Dieser kleine Essay behandelt vorwiegend das Gottesbild im christlichen Abendland und geht nur marginal auf jenes in außereuropäischen Religionen ein. Im abendländischen Kulturkreis hat die damals nur katholische Kirche bis zum Beginn der Neuzeit, der etwa mit 1500 n.Chr. angesetzt wird, nicht nur die Religion, sondern auch alle Wissenschaften dominiert und so ein geschlossenes Weltbild geprägt. Seit der Zeit der großen Welt-Entdeckungen haben sich jedoch die sogenannten exakten Naturwissenschaften unaufhaltsam weiter entwickelt, während die christlichen Kirchen starr an den seit dem Mittelalter überlieferten Lehren und Dogmen festgehalten haben. Die Wissenschaft hat beginnend mit Galileo Galilei immer mehr Tatsachen entdeckt, die in diametralem Gegensatz zur kirchlichen Lehre gestanden sind. Dadurch hat sich das Weltbild aufgespalten in ein theologisches Gottesbild und ein davon gänzlich losgelöstes wissenschaftliches Weltbild, wobei beide Disziplinen vermeintlich ohne Wechselwirkung zwischen einander ihre eigene Suche nach der Wahrheit betrieben haben. Es soll nun versucht werden, ein neues Gottesbild, das nicht mehr im Widerspruch zur wissenschaftlichen Erkenntnis steht, zu entwickeln, so dass sich daraus zum ersten Mal wieder ein geschlossenes, die Metaphysik und die Physik gleichermaßen umfassendes Weltbild ergeben könnte.
Inhaltsverzeichnis
Geschichtlicher Rückblick
Gott als Schöpfer
Gott als Beschützer
Gott als Richter
Gott als Wundertäter
Der transzendente Gott
Das Gebet
Der Teufel
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die historische Entwicklung des christlichen Gottesbildes kritisch vor dem Hintergrund moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse zu hinterfragen und zu untersuchen, ob ein traditionelles Verständnis von Gott im heutigen Weltbild noch Bestand haben kann.
- Historische Wandlung des geozentrischen zum wissenschaftlichen Weltbild.
- Die Auflösung klassischer Gottesrollen wie Schöpfer, Richter und Wundertäter.
- Das Konzept der Transzendenz im Kontext des Atomzeitalters.
- Das Auserwähltheitsbewusstsein als psychologische Komponente religiöser Überzeugungen.
- Die Unvereinbarkeit von traditionellem Theismus und moderner Evolutionstheorie.
Auszug aus dem Buch
Gott als Schöpfer
Die fundamentale Rolle Gottes ist die des Schöpfers und Ursprungs von allem. Diese Funktion kann sich nur auf Objekte beschränken, die keinen anderen, in der Welt selbst liegenden, bekannten Ursprung haben.
Beispiel: wenn es unbekannt ist, wie ein Blitz entsteht, kann man einen Gott des Blitzes als Urheber von Blitzen annehmen. Sobald aber bekannt ist, dass Blitze durch elektrische Entladung von Wolken entstehen, wäre es unsinnig, einen speziellen Gott zum Urheber der Blitze zu erklären.
In analoger Weise wird die Funktion eines universalen Schöpfers immer mehr reduziert, je mehr die Entstehung der Welt und der Lebewesen auf natürliche, in der Materie selbst liegende physikalische oder evolutionäre Ursachen zurückgeführt werden kann.
Die Schöpfungslehre in Genesis 1 wird durch die neuere Kosmologie komplett widerlegt und in den Bereich des Mythos verwiesen. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde..." stimmt nicht nur in Bezug auf die Dauer von 6 Tagen nicht, sondern vor allem ist auch die Reihenfolge verkehrt. Nicht am 4. Tag nach der Erde sind die Sonne, Mond und die Gestirne entstanden, sondern die Erde ist erst lange nach den Fixsternen durch Zusammenballung von Gas und Staub entstanden. Im heutigen, relativistischen Weltbild wird zumindest die Hypothese aufgestellt, dass die gesamte Entwicklung des Universums nach dem Urknall ohne den Eingriff eines überirdischen Schöpfers nach rein physikalischen Gesetzen abgelaufen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Geschichtlicher Rückblick: Das Kapitel zeichnet den Wandel vom geozentrischen Weltbild der Antike hin zum modernen, relativistischen Universum nach und beschreibt, wie dieser Wandel das traditionelle Gottesbild unter Druck setzte.
Gott als Schöpfer: Es wird argumentiert, dass durch die wissenschaftliche Erklärung natürlicher Phänomene und der Evolution die Rolle Gottes als direkter Schöpfer obsolet wird.
Gott als Beschützer: Das Kapitel analysiert das religiöse Auserwähltheitsbewusstsein als menschliches Bedürfnis nach Sicherheit und Abgrenzung, das im globalen Weltbild seine Grundlage verliert.
Gott als Richter: Die ethischen Konzepte von Gut und Böse werden hinterfragt, wobei die Theodizee-Problematik als Konstrukt einer fehlerhaften, egozentrischen Perspektive entlarvt wird.
Gott als Wundertäter: Hier wird dargelegt, dass Wunder wissenschaftlich nicht haltbar sind und die moderne Physik die Existenz des Universums als natürliches, wenn auch staunenswertes Phänomen betrachtet.
Der transzendente Gott: Das Kapitel definiert Gott im Atomzeitalter als absolut transzendent und rein geistig, wodurch jegliche materielle Wirkung Gottes in der Welt ausgeschlossen wird.
Das Gebet: Das Gebet wird als zwischenmenschliches Kommunikationsmittel zur Konsensbildung über das Gottesbild interpretiert, statt als echte Interaktion mit einer göttlichen Person.
Der Teufel: Das Kapitel schließt, dass mit dem Wegfall des Bösen als Gegenpol zu einem personalen Gott auch die Personifizierung des Bösen in Gestalt des Teufels hinfällig ist.
Schlüsselwörter
Gottesbild, Weltbild, Evolution, Schöpfung, Wissenschaft, Transzendenz, Theodizee, Anthropisches Prinzip, Religion, Atheismus, Kopernikanische Wende, Ethik, Kosmologie, Auserwähltheit, Glaube
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation des abendländischen Gottesbildes und hinterfragt, ob religiöse Traditionen mit dem heutigen naturwissenschaftlichen Weltverständnis vereinbar sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Rolle Gottes als Schöpfer, Richter und Wundertäter, das Konzept der Transzendenz, das Phänomen des religiösen Auserwähltheitsbewusstseins sowie die Bedeutung des Gebets.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung eines neuen, widerspruchsfreien Gottesbegriffs, der den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften gerecht wird und den Abschied von anthropomorphen Gottesvorstellungen markiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Analyse sowie die Einbeziehung philosophischer und naturwissenschaftlicher Diskurse, um das christliche Gottesbild zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sukzessive die klassischen Rollen Gottes dekonstruiert und durch eine Betrachtung aus Sicht des evolutionären und relativistischen Weltbildes ersetzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Gottesbild, Evolution, Transzendenz, Wissenschaftlichkeit und die kritische Distanz zu religiösen Dogmen.
Wie verändert das moderne Weltbild die Rolle des Schöpfers?
Durch die naturwissenschaftliche Erklärbarkeit des Universums und der Lebensentstehung wird der Schöpfergott als notwendige Hypothese überflüssig, da alles Existierende als natürlicher Prozess begriffen werden kann.
Warum lehnt der Autor die Existenz von Wundern ab?
Der Autor argumentiert, dass Wunder subjektive Erlebnisse ohne objektive Verifizierbarkeit sind, die den modernen physikalischen Naturgesetzen widersprechen.
Ist das Gebet aus Sicht des Autors sinnvoll?
Das Gebet wird als Mittel zur zwischenmenschlichen Konsensbildung innerhalb einer Glaubensgemeinschaft gewertet, nicht jedoch als reale Kommunikation mit einem transzendenten Wesen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zum Problem des Bösen?
Das Böse wird als menschliches Konstrukt identifiziert; durch den Verzicht auf eine personale Gottesvorstellung entfällt die Theodizee-Problematik und damit auch die Notwendigkeit einer Teufelsfigur.
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- Dipl.-Ing. Wolfgang Baudisch (Author), 2011, Das Gottesbild im Wandel der Zeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164533