Schriftstellerische Werke sind neben der Phantasie und dem autobiographischen Einfluss des Autors immer auch Produkte der Zeit und ihrer Wechselwirkung mit dem Autor. Auf Thomas Mann hat in jungen Jahren auch die Philosophie Einfluss gehabt, die er selbst rezipierte. Prägend war seine Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche aber auch mit Arthur Schopenhauer.
Diese Einflüsse sind auch in seinen frühen Werken nachweisbar. In den Buddenbrooks gibt es beispielsweise eine Stelle, an der die Hauptfigur Thomas Buddenbrook selbst Schopenhauer liest. Diese Arbeit macht es sich zur Aufgabe, Arthur Schopenhauers Philosophie anhand des so genannten Schopenhauer-Essays von Thomas Mann darzustellen, zu betrachten und anschließend an Textbelegen in den Buddenbrooks zu zeigen, wie Schopenhauers Philosophie auf das Nobelpreiswerk wirkte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Arthur Schopenhauers Philosophie aus der Sicht von Manns Schopenhauer-Essay
1. 2. Platon als Grundlage
1.3. Kant als Vorgänger
1. 4. Synthese von Kant und Platon durch Schopenhauer
2. Thomas Mann trifft auf Schopenhauer
3. Das Schopenhauer-Erlebnis von Thomas Buddenbrook
3. 1. Thomas Buddenbrooks „Nacht der Erkenntnis“
4. Schopenhauer im Verhältnis zum Gesamtwerk „Buddenbrooks“
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Beeinflussung von Thomas Mann durch Arthur Schopenhauer und analysiert, wie diese Rezeption gezielt in den Roman "Buddenbrooks" integriert wurde, insbesondere in der Schlüsselszene von Thomas Buddenbrook.
- Analyse von Thomas Manns Schopenhauer-Essay.
- Darstellung der philosophischen Einflüsse von Platon und Kant auf Schopenhauer.
- Untersuchung des "Schopenhauer-Erlebnisses" der Figur Thomas Buddenbrook.
- Kritische Einordnung der Schopenhauer-Rezeption im Gesamtkontext des Romans im Vergleich zu Nietzsche.
Auszug aus dem Buch
1. Arthur Schopenhauers Philosophie aus der Sicht von Manns Schopenhauer-Essay
Thomas Mann betrachtet die Philosophie Schopenhauers als „hervorragend künstlerisch, ja als Künstlerphilosophie par excellence“(255) Laut Mann nimmt die Ästhetik darin ein volles Viertel ihres Umfangs ein, das Werk zeichnet sich durch Klarheit, Durchsichtigkeit und Geschlossenheit aus. Es wirkt durch Kraft, Eleganz, Treffsicherheit, einen leidenschaftlichen Witz und seinen Sprachstil. Alle diese wichtigen Aspekte bezeichnet Mann ganz im Schopenhauerschen Sprachstil als „Erscheinung“. Er fährt fort:
„...der notwendige und angeborene Schönheitsausdruck nur für das Wesen, die innerste Natur dieses Denkertums, eine spannungsvolle, emotionale, zwischen heftigen Kontrasten, Trieb und Geist, Leidenschaft und Erlösung spielende, kurzum dynamische-künstlerische Natur, die garnicht anders als in Schönheitsformen, nicht anders denn als persönliche, durch die Kraft ihrer Erlebtheit, Erlittenheit überzeugende Wahrheitsschöpfung sich offenbaren kann.“
Thomas Mann betont, dass gerade Künstler Anhänger der Philosophie Schopenhauers sind und nennt Tolstoi, Richard Wagner und neben Nietzsche den Dichter Georg Herwegh.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Thomas Manns frühen philosophischen Einflüssen ein und stellt die Zielsetzung der Arbeit vor.
1. Arthur Schopenhauers Philosophie aus der Sicht von Manns Schopenhauer-Essay: Dieses Kapitel erläutert, wie Thomas Mann das Werk Schopenhauers als künstlerisch wertvolle "Künstlerphilosophie" rezipiert.
1. 2. Platon als Grundlage: Hier wird der Einfluss von Platons Ideenlehre auf Schopenhauers Denken dargestellt.
1.3. Kant als Vorgänger: Dieses Kapitel beschreibt die Bedeutung von Kants Erkenntnistheorie für das Verständnis der Erscheinungswelt bei Schopenhauer.
1. 4. Synthese von Kant und Platon durch Schopenhauer: Hier wird die philosophische Leistung Schopenhauers beschrieben, Kant und Platon in seinem Begriff des "Willens" zu vereinen.
2. Thomas Mann trifft auf Schopenhauer: Die biographische Komponente von Manns eigener Lektüreerfahrung mit Schopenhauer wird thematisiert.
3. Das Schopenhauer-Erlebnis von Thomas Buddenbrook: Analyse der Schlüsselszene, in der die Romanfigur Schopenhauer liest und eine tiefe existenzielle Erschütterung erlebt.
3. 1. Thomas Buddenbrooks „Nacht der Erkenntnis“: Untersuchung der spezifischen Auswirkungen dieses Leseerlebnisses auf die Psyche und das Selbstverständnis der Hauptfigur.
4. Schopenhauer im Verhältnis zum Gesamtwerk „Buddenbrooks“: Dieses Kapitel diskutiert kritisch, inwieweit der gesamte Roman tatsächlich schopenhauerisch geprägt ist oder ob dies nur eine singuläre Episode bleibt.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Rolle von Schopenhauer im Vergleich zum stärker prägenden Einfluss Nietzsches auf den Roman.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Schopenhauer, Buddenbrooks, Philosophie, Willensmetaphysik, Nietzsche, Erkenntnistheorie, Ästhetik, Pessimismus, Literaturwissenschaft, Thomas Buddenbrook, Identität, Kunst, Platon, Kant
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Auseinandersetzung Thomas Manns mit Arthur Schopenhauer und deren Einfluss auf seinen Roman "Buddenbrooks".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Willensmetaphysik Schopenhauers, die Rezeption durch den Künstler Thomas Mann sowie die literarische Umsetzung dieser Philosophie in der Figur des Thomas Buddenbrook.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie Thomas Mann Schopenhauers Philosophie darstellt und inwiefern diese die Handlung und die Entwicklung der Hauptfigur im Roman "Buddenbrooks" beeinflusst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Thomas Manns "Schopenhauer-Essay" und dem Primärtext "Buddenbrooks" unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophischen Grundlagen bei Schopenhauer, die biografische Verbindung Manns zur Lektüre sowie die detaillierte Analyse der Lektüreszenen innerhalb der Romanhandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Thomas Mann, Schopenhauer, Buddenbrooks, Willensmetaphysik, Pessimismus und literarische Figurenanalyse charakterisiert.
Versteht die Romanfigur Thomas Buddenbrook Schopenhauers Philosophie korrekt?
Nein, der Autor deutet an, dass die Romanfigur Schopenhauer in eine für ihn persönlich nützliche Richtung umdeutet, die nicht mit dem philosophischen Kern des Werkes übereinstimmt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Nietzsche im Vergleich zu Schopenhauer?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss von Nietzsches Denken auf die Gesamtkonzeption des Verfalls im Roman "Buddenbrooks" stärker zu bewerten ist als der Einfluss Schopenhauers.
- Quote paper
- M. A. Silke Herzer (Author), 2010, Thomas Manns Schopenhauer-Rezeption mit besonderer Beachtung der "Buddenbrooks", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164568