13.08.2006. Deutschlandradio Kultur.

[89] Surfers Jg. 2002: Ausgabe 2. Hamburg: b&d Verlag. S. 7.

[90] Siehe hierzu die Beilage „Nordreport“ sowie begleitende Artikel in: Surfers Jg. 2002: Ausgabe 4. Hamburg: b&d Verlag.

[91] Siehe hierzu: http://surf-dwv.com/de/surfschulen/.

[92] Siehe hierzu: http://surf-dwv.com/de/ausbildung/.

[93] Siehe hierzu: http://surf-dwv.com/de/surfschulen/.

[94] Siehe hierzu: Blue. Ausgabe 2. 1996. S. 78.

[95] Die Juni Ausgabe des Magazins Surfers weist stets einen Sonderteil über global verteilte deutschsprachige Surfcamps aus. Siehe hierzu: Surfers Jg. 2005: Ausgabe 6. Hamburg: b&d Verlag. S.

[96] Siehe hierzu: http://www.surf-dwv.com/QGC_2008/?page_id=7.

[97] http://www.surf-dwv.com/QGC_2008/?page_id=897.

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Die Versprechen von Faith21 in der deutschen Wellenreitszene
Untertitel
Eine empirische Untersuchung kommerzieller Angebote in postmodernen Bewegungskulturen
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sportwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
119
Katalognummer
V164511
ISBN (eBook)
9783640796205
ISBN (Buch)
9783640795925
Dateigröße
2882 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wellenreiten, Surfen, surfing, Marketing, Marken, Bourdieu, Lebensstil, habitus, Marke, Sportsoziologie, Kultursozilogie, Praxistheorie, praktiken, soziale Praxis, Symbolische Wirkung, kulturelles Kapital, Subkulturelles Kapital, Performanz, Körper, Szenemarketing, szene, Sportszene, Akteur, Surfmarke, Surflabel, Surfmode, Kleidung, Surfboard, Street-Art, Urbanität, urban, Streetwear, Straßenkultur, street culture, performative Praxis, Gebauer, Robert Schmidt, Alkemeyer, Sport, Wellenreitszene, Surfszene, kulturelles Feld, Feld, eigenlogik, Symbolökonomie, symbolische Ökonomie, sozialer Raum, Popkultur
Arbeit zitieren
Oliver Ehlers (Autor), 2010, Die Versprechen von Faith21 in der deutschen Wellenreitszene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164511

Kommentare

  • Oliver Ehlers am 20.1.2011

    Arbeit wurde im Februar 2010 als "herausragende Abschlussarbeit im Fach Sportwissenschaft" an der CvO Universität Oldenburg prämiert.

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Titel: Die Versprechen von Faith21 in der deutschen Wellenreitszene



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