Das vorliegende Buch umfaßt alle Beiträge zur Geschichte der bis 1909 selbständigen Gemeinde (Düsseldorf-)Heerdt, die ich zwischen 1975 und 2010 verfaßt habe; viele von ihnen wurden für diese Veröffentlichung überarbeitet; d.h. korrigiert und ergänzt. Thematisch gesehen dominieren Aufsätze zur Geschichte Heerdts im späten 18. und im 19. Jahrhundert, zur Gesamtproblematik der Eingemeindung Heerdts (d.h. der einzelen Ortschaften Heerdt, Lörick, Nieder- und Oberkassel) nach Düsseldorf zum 1.4.1909 - wobei höchst unterschiedliche Aspekte im Vordergrund stehen - und zum Heerdter Vereinsleben (dabei besonders zum Bürgerverein und zum Schützenverein) in Geschichte und Gegenwart. Methodisch gesehen handelt es sich überwiegend um Quellenanalysen, aber im Einzelfall auch um quellenunabhängige Texte wie z.B. die beiden Beiträge zum Selbstverständnis und zur Rolle von Bürgervereinen oder wie meine Ansprache zum Volkstrauertag 1983. Gelegentlich steht eine einzige Quelle im Mittelpunktk, so u.a. bei der Interpretation der Versteigerungsurkunde des Heerdter Hofes, bei der Analyse und Bewertung der Volkstrauertagsrede eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen oder bei der Interpretation dreier literarischer Texte. In der Regel aber dominieren Aufsätze, die zahlreiche Quellen zur Grundlage haben; hier seien nur die aus meiner Sicht wichtigsten genannt: die genaue Untersuchung des Abstimmungsverhaltens der 41 Heerdter Gemeinderatsmitglieder über die Eingemeindungsfrage und die beiden Aufsätze zum Heerdter Schützenverein. Da ich einer größeren Öffentlichkeit einige zumeist wenig vertraute und oft nicht leicht zugängliche Quellen bekannt machen möchte, haben sich manche kleineren Beiträge u.a.über preußische Gesetzgebung und Verwaltung, über die wirtschaftliche Bedeutung Heerdts zur Zeit der Eingemeindung und über die Pressemitteilungen zur ersten Kommunalwahl (1910) nach der Eingemeindung ergeben. Schließlich wird das Ganze durch die kritische Rezension einer Neuerscheinung über das linksrheinische Düsseldorf abgerundet. Ein reiches Bild- und Kartenmaterial veranschaulicht auch dem mit der Materie weniger vertrauten Leser wesentliche Inhalte der einzelnen Beiträge.
Inhaltsverzeichnis
Zur Einführung
I. Heerdt im 18. und 19. Jahrhundert
Zur Entwicklung der Heerdter Bevölkerung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert
Die Heerdter Gemeinde unter französischer Verwaltung
Der Heerdter Hof unterm Hammer
Dammdurchbruch und Staupenschlag. Zur preußischen und französischen Deichgesetzgebung für den Niederrhein vom letzten Drittel des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
II. Heerdt zur Zeit der Eingemeindung nach Düsseldorf
Heerdt vor 100Jahren. Zur Rekonstruktion eines Dorfes am Vorabend seiner Eingemeindung
Schritt fahren im Engpass. Preußische Verwaltung in Heerdt vor 100 Jahren
Die Eingemeindung von Heerdt am 1. April 1909. Historische, administrative und politische Gesichtspunkte
Die Abstimmung des Heerdter Gemeinderates über die Eingemeindung nach Düsseldorf vom 2.12.1908
Die Eingemeindung vom 1.4.1909: Vertrag und Gesetz – eine Dokumentation
Verfahrensrechtliche Abläufe im Zusammenhang mit der Eingemeindung der Landgemeinde Heerdt am Rhein vom 1.4.1909
Heerdts wirtschaftliche Bedeutung und Düsseldorf politische Zusagen – eine Dokumentation
Die Kommunalwahlen in Heerdt zur Zeit der Eingemeindung im Spiegel der Presse
III. Heerdter Bürger- und Schützenvereine
Aller Anfang ist schwer – Zur Gründung des Heerdter Bürgervereins vor 50 Jahren
„Tradition und Fortschritt“ – Gedanken zum Motto des Heerdter Bürgervereins
Zwischen Bürgerinitiative und Bezirksvertretung. Zur Situation und zum Selbstverständnis des Bürgervereins
Bürgervereine im kommunalpolitischen Vorfeld
Der Heerdter Schützenverein. Ein Rückblick auf die letzten 100 Jahre
Neue Studien zur Heerdter Vereinsgeschichte
IV. Heerdter Geschichte im Spiegel der Gegenwart
Kleine Kneipenkunde
Weder Schall nach Rauch – Die Heerdter Straßennamen
Heerdt im Spiegel seiner denkmalgeschützten Gebäude
V. Literarisches
Benedikt-Kippes-Weg in Heerdt. Bürgerverein Heerdt feiert 85. Geburtstag des Heimatdichters
Der russische Bär und der rheinische Fuchs – Benedikt Kippes als politischer Kommentator
Sprachspiele und tiefere Bedeutung. Bemerkungen zu Soumagnes „ne Hank-Wieser“
„Rückwärts blickend vorwärts schauen“. Bemerkungen zu Sinn und Funktion eines Zitats aus der Trivialliteratur
VI. Der Volkstrauertag in Heerdt
Ansprache zum Volkstrauertag am 13. November 1983
Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur – Persönliche Bemerkungen zum rechten Umgang mit dem Volkstrauertag
VII. Kritisches
Schwierigkeiten beim Schreiben einer Stadtteilgeschichte – 100 Jahre Düsseldorf linksrheinisch
Zielsetzung & Themen
Dieses Buch zielt darauf ab, die Geschichte der bis 1909 eigenständigen Gemeinde Heerdt umfassend aufzuarbeiten, indem es eine Vielzahl von überarbeiteten Beiträgen aus der Reihe „Heerdt im Wandel der Zeit“ versammelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse der historischen Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert, der komplexen Problematik der Eingemeindung nach Düsseldorf sowie der Bedeutung des Vereinslebens für die Identität des Stadtteils.
- Historische Entwicklung Heerdts im 18. und 19. Jahrhundert
- Prozess und politische Hintergründe der Eingemeindung 1909
- Geschichte und Selbstverständnis der Heerdter Bürger- und Schützenvereine
- Heerdt im Spiegel der Gegenwart (Kneipenkunde, Straßennamen, Baudenkmäler)
- Literarische und kritische Auseinandersetzung mit der Heerdter Identität
Auszug aus dem Buch
Der Heerdter Hof unterm Hammer
Im folgenden Aufsatz handelt es sich um den Verkauf des Heerdter Hofs zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Dabei sollen u.a. die Beteiligten an diesem Rechtsgeschäft, die Miet- und Pachtverhältnisse und die Preisvorstellungen genannt bzw. erläutert werden. Erstes Ziel dieser Untersuchung ist es, ein lokalgeschichtliches und ansonsten unbedeutendes Ereignis aus reinem Interesse an der Sache aufzuklären, aber zugleich den welthistorischen Zusammenhang mit den Umwälzungen der Französischen Revolution und der napoleonischen Eroberungspolitik und Herrschaft herzustellen. Da die dem Rechtsgeschäft zugrunde liegende Urkunde auf Französisch abgefasst und daher in unserem Sprachraum nicht jedermann direkt zugänglich ist, ergibt sich als zweites Ziel dieser Quellenbeschreibung und –interpretation ein für geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Untersuchungen typisches Verhältnis des Aufeinanderbezogenseins, des wechselseitigen Erklärens und Erhellens des seinerzeit Gesagten und Gemeinten.
Man könnte auch von einem fächerübergreifenden bzw. fächerverbindenden Projekt sprechen, das aufgrund der Tatsache, dass sich die französische Sprache in den genau 200 Jahren seit Abfassung der Urkunde selbst wiederum verändert hat, eine Anforderung an die Textinterpretation und Übersetzung darstellt, die nicht ohne besonderen Reiz ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Entwicklung der Heerdter Bevölkerung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert: Untersuchung der demografischen und sozialen Strukturen Heerdts unter Einbeziehung zeitgenössischer Statistiken und Verwaltungsschreiben.
Die Heerdter Gemeinde unter französischer Verwaltung: Analyse der administrativen Modernisierung Heerdts und der Veränderungen im lokalen Rechnungswesen unter französischer Herrschaft ab 1794.
Der Heerdter Hof unterm Hammer: Detaillierte Untersuchung der Verkaufsurkunde des Heerdter Hofes im napoleonischen Kontext sowie Erläuterung der damaligen Eigentumsverhältnisse.
Heerdt vor 100Jahren. Zur Rekonstruktion eines Dorfes am Vorabend seiner Eingemeindung: Rekonstruktion des dörflichen Lebens in Heerdt anhand von Adressbüchern und Kartenmaterial kurz vor der Eingemeindung nach Düsseldorf.
Die Eingemeindung von Heerdt am 1. April 1909. Historische, administrative und politische Gesichtspunkte: Darstellung der politischen Prozesse, Verhandlungen und sozialen Auswirkungen, die zur Eingemeindung Heerdts in die Großstadt Düsseldorf führten.
Schlüsselwörter
Heerdt, Düsseldorf, Eingemeindung, Lokalgeschichte, Französische Verwaltung, Schützenverein, Bürgerverein, Sozialstruktur, Rheinhochwasser, Deichgesetzgebung, Bevölkerungsstatistik, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Kommunalpolitik, Vereine.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Das Buch versammelt Beiträge zur Geschichte der bis 1909 selbständigen Gemeinde Heerdt, die zwischen 1975 und 2010 verfasst wurden und das lokale Leben von der napoleonischen Zeit bis in die Gegenwart beleuchten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben der politischen Geschichte, insbesondere der Eingemeindung, stehen das Vereinswesen (Bürger- und Schützenvereine), die Baugeschichte, lokale Denkmäler sowie die historische und kulturelle Identität des Stadtteils im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die lokalgeschichtliche Entwicklung Heerdts für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen, die oft schwer zugängliche Quellen zu kontextualisieren und eine umfassende Darstellung der Transformation von der selbständigen Landgemeinde zum Düsseldorfer Stadtteil zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird bevorzugt verwendet?
Der Autor arbeitet überwiegend mit Quellenanalysen. Dabei werden historische Dokumente wie Urkunden, Statistiken, Protokolle und offizielle Bekanntmachungen untersucht, erläutert und historisch eingeordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Epochen und Aspekte: Von der Situation Heerdts unter französischer Herrschaft über die Eingemeindung nach Düsseldorf 1909 bis hin zu aktuellen Vereinsgeschichten und städtebaulichen Entwicklungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heerdt, Eingemeindung, Lokalgeschichte, Vereinswesen, preußische und französische Verwaltung sowie die soziokulturelle Entwicklung des linksrheinischen Düsseldorfs.
Welche Rolle spielten die Heerdter Bürger- und Schützenvereine für den Stadtteil?
Sie dienten und dienen als soziale Bindeglieder und Interessenvertretungen gegenüber der Verwaltung. Der Autor beleuchtet ihre Gründung, Entwicklung und ihr Selbstverständnis über die letzten 100 Jahre, inklusive der schwierigen Zeit im Nationalsozialismus.
Warum widmet der Autor dem Thema „Deichgesetzgebung“ so viel Raum?
Das Rheinhochwasser war für die Heerdter Geschichte ein existentiell prägendes Thema. Die Deichgesetzgebung des 18. und 19. Jahrhunderts stellt die rechtlichen Grundlagen für den Schutz des Dorfes dar und ist daher ein kritischer Aspekt für das Überleben und die Entwicklung der Gemeinde.
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- Klaus Bahners (Author), 2011, Das linksrheinische Düsseldorf in Geschichte und Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164591