Bartolomé de las Casas im Kampf um Menschenrechte der Indios


Hausarbeit, 2010
20 Seiten, Note: 1,5
Dolce Vita (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Spanien zum Zeitpunkt der Entdeckung

II. Vom Encomendero zum Verteidiger der Indios
1. Das Encomienda-System
2. Zwei schicksalsbewegende Predigte
a. Die Predigt von Antonio Montesina
b. Die Predigt von Bartolomé de las Casas

III. Der Kampf um Menschenrechte
1. Die Verhandlungen mit Jiménez de Cisneros
2. Leyes Nuevas
3. Der Disput mit Juan Ginés de Sepúlveda

Schlussfolgerung

Literatur

Einführung

Bartolomé de las Casas wird oft als Vorkämpfer der Menschenrechte der Indios genannt. In dieser Arbeit soll bewiesen werden, ob diese Bezeichnung rechtmäßig ist oder nicht. Deshalb ist als erstes zu definieren, was überhaupt Menschenrechte sind.

Die Idee der Menschenrechte stellt eine neuzeitliche Transformation der Idee des Naturrechts dar. Las Casas war natürlich Mensch seiner Zeit, deshalb ist es auch wichtig zu verstehen, was er unter dem Begriff des Naturrechtes verstand. Das mittelalterliche Verständnis des Naturrechtes wurde durch drei wichtige Ansätze kennzeichnet: Natur als göttliche Schöpfung, als Kosmos und als Vernunft.

Das Verständnis des Naturrechts als geoffenbarter Wille des Schöpfers hinsichtlich der sozialen Beziehungen findet sich bei Las Casas in seinen früheren Arbeiten. So rechtfertigt er auf dieser Grundlage beispielsweise die Anwesenheit der Spanier in Amerika in Treinta proposiciones muy jurídicas und betrachtet es als selbstverständlich, dass der Papst von Christus selbst beauftragt ist, sich um die Heiden zu kümmern.

Dem zweiten naturalistischen Ansatz liegt die Überzeugung zugrunde, dass jeder Mensch von Natur aus und nicht durch Konvention mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet sei – unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Staatszugehörigkeit oder der Zeit und der Staatsform, in der er lebt. Dazu gehören das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit oder das Recht auf persönliche Freiheit. Zur Verteidigung der indianischen Ureinwohner betont Las Casas den engen Konnex von Mensch und Natur in den historischen Schriften Historia de las Indias und Apo1ogética Historia.

In den späteren Arbeiten zeigt sich eine zunehmende Vorrangstellung einer vernunftorientierten Naturrechtsauffassung. In diesem Zusammenhang ist der Traktat De thesauris zu nennen, dessen Thema die Eigentumsfrage der in Peru gefundenen Schätze ist und die Las Casas vorrangig mit der fehlenden Legitimation der spanischen Könige beantwortet und vielmehr die Inkaherrscher zu den wahren Besitzern erklärt. Diesen Wandel zum Rationalismus kann dadurch erklärt werden, dass in der Mitte des 16. Jahrhunderts mit primär theologischen Argumenten nicht mehr diskutiert werden konnte, sondern die Verteidigung der amerikanischen Ureinwohner vor allem mit juristisch-philosophischen Argumenten erfolgen sollte[1].

Einerseits ist die Biographie von Bartolomé de las Casas nur im Zusammenhang der politischen und ideologischen Umbrüche seiner Zeit zu verstehen. Deshalb werde ich eine kurze Einführung in die Geschichte Spaniens zur Zeit der Entdeckung von Amerika machen. Andererseits stehen seine Werke in enger Verbindung mit seiner Biographie, sind sogar oft direkte Auslegung der persönlichen Erlebnisse. Aus diesem Grunde werde ich seinen Lebenslauf vorstellen, wobei ich bei den im Kampf um Menschenrechte entscheidenden Momenten Argumente aus seinen Schriften anbringen werde.

I. Spanien zum Zeitpunkt der Entdeckung

Spanien zu Beginn des 15. Jahrhunderts stellte noch kein politisch einheitliches Gebilde dar. Einerseits herrschte ein politisches Zerwürfnis innerhalb des christlichen Reiches, denn Portugal, Navarra, Aragón und Kastilien standen in jahrhundertlanger Rivalität zueinander. Andererseits bestand noch das maurische Reich von Granada im Süden.

Die Iberische Halbinsel, außer Portugal und Navarra, wurde von nun an von einer Hand regiert. Bald darauf folgte auch das Königreich Granada. Diese südliche Provinz war wegen ihres Bodens und eines gut funktionierendes Bewässerungssystems ausgesprochen fruchtbar. Die Stadt Granada selbst galt als ein kulturell und intellektuell bedeutendes Zentrum der damaligen Zeit. Außerdem ging die religiöse und wissenschaftliche Toleranz der maurischen Gesellschaft so weit, dass selbst christliche und jüdische Gelehrte in den intellektuellen Kreisen Granadas Platz finden konnten. Das alles bedeutete für die Christen im Norden Spaniens eine ständige Provokation. Doch hielten sich beide Seiten zunächst neutral, bis 1481 der maurische König die Tributzahlungen einstellte. Es begann die fast zehn Jahre andauernde kriegerische Auseinandersetzung, bis 1491 der maurische König Boabdil kapitulierte. Die Rückeroberung der Iberischen Insel aus den Händen der „Ungläubigen“ wurde vollzogen.

Doch beschränkten sich die Katholischen Könige nicht nur auf ein rigoroses Vorgehen gegen die „Ungläubigen“, auch die mächtige katholische Kirche bekam den Herrschaftsanspruch von Isabella und Ferdinand zu spüren. Das Königspaar entzog der Kirche schon bald die zivile Gerichtshoheit und ließ Teile des Kirchenvermögens einziehen. Und der Klerus wurde sogar angewiesen, seinen bisweilen relativ lockeren Lebenswandel zu korrigieren. Doch spielten in diesem Zusammenhang nicht nur Machtfrage eine entscheidende Rolle, sondern auch die Persönlichkeit der Königin Isabella. Sie war eine überaus religiöse Frau, die die asketischen Ideale nicht nur selbst befolgte, sondern sie auch von anderen forderte.

Der politische und religiöse Erfolg der Reconquista brachte mit sich auch viele ökonomische Auswirkungen. Der Handel, spezielle mit dem Nahen und Fernen Osten, verzeichnete im 15. Jahrhundert einen immensen Aufschwung: Gewürze, Duftstoffe, Textilien waren äußerst gefragt, aber nur schwer zu bekommen. Eine überseeische Handelsreise war zu dieser Zeit nicht nur gefährlich, sondern auch durch lange Transportwege sehr umständlich. Nicht zuletzt aus diesen Gründen suchten Handelskaufleute wie Kolumbus nach neuen kürzeren Überseerouten. Das Goldfieber kennzeichnet diese Zeit, denn für internationalen Handel brauchte man Gold oder andere Edelmetalle. Goldfunde in Afrika brachten enormen Profit. Dieses Gold wurde entweder direkt in Münzen umgeschmolzen oder nach Spanien transferiert, wodurch die iberischen Hafenstädte, besonders Sevilla und Cádiz, ihre große Blütezeit erlebten.

Im Jahr 1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Spanien, das gegenüber Frankreich und Portugal, mit denen es um die Vorherrschaft in Europa konkurrierte, erhielt einen großen Vorsprung. Darüber hinaus verband sich das spanische Herrscherhaus durch Heirat der Tochter der Katholischen Könige Johanna mit dem österreichischen Herrscherhaus Habsburg. Dieser Zusammenschluss des spanischen Reiches mit den Habsburgern besiegelte die politische Vorherrschaft Spaniens über Europa. Nach dem Tod des Gemahls von Johanna, wurde ihr Sohn Karl V. zum König von Spanien. Er fasste sein Kaisertum streng katholisch auf und wurde darum im Bündnis mit dem Papst zum mächtigen Gegenspieler der aufsteigenden Protestanten.

Die Entdeckung Amerikas sprengte den bisherigen Horizont nicht nur geographisch. Das trug zu der Verbreitung des Renaissance-Humanismus mit seinen charakteristischen Merkmalen der Entdeckungsfreude und des Wissensdurstes umso mehr bei. Die Erkenntnis, dass die Erde eine Kugel ist, die um die Sonne kreist und nicht Mittelpunkt des Universums ist, widersprach der Lehre der katholischen Kirche und erschütterte ihre Macht. Die Stimmen der ersten Reformatoren wurden immer lauter. Der Kampf der katholischen Kirche gegen Andersdenkende, in diesem Fall Protestanten, prägte Europa des 15. Jahrhunderts. In diesem Kampf stellte der neu entdeckte Kontinent mit seinen „ungläubigen“ Einwohnern ein sozusagen Experimentlabor dar – die Evangelisierung Amerikas und der Aufbau des spanischen Kolonialreiches dort waren von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Machtstellung der katholischen Kirche[2].

II. Vom Encomendero zum Verteidiger der Indios

In diese bewegte Zeit hinein wird Bartolomé de las Casas geboren. 1484 erblickte er in der andalusischen Hauptstadt Sevilla das Licht der Welt. Von den Geschehnissen der Zeit wurde die Familie las Casas direkt berührt: 1493 segelt der Vater des jungen Bartolomé mit Kolumbus nach Amerika. Bei seiner Rückkehr bringt er seiner Familie sogar einen Indiosklaven mit. Schon kurze Zeit später reist Pedro de las Casas erneut in die Neue Welt, wo sich seine Spuren verlieren.[3] In diesen Jahren wächst Bartolomé in Sevilla auf. Ob er seine Ausbildung an der Universität von Sevilla oder in Salamanca bekommen hat, ist umstritten. Aus seinen gründlichen Jura- und Lateinkenntnissen schlussfolgernd, hat er ein Jura- und Theologiestudium gemacht. Vor allem das Jurastudium ist dabei für seine weitere Entwicklung und die Art und Weise der Behandlung der sich darbietenden Fragestellungen im Kontext der Eroberung Lateinamerikas von überragender Bedeutung gewesen.

1502 ließ er sich, noch nicht ganz achtzehn Jahre alt, als Conquistador für die neuentdeckten Länder anwerben, den Traum vieler bürgerlicher Geschäftsleute vom schnellen Reichtum im Seehandel teilend. Dasselbe Jahr brach er nach Hispaniola auf – das Tor zum neuentdeckten Kontinent. Las Casas wurde Berater des Gouverneurs Nicolás de Ovando und bekam als Belohnung für die erfolgreiche Teilnahme an mehreren militärischen Aktionen in der Nähe von La Concepción de la Vega eine Encomienda zugeteilt.[4]

1. Das Encomienda-System

Die amerikanischen Encomiendas waren nach dem Prinzip der schon aus dem Mittelalter bekannten Feudalbeziehungen organisiert[5]. Encomienda war ein dem Conquistador zugeteilte Landgut, auf dem die von jedem Häuptling zur Verfügung gestellten Indios auf den Feldern oder in Goldminen arbeiteten. Der Conquistador verpflichtete sich für den Schutz und Missionierung seiner Arbeitskräfte.

Die erste gesetzliche Grundlage fand dieses System in einem Erlass der Königin Isabella von 1503, in dem sie ordnete, den Konquistadoren sehr große Landgüter mitsamt der darin lebenden indigenen Bevölkerung treuhänderisch zu übertragen.[6] Lehnsherr der indigenen Bevölkerung war formal das spanische Königspaar. Um den Einfluss der Krone zu sichern, wurden Encomiendas anfangs nur für eine Generation vergeben, waren also nicht erblich.

In der Versammlung von 1512-1513 in Burgos gingen neue Gesetze, die Leyes de Burgos, hervor. Nach diesen waren die indigenen Einwohner der Encomiendas grundsätzlich frei und nicht Eigentum der Encomenderos, also keine Sklaven. Sie konnten zur Arbeit gezwungen werden, mussten aber - in Geld oder Naturalien - entlohnt werden.[7]

[...]


[1] Eggensperger, Thomas: Der Einfluss des Thomas von Aquin auf das politische Denken des Bartolomé de las Casas, S. 169-171

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Spaniens

[3] Eggensperger, Thomas / Engel, Ulrich: Bartolomé de las Casas. S. 39

[4] Bordat, Josef: Bartolomé de las Casas. Kritiker der Conquista und Vater des Völkerrechts, S. 8

[5] Eggensperger, Thomas / Engel, Ulrich: Bartolomé de las Casas. S. 38

[6] Eggensperger, Thomas / Engel, Ulrich: Bartolomé de las Casas. S. 42

[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Agrarstrukturen_in_Lateinamerika#Encomienda-System

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Details

Titel
Bartolomé de las Casas im Kampf um Menschenrechte der Indios
Hochschule
Universität Trier
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V164672
ISBN (eBook)
9783640796953
ISBN (Buch)
9783640797233
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bartolomé de las Casas, Menschenrechte der Indios, Indios, Las Casas, Menschenrechte, Eroberung Amerikas, Menschenrechte der Indianer, Indianer, Evangelisierung, Neue Welt
Arbeit zitieren
Dolce Vita (Autor), 2010, Bartolomé de las Casas im Kampf um Menschenrechte der Indios, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164672

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